Leistung, Leistung, Leistung

Bitte immer schneller, effizienter und leistungsfähiger werden: Willkommen in der heutigen Leistungsgesellschaft! Wer (noch) Teil dieser Arbeitswelt ist, der weiss, dass diese Anforderungen keine Illusion, sondern Realität sind.

Wer sich noch zu einer jüngeren Generation zählt und einigermassen ein Mitgefühl auch für andere Menschen empfinden kann, dem löst der Anblick der älteren Arbeitskollegen und ihrer manchmal unbedarften Arbeitsweise irgendwie Mitleid aus. Unter HTL kann sich diese Generation noch etwas vorstellen, unter HTML schon weniger. XXL kennt sie, aber XML ist ihr fremd. Und – diese Generation wurde nicht mit einer angeborenen Copy-Paste-Finger-Grundhaltung geboren…

So fragt man sich heute, 25, 30 oder 35 Jahre vor der Pensionierung, ob man irgendwann auch zu jenen gehört, welche bemitleidet werden, weil sie dann gegenüber jüngeren Generationen nicht mehr über die nötigen «angeborenen» Fähigkeiten verfügen und weil es einem schwierig fällt, den jährlich steigenden Anforderungen zu folgen und weil man es schlussendlich leistungsmässig «einfach nicht mehr bringt»…

Und dann kommt sie, Jahrgang 1978, und wirft hüftstemmend sowie stellvertretend für Ihre Partei alle in den Topf «Leistungsverweigerer der 68er-Generation». Dabei fordert sie, dass Kindsein nicht mehr drinliegt, sondern mittels Zucht und Ordnung jedes Kind (wieder) zu einer Leistungsmaschine herangezüchtet werden soll.

War es nicht auch dieses Nur-auf-Leistung-getrimmt-sein, dieses ständig Maximierende einer (1968?-)Generation, welches mitunter zur aktuellen Krise geführt hat?

Zu Recht protestiert Frau Zappadong gegen den Vorwurf, heute wäre kein Leistungsdruck in der Volksschule vorhanden, und wendet sich in einem offenen Brief an sie.

Und falls ihr die Argumente von Frau Zappadong noch nicht genügen, findet sie ja vielleicht hier ausreichend leistungsfähige und qualifizierte Fachkräfte zu «marktüblichen» Konditionen…

7 Antworten auf „Leistung, Leistung, Leistung“

  1. Wer sich noch zu einer jüngeren Generation zählt und einigermassen ein Mitgefühl auch für andere Menschen empfinden kann, dem löst der Anblick der älteren Arbeitskollegen und ihrer manchmal unbedarften Arbeitsweise irgendwie Mitleid aus.
    Ich konzentriere mich nur auf diese obige Erwähnung. Unsere Zeit ist schnelllebig geworden, zweifelsohne, aber damit sind auch die vielen Fehler, die heute als „menschlich“ abgetan werden, vorprogrammiert.
    Die unbedarfte Arbeitsweise der älteren Arbeitskollegen mag zwar nicht mehr in die heutige Zeit passen, aber genau diese Arbeitsweise war es, die den Kunden zu 100% zufrieden stellte.
    Kaufst du heute ein beliebiges Produkt via Telefon oder Internet, kannst du sicher sein, dass irgendetwas schief läuft. Verlässt du dich auf die Kassiererin im Coop aufs richtige Eintippen, so bist du verlassen. Traust du einem Handwerker, so kannst du sicher sein, dass schlussendlich Pfusch dabei rauskommt.
    So erlebe ich unsere heutige, schnelllebige Zeit. Jeder meint, er sei etwas Besseres, aber das, was heute als unbedarft angesehen wird, war ein Luxus den wir nie wieder haben werden.
    Auf Schnelligkeit werden wir getrimmt, die Qualität scheint heute keine Rolle mehr zu spielen.

  2. @ Ate
    Mit «unbedarf» war vor allem ungeübt oder unerfahren im Umgang mit den heutigen (modernen) Mitteln gemeint.

    Die von Dir angesprochene Schnelllebigkeit zeigt sich auch darin, dass man sich nicht mehr die Zeit nimmt, auch ältere Menschen in die «Geheimnisse» der ach so modernen Gesellschaft einzuweihen. Denn älter heisst schliesslich nicht automatisch weniger intelligenter…

    Vor etwa zwei Jahren hatte ich erstmals davon gehört, dass Unternehmen durchaus auch wieder Personen um die 60 den Jungspornen vorziehen, weil diese eben Dinge mit sich bringen, die die jüngere Generation nicht (mehr) kennt. Wer Menschen allen Alters berücksichtigt, der hat’s meiner Meinung nach begriffen. Schliesslich besteht unsere Gesellschaft und unser Leben nicht nur aus Jungen.

  3. „Unbedarf“ habe ich schon richtig verstanden und daraus auch abgeleitet. Aber lieber „unbedarf“ auf die neuesten Technologien, als „nicht kompentent“ der Meinung zu sein: Ich, nur ich bin der Beste, ohne zu merken welch kümmerliche Nummer er in unserer schnellebigen Welt ist.

    Auf Deinen Schlusssatz einzugehen: Warum meinst Du wohl, holen sich Firmen wieder ältere Semester in ihre Unternehmen?

    Vieleicht sehen sie bei den älteren Semestern deren Qualifikationen, die bei unseren jüngeren Arbeinehmern durchwegs nicht mehr vorhanden zu sein scheint.

  4. diese Woche habe ich in einer beruflichen Runde 30-jähriger CSS als erklärendes Beispiel erwähnt. Staunende Blicke. Nein, Titus, ob jemand einen fachspezifischen Begriff aus der Webgestaltung zuordnen kann, sagt gar nichts über seine sonstigen Qualifikationen aus.

  5. @ Bruder Bernhard
    Von fachspezifischen Begriffen war eigentlich nicht die Rede, sondern von einer «manchmal unbedarften Arbeitsweise».

    Das ist heute ja irgendwie auch «normal», da die jüngere Generation mit den neueren Instrumenten quasi aufwächst (z. B. ein Internet-Browser), der ältern erklärt man diese aber nicht einmal… 🙁

    Ich stimme Dir allerdings zu, dass jünger nicht generell «fachkundiger» heisst. Wir wissen ja alle, dass die Milch von der Migros kommt und nicht von der Kuh…

  6. „Dabei fordert sie, dass Kindsein nicht mehr drinliegt, sondern mittels Zucht und Ordnung jedes Kind (wieder) zu einer Leistungsmaschine herangezüchtet werden soll.“

    Wir sind die BORG, sie werden assimiliert, ihre kulturellen und technischen Eigenarten werden den unsrigen hinzugefügt. Widerstand ist zwecklos!

    Oder einfach Chip ins Hirn, dann klappt es auch mit der „älteren Generation“ wieder, obwohl wenn man Jasmin Hutter liest, dann müsste so ein Chip wohl schon vor bzw. bei der Geburt eingesetzt werden…

    Sehe da sogar noch Vorteile für die Demokratie – nein echt – so könnte man sobald einer dann Politiker wird, den Chip „One-the-Fly“ so umprogrammieren, dass der betreffende sobald er lügt einen leichten Stromschlag kassiert…

    Da bekommen Dinge wie „vorprogrammiert“ und „leistungsfähige…«marktüblichen» Konditionierungen ehh Konditionen“ auch plötzlich eine ganz andere Bedeutung, nicht?

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