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	<title>Augenreiberei, die; -, -en &#187; Wirtschaft</title>
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		<title>Die Sache mit der Verantwortung</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Jan 2012 05:00:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Titus Sprenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Bank]]></category>
		<category><![CDATA[Verantwortung]]></category>
		<category><![CDATA[Wegelin]]></category>

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		<description><![CDATA[In unserer Wahrnehmung dominieren Unternehmen, bei denen niemand die Verantwortung für Fehler übernehmen muss. Den geschäftsführenden Teilhaber der Bank Wegelin &#038; Co. könnte man hingegen das letzte Hemd wegnehmen. Kann so viel Selbstlosigkeit in der Bankenwelt sein?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In unserer Wahrnehmung dominieren Unternehmen, bei denen niemand die Verantwortung für Fehler übernehmen muss. Den geschäftsführenden Teilhaber der Bank Wegelin &amp; Co. könnte man hingegen das letzte Hemd wegnehmen. Kann so viel Selbstlosigkeit in der Bankenwelt sein?</strong></p>
<p>Die Swissair liess man vorerst den Bach runter gehen, sodass es zum «Grounding» kam. Danach butterte der Staat schier unzählige Millionen Franken in die «Zwischenlösung», sodass der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden konnte.</p>
<p><span id="more-10213"></span></p>
<h2>Ausgelagertes unternehmerisches Risiko</h2>
<p>Die Schweiz als gebranntes Kind reagierte im Fall UBS anders. Hier sollte es zu keinem «Grouding» kommen, weshalb in vorauseilendem Gehorsam der Bund einige Milliarden Franken einschoss und die <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5zbmIuY2g=" target=\"_blank\">Schweizerische Nationalbank</a> einige «giftige Milliarden» übernahm.</p>
<p>Ähnliches wiederholt sich nun auf Ebene der Euro-Länder. Griechenland hat bereits einige Milliarden an Euros erhalten, und der «Euro-Rettungsschirm» soll die nötige Garantie liefern, falls noch weitere Euro-Länder wie etwa Italien, Spanien oder Portugal ins Straucheln geraten.</p>
<p>Diese Beispiele haben alle etwas Gemeinsames: Einzelpersonen sind nicht haftbar und werden nicht zur Verantwortung gezogen. Zwar gab es schon Gerichtsverfahren wie jüngst gegen ehemaligen Swissair-Verantwortliche. Doch kein Staatschef, kein CEO und kein Verwaltungsrat wurde je verurteilt oder anderweitig für ihre «Taten» verantwortlich oder gar haftbar gemacht.</p>
<p>Auch wenn es nicht immer gleich zu einem «Grounding» kommt oder ein solches droht, bekommen wir Ähnliches immer wieder zu hören: Personen, welche viel verdienen, weil sie angeblich eine hohe Verantwortung tragen würden, fahren ein Unternehmen beinahe an die Wand, werden dafür aber nicht in die Verantwortung genommen, sondern müssen lediglich das fragliche Unternehmen verlassen. In früheren Jahren lachten den Fehlbaren sogar noch «Goldene Fallschirme» entgegen.</p>
<p>Selbst wenn es zum Untergang kommt, hat dies kaum Folgen für die «Verantwortlichen». Dieser Typus Mensch betont sogar, dass der Haftungsausschluss notwendig sei um unternehmerische Risiken eingehen und das Unternehmen weiter bringen zu können.</p>
<p>Das Nachsehen haben im Falle eines Konkurses die Gläubiger. Wer argumentiert, dass der Haftungsausschlusses notwendig sei, der macht schliesslich aber nichts anderes als das unternehmerische Risiko an die Gläubiger auszulagern.</p>
<h2>Persönliches Verantwortungsbewusstsein</h2>
<p>Der Ursprung der Haftung liegt in der Rechtsform. Bei Einzelfirmen, einfachen, Kollektiv- und Kommanditgesellschaften endet die Haftung nicht beim Firmen- oder Gesellschaftsvermögen. Stattdessen haften die Eigner auch mit ihrem persönlichen Vermögen.</p>
<p>Ein Blick in die Betriebszählung 2008 des Bundesamts für Statistik (<a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5iZnMuYWRtaW4uY2g=" target=\"_blank\">BFS</a>) der marktwirtschaftlich orientierten Unternehmen zeigt in Bezug auf die Rechtsform Interessantes:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-10215" title="Anzahl marktorientierter Betriebe in der Schweiz im 2008" src="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/upLoads/2012/01/Anzahl-marktorientierter-Betriebe-2008.jpg" alt="" width="570" height="488" /></p>
<p>Bei rund 51 Prozent aller Schweizer Unternehmen haften die Eigentümer auch mit ihrem Privatvermögen (Einzelfirmen, einfache, Kollektiv- und Kommanditgesellschaften). Bei Aktiengesellschaften, GmbHs (zusammen rund 46 Prozent) und den anderen Rechtsformen beschränkt sich die Haftung aufs jeweilige Gesellschaftsvermögen.</p>
<p>Interessant ist aber auch noch ein anderer Aspekt innerhalb der AGs und GmbHs:</p>
<p>Die Mikro- und Kleinunternehmen mit unter 50 Vollzeitbeschäftigten machen bei den AGs rund 93 Prozent und bei den GmbHs 99,6 Prozent aus:</p>
<p><img class="aligncenter size-full wp-image-10216" title="Anzahl AG und GmbH in der Schweiz im 2008" src="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/upLoads/2012/01/Anzahl-AG-GmbH-2008.jpg" alt="" width="570" height="254" /></p>
<p>Dies spielt dahingehend eine Rolle, als dass Unternehmen dieser Grössenordnung überschaubarer sind, es dementsprechend auch wenige Verantwortliche gibt und die Verantwortlichen sich ausserordentlich ins Zeug legen, weil sie oftmals auch die Eigentümer sind und es darum um ihr eigenes Unternehmen geht. Das lässt die Verantwortung für ein Unternehmen intensiver wahrnehmen, sodass sich die Haftungsfrage auch weniger häufig stellt.</p>
<p>Nimmt man nun alle Unternehmen mit persönlicher Haftung und die AGs und GmbHs mit bis zu einer Grösse von unter 50 Vollzeitbeschäftigten zusammen, so machen diese 95,4 Prozent aller Schweizer Unternehmen aus. Es mag jetzt vielleicht etwas kitschig klingen, aber in diesen Unternehmen weiss man noch, was «Verantwortung wahrnehmen» bedeutet.</p>
<p>Das heisst wiederum, dass jene Unternehmen, welche in den Medien mit schlechten Resultaten und &#8211; als Folge davon &#8211; mit spektakulären Abgängen von sich reden machen, zu den anderen 4,6 Prozent aller Schweizer Unternehmen gehören.</p>
<p>Welche Rechtsform ein Unternehmer wählt, hat auch mit der Haftung beziehungsweise dem Risiko zu tun, welchem ein Unternehmen ausgesetzt ist. Einen Sandwich-Stand zu betreiben stellt andere Anforderungen als eine Bank. Es ist darum kein Zufall, dass UBS und Crédit Suisse Aktiengesellschaften sind und dass im Rahmen der «too big to fail»-Problematik ein höheres Eigenkapital gefordert wird.</p>
<h2>Aussergewöhnlich konsequent (?)</h2>
<p>Die <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy53ZWdlbGluLmNoLw==" target=\"_blank\">Bank Wegelin &amp; Co.</a> ist diesbezüglich eine Ausnahme: Es handelt sich um eine Kommanditgesellschaft, bei der die acht geschäftsführenden Teilhaber (Komplementäre), darunter auch Konrad Hummler, ebenfalls mit ihrem Privatvermögen haften.</p>
<p>Damit hat diese seit 1741 bestehende Privatbank in Sachen Haftung jene Form gewählt, wie sie über die Hälfte der Schweizer Unternehmen kennen. Damit nimmt sie auch Verantwortung wahr, und zwar so, wie in 95,4 Prozent aller Schweizer Unternehmen: Persönlich und mit grossem Engagement.</p>
<p>Das sucht insbesondere in der Bankenwelt seinesgleichen und verdient in Zeiten der Banken- und Staatsrettungen grossen Respekt. Auch dass man nun, wo Ungemach aus den USA droht, sich vor die unbehelligte Kundschaft stellt und diese geordnet an die <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5yYWlmZmVpc2VuLmNo" target=\"_blank\">Raiffeisen-Gruppe</a> transferiert, währenddem die Teilhaber selbst eine ungewisse Zukunft erwartet, lässt einen den Hut zücken.</p>
<p>Gewiss, die Kunden der Bank Wegelin &amp; Co. sind keine armen Schlucker. Es könnte der Eindruck entstehen, man wolle hier nur dafür sorgen, dass die Reichen ihre Schäfchen ins Trockene bringen können.</p>
<p>Doch ob reich oder nicht: Die Schweizer Kunden trifft fürs «USA-Abenteuer» kein Verschulden. Wenn wir beklagen, dass bei Bankenrettungen andere eine verkachelte Situation auszubaden haben, dann dürfen wir nicht erwarten, dass dies nun die unschuldigen Wegelin-Kunden sind, egal wie hoch deren Kontostand ist. Und wie diese Kunden zu ihrem Vermögen gekommen sind, ist sicherlich eine interessante, aber auch eine andere Frage, welche nichts mit der nun vorliegenden «Lösung» zu tun hat.</p>
<p>Ein Verschulden trifft hingegen die geschäftsführenden Teilhaber. Mit der gewählten Rechtsform setzten sie die Messlatte in Sachen Haftung und Wahrnehmung der Verantwortung hoch an &#8211; offensichtlich zu hoch für die heutige Zeit.</p>
<p>Aufgrund der dürftigen Faktenlage ist es jedoch noch zu früh, hämisch mit dem Finger auf einen oder mehrere Teilhaber zu zeigen oder ihnen, insbesondere Konrad Hummler, Doppelmoral oder etwas anderes vorzuwerfen.</p>
<p>Klar ist nur: Die geschäftsführenden Teilhaber haben materiell nichts vom jetzt gewählten Weg. Ihnen bleibt nur die Gewissheit, dass ihre bisherigen Schweizer Kunden weiterhin gut versorgt sind, dass dank Transfer zur Raiffeisen-Gruppe nun auch die Raiffeisen-Kunden vom Wegelin-Know how profitieren können und dass sie mit diesem Weg ihre Verantwortung konsequent wahrnehmen.</p>
<p>Dieser Weg ist schon dermassen selbstlos &#8211; noch dazu in der Bankenwelt &#8211; dass man sich fragen muss: Kann das sein, so ohne Netz und doppelten Boden? Falls ja, dann könnten von dieser Selbstlosigkeit noch ein Stück abschneiden&#8230;</p>
 <img src="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=10213" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
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		<title>Ein schwarzer Tag fürs Internet</title>
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		<pubDate>Mon, 23 Jan 2012 14:09:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Titus Sprenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Unterhaltungsindustrie stört sich an vermeintlichen Raubkopien und lässt gleich mit Kanonen auf Spatzen schiessen. Das wirft ganz viele Fragen über die mächtige Unterhaltungsindustrie, die Kanoniere und die Spatzen auf.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Unterhaltungsindustrie stört sich an vermeintlichen Raubkopien und lässt gleich mit Kanonen auf Spatzen schiessen. Das wirft ganz viele Fragen über die mächtige Unterhaltungsindustrie, die Kanoniere und die Spatzen auf.</strong></p>
<p>Am vergangenen Mittwoch wurde es im Internet etwas dunkler: Vor allem in den USA schalteten verschiedene grössere Websites, wie etwa die englischsprachige Ausgabe der Wikipedia, ihre üblichen Dienste während 24 Stunden ab.</p>
<p><span id="more-10151"></span></p>
<h2>Internationales Internet</h2>
<p>Sie protestierten damit gegen die US-Gesetzesvorlagen mit den unverdächtigen Kürzel SOPA (im Repräsentantenhaus) und PIPA (im Senat). Diese sehen äusserst scharfe Massnahme gegen urheberrechtliche Verletzungen bei Filmen oder Musikstücken vor.</p>
<div id="attachment_10157" class="wp-caption alignright" style="width: 340px"><a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5hdWdlbnJlaWJlcmVpLmNoLzIwMTIvMDEvMjMvZWluLXNjaHdhcnplci10YWctZnVycy1pbnRlcm5ldC9uZXR6c3BlcnJlLTQv" rel=\"attachment wp-att-10157\"><img class="size-medium wp-image-10157" title="Netzsperre" src="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/upLoads/2012/01/Netzsperre.gif" alt="" width="330" /></a><p class="wp-caption-text">Um ein Zeichen zu setzen wurde es in der Augenreiberei zwar nicht dunkel, dafür wurde aber eine Netzsperre simuliert.</p></div>
<p>So wäre beispielsweise ein Link von diesem Blog zu einer Seite, auf welcher derartige urheberrechtlichen Verletzungen stattfänden, bereits eine strafbare Handlung. Würde sich dieses Blog auf einem US-amerikanischen Server befinden, wäre bei einem rechtlichen Verstoss sogar eine Abschaltung nicht ausgeschlossen.</p>
<p>Im US-Senat zeigten die Proteste immerhin eine <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5uenouY2gvbmFjaHJpY2h0ZW4vcG9saXRpay9pbnRlcm5hdGlvbmFsL2Fic3RpbW11bmdfdWViZXJfdW1zdHJpdHRlbmVzX2ludGVybmV0LWdlc2V0el92ZXJzY2hvYmVuXzEuMTQ0Mzc4ODAuaHRtbA==" target=\"_blank\">erste Wirkung</a>: Eine für morgen Dienstag geplante Vorabstimmung zu PIPA wurde bis auf Weiteres verschoben. Aber wie der Volksmund weiss: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben&#8230;</p>
<p>Nun könnte man meinen, uns gehe die nationale Gesetzgebung der USA nichts an, insofern wären wir davon ja nicht betroffen. Ganz so einfach ist es allerdings nicht, denn wir nutzen mehr Internet-Dienste «Made in USA» als wir uns bewusst sind.</p>
<p>Als Beispiele seien hier nur <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5mYWNlYm9vay5jb20=" target=\"_blank\">Facebook</a> oder <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy50d2l0dGVyLmNvbQ==" target=\"_blank\">Twitter</a> erwähnt. Diese Dienste dürften auf Servern laufen, welche sich irgendwo in den USA befinden und auf welche somit die US-Justiz Zugriff hätte.</p>
<p>Wenn Sie nun auf diesen Plattformen als Link die Adresse von megaupload.com verbreitet hätten, also von jener Plattform, welcher seit vergangenem Freitag die Verletzung von Urheberrecht <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5uenouY2gvbmFjaHJpY2h0ZW4vZGlnaXRhbC91cy1qdXN0aXpiZWhvZXJkZV9rbmlwc3RfbWVnYXVwbG9hZF9kYXNfbGljaHRfYXVzXzEuMTQ0MjgzODAuaHRtbA==" target=\"_blank\">vorgeworfen wird</a>, dann hätten die bisher geplanten Gesetze den US-Behörden erlaubt, Facebook und Twitter quasi wegen Beihilfe zur Verletzung von Urheberrecht ohne Gerichtsverhandlung abzuschalten.</p>
<h2>Totale Kontrolle &#8211; auf die eine oder andere Weise</h2>
<p>Es kann wohl angenommen werden, dass diese beiden Internet-Giganten alles unternommen hätten, damit das nie geschehen wäre. Das heisst, dass sie wohl oder übel jede Status-Meldung und jeden Tweet nach gewissen Links hätten durchleuchten müssen, was zu einer totalen Kontrolle bis hin zu einer Art Zensur oder gar zu einem Ausschluss rechtsverletzender (oder auch nur «verlinkender») Benutzer aus Facebook oder Twitter geführt hätte.</p>
<p>Diese «gewissen Links» auf Websites mit Urheberrechtsverletzungen müssen natürlich vorgängig von jemandem definiert werden. Im Falle von megaupload.com wäre das sicherlich noch relativ einfach gewesen.</p>
<p>Doch wenn schon ein kleines Blog einmalig eine solche Verletzung begehen würde, wäre der Anspruch, alle Websites bei einem solchen rechtlichen Vergehen erfassen und definieren zu können, kaum realistisch.</p>
<p>Zudem kann ein Inhalt einer Website relativ rasch ändern. Wo heute noch keine Urheberrechtsverletzung vorliegt, kann dies morgen der Fall sein, womit ein schon viel früher gesetzter Link auf die fragliche Website plötzlich zu einer strafbaren Handlung wird. Schliesslich würde man dann wohl am besten gleich zu gar keiner Website mehr verlinken, was in Anbetracht der hohen Bedeutung von Links im Internet eine massive Einschränkung wäre.</p>
<p>Wohl auch deshalb, weil ein Website-Betreiber nie vollständig die «Lauterkeit» einer verlinkten Plattform kontrollieren kann, sahen die bisherigen Gesetzesvorlagen vor, dass nicht irgendwelche Website-Betreiber etwas kontrollieren sollten, sondern die Internet-Provider. Sie hätten die Datenpäckchen, welche durchs Internet geschickt werden, nach gewissen Mustern kontrollieren sollen, die auf Urheberrechtsverletzungen hindeuteten. Damit wären die Provider quasi von Briefträgern zu Polizisten des Datenverkehrs geworden.</p>
<p>Nicht zu unterschätzen sind die Kontrollmechanismen, welche dabei geschaffen worden wären. Sie hätten in den USA ganz bestimmt Begehrlichkeiten geweckt, um gleich auch noch nach anderen Mustern beispielsweise im «Kampf gegen den Terrorismus» eingesetzt zu werden.</p>
<p>Und: Auch all die gestürzten Machthaber in den nordafrikanisch-arabischen Ländern wären gewiss äusserst dankbar um solche Kontrollmechanismen gewesen, hätten sie so doch die Organisation des Widerstands gegen sie unterbinden oder wenigstens stören können&#8230;</p>
<p>Darum darf hier wohl zurecht die Warnung ausgesprochen werden: Wehret den Anfängen (eines absoluten Kontrollstaats)!</p>
<h2>Der (tiefe) Preis steuert die Nachfrage</h2>
<p>Natürlich ist dies kein Plädoyer für Raubkopien, also dass jemand um die Einnahmen für seine (künstlerische) Leistung geprellt wird. Nur: Wann ist das der Fall, wann kann man von Raubkopien sprechen und wann nicht?</p>
<p>Die mächtige Unterhaltungsindustrie der USA spricht davon, dass ihr viele Einnahmen wegen Raubkopien entgehen würden und nennt dabei auch Beträge. So ist beispielsweise im Falle von megaupload.com die <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5uenouY2gvbmFjaHJpY2h0ZW4vZGlnaXRhbC91cy1qdXN0aXpiZWhvZXJkZV9rbmlwc3RfbWVnYXVwbG9hZF9kYXNfbGljaHRfYXVzXzEuMTQ0MjgzODAuaHRtbA==" target=\"_blank\">Rede</a> von einem Schaden von «mindestens 500 Mio. Dollar».</p>
<p>Die Richtigkeit dieser Aussage, wie auch jeder anderen Aussage über mögliche Einnahmeneinbussen bei anderen Websites, ist mehr als fraglich. Die Unterhaltungsindustrie geht höchstwahrscheinlich davon aus, dass ein Benutzer ein Werk auch dann noch herunterladen würde, wenn es nicht kostenlos oder zu einem günstigeren Preis zu haben wäre.</p>
<p>Doch wenn etwas nichts oder wesentlich weniger kostet als seitens der offiziellen Anbieter, greift noch schnell einmal jemand zu. Der Inhalt oder die Handlung eines Films, als Beispiel, gefällt einem vielleicht nicht ausreichend genug, um ihn auf dem offiziellen Weg zum offiziellen Preis zu kaufen. Aber wenn er schon so günstig zu haben ist, dann spielt das plötzlich keine so grosse Rolle mehr.</p>
<p>In diesem Fall von Raubkopien zu sprechen ist kaum zutreffend. Eine Raubkopie wäre es vom «moralischen Standpunkt» erst dann, wenn man ein Werk auch wirklich will und dieses dann bewusst (also mit Vorsatz) nicht über den offiziellen Weg zum offiziellen Preis einkaufen geht.</p>
<p>Eine klare Grenzen zwischen dem Kauf einer Sache, weil sie so günstig ist, die man aber nicht unbedingt will, und dem Kauf einer Sache, weil man sie will, kann kaum gezogen werden, auch nicht seitens US-Unterhaltungsindustrie.</p>
<h2>Zu teure Preise</h2>
<p>Selbst wenn die Aussagen der Unterhaltungsindustrie in Sachen Einnahmeneinbussen stimmen würden, stellen sich zahlreiche Fragen. Zu ihnen gehört die Frage, ob die heutigen Verkaufsmodelle dieser Industrie noch zeitgemäss sind oder ob sie nicht auch selbst ein Verschulden durch unzeitgemässe Modelle trifft.</p>
<p>Nehmen wir dazu ein konkretes und aktuelles Beispiel: Da Chris de Burgh ein «alter Hase» im Musikgeschäft und weltweit bekannt ist, da er also auf allen Verkaufskanälen zum «Standard-Programm» gehört, eignet sich sein aktuelles Album «Footsteps 2» mit 14 Musikstücken ausgezeichnet. Dazu die nachfolgende Online-Shop-, Form- und Preis-Aufstellung:</p>
<table width="100%" border="0" cellspacing="0" cellpadding="0">
<tbody>
<tr>
<td valign="top"><strong>Online-Shop</strong></td>
<td valign="top"><strong>Form</strong></td>
<td valign="top"><strong>Preis**</strong></td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5leGxpYnJpcy5jaA==" target=\"_blank\">exlibris.ch</a></td>
<td valign="top">CD</td>
<td valign="top">CHF 19.90</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5jZWRlLmNo" target=\"_blank\">cede.ch</a></td>
<td valign="top">CD</td>
<td valign="top">CHF 23.90</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5jaXR5ZGlzYy5jaA==" target=\"_blank\">citydisc.ch</a></td>
<td valign="top">CD</td>
<td valign="top">CHF 27.90</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5qcGMuZGU=" target=\"_blank\">jpc.de</a></td>
<td valign="top">CD</td>
<td valign="top">CHF 17.99* (EUR 14.99)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5hbWF6b24uZGU=" target=\"_blank\">amazon.de</a></td>
<td valign="top">CD</td>
<td valign="top">CHF 16.03* (EUR 13.36)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5ib2wuZGU=" target=\"_blank\">bol.de</a></td>
<td valign="top">CD</td>
<td valign="top">CHF 23.99* (EUR 19.99)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top"><a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5ib2wuZGU=" target=\"_blank\">bol.ch</a></td>
<td valign="top">CD</td>
<td valign="top">CHF 19.90 (reduziert, statt CHF 29.90)</td>
</tr>
<tr>
<td valign="top">iTunes Store (CH)</td>
<td valign="top">Download</td>
<td valign="top">CHF 17.00</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<h5 style="text-align: left;">* Umrechnungskurs CHF &#8211; EUR: 1.20 ** Abfrage am 22.01.2012</h5>
<p>&nbsp;</p>
<p>In der Tabelle oben zeigen sich drei Dinge:</p>
<p>Erstens sind die Preisunterschiede innerhalb der Schweizer Anbieter frappant. Die acht Franken Unterschied zwischen exlibris.ch und citydisc.ch entsprechen immerhin 40 Prozent! Bei der nicht reduzierten Variante unter bol.ch sind es sogar mehr, denkbar ist allerdings auch, dass mit dem relativ hohen «Originalpreis» von 29 Franken 90 nur eine hohe Reduktion vorgegaukelt werden soll&#8230;</p>
<p>Die Preise oben zeigen zugleich, dass hier der freie Markt spielt. Aus Konsumentensicht spielt dieser aber auch bei Plattformen, welche Urheberrecht verletzten. Woher will der Konsument wissen, ob beispielsweise exlibris.ch nicht irgendwelche Raubkopien verkauft und darum so günstig ist? In der Folge bedeutet das, dass nicht die Konsumenten zu kontrollieren wären, wo sie was einkaufen (sie sind weder Detektive noch Juristen), sondern der Markt beziehungsweise die Anbieter.</p>
<p>Zweitens ist und bleibt die Schweiz eine Hochpreisinsel. cede.ch betreibt nur einen Versandhandel und sollte wegen tieferen Kosten eigentlich günstiger sein als Exlibris, welche auch eigene Geschäfte bei gleichen CD-Preisen betreibt. citydisc.ch &#8211; heute zu Orange gehörend, weshalb CDs ebenfalls im Rahmen der Orange-Läden gekauft werden können &#8211; hebt preislich sogar ganz ab und dies obschon die Rentabilität durch die Kombi-Nutzung (Telekommunikationsdienstleistungen, CDs) erhöht wird.</p>
<p>Drittens kostet dieses Album im Schweizer iTunes Store noch immer mehr als beim günstigsten Anbieter in Deutschland, amazon.de. Das heisst, obwohl das Brennen der CD, die Kosten fürs Material (CD-Rohling, CD-Hülle, Booklet), die Kosten für die Verteillogistik zu den Wiederverkäufern und die Kosten für Marketing-Aktivitäten zugunsten des Online-Shops wegfallen, kostet das Ganze in der Download-Variante immer noch mehr.</p>
<p>Dem wäre noch hinzuzufügen, dass die 17 Franken für 14 Stücke auszugeben sind. Das macht 1 Franken 21 pro Stück. Wer aber nur ein einzelnes Musikstück kaufen will, der bezahlt 1 Franken 60, also rund 30 Prozent mehr als beim Kauf des «Gesamtpakets». Rein technisch lässt sich diese grosse Differenz wohl kaum erklären, zumal auch das Datenvolumen fürs gesamte Album gegenüber einzelnen Titeln grösser ist.</p>
<p>Unter den genannten Voraussetzungen kann es nicht überraschen, wenn «der Markt» (das sind wir) dort einkauft, wo es am günstigsten ist, selbst wenn es sich um eine eher zweifelhafte Download-Website handelt. Die Unterhaltungsindustrie täte sich darum selber einen Gefallen, wenn sie ihre Preise so anpasst, dass Filme oder Musikstücke auch auf den rechtmässigen Kanälen wie ein Schnäppchen erscheinen und darum auch häufiger gekauft werden.</p>
<h2>Liberales Schweizer Urheberrecht</h2>
<p>Doch zurück zur Frage, wann von Raubkopien gesprochen werden kann. Eine «internationale Antwort» gibt es darauf nicht, oder anders formuliert: Jedes Land hat seine eigene Gesetzgebung, welche mehr oder weniger erlaubt.</p>
<p>Das <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5hZG1pbi5jaC9jaC9kL3NyL2MyMzFfMS5odG1s" target=\"_blank\">Schweizer Urheberrecht</a> gilt als relativ liberal. Darum dürfen Private hierzulande auch problemlos Kopien zum «Eigengebrauch» anfertigen. Als «privat» <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5hZG1pbi5jaC9jaC9kL3NyLzIzMV8xL2ExOS5odG1s" target=\"_blank\">gilt</a> gemäss Gesetz der «Kreis von Personen, die unter sich eng verbunden sind, wie Verwandte oder Freunde» (endlich ein Grund, in Facebook möglichst viele «Freunde» zu haben <img src='http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  ).</p>
<p>Zudem ist jeder Download von Musik erlaubt, der Upload jedoch untersagt. Wer also bei megaupload.com einkaufte, braucht nichts zu befürchten (Aber: Bei so genannten Peer-to-Peer-Tauschbörsen findet in der Regel auch ein Upload statt, darum Vorsicht!).</p>
<p>Möglich ist das auch deshalb, weil sowohl auf Leerträgern (beispielsweise CD-Rohlinge) wie auch auf Geräte-Leerträgern (wie etwa mp3-Player) bereits eine Abgabe erhoben wird, welche durch Organisationen wie die <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5zdWlzYS5jaC8=" target=\"_blank\">Suisa</a> an die Künstler verteilt wird.</p>
<p>Als Konsument stellt sich vielmehr die Frage, ob man insgesamt nicht zu viel bezahlt, weil eine «Einzel-Abrechnung» nicht möglich ist. Wer also ein Musikstück irgendwo herunterlädt, dieses auf den mp3-Player lädt und dazu noch eine CD fürs Auto brennt, zahlt indirekt zuviel. Dass hier die Unterhaltungsindustrie in gewisser Weise die Konsumenten ausraubt, interessiert diese aber nicht&#8230;</p>
<h2>Prioritäten richtig setzen</h2>
<p>Überraschend bei den beiden fraglichen US-Gesetzesvorlagen ist nicht nur die Schärfe der Massnahmen, welche vorgesehen sind (oder waren). Es ist auch die Prioritätensetzung.</p>
<p>Kopierte Filme oder Musikstücke mögen da oder dort die Einnahmen einer Industrie mindern, welche reine Luxusgüter mit immer höheren Ausgaben produziert. Die Künstler selbst sind dabei nicht einmal die grossen Profiteure, sondern die Konzerne.</p>
<p>Wesentlich gravierender sind hingegen Raubkopien oder Nachahmerprodukte von Alltagsgütern (die Grenze zwischen Kopiertem und Nachgeahmtem ist oftmals fliessend). Sie werden nicht selten in China produziert, einem Land also, in dem sehr vieles kontrolliert wird und absichtlich erstellte Raubkopien oder Nachahmerprodukte kaum unentdeckt bleiben dürften &#8211; also im Wissen der Regierung produziert werden.</p>
<p>Solche «Produkte» führen nicht nur zu Einbussen, welche die Existenz ganz «normale» Arbeitsplätze gefährdet, sondern sie sind im Falle von technischen Geräten unter Umständen sogar noch gefährlich für die Anwender selbst.</p>
<p>Lebensbedrohlich können auch <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL3d3dy5zdG9wLXBpcmFjeS5jaA==" target=\"_blank\">medizinische Nachahmerprodukte</a> sein (nicht zu verwechseln mit den «offiziellen» Generikas), die eine Wirkung vorgaukeln, die sie nicht haben und vor allem dort Abnehmer finden, wo Medikamente teuer sind oder häufig gebraucht werden, also eine relativ hohe Bedeutung für die Konsumenten haben.</p>
<p>Wenn also gegen die unrechtmässige Herstellung von Produkten vorgegangen werden will, dann wohl doch eher da, wo beispielsweise die Existenz rechtschaffener Mitarbeiter industrieller Kleinbetriebe und die Gesundheit von Konsumenten gefährdet ist &#8211; und nicht da, wo auch heute noch ein paar wenige Auserlesene Millionen verdienen, weil die Preise zu hoch sind.</p>
<p style="border-bottom-style:solid; border-width:1px;" </p>
<p><strong>Weitere Informationen zum Thema</strong></p>
<ul>
<li>konsumentenschutz.ch: <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL2tvbnN1bWVudGVuc2NodXR6LmNoL2ZpbGVzL3BkZnMvZG93bmxvYWRzLzA4XzA2X2hhbmRsdW5nc2hpbGZlX211c2lrZG93bmxvYWQucGRm" target=\"_blank\">«Handlungshilfe &#8216;CD brennen und Tauschbörsen&#8217;»</a> (PDF)</li>
</ul>
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		<title>Von wegen «Nachhaltigkeit»</title>
		<link>http://www.augenreiberei.ch/2012/01/03/von-wegen-nachhaltigkeit/</link>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 05:30:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Titus Sprenger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Es macht sich gut, von «Nachhaltigkeit» zu sprechen. Allerdings ist die Verwendung dieses Begriffs vielfach selber nicht sonderlich nachhaltig...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Es macht sich gut, von «Nachhaltigkeit» zu sprechen. Allerdings ist die Verwendung dieses Begriffs vielfach selber nicht sonderlich nachhaltig&#8230;</strong></p>
<p>Feucht-fröhlich haben wohl die meisten Menschen in unseren Breitengraden den Jahreswechsel hinter sich gebracht. Wie für dieses Ereignis üblich, wird sich bestimmt der eine oder andere einen Vorsatz gefasst haben. Aber wie nachhaltig ist dieser?</p>
<p><span id="more-10068"></span></p>
<h2>Ein alter Begriff neu verstanden</h2>
<p>Natürlich könnte man nun darüber sinnieren, was Vorsätze bringen, oder dass es generell nicht viel bringt, sich überhaupt Vorsätze zu fassen, da diese an einem feucht-fröhlichen Abend gefasst werden und darum wenig nachhaltig sind. Doch die Frage an dieser Stelle nach der Nachhaltigkeit von Vorsätzen ist nur ein Vorwand.</p>
<p>Ein Vorwand dafür, wie gebräuchlich der Ausdruck «Nachhaltigkeit» geworden ist, ohne dass wir uns daran stören. Von fast allen Herausforderungen, die wir zu bewältigen versuchen, soll heutzutage eine «nachhaltige Lösung» her.</p>
<p>Die Sanierung der Sozialwerke, als Beispiel, soll «nachhaltig» erfolgen. Und wenn die Frankenstärke beispielsweise durch eine Koppelung des Frankens an den Euro dauerhaft bekämpft werden soll, dann soll dies eine «nachhaltige Lösung» sein (ob wahr und sinnvoll oder nicht ist eine andere Frage).</p>
<p>Heute hat enorm vieles «nachhaltig» zu sein. Wenig bis gar nichts mehr hat dieser Begriff «irgendwas mit Umwelt» zu tun. Es macht den Anschein, dass er zu einem Mode- oder Schlagwort geworden ist und damit zu einem guten Kandidaten fürs <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL2RlLndpa2lwZWRpYS5vcmcvd2lraS9CdWxsc2hpdC1CaW5nbw==" target=\"_blank\">«Bullshit-Bingo»</a>.</p>
<p>Doch wofür stand dieser Ausdruck ursprünglich? Das freie Wörterbuch Wiktionary <a href="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?url=aHR0cDovL2RlLndpa3Rpb25hcnkub3JnL3dpa2kvTmFjaGhhbHRpZ2tlaXQ=" target=\"_blank\">schreibt</a> dazu:</p>
<blockquote><p>Der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft und wird auf eine Publikation von Hans Carl von Carlowitz aus dem Jahr 1713 zurückgeführt, in der er von der «nachhaltenden Nutzung» der Wälder schrieb. Hermann Friedrich von Göchhausen griff den Begriff 1732 auf. Er bezeichnet die Bewirtschaftungsweise eines Waldes, bei welcher immer nur so viel Holz entnommen wird, wie nachwachsen kann, so dass der Wald nie zur Gänze abgeholzt wird, sondern sich immer wieder regenerieren kann.</p></blockquote>
<p>Kurz zusammengefasst &#8211; und wenn man den Aspekt der Forstwirtschaft fallen lässt &#8211; heisst das also, dass nur so viel entnommen oder genutzt werden soll, wie auf natürliche Weise auch wieder nachfolgen (oder nachwachsen) kann. Das entspricht auch dem erweiterten Sinn von Nachhaltigkeit, wie er ebenfalls im Wiktionary erwähnt ist: Nachhaltigkeit beschreibt «einen Zustand des globalen Gleichgewichts».</p>
<p>Allerdings lässt sich nun streiten, was man genau unter «global» verstehen muss oder will. Diesen Begriff mit «weltweit» gleichzusetzen, wäre falsch. Die Herausforderungen bei der Sanierung der Schweizer Sozialwerke, um bei diesem Beispiel zu bleiben, sind nicht weltweit zu lösen &#8211; aber «global».</p>
<p>Die zu erwartende Überalterung ist <em>ein</em> Aspekt einer «globalen» Betrachtungsweise im Streben nach einer «nachhaltigen» Lösung. Weil dieses «global» eine äusserst schwammige Sache ist, könnte jemand beispielsweise behaupten, dass die Nicht-Berücksichtigung auch einer höheren Lebenserwartung und das Ignorieren eines schlechteren Bildungsstandes mit tieferen Löhnen und geringeren Sozialabgaben zu keiner «nachhaltigen» Lösung führe.</p>
<h2>Nachhaltigkeit im Wandel der Zeit</h2>
<p>Ist das nun etwas «Schlechtes» oder etwas «Gutes», wenn im Sinne eines «globalen Gleichgewichtes» (egal in welchem Bereich) nach mehr «Nachhaltigkeit» gestrebt wird, wie es verbal immer wieder zu hören ist?</p>
<p>Dieses Streben ist sicher einmal ein Eingeständnis dafür, dass es nicht immer mehr geben kann, weil die Mittel nur beschränkt vorhanden sind (und nachwachsen) und dass deshalb haushälterischer als bisher mit diesen Mitteln umgegangen werden muss.</p>
<p>Indirekt kommt dies auch einem Abschwören vom Raubbau an Natur und Mensch gleich. Fälschlicherweise denken viele beim Begriff Nachhaltigkeit nur an den Raubbau an der Natur und vergessen häufig jenen an Menschen.</p>
<p>In unseren Breitengraden brachte die Industrialisierung einen solchen Raubbau mit sich. Viele arbeiteten damals beinahe bis zum Zusammenbruch, währenddem es einigen wenigen Fabrikherren glänzend ging. Glücklicherweise haben sich die Zeiten geändert, sodass man heute sagen kann, dass unsere Arbeitsbedingungen weitaus «nachhaltiger» sind als noch jene vor 100 oder mehr Jahren.</p>
<p>In so genannten «Billiglohnländern» ist die Wahrscheinlichkeit allerdings relativ gross, dass ein derartiger Raubbau nach wie vor stattfindet. Die Existenz von Labeln wie «Fair trade» sind ein Indikator dafür, dass «die Welt da draussen» offensichtlich nicht nur fair beziehungsweise gerecht zu allen Menschen ist.</p>
<p>Aber nicht nur im wirtschaftlichen Bereich geschah und geschieht noch immer Raubbau an Menschen, sondern auch im politisch-staatlichen Bereich. Der Geschichtsunterricht lehrte uns, dass über lange Zeit immer wieder eine Minderheit von Adeligen über eine grosse Mehrheit an Untertanen herrschte.</p>
<p>Den einen ging es glänzend, die anderen mussten nicht selten Hunger leiden. Und so ist es auch heute noch in zahlreichen Ländern: Einige wenige Machthaber, denen es sehr gut geht, herrschen über die breite Masse an hart arbeitenden Menschen, die kaum ihre Grundbedürfnisse decken können (siehe Nordkorea).</p>
<p>Das heutige politische System der Schweiz könnte man darum ebenfalls als ein «nachhaltigeres» System bezeichnen als irgendeine Herrschaft einer kleinen Minderheit über die breite Masse. Dieses System ist auf (Chancen-)Gleichheit für alle und nicht auf die Privilegierung einiger weniger ausgerichtet.</p>
<p>Auch wenn auf dem Weg zu unserem heutigen Arbeitsrecht oder zu unserem heutigen politischen System der Begriff der Nachhaltigkeit noch kaum eine Bedeutung spielte, hat sich die Ausrichtung dieser Errungenschaften auf nachhaltige Prinzipien doch bewährt.</p>
<p>So gesehen ist «Nachhaltigkeit» &#8211; ob beim Namen genannt oder nicht &#8211; etwas Gutes. Aber machen wir uns nichts vor: Nicht hinter allem, auf dem »Nachhaltigkeit» steht, steckt auch ein echter Wille zu mehr »Nachhaltigkeit» drin.</p>
<h2>«Tue was Nachhaltiges und sprich darüber»</h2>
<p>Es gehört heute beispielsweise zum guten Ton jedes grösseren Unternehmens, zusammen mit dem Geschäftsbericht jährlich auch einen Nachhaltigkeitsbericht zu verfassen, so ganz nach dem Motto: Tue Gutes und sprich darüber. Da dieses Engagement häufig auf Freiwilligkeit beruht, weiss man sich selber ausreichend zu applaudieren.</p>
<p>Gerade weil es kaum Vorgaben oder Ziele gibt, kann selbst das Kompostieren der drei täglich anfallenden Teebeutelchen in einem Bürobetrieb oder das Wechseln auf Oeko-WC-Papier als nachhaltige Tat Eingang in so einen Bericht finden.</p>
<p>Selbst wenn diese Taten nicht so banal sind wie die zwei oben genannten Beispiele, ist dennoch vieles, was das Etikett «Nachhaltigkeit» trägt, nichts weiter als PR und &#8211; je nachdem, wie sehr diese «falsche» Nachhaltigkeit bereits verinnerlicht wurde &#8211; auch Selbstbetrug, um das eigene Gewissen zu beruhigen.</p>
<p>Dieser Etikettenschwindel fusst auf der Annahme, dass für uns alles so gut bleibt, wie es ist, oder allenfalls nur noch besser wird. Wenn dem so ist, braucht niemand zu fürchten, wenn Aktionen zugunsten von mehr Nachhaltigkeit mehr Schwindel als ernsthafte Absicht sind.</p>
<p><img class="alignright  wp-image-10070" title="Im selben Boot" src="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/upLoads/2012/01/Im-selben-Boot-570x486.jpg" alt="" width="342" height="292" />«Unglücklicherweise» verändern sich aber manchmal die Dinge schneller als erwartet. Atom-Ausstieg, Euro-Rettung oder der Arabische Frühling sind nur einige Beispiele vom vergangenen Jahr zu Dingen, die wir noch vor einem Jahr für unmöglich hielten.</p>
<p>Solche Veränderungen stellen vermeintlich nachhaltige Lösungen auf die Probe. Sind sie tatsächlich nachhaltig, haben sie Bestand. Im gegenteiligen Fall fallen sie nicht nur wie ein Kartenhaus in sich zusammen, sondern führen auch dazu, dass wir eine Quittung in unbekannter Höhe für den bisherigen Etikettenschwindel erhalten. Wir täten also gut daran, es auch ernst zu nehmen, wenn wir den Begriff «Nachhaltigkeit» in den Mund nehmen.</p>
<p>Möglich wäre allerdings ebenso, dass wir aus ganz anderen, eher unbewussten Gründen so inflationär von Nachhaltigkeit sprechen: Die Entwicklung um uns herum geht uns zu schnell.</p>
<p>Wirtschaft, Showbusiness, elektronische Geräte, Software, Medien, medizinische Geräte und Rezepturen, Bauwesen usw.: Sie alle und bestimmt noch einige mehr sind einer scheinbar immer schneller werdenden Spirale von Veränderungen ausgesetzt.</p>
<p>Demgegenüber steht häufig der Ruf nach mehr Nachhaltigkeit. Was immer wieder verändert wird oder verändert werden muss, scheint vordergründig nicht nachhaltig zu sein, denn dies deutet auf einen falschen Einsatz der nur beschränkt vorhandenen Mittel hin.</p>
<p>Das kann tatsächlich so sein. Den Einsatz der besagten Mittel aber neu zu regeln (zum Beispiel wegen einer grösseren oder kleineren Nachfrage) kann auch bedeuten, der Realität ins Auge zu schauen, was auf Dauer «nachhaltiger» ist als wenn die Realität ignoriert wird.</p>
<p>Im Fall der Überforderung aufgrund zu zahlreicher Veränderungen wird aber fälschlicherweise nach mehr Nachhaltigkeit gerufen, denn es geht gar nicht um einen optimalen Mittel-Einsatz. Gemeint ist stattdessen mehr Beständigkeit. Beständigkeit gibt Sicherheit, und Sicherheit beruhigt.</p>
<p>Echte Nachhaltigkeit statt fauler Etikettenschwindel gibt auch Sicherheit. Aktionen, welche tatsächlich nachhaltig sind, werden so nicht zum Bumerang. Und echte nachhaltige Lösungen führen auch zu weniger Aufbegehren und zu weniger schnell erzeugten Veränderungen durch die Betroffenen.</p>
<p>Ein genaues Hinschauen bei allem, was als «nachhaltig» bezeichnet wird und eine Rückbesinnung auf die tatsächliche Bedeutung dieses Begriffs wäre ein guter Anfang &#8211; zu mehr Nachhaltigkeit…</p>
 <img src="http://www.augenreiberei.ch/WP271/wp-content/plugins/wordpress-feed-statistics/feed-statistics.php?view=1&post_id=10068" width="1" height="1" style="display: none;" />]]></content:encoded>
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