Radioaktive Abfälle: Eine unendliche Geschichte?

Weltweit ist noch kein einziges Endlager für hoch radioaktive Abfälle in Betrieb. Auch in der Schweiz läuft die Suche bereits seit 40 Jahren – mit mässigen Fortschritten…

Atomstrom ist sauber – sagen zumindest die AKW-Befürworter. Aber keine Energie erzeugende Methode hinterlässt so hochgefährliche Abfälle wie die Kernspaltung in AKWs. Zum Vergleich: Im Wasser, welches eine Turbine antreibt, kann man genauso unbesorgt baden wie man sich im Wind die Haare trocknen lassen kann, welcher eine Windturbine antreibt.

Ein langer Weg

Nur mit den ausgebrannten Brennstäben aus den AKWs, aber auch den radioaktiven Abfällen von Medizin, Industrie und Forschung, ist das nicht so einfach. Sie fallen seit der Erforschung der Kerntechnologie in den 1950er Jahren, aber vor allem seit der Inbetriebnahme der fünf Schweizer AKWs aber dem Jahre 1969 an.

Nicht zu vergessen sind die Materialien, welche beim Rückbau kerntechnischer Anlagen anfallen. Vom relativ bescheidenen Versuchsreaktor im waadtländischen Lucens entstanden dabei beispielsweise 250 Fässer, welche heute im Zwischenlager in Würenlingen auf ein endgültiges Lager warten.

Atommüll-Produzenten

«Produzenten» der schwach- und mittelaktiven (SMA) sowie der hochaktiven Abfälle.
Quelle: Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI

Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) wurde 1972 von den Verursachern radioaktiver Abfälle ins Leben gerufen. Ihr Auftrag ist es, «Lösungen für eine sichere, dem Menschen und der Umwelt verpflichtete Entsorgung in der Schweiz zu erarbeiten und zu realisieren.»

Seit ihrem Bestehen hat die Nagra schon viel unternommen um entsprechende Lösungen zu finden. Doch erst vor fünf Jahren konnte sie den so genannten «Entsorgungsnachweis» nicht nur bloss für schach- und mittelaktive, sondern auch für hochaktive Abfälle erbringen.

Dieser Nachweis ist weder irgendeine Bewilligung noch ein Standortentscheid für ein Endlager. Vielmehr wird damit «nur» der Nachweis erbracht, dass die Entsorgung radioaktiver Abfälle in einer bestimmten geologischen Schicht «grundsätzlich machbar» sei.

In einer zweiten und dritten Etappe geht es noch bis mindestens 2016 darum, konkrete Standorte für je ein Endlager von schwach- und mittelaktiven Abfällen einerseits und hochaktiven Abfällen andererseits zu bezeichnen und deren Eignung weiter zu prüfen. Unter Umständen wird auch noch das Referendum ergriffen, sodass es auch noch zu einer Volksabstimmung kommt.

Mit dem Bau, einschliesslich Felslaboren, ist frühestens ab 2019 zu rechnen. Im günstigsten Fall steht das Endlager für schwach- und mittelaktive Abfällen im Jahr 2030 bereit, jenes für hochaktive Abfälle im Jahr 2040.

Risiken klein halten – Abfallmenge klein halten

Ob wir es wollen oder nicht: Irgendwo hin müssen diese Abfälle hingebracht werden. Fest steht, dass wir diese Abfälle in der Schweiz «entsorgen» müssen und das dies über ein Tiefenlager geschehen soll.

Fest steht auch, dass der Endlager-Bedarf umso grösser ist, je länger Atomstrom produziert wird und je mehr AKWs gebaut und später wieder rückgebaut und entsorgt werden müssen. Fest steht auch, dass der Umgang mit radioaktiven Abfällen risikoreicher ist, je mehr davon vorhanden ist. Wir täten darum gut daran, diese Mengen so klein wie möglich zu halten.

Dies gilt umso mehr, als dass es trotz dem oben angesprochenen Entsorgungsnachweis keine absolute Sicherheit gibt, dass diese tief im Boden verbuddelten Abfälle während den nächsten ein Millionen Jahre «unberührt» bleiben. Dieser Zeitraum ist notwendig, bis die hochaktiven Abfälle ungefährlich sind.

Die AKW-Befürworter argumentieren, dass eine Million Jahre im Vergleich zum Alter der Erde ein Klacks seien. Was bei dieser Argumentation ausgeblendet wird, ist, was in einer Million Jahre alles geschehen kann.

Der nachfolgende Beitrag des «WDR» zeigt dies deutlich auf:

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