100 Prozent Natur

Warum es so leicht fällt, auf AKWs zu verzichten: Es gibt Alternativen! Sie sind gefragter denn je. Den Stromkonzernen schwimmen derweil die Felle davon – und sie scheinen es nicht zu merken…

Wer unabhängiger von Energiequellen sein will, welche auf unserem Planeten nur beschränkt vorhanden sind, der gelangt zwangsläufig auf die erneuerbaren Energien. Mit ihnen werden Energiequellen genutzt, welche Teil des gesamten Lebenszyklus sind. Gäbe es sie nicht mehr, dann gäbe es bald auch kein Leben mehr auf der Erde.

Altbekannt

Viele rümpfen ob den erneuerbaren Energien manchmal die Nase und glauben, dass das nur etwas für unverbesserliche, idealistische Öko-Freaks sei. Vergessen geht dabei, dass diese Quellen die Menschheit schon seit Jahrhunderten mindestens indirekt nutzt.

Ein Beispiel hierfür sind alte Häuser. Sie bestanden nicht nur aus meterdicken Steinmauern, welche von der Breite her der Isolation heutiger Minergie-Häuser ähnelt. Sie wurden vor allem alle nach Süden ausgerichtet. Gleichzeitig befanden sich im Norden keine oder höchstens kleine Fenster, ganz im Gegensatz zur Südseite. Man wusste also schon damals in gewisser Weise die Energie der Sonne zu nutzen.

Auch Windenergie ist nichts Neues. Sie wird auch nicht erst seit dem Bau von Windmühlen genutzt, so wie wir das vor allem von den Niederlanden her kennen. Man machte sich ihr vor allem zur Erkundung der Welt zu nutze. Ohne Wind hätte es ein Christoph Kolumbus nie nach Amerika geschafft, er wäre wohl heute noch am Rudern.

Was die Windmühlen in den Niederlanden waren, das waren die Wassermühlen bei uns. Sie erleichterten manchem Müller das Mahlen des Weizens, einer der wichtigsten Grundstoffe für die damalige Ernährung.

Nur eine Quelle für erneuerbare Energien geriet nicht so sehr in Vergessenheit wie die anderen: Holz. Es ist wohl auch jene Quelle, die für den Menschen am ehesten und am direktesten wahrnehmbar war und die praktisch immer, auch in Notzeiten, zur Verfügung stand – selbst wenn das eigene Mobiliar für etwas Wärme verfeuert werden musste.

Pionierleistungen

Nein, erneuerbare Energien sind nichts Neues. Wir haben sie nur vergessen, weil andere «eingesprungen» sind und uns mit Energiequellen versorgten, die nichts mehr mit Sonne, Wasser, Wind oder Holz zu tun hatten. Dafür stehen wir nun in deren Abhängigkeit.

Mit der Frage der zukünftigen Energiequellen erlangen diese «alten» Energielieferanten wieder mehr an Bedeutung. Ganz verschwunden sind sie nie, wie beispielsweise das nachfolgende Video zeigt:

Dieses Video stammt aus dem Jahre 1989! Dank Pionierarbeit durch Josef Jenni war es also schon vor über 20 Jahre möglich, ein Haus ohne externe Energiequellen und ohne Komforteinbussen beheizen und mit Strom versorgen zu können.

Und was ist seitdem geschehen?

Nichts. Oder fast nichts. Ein grosser Boom nach derartigen Anlagen brach fünf Jahre nach Inbetriebnahme des jüngsten Schweizer AKWs und drei Jahre nach Tschernobyl leider nicht aus.

Das heisst, das Wissen und die Technologie für Alternativen wären schon lange vorhanden, nur werden sie nicht genutzt. Studien haben auch schon längst belegt, dass dass mit erneuerbaren Energien der zukünftige Strombedarf gedeckt werden könnte – wenn man denn wollte.

Nicht zwingend teurer

Grund für die beschränkte Nutzung erneuerbarer Energien in der Vergangenheit dürften die bisher hohen Kosten gewesen sein – oder der aus verschiedenen Gründen zu billige Schweizer (Atom-)Strom. Gemäss AKW-Befürwortern gehören die Schweizer Strompreise heute zu den günstigsten. Überrascht es da, dass man beispielsweise in Deutschland oder Österreich wesentlich weiter ist in Sachen erneuerbare Energien?

Und: Nicht immer sind erneuerbare Energien teurer, wenn man genau hinschaut. Schauen Sie hier einmal genau hin:

300 Megawatte sollen diese 100 Windturbinen für 1,2 Milliarden Schweizer Franken liefern. Dies mag zwar «deutlich weniger als ein Atomkraftwerk» sein, wie die Sprecherin sagte. Doch auch die Baukosten betragen deutlich weniger als ein Atomkraftwerk, was die Sprecherin nicht sagte.

Der Ersatz des AKW Mühleberg soll 1600 Megawatt Strom liefern. Dies soll gemäss AKW-Befürwortern fünf bis sechs Milliarden Schweizer Franken kosten, andere sprechen gar vom Doppelten. Will man nun mit Windturbinen die gleiche Leistung erreichen und rechnet man das hoch, dann kämen die Baukosten auf 6,4 Milliarden Schweizer Franken zu stehen. Das ist angesichts der eher zu tief angesetzten Kosten für ein AKW durchaus konkurrenzfähig.

Erneuerbare im Aufwind

Spätestens seit mit der kostendeckenden Einspeisevergütung den Erneuerbaren teilweise etwas unter die Armee gegriffen wird, tut sich etwas, wie die nachfolgenden Statistiken deutlich aufzeigen:

Solarstromproduktion von 1989 bis 2009 (Quelle).

Windstrom-Produktion von 2000 bis 2010 (Quelle / Quelle)

Eindrücklich ist dabei auch das JugendSolarProjekt von Greenpeace Schweiz: Auf dem Dach eines Viehstalls wurde im letzten Jahr mit 1885 m2 die grösste Photovoltaik-Anlage der Schweiz gebaut. Diese produziert so viel Strom wie durchschnittlich etwa 65 Schweizer Haushalte pro Jahr benötigen.

Eindrücklich ist dabei nicht nur die Fläche an sich, sondern der Umstand, dass ein Viehstalldach ausreicht, um 65 Haushalte mit Strom zu versorgen. Und Viehstalldächer, wie auch ganz normale Dächer, gäbe es in der Schweiz einige…

Trend nicht erkannt

Diese positive Entwicklung zugunsten erneuerbarer Energien findet nur mit beschränkter Beteiligung der Stromkonzerne statt. Sie begnügen sich offensichtlich aus Image-Gründen mit einigen Prestige-Projekten (zum Beispiel beim Wankdorf-Stadion) und versteifen sich weiterhin auf die Förderung der risikoreichen Atomenergie. Sie haben den Trend nicht erkannt – noch nicht.

Mit diesem Verhalten des Ignorierens geben sie all jenen Auftrieb, die nicht so recht an eine Zukunft mit Atomenergie glauben und die Zügel lieber selber in die Hand nehmen. Und davon gibt es immer mehr.

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