Talentshows sind…

…oberflächliche, seichte Unterhaltungsshows für den Mainstream, an welche in drei Monaten niemand mehr denkt. Oder kann man Talentshows doch etwas mehr, ja sogar etwas «Nachhaltiges» abgewinnen?

Vor rund einer Woche ging in Grossbritannien die dritte Staffel der Talentshow «Britains got talent» zu Ende. Zwar hat nicht die (via YouTube) favorisierte Susan Boyle gewonnen, quasi die weibliche Version von Paul Potts. Und doch dürfte die Show auf der gesamten Linie ein Erfolg gewesen sein. Dies zeigt sich auch dadurch, dass Susan Boyle selbst hierzulande ein Begriff ist. Der Erfolg dieser britischen Reality-Show zeigt sich auch in der Unwissenheit darüber, dass es das gleiche Format auch in den USA, in Australien, in den Niederlanden usw. gibt…

Ein echter Strassenfeger – in Grossbritannien

In der Schweiz hingegen haben Talentshows einen schweren Stand und arten schon mal zu einem Fiasko aus. In Deutschland werden sie beinahe am laufenden Band produziert, wobei die eigentlich Show eher in der Person eines bestimmten Jurors zu finden ist statt bei den Kandidatinnen und Kandidaten…

Wie kommt es aber, dass in Grossbritannien satte 19 Millionen britische Zuschauer (71.6 % Zuschaueranteil!) das Finale angeschaut und damit zu einem neuen Zuschauerrekord in diesem Jahrzehnt beigetragen haben?

Vom «Underdog» zum Star

Es fällt auf, dass unter den Finalisten viele aus der unter(st)en sozialen Schicht stammen. Das zeigte sich schon bei Paul Potts, widerspiegelt sich aber auch bei Susan Boyle. Stellvertretend für die dritte Staffel sei hier auch das folgende Beispiel des unsicher, müde und abgekämpft wirkenden, tagsüber und nachts arbeitenden Jamie Pugh gezeigt:

Alle Nicht-Brad Pitts, Nicht-Angelina Jolies oder Nicht-Celine Dions lechzen geradezu danach, wenn es «einer von uns» nach «oben» schafft. Man solidarisiert sich. Dabei spielt das Talent selber wahrscheinlich nicht eine so gewichtige Rolle wie die zum Teil widrigen, sozialen Umstände der Kandidierenden.

Ob dieses «Talent» dann auch ausreichend ist, um dauerhaft Erfolg zu haben, wird sich erst noch weisen müssen. Oder haben Sie wieder einmal etwas von Paul Potts gehört?

Die jeweiligen sozialen Umstände könnte mitunter auch ein Grund dafür sein, was solche Shows an talentierten Personen in die Öffentlichkeit treibt. Als «Underdog» aus der Not eine Tugend zu machen fehlt hierzulande eher. Es geht uns quasi zu gut, um auf diesem Weg zu versuchen aus einer materiellen Misere herauszukommen.

So betrachtet ist «Britains got talent» mehr als nur eine Talentshow. Es ist auch ein Spiegelbild der jeweils vorherrschenden sozialen Umstände.

Mangelnde Talentförderung

Die Zahl an Talentshows in allen Herren Länder zeigt vor allem auch einen Missstand unserer Gesellschaft auf: Es mangelt an Talentförderung.

Damit kein Missverständnis entsteht: Mit einer Talentshow werden mögliche Talente an die Öffentlichkeit be-fördert. Potentielle Talente werden dadurch aber noch nicht ge-fördert.

Anhand dieser Shows wird dieser Missstand vor allem im künstlerischen Bereich deutlich. Völlig vergessen gehen dabei alle anderen, weniger glamourösen Bereiche des ganz normalen Alltags. Damit ist nicht gemeint, dass es nun für jede Aktivität irgendeine Talentshow braucht. Damit ist gemeint, dass wir heute so gut wie keine Talentförder-Kultur haben.

Denn: Viele Talente offenbaren sich erst viel später im Leben. Sollen sie nur brachliegen – oder genutzt und gefördert werden? Wollen Sie ein Ihnen geschenktes Talent bei Ihrer täglichen Arbeit nutzen können oder wollen Sie lieber nur künstlich angelernte Fähigkeiten anwenden dürfen?

Kreativ, innovativ, bunt durchmischt

Wie bekannt, wurde Susan Boyle «nur» Zweite. Gewonnen hat stattdessen die Tanzgruppe «Diversity». Zu Recht, meint man in der Augenreiberei nach der Sichtung deren Auftritte, und zwar in mehrfacher Hinsicht:

Zwar mag die ausgewählte Musik nicht jedem gefallen. Auch sind vielleicht nicht alle Schritte oder Bewegungen gleich synchron. Doch Diversity ist eine bunt zusammengewürfelten Gruppe unterschiedlichen Alters, Rassen und Schichten. Schon alleine das verdient eine Medaille.

(Das Einbetten dieses Videos an dieser Stelle ist leider seitens YouTube nicht möglich, weshalb Sie kurzerhand «fremdgehen» müssen.)

Lehren ziehen

Im Laufe der verschiedenen Auftritte hat «Diversity» wiederholt gezeigt, wie kreativ und innovativ sie sind. Wenn somit etwas Nachhaltiges aus dieser Talentshow resultieren soll, dann das, dass man es mit Kreativität und innovativen Ideen an die Spitze schaffen kann.

Talentförderung auf allen Ebenen, kreative und innovative Ideen fördern und umsetzen und dies im Rahmen einer in mehrfacher Hinsicht bunt durchmischten Gruppe: That’s the spirit, welcher unsere Gesellschaft, vor allem aber den Grossbetrieben in unserer Wirtschaft ganz gut bekommen würde. Insofern kann eine  Talent-Show nicht nur für andere, weniger privilegierte Menschen ein Vorbild sein…

 

 

«Bonus Track»

Sie haben es bis hierhin geschafft? Na dann haben Sie sich für Ihr Ausdauer-Talent aber einen kleinen Bonus verdient – natürlich in Form eines Ausschnitts aus der Vorselektion der fraglichen Show.

Zum besseren Verständnis müssen Sie sich zuerst diesen Original-Ausschnitt anschauen, welchen Sie gleich bis zur Position 2:00 vorspulen können (bitte achten Sie im Speziellen auf die Körperhaltungen des Protagonisten):

 

Nachdem Sie sich nun das stolze Gestampfe und Gehabe des Michael Flatley verinnerlicht haben, sind Sie ja nun bestens gerüstet, die «Stavros Flatley» anzuschauen. Viel Spass! 😉

Einfach eine wunderbar gelungene Parodie!

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