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	<title>Augenreiberei, die; -, -en &#187; Frau Habermacher</title>
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		<title>Ein augenreibendes Jahr</title>
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		<pubDate>Wed, 05 May 2010 12:34:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Titus Sprenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frau Habermacher]]></category>
		<category><![CDATA[In eigener Sache]]></category>
		<category><![CDATA[Augenreiberei]]></category>
		<category><![CDATA[Blogging]]></category>
		<category><![CDATA[Blogs]]></category>

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		<description><![CDATA[Völlig unverhofft – wie immer bei Frau Habermacher, Hausfrau, Mutter und Nachbarin zur Augenreiberei – klingelte es heute morgen an der Tür. Nun sitzen wir da, eine Tasse Tee vor uns, und führen ein Zwiegespräch…]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Völlig unverhofft – wie immer bei <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5hdWdlbnJlaWJlcmVpLmNoL2NhdGVnb3J5L2ZyYXUtaGFiZXJtYWNoZXIv" target=\"_self\">Frau Habermacher</a>, Hausfrau, Mutter und Nachbarin zur Augenreiberei – klingelte es heute morgen an der Tür. Nun sitzen wir da, eine Tasse Tee vor uns, und führen ein Zwiegespräch…</strong></p>
<p>«Bringt das was?»</p>
<p>«Was?», frage ich zurück.</p>
<p>«Na das… wie nannten Sie es doch gleich? Blocken?» und deutet mit dem Kopf in Richtung meines Bildschirms, auf dem eindeutig mein Blog zu sehen ist.</p>
<p>«Sie meinen bloggen?»</p>
<p>«Genau! Bloggen.»</p>
<p>«Na ja…» beginne ich zögerlich.</p>
<h6><span id="more-4691"></span></h6>
<p>«Wasss ‚na ja’?» hakt sie sofort und zischend nach, so als ob sie schon im Vornherein für sich ausgemacht hatte, ein Haar in meinem Tee zu finden.</p>
<p>«Na ja…» versuche ich es erneut.</p>
<p>«Nun bekennen Sie doch endlich Farbe!», fährt sie mir sogleich barsch wieder ins Wort, «so wie das politische Parteien auch immer tun!»</p>
<p>«Die bekennen doch vor allem <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5hdWdlbnJlaWJlcmVpLmNoLzIwMTAvMDQvMTEvd2VsdGZyZW1kLXZpZWxsZWljaHQv" target=\"_self\">nur über ihr Logo Farbe</a>», entgegne ich ihr.</p>
<p>«Da haben Sie wohl recht», gibt sie kleinlaut von sich. «Und? Was bringt’s?»</p>
<p>Ich hole aus zu einer rhetorischen Pause, bevor ich ihr ganz ruhig antworte: «Erkenntnis».</p>
<p>«Erkenntnis?», fragt sie ungläubig zurück.</p>
<p>«Genau, Erkenntnis», wiederhole ich mich.</p>
<p>«Klingt langweilig», meint sie nun etwas abwesend, greift zur Teetasse, nimmt einen Schluck, blickt zum Fenster hinaus und stellt die Tasse wieder neben sich hin.</p>
<p>«Finde ich nicht», widerspreche ich ihr und hole damit ihre Aufmerksamkeit wieder zurück ins Wohnungsinnere.</p>
<p>«Erkenntnis…», seufzt sie vor sich hin, bevor ihr Geist dann doch wieder ganz erwacht: «Ja worüber denn?»</p>
<p>«Bankspesen», gebe ich trocken zurück.</p>
<p>Erneut trifft mich ihr fragender Blick: «Bankspesen?»</p>
<p>«Ja, Bankspesen. Welche Bank verlangt am meisten davon und wie viel bleibt Ihnen von Ihrem Zins nach Abzug der Spesen.»</p>
<p>«Ja und? Ist es die UBS?»</p>
<p>Ich zucke mit den Schultern und blicke nun meinerseits abwesend zum Fenster hinaus.</p>
<p>«Nun sagen Sie schon!», fordert sie mich schon nach wenigen Sekunden erneut auf.</p>
<p>«Warum sollte ich?»</p>
<p>«Weil ich es als UBS-Kundin wissen möchte!», schreit sie mich schon beinahe an.</p>
<p>«Ja aber dann erlangen Sie eine Erkenntnis, welche Sie vorhin noch als langweilig hingestellt hatten.»</p>
<p>Jetzt verdreht sie ihre Augen, wohl weil sie sich selber über ihre frühere Aussage ärgert.</p>
<p>«Aber Sie können es ja <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5hdWdlbnJlaWJlcmVpLmNoLzIwMDkvMDYvMDcvZGllLXdhaGwtZGVyLSVDMiVBQnJpY2h0aWdlbiVDMiVCQi1iYW5rLw==" target=\"_self\">nachlesen</a>, wenn Sie wollen.»</p>
<p>«Liest denn so was jemand, liest denn überhaupt jemand, was Sie da so in Ihren Blog reinschreiben?»</p>
<p>«Das kommt schon mal vor», gebe ich viel oder nichts sagend zurück.</p>
<p>«Viele?», fragt Frau Habermacher neugierig nach.</p>
<p>«Einige», meine knappe Antwort.</p>
<p>«Wie viele einige?»</p>
<p>«Die Zahl ist nicht so wichtig. Schauen Sie: Gewisse Zeitungen weisen eine grosse Leserschaftszahl aus – und werden trotzdem nicht gelesen.»</p>
<p>«Wie bitte?»</p>
<p>«Sie haben mich schon richtig verstanden. Eine Zeitung gilt statistisch dann als gelesen, wenn sie durchgeblättert wird.»</p>
<p>«Ja und?»</p>
<p>«Viele Artikel bleiben somit ungelesen. Oder lesen Sie jeden Artikel in einer Zeitung?»</p>
<p>«Um Himmels Willen nein! Ich habe schon lange damit aufgehört, die Schandtaten <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5hdWdlbnJlaWJlcmVpLmNoLzIwMDkvMDcvMjYvdm9yaGVyc2FnZW4v" target=\"_self\">dieses Jones</a> zu verfolgen. Wie hiess er doch gleich wieder mit vollem Namen?», fragt sie sich selber, bevor sie die Antwort gefunden hatte: «Ach ja, Dow Jones hiess der Mann.»</p>
<p>Ich verkneife mir ein Schmunzeln und fahre fort: «Sehen Sie, Zahlen sind nicht so wichtig. Was wirklich zählt, ist das, was beim Einzelnen haften bleibt.»</p>
<p>«Und was bleibt haften?» Diese Frage musste ja kommen…</p>
<p>«Ich weiss es nicht.»</p>
<p>Nun hebt sich ihre rechte Augenbraue, sodass ihr Gesicht eine Mimik einnimmt, durch welche das Aussprechen der nächsten Frage sich erübrigt.</p>
<p>«Ich weiss es wirklich nicht», höre ich mich schon fast entschuldigend und mit angehobenen Schultern sagen. «Niemand dürfte nach dem Lesen einer meiner Artikel gleich sein gesamtes Leben auf den Kopf stellen – aber einige Gedankenanstösse werden wohl schon haften bleiben», füge ich noch hinzu.</p>
<p>«Ja wissen Sie den wenigstens, wer mitliest?», höre ich von ihr in anschuldigendem Ton.</p>
<p>«Selbst wenn ich es wüsste, dürfte ich es Ihnen nicht sagen.»</p>
<p>«Warum nicht? Wir sind doch schon so lange Nachbarn!», kommt es wie aus einer Pistole geschossen.</p>
<p>«Haben Sie schon einmal vom Datenschutzgesetz gehört?»</p>
<p>Jetzt trifft mich ein unsicherer Blick, welcher abgelöst wird von einem verneinenden Kopfnicken.</p>
<p>«Sehen Sie, noch <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5hdWdlbnJlaWJlcmVpLmNoLz9zPURhdGVuc2NodXR6JmFtcDtzZWFyY2g9U3VjaGVu" target=\"_self\">so eine Erkenntnis</a>. Ohnehin sind Besucherinnen und Besucher nur eine Nummer, eine IP-Nummer – so wie bald überall im Alltag…»</p>
<p>«Wie meinen Sie das?»</p>
<p>«Hatten Sie schon mal Probleme mit einer Telefonrechnung?»</p>
<p>«Und ob!», schnellte es sofort aus ihr heraus. «Denen von der Swisscom habe ich aber gleich gesagt, was sie sind…»</p>
<p>Daran habe ich keine Zweifel… «Und als sie anriefen, hat man da nach Ihrem Namen gefragt?», will ich weiter von ihr wissen.</p>
<p>«Wie kommen Sie denn darauf?», fragt sie schier vorwurfvoll zurück. «Die fragen immer zuerst nach meiner Kundennummer.»</p>
<p>«Sehen Sie, Sie sind bei denen eben <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5hdWdlbnJlaWJlcmVpLmNoLzIwMTAvMDEvMzEvYW5vbnltZS1nZXNlbGxzY2hhZnQv" target=\"_self\">nur eine Nummer</a>.»</p>
<p>«Das sagt mein Mann auch immer: Ich wäre eine ganz tolle Nummer…» und errötet ob dem soeben spontan Gesagten.</p>
<p>Verlegen schaut sie nun zur Decke und scheint krampfhaft nach einer neuen Frage zu suchen.</p>
<p>Es fällt ihr aber troztdem nicht allzu schwer: «Stimmt denn das, was Sie da schreiben?»</p>
<p>«Ich weiss es nicht», womit mich wieder ihr ungläubiger Blick trifft, «aber das ist Teil des Ganzen: Das Geschriebene dem Urteil der Öffentlichkeit aussetzen.»</p>
<p>Unschwer erkennbar sehe ich sie nun förmlich nachdenken. «Da sie aber hier unversehrt sitzen, hat man Sie offensichtlich noch nicht hingerichtet.»</p>
<p>Ich lache. «Richtig. Auch verbal halten sich die Kommentare bisher in angemessenem Ton, so wie wir es uns <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5hdWdlbnJlaWJlcmVpLmNoLzIwMDkvMDUvMjIvYmxvZHNpbm5pZ2UtZHVtbWhlaXRlbi8=" target=\"_self\">auch in der Politik wünschten</a>.»</p>
<p>«Das ist doch gar nicht möglich», meint Frau Habermacher kopfschüttelnd. «Vielleicht lesen da einfach nicht die richtigen Leute mit oder sie wagen es nicht, sich zu äussern», sucht sie nach einer Erklärung.</p>
<p>Ich ziehe die Schultern erneut hoch, diesmal zu einem «Vielleicht». «Man muss ja auch nicht immer etwas sagen und schon gar nicht immer gleicher Meinung sein.»</p>
<p>«Das kenne ich. Mein Mann und ich sind auch nicht immer gleicher Meinung. Er sagt dann immer, dass er Recht habe, weil das so in der Zeitung gestanden hätte.»</p>
<p>«Und? Glauben Sie immer <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5hdWdlbnJlaWJlcmVpLmNoLzIwMTAvMDQvMjkvZ2xhdWJ3dXJkaWdrZWl0Lw==" target=\"_self\">was in der Zeitung steht?</a>»</p>
<p>«Genau das sage ich ihm dann auch immer», fühlt sie sich nun in ihrem Widerstand gegenüber ihrem Mann bestätigt.</p>
<p>«Was antwortet er dann darauf?»</p>
<p>«Ach…» und winkt ab. «Die wüssten schon, worüber sie schrieben, meint er dann jeweils.»</p>
<p>«Aha. Woher wissen Sie denn, dass dem nicht so ist?»</p>
<p>«Nun…», druckst sie jetzt etwas verunsichert rum, «ich weiss es nicht genau. Es ist einfach nur so ein Bauchgefühl.»</p>
<p>«Sehen Sie, genau darum blogge ich: Dem Bauchgefühl auf den Grund gehen und das daraus Gewonnene mit anderen teilen.»</p>
<p>«Und? Was kommt dabei heraus?»</p>
<p>«Wie schon gesagt: Erkenntnis. Denn nicht immer stimmt das Bauchgefühl.»</p>
<p>«Oh wie schrecklich!», fährt es aus ihr heraus.</p>
<p>«Warum schrecklich?»</p>
<p>«Weil ich das kenne: Ich posaune meine Meinung heraus und dann… nun, dann merke ich, dass ich falsch lag…», schliesst sie immer leiser ab.</p>
<p>«Genau darum ist ein Artikel auch immer eine aufwändige Sache. Nebst dem Zusammensuchen und dem Niederschreiben der Informationen ist es auch immer ein Ringen mit seinem eigenen Bauchgefühl.»</p>
<p>«Und sehen Sie hier, die Augenringe um meine Augen, und hier, die grauen Haare am Ansatz &#8211; alles vom Bloggen bis früh in den Morgen», deute ich nun mit gespielt ernstem Gesicht auf die entsprechenden Stellen, so als ob es darum ginge, mit alten Kriegswunden anzugeben.</p>
<p>Sie ist beeindruckt. Und verwirrt, denn nun legt sich ihre Stirn in Falten. «Warum tun Sie sich das an?»</p>
<p>Ich zögere, und frage mich dann selbst laut: «Idealismus?»</p>
<p>«Idealismus? Wer macht denn heute <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5hdWdlbnJlaWJlcmVpLmNoLzIwMDkvMDUvMjgvZWluLWVnb2lzdC1hYmVyLWVpbi1laHJsaWNoZXIv" target=\"_self\">noch etwas umsonst</a>?!», erwidert sie mir mit hoher, aufgeregter Stimme.</p>
<p>«Och, da gibt es schon noch einige, obschon die Tendenz allgemein wohl eher abnehmend ist&#8230;»</p>
<p>«Aber Sie sind ja kein gemeinnütziger Verein, oder?», schrillt sie mir weiter entgegen.</p>
<p>«Nein, wobei…», ich breche dann aber ab. «Aber ich bin mein eigener Verleger, Chefredaktor, Blattplaner, Polygraf, Layouter, Designer, Drucker und Pöstler und den CEO, CFO und COO gibt&#8217;s noch gratis dazu».</p>
<p>«Mit diesem Ding da?» fragt meine Nachbarin und zeigt ungläubig mit dem Finger auf den Bildschirm.</p>
<p>Ich nicke.</p>
<p>«Puuhh! Klingt wirklich nach verdammt viel Arbeit…» meint sie beeindruckt.</p>
<p>«Auf jeden Fall möchte ich nicht mehr verzichten, was ich vor einem Jahr begann. Denn vieles um uns herum ist eben nicht so, wie es uns auf den ersten Blick erscheint.»</p>
<p>«Sie meinen, es gibt gar nicht so viel Arbeit?»</p>
<p>Erneut hebe ich meine Schultern zu einer viel oder nichts sagenden Antwort.</p>
<p>«Apropos Verzicht: Möchten Sie jetzt ein Stück Kuchen?», frage ich sie, nachdem sie darauf verzichtet hatte, als ich ihr die Tasse Tee servierte.</p>
<p>«Ja gerne. Jetzt brauche ich ein Stück. Mein Blutzuckerspiegel ist soeben den Bach runter gefallen», meint sie mit Blick auf den Kuchen – und wohl auch als Ausrede für die bevorstehenden Kalorien. «Haben Sie den wirklich selber gemacht?»</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter" src="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/upLoads/Divers/1-Jahr.jpg" alt="" /></p>
<p>«Natürlich!»</p>
<p>«Sie können das?» Abermals trifft mich ihr ungläubiger Blick.</p>
<p>«Warum sollte ich das nicht können?»</p>
<p>«Ich hätte das nicht von Ihnen erwartet…» meint sie zweifeln.</p>
<p>«Eben: Nichts ist so, wie es immer auf den ersten Blick erscheint», wiederhole ich mich.</p>
<p>Sie schweigt. Auch weil sie nun das Stück Kuchen genüsslich verzehrt. Und ich schenke ihr unterdessen nochmals Tee nach.</p>
 <img src="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=4691" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Frau Habermacher: Der G-2-Gipfel</title>
		<link>http://www.augenreiberei.ch/2009/09/27/frau-habermacher-der-g-2-gipfel/</link>
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		<pubDate>Sun, 27 Sep 2009 04:03:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Titus Sprenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frau Habermacher]]></category>
		<category><![CDATA[Boni]]></category>
		<category><![CDATA[G-20]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftskrise]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war einmal… eine Welt, in welcher die einzelnen Staaten mehr oder weniger in sich geschlossene, wirtschaftliche Einheiten waren. Doch die Zeiten haben sich geändert und eine verstärkte, internationale Koordination tut Not…]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Es war einmal… eine Welt, in welcher die einzelnen Staaten mehr oder weniger in sich geschlossene, wirtschaftliche Einheiten waren. Doch die Zeiten haben sich geändert und eine verstärkte, internationale Koordination tut Not…</strong></p>
<h2>Die (etwas andere) Geschichte zum Sonntag</h2>
<p>In dem Moment, in dem ich meine Hände nach Abschluss der wöchentlichen Haushaltsreinigung wasche, klingelt es an der Tür zur Augenreiberei. Noch immer die Hände mit dem Handtuch trocknend nähere ich mich dieser und öffne sie schliesslich ohne vorgängigen Blick durch den Türspion.</p>
<p>Der Klang der Türklingel verriet mir bereits, dass jemand die Klingel direkt neben der Türe betätigte und nicht etwa unten beim Eingang. Dieses Klingeln hätte anders getönt. So ahne ich irgendwie bereits, wer da vor der Türe steht…</p>
<h6><span id="more-2316"></span></h6>
<p>«Ja guten Tag Frau Habermacher!», begrüsse ich Sie, die Frau Habermacher, Hausfrau, Mutter und Nachbarin zur Augenreiberei, währenddem sie mit irgendwelchen Plastikstäben und nylonstoffartigen Fetzen, an denen auch noch ein armselig wirkender Reissverschluss hängt, vor meiner Türe steht.</p>
<p>Wie so oft bleibt auch diesmal eine verbale Begrüssung ihrerseits aus, äussert sich jedoch mit einem knappen Kopfnicken. «Können Sie mir helfen kommen?», schnellen die ersten Worte ihrerseits mir entgegen.</p>
<p>«Aber selbstverständlich! Womit kann ich denn dienen?», zeige ich mich hilfsbereit.</p>
<p>«Ich muss das Zelt wieder abbauen, dieses blöde Ding», und fuchtelt dabei mit den besagten Plastikstäben und Stofffetzen so herum, dass ich einen Schritt Abstand nehmen muss.</p>
<p>«La tente?», frage ich stirnrunzelnd zurück und deute auf dieses wenig nach Zelt anmutende Objekt in ihren Händen. «Wie bitte?», entgegnet sie mir, das fragliche Objekt nun wieder nach unten haltend, um mich anblicken zu können.</p>
<p>«Une tente – das Zelt. Ich dachte, Sie hätten nun einen Französisch-Kurs belegt, um ihre Chancen zu erhöhen, in Kürze bald in den Kissennäh-Vereinsvorstand gewählt zu werden», erinnere ich sie an <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5hdWdlbnJlaWJlcmVpLmNoLzIwMDkvMDkvMDYvZnJhdS1oYWJlcm1hY2hlci1kby15b3Utc3BlYWstZnJhbmNhaXMv" target=\"_self\">unser letztes Gespräch</a>.</p>
<p>Sie windet ihren Kopf auf ihre bekannte Weise von links nach rechts und wieder zurück. Schliesslich meint sie: «Der beginnt erst in zwei Wochen – wenn sich noch genügend Teilnehmer melden. Sieht im Moment nicht gut aus», und schweigt dann einen Moment das Objekt in ihren Händen an, bis sie nachschiebt: «Es befindet sich auf dem Balkon».</p>
<p>Ich bin verwirrt: «Was befindet sich auf dem Balkon?». «Das Zelt – la tente», gibt sie zweisprachig zurück und deutet dabei in Richtung ihrer Wohnung. Egal in welcher Sprache sie sich ausdrückt; sie ist nicht immer einfach zu verstehen…</p>
<p>«Ach so. Ja dann schauen wir mal», und ziehe die Türe zur Augenreiberei hinter mir zu und folge ihr durch die so saubere und aufgeräumte Wohnung, dass mir danach ist, meinen Atem anzuhalten, damit ich ja nichts verunreinige.</p>
<p>Schon von ihrem Wohnzimmer aus erkenne ich das, was einmal ein Zelt war. Weitere dieser biegbaren Plastikstäbe ragen in die Höhe und sollten dem darüber liegenden Stoff eine andere Form geben als das, was sich mir nun auf dem Balkon präsentiert. Davor ragt ein Loch, welches – so vermute ich – einmal der Zelteingang war, den sie nun in ihren Händen hält…</p>
<p>Gekrönt wird das Bild von den Blumenrabatten, aus welchen eben keine Blumen mehr ragen, sondern das halbe Meter hohe Kraut ihrer <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5hdWdlbnJlaWJlcmVpLmNoLzIwMDkvMDgvMjMvcHN5Y2hvbG9naXNjaGUta3JpZWdzdm9yYmVyZWl0dW5nLw==" target=\"_blank\">Mehr-Selbstversorger-Kartoffeln</a>. Die ganze Situation verlangt mir mehr denn je Körperbeherrschung ab, um ob der mir vorliegenden Komik nicht gleich laut loszubrüllen. Der Gedanke, wie sie mit ihrer Giesskanne die Kartoffeln wässert, ist dabei auch nicht besonders hilfreich…</p>
<p>Um der Spannung in meinem Gesicht etwas nachzugeben, gebe ich &#8211; inzwischen auf dem Balkon angekommen &#8211; leicht lächelnd von mir, «die sollten aber langsam raus», deute auf die Blumenrabatte und meine damit die Kartoffeln.</p>
<p>«Meinen Sie?», gibt sie verunsichert zurück. «Aber sicher doch, sonst verfaulen sie noch. Und anschliessend ab in den <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5hdWdlbnJlaWJlcmVpLmNoLzIwMDkvMDgvMDkvNTAtd2Fzc2VyZGljaHRlLXJpZXNlbi8=" target=\"_self\">dunklen, kühl-trockenen Bunker</a>!»</p>
<p>«Aber sagen Sie mal, warum stellen Sie denn Ihr Zelt inmitten des Balkons auf?», sehe ich mich ob dieser ungewöhnlichen Campingplatz-Wahl gedrängt, Frau Habermacher zu fragen.</p>
<p>Wieder mit sicherer – und vor allem wichtiger Stimme höre ich sie erhobenen Hauptes sagen: «Wir haben gestern einen G-2-Gipfel durchgeführt». «Einen G-2-Gipfel?», schaue ich sie ungläubig an.</p>
<p>«Ja, mein Mann und ich. Wir sind die G-2. So wie die <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5uenouY2gvbmFjaHJpY2h0ZW4vd2lydHNjaGFmdC9ha3R1ZWxsL2Jlc2NobHVlc3NlX2Rlcl9nLTIwX2luX2Rlcl91ZWJlcnNpY2h0XzEuMzY3ODg1Ny5odG1s" target=\"_blank\">G-20 in Pittsburgh</a>, einfach nur kleiner. Die Treffen sich ja auch immer fernab ihrer gewohnten Umgebung», erklärt sie den ungewöhnlichen Ort.</p>
<p>«Und was ist mit Ihrem Sohnemann? War der denn nicht eingeladen?», spreche ich sie aufs junge, dritte und ebenfalls berufstätige Mitglied des Habermacher’schen Haushalts an.</p>
<p>«Nun», beginnt sie und holt tief Luft, «der ist für unser Haushaltsbudget nicht von Bedeutung. Mein Mann hat ausgerechnet, dass er und ich 84 % der Wirtschaftsleistung in unserem Haushalt erbringen.»</p>
<p>«Das ist aber nicht sonderlich demokratisch», entgegne ich ihr zum Ausschluss ihres Sohnes aus dem familiären Gipfel-Treffen.</p>
<p>«Aber hören Sie mal!» beginnt sie entrüstet, «Wenn die bei diesem G-20-Gipfel das so machen, dann, wird das wohl schon in Ordnung sein».</p>
<p>«Sie haben aber den Protest von <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5uenouY2gvbmFjaHJpY2h0ZW4vaW50ZXJuYXRpb25hbC9tZXJ6X2ctMjBfdW5vLWdlbmVyYWx2ZXJzYW1tbHVuZ18xLjM2NjE4OTguaHRtbA==" target=\"_blank\">Merz an der UNO-Vollversammlung</a> sicher auch gehört, welcher die Legitimität der G-20 in Frage stellte?», versuche ich es erneut.</p>
<p>«Sie meinen den <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5uenouY2gvaGludGVyZ3J1bmQvZG9zc2llcnMvbGlieWVuXy1fc2Nod2Vpel9kb3NzaWVyL2hpbnRlcmdydW5kYXJ0aWtlbC9ibGl0emJlc3VjaF9pbl90cmlwb2xpc18xLjMzOTQ5MDkuaHRtbA==" target=\"_blank\">Libyen-Reisenden</a>?»</p>
<p>«Genau den! Unseren <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5lZmQuYWRtaW4uY2gvb3JnL3ZvcnN0ZWhlci8wMTMyMS9pbmRleC5odG1sP2xhbmc9ZGU=" target=\"_blank\">Bundespräsidenten</a>», präzisiere ich weiter.</p>
<p>Sie verneint diesen Punkt. «Das ist mir wohl während unseres Gipfels entgangen. Wir hatten ja hier im Zelt keinen Fernseher», versucht sie sich zu entschuldigen. «Aber unser Sohnemann hatte auch protestiert, dass er nicht dabei sein dürfte…» «Voilà! Da haben wir&#8217;s!», fühle ich mich bei meinem Demokratie-Einwand bestärkt.</p>
<p>«Was ist denn eigentlich bei Ihrem G-2-Gipfel rausgekommen?», frage ich relativ indiskret nach.</p>
<p>«Ach, Sie wissen schon…», winkt sie schnell ab.</p>
<p>«Nein, ich weiss nicht», spiele ich den Ball sofort zurück. Hingegen weiss ich, dass aus dem Zelt wohl nichts mehr wird…</p>
<p>Mit gequälter Miene ringt sie sich nach einigem Zögern dann doch noch zu einer ziemlich kleinlauten Antwort durch: «Mein Bonus wird gekürzt.»</p>
<p>«Ihr Bonus wird gekürzt?»</p>
<p>«Ja», bestätigt sie meine Nachfrage mit ganz leiser, schier hauchender Stimme, wobei sie nun den Tränen äusserst nahe ist.</p>
<p>Mit schmollenden Lippen wie bei einer Vierjährigen höre ich sie weiterreden: «Den Blumenstrauss, welcher mir mein Mann jeden Samstag Nachmittag schenkt…», sie holt tief Luft, «…den wird er mir ab sofort nur noch einmal pro Monat schenken. Und dann auch nur noch in der Minimal-Ausführung».</p>
<p>Mein Gesicht zeigt Betroffenheit, was bleibt mir denn anderes übrig…</p>
<p>«Vor allem aber…» und holt noch einmal tief Luft, um sich quasi Mut für die Fortsetzung einzuhauchen, «darf ich die <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5saW5kdC5jb20vY2gvc3dmL2dlci9saW5kb3Ivc3RhcnRzZWl0ZS8=" target=\"_blank\">Lindor-Kugeln</a>, welche mein Mann und ich so gerne haben, nur noch vierteljährlich kaufen». Ihre Augen sind inzwischen wässrig geworden, doch noch kullert keine Träne über ihre Backen.</p>
<p>«Das ist aber hart», drücke ich nun auch verbal meine Betroffenheit aus, obschon ich lauthals loslachen könnte.</p>
<p>«Und als ob das noch nicht genug wäre», setze ich an, um ihr die noch unausgesprochene Wahrheit zu sagen, «wird aus dem Zelt hier wohl auch nichts mehr».</p>
<p>Sie blickt mich einen Moment lang entgeistert an, bis ihr – sich wohl der Kosten des Zeltes bewusst geworden – tatsächlich eine Träne über die rechte Backe kullert. Ob ich ihr spontan eine Schachtel Lindor-Kugeln kaufen sollte, zischt es mir durch den Kopf?</p>
<p>Ich entscheide mich für eine verbale Aufmunterung: «Sie müssen das positiv sehen: Die Grundlage für den nächsten G-2-Gipfel mit vielleicht noch drastischeren Massnahmen ist dahin», und deute dabei auf das, was einmal ein Iglu-Zelt war.</p>
<p>Nur einen kurzen Augenblick schaut sie mich mit leerem Blick an – bis sich ihre Miene wieder aufhellt und mich im Ungewissen lässt, welcher noch immer vorhandene «Bonus» wohl der Grund dafür ist&#8230;</p>
<h5 style="text-align: left;">Die Geschichten und Orte rund um «Frau Habermacher» (siehe entsprechende Kategorie rechts) sind frei erfunden. Die Meinung des Autors («ich») widerspiegelt sich nicht unbedingt in diesen Texten.</h5>
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		<title>Frau Habermacher: Do you speak français?</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Sep 2009 04:03:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Titus Sprenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Frau Habermacher]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesrat]]></category>
		<category><![CDATA[Bundesratskandidaten]]></category>
		<category><![CDATA[Christian Lüscher]]></category>
		<category><![CDATA[Didier Burkhalter]]></category>
		<category><![CDATA[Libyen]]></category>
		<category><![CDATA[Pascal Broulis]]></category>

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		<description><![CDATA[Es war einmal… eine Schweiz, in welcher ein Bundesratskandidat zur richtigen Partei gehören und im richtigen Kanton wohnen musste, um wählbar zu sein. Doch die Zeiten ändern sich…]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Es war einmal… eine Schweiz, in welcher ein Bundesratskandidat zur richtigen Partei gehören und im richtigen Kanton wohnen musste, um wählbar zu sein. Doch die Zeiten ändern sich…</strong></p>
<h2>Die (etwas andere) Geschichte zum Sonntag</h2>
<p>«Hu-hu!» höre ich da hinter mir jemand mit schrillender Stimme rufen, währenddem ich dem Trottoir* entlang nach Hause in Richtung Augenreiberei laufe.</p>
<p>Ähnlich dem Pfeifen nach einem Hund reagiere ich auf solche unpersönlichen Rufe eigentlich nicht. Eigentlich. Ausser eben man hört ein zweites Mal diesen Ruf, was diesmal auch tatsächlich der Fall ist: «Hu-hu!».</p>
<p>So drehe ich meinen Kopf nach dem Ruf hinter mir und erblicke sie, Frau Habermacher, Hausfrau, Mutter und Nachbarin zur Augenreiberei. Sie winkt mir zu, wohl erfreut darüber, dass ich sie nun entdeckt habe.</p>
<h6><span id="more-1955"></span></h6>
<p>Die Freude ist einseitig, doch ich winke trotzdem zurück und bleibe stehen, damit sie mich einholen kann und wir das letzte Stück nach Hause gemeinsam gehen können. Jetzt einfach weiterzulaufen wäre unfreundlich &#8211; obschon es mich danach drängt&#8230;</p>
<p>Etwas ausser Atem bei mir angekommen begrüsst sie mich mit einem «Bonjour!» und lächelt mich dabei bis über beide Ohren an. Einmal mehr staune ich über mich selbst, wie ich mich von ihr immer wieder überraschen lassen kann. So auch diesmal bezüglich ihrer neuartigen Begrüssungsform.</p>
<p>Meine anfänglich Verdutztheit habe ich aber schnell abgelegt und grüsse zurück: «Bonjour Madame!»</p>
<p>«Ich werde bald einen Französisch-Kurs belegen», erklärt sie mir unaufgefordert und in wichtigem Ton ihre französischsprachige Begrüssung. Es sei wichtig, andere Sprachen zu beherrschen, fährt sie mit bestimmter Stimme weiter fort.</p>
<p>Natürlich drängt sich mir dabei die Frage auf, woher denn dieses plötzliche Ansinnen komme, weshalb ich sie auch danach frage. «Wissen Sie…», fängt sie an, nachdem sie nun stehen geblieben ist und ich es ihr gleich tue, «…dieser Broulis, Sie wissen schon, dieser Waadtländer Finanzminister und nun inoffizieller Bundesratskandidat ist ja ein ganz Netter».</p>
<p>Der Lüscher sei zwar auch ein ganz flotter Mann. Demgegenüber wirke der Burkhalter doch schon etwas älter, erfahre ich weiter die Präferenzen der Bundesratskandidaten von Frau Habermacher. Aber dieser Broulis gefalle ihr doch am Besten, insbesondere wegen seinen dicklichen, spitzbübischen Backen.</p>
<p>«Aber wissen Sie», gibt sie weiter etwas nachdenklich von sich, nachdem sie nun wieder zu marschieren begonnen hat, «die in Bern wollen einfach einen haben, der auch deutsch kann.»</p>
<p>«Ja und warum wollen denn Sie nun französisch lernen», muss ich nachfragen, den Zusammenhang zur kommenden Bundesratswahl noch nicht sehend.</p>
<p>«Schauen Sie: Einige Vorstandsmitglieder unseres zweisprachigen Bieler Kissennähvereins, dem ich übrigens nun schon seit bald 20 Jahren angehöre, werden wohl bald ihren Rücktritt einreichen.»</p>
<p>Aha, jetzt wird’s langsam klarer. «Und da könnten Sie bald in den Vorstand nachrücken?», spreche ich aus, was sie bis anhin nur andeute.</p>
<p>«Genau! Es wäre doch schade, wenn ich nicht in den Vorstand gewählt werden würde nur weil ich die französische Sprache nicht beherrsche. Auch mein Mann meint, man solle immer allzeit für alles bereit sein, gälled si.**» Da ist es wieder, ihr typisch gekünsteltes und überlegen wirkendes Gälled si-Lächeln auf ihrem gleichzeitig leicht schief gehaltenen Kopf.</p>
<p>«Klar doch», gebe ich zurück und schiebe nach: «Aber Schwaller kann deutsch». Jetzt bleibt sie wieder stehen, schaut mich verwundert an, bevor sie entrüstet meint: «Aber wir haben niemanden im Vorstand, ja nicht mal im ganzen Kissennähverein, der so heisst».</p>
<p>«Ich meine den Bundesratskandidaten», erkläre ich zu ihrer Beruhigung den genannten Namen. «Ach <em>den</em> Schwaller meinen Sie! Aber der ist doch von der falschen Partei», erwidert sie mit fragendem Blick.</p>
<p>«Sind <em>Sie</em> denn in der Richtigen?», spiele ich den Ball zurück. Es dauert einige Sekunden, während denen sich ihre Stirn in Falten legt und sich ihre Augen doppelt so weit öffnen wie ansonsten üblich, bis ich von Ihr höre: «Wie meinen?»</p>
<p>«Sind Sie in der richtigen Partei?», präzisiere ich meine vorgängige Frage. «Ach so meinten Sie das», höre ich sie nun wieder gehend sagen. «Aber wir haben doch gar keine Parteien in unserem Kissennähverein», winkt sie die Frage ab.</p>
<p>Mit dieser Antwort rechnend bleibe ich schlagartig verwundert stehen und gebe gespielt von mir: «Was?! Sie haben in Ihrem Verein keine Parteien?!» Ja wie sie denn die Zusammensetzung des Vorstands bestimmen könnten, so ganz ohne Parteien, will ich von ihr wissen.</p>
<p>Vor mir stehend blickt sie zum Himmel hoch um einen Moment über diese  Frage nachzudenken. Wieder mich anblickend meint sie: «Ich denke, wir wählen jeweils die für dieses Amt am besten geeignete Person»</p>
<p>Ich ziehe meine rechte Augenbraue hoch, um so meine Überraschung weiterhin gespielt zum Ausdruck zu bringen: «Die für dieses Amt am besten geeignete Person??? Und das ganz ohne Parteizugehörigkeit???» Sie bestätigt meine zweifelnd geäusserte Nachfrage mit einem Kopfnicken.</p>
<p>«Aber das würde ja bedeuten, dass es auch bei den Bundesratswahlen nicht auf die Partei ankommt», schlussfolgere ich das bisherige Gespräch.</p>
<p>«Vielleicht», höre ich kleinlaut die Frau Habermacher sagen. «Aber ein echter Romand sollte er sein», vernehme ich ihre Stimme wieder etwas sicherer.</p>
<p>«Naja… Lüscher, Burkhalter, Broulis oder auch Brunschwig-Graf – das klingt mir alles so ganz und gar nicht nach Romand… Sind Sie sicher, dass das ‚richtige’ Romands sind?», versetze ich sie weiter in Zweifel.</p>
<p>Bevor sie die Gelegenheit hat, darauf eine Antwort zu finden, befreie ich sie aus ihrer Argumentationsnot indem ich ihr wiederhole, dass ihr Favorit mit den spitzbübischen Backen, Pascal Broulis, ja gar nicht deutsch könne.</p>
<p>Entrüstet bleibt sie erneut stehen und stemmt ihre Hände in die Hüften, um in dieser eher bedrohlichen Pose zu fragen: «Seit wann spielt eigentlich die Sprache der Bundesratskandidaten eine Rolle?!»</p>
<p>Jetzt hat sie schon zum zweiten Mal verstanden, worauf ich hinaus will. «Das, Frau Habermacher, ist eine sehr gute Frage, zumal es Bundesräte gibt, die trotz vierzigjähriger Politikerkarriere immer noch schlecht deutsch sprechen&#8230;»</p>
<p>Ihre Miene erhellt sich wieder. «Sie meinen, Herr Broulis hätte doch noch Chancen?»</p>
<p>«Diesmal wohl kaum», inzwischen vor dem Haus zur Augenreiberei angekommen.</p>
<p>«Aber er sollte weiter deutsch lernen, denn vielleicht braucht die Schweiz bald einen neuen Finanzminister und FDP-Bundesrat. Und falls nicht, dann wäre es vielleicht trotzdem gut, wenn er deutsch kann, denn man weiss ja nie, ob der Herr Gaddafi schliesslich nicht auch die Romandie an Deutschland zuteilen will…»</p>
<h5 style="text-align: left;">* «Trottoir», schweizerische Form für Bürgersteig<br />
** «Gälled Si», schweizerdeutsch für: «gell» oder «nicht wahr»?</h5>
<h5 style="text-align: left;">Die Geschichten und Orte rund um «Frau Habermacher» (siehe entsprechende Kategorie rechts) sind frei erfunden. Die Meinung des Autors («ich») widerspiegelt sich nicht unbedingt in diesen Texten.</h5>
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