Boni und die machtlose Politik

Was des Schweizers Gemüt ebenso zum Kochen bringt wie Äusserungen von deutschen Finanzministern ist das Klagelied des UBS-VR-Präsidents Kaspar Villiger, wonach der Bank die «Spitzenleute» davon laufen.

Wie «spitze» diese «Spitzenleute» tatsächlich sind, von denen wohl viele schon bei der UBS arbeiteten, als diese Milliardenverluste eingefahren hatte und um staatliche Hilfe bitten musste, ist für Aussenstehende nicht nachvollziehbar.

Leichte Bewegung in der Boni-Diskussion

Doch recht scheint er zu haben, der alt-Bundesrat und neu-VR-Präsident Villiger, vermeldet doch die «NZZ am Sonntag» heute (24. Mai 2009) den weiteren «Verlust» eines «Topmanagers».

Am kommenden Mittwoch soll im Ständerat eine Motion von Anita Fetz behandelt werden, welche einen Boni-Stopp für Unternehmen mit staatlicher Unterstützung fordert. Die Zeitung «Sonntag» hat sich dazu bei den Ständeräten umgehört und es scheint, dass diese Motion angenommen werden könnte.

Derweil regt sich auch der Widerstand unter gewissen Aktionären. Wie ebenfalls die NZZ am Sonntag heute berichtet, hatten am vergangenen Dienstag 60 % der Aktionäre des Shell-Konzerns den Bericht über die Manager-Entlöhnung abgelehnt.

In diesem Bericht wird bezüglich Basissalär argumentiert, dass man sich an den anderen Marktplayern gleicher Grösse, Komplexität usw. orientiere. Der Bonus wird wiederum aufgrund des Basissalärs berechnet und kann problemlos dem Doppelten des Basissalärs entsprechen…

Wenn nun also die Aktionäre von Shell diesen horrenden Salären eine Absage erteilen, könnte Shell bald das gleiche Schicksal widerfahren wie der UBS: Die «Topleute» laufen zur Konkurrenz über.

Nationale agierende Politik –
Internationale agierende Unternehmen

Dies verdeutlicht, dass das Problem der überrissenen Saläre keineswegs nur auf unternehmerischer – und auch nicht nur politisch auf nationaler Ebene gelöst werden kann.

Da hilft es auch wenig, wenn die so genannte «Abzocker-Initiatve» hierzulande von drei Vierteln der Bevölkerung angenommen würde. Denn wenn nicht gleichzeitig in anderen Ländern ähnliche Einschränkungen eingeführt werden, dürften viele international tätigen Unternehmen in der Schweiz ins Ausland abwandern.

Deshalb ist die fragliche Motion zwar gut gemeint. Aber was es bräuchte, ist neben Lippenbekenntnissen aus den USA und Deutschland eine internationale Vereinbarung sämtlicher Staaten über die Höhe von Grundsaläre und Boni. Ohne internationales Vorgehen würde sonst nur der Grundstein gelegt für «Abzocker-Oasen», sodass sich die OECD bald wieder ans Erstellen allerlei bunter Listen machen müsste… 😉

 

Update vom 27.05.2009:

Der Ständerat hat eine Salärbeschränkung vorerst zurückgewiesen und will nun im Rahmen der Wirtschaftskommission vertieft über das Thema nachdenken.

3 Antworten auf „Boni und die machtlose Politik“

  1. ach dieses „beste-leute-laufen-weg“ – gejammer kann ich nicht mehr hören.

    wenn den unternehmensführungen in krisenzeiten klügere lösungen als „wir entlassen 8000 leute“ in den sinn kämen, hätten sie dieses problem nicht. denn alle, die bei einer solchen ankündigung genügend gute referenzen haben (gute leute) werden sich schnellstmöglich nach einer guten alternative umsehen. denn man weiss ja nie, vermutlich trifft es einem ja auch und dann sind die besten alternativstellen bereits weg. also handeln die topleute schnell und wechseln bevor ihnen gekündigt wird.

    die unternehmen müssten ihre krisenbewältigungsstrategie dringend überdenken. massenentlassungen, um den börsenkurs vorübergehend hochzutreiben bringen nichts. sieht man jetzt ja.
    im gegenteil, das vertrauen in die firma sinkt, denn jeder stellt sich vor: „wie können die mit 8000 leuten weniger, uns den gleichen service bringen?“

    und wie ich in meinem blog schon einmal schrieb: villiger soll junge, hungrige, unverfilzte, ideenreiche leute in die verwaisten kaderpositionen heben. nur so ändert sich was.

  2. Ebenfalls irgendwo gelesen (habe nur vergessen, wo): Die UBS kennt die Gründe, warum ihre „Topleute“ bei ihnen das Weite suchen … und will sie nicht veröffentlichen.

    Ich nehme jetzt mal an, dass sie keine Veröffentlichungshemmungen hätten, wenn der einzige Grund die Saläre wären, denn diesen Grund kommuniziert ja der Herr Villiger laut jammernd genug (er ist eine der allergrössten Enttäuschungen des Jahres!).

    Es gibt also noch andere Gründe. Wieder irgendwo gelesen (aber auch hier gilt: kann mich nicht erinnern, wo): Den Topleuten mit Topkunden fehlt bei der UBS die Sicherheit, das Vertrauen (kein Wunder, nach dem Schnellschuss mit der Herausgabe von Kundendaten).

    Und dann noch was: Da wandern also unsere „Topleute“ ab, nicht wenige von ihnen in England und den USA, also Leute aus Ländern, deren Regierungen beteuern, dass die Zeit der endlosen Gier vorbei ist.

    Alles Lippenbekenntnisse.

    Und wenn wir schon bei den Lippenbekenntnissen sind: Gestern gab es diesen herrlichen Artikel in der Sonntagspresse über die deutschen Banken mit Niederlassungen in der Schweiz – und ihre unzähligen Verbindungen zu Offshore-Handelsplätzen. Immerhin wollen sich Politiker in Deutschland diese Sache jetzt näher angucken.

    Ist eine irre Welt. Und ich habe so langsam den Verdacht, dass sich nichts ändern wird. Das Rennen um den Chlütter geht weiter. Schöne Aussichten.

  3. @ Lupe
    Hierzulande haben Manager zu führen und zu administrieren. Bislang hat noch niemand von ihnen verlangt kreativ zu sein – egal um welches Thema es auch geht…

    Und wenn sie nicht mehr weiter wissen – so mein Eindruck – zieht man eine externe Beraterfirma bei. Die sind nicht unbedingt kreativer, aber es ist wenigstens jemand da, der sie «begleitet»

    Wenn nicht die führenden Manager in einem Unternehmen kreativ sind, wer ist es dann? Kennt wer ein Unternehmen mit einer «Abteilung für kreative Lösungen», in welcher völlig losgelöst vom Bestehenden nach Neuem, Innovativem gesucht wird und zwar im Dienstleistungssektor?

    Bezüglich Deinem Vorschlag: Die junge, unverfilzten, unverbrauchten Leute könnten noch besser sein als die alte Garde…

    @ Frau Zappadong
    Ich habe mein Geld eigentlich nur noch deshalb auf der Bank, weil es Einbrecher dort schwerer haben als bei mir zu Hause (Platz hätte ich ja unter dem Kopfkissen 🙂 ). Ich komme in den nächsten Tagen nochmals aufs Thema «Banken» zurück…

    Übrigens, gemäss diesem Artikel plant die UBS, Kurzarbeit einzuführen. Ausgerechnet jetzt, wo doch irgendwer auch noch die Arbeit der davonlaufenden «Spitzenleute» machen muss. 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.