Kriegsgräuel anno…

Gewiss haben auch Sie schon in Büchern oder Filmen über vergangene Kriege von Kriegsgräueln an der Zivilbevölkerung gelesen oder gehört. Die nachfolgenden Erzählungen reihen sich da ein.

So weiss A. s.-A. zu erzählen:

 

«Ich lebte in diesem Haus mit meiner Frau, meinen drei verheirateten Söhnen und ihren Frauen und elf Kindern und mit meinen vier unverheirateten Söhnen. Meine zwei Neffen, deren Frauen und 15 Kindern leben ebenfalls bei uns. Wir sind alles in allem 45 Personen.

In der Nacht vom Samstag auf den Sonntag hörten wir Lärm auf dem Dach und wir schlussfolgerten, dass Soldaten aus einem Helikopter herabstiegen, da das Tor und der Haupteingang verschlossen waren und niemand anderweitig eindringen konnte.

Wir hörten sie gegen das Dach schlagen, doch niemand wagte es nach oben zu gehen um nachzuschauen, was los war. Wir blieben alle im Erdgeschoss.

Um 6.30 h hörten wir ein Schlagen gegen die Eingangstüre, worauf zahlreiche Soldaten rein kamen. Sie packten mich am Kragen und fragten nach Waffen und ich sagte, dass wir solche Dinge nicht haben. Sie fesselten uns alle, Männer wie Jungen, verbanden unsere Augen und brachten uns alle zusammen mit den Frauen und den Mädchen in einen Raum im Erdgeschoss.

(…)

Wir wurden während eineinhalb Tagen festgehalten. Wir hatten nur etwas Essen für die Kinder, aber nicht genug. Wir hatten auch kein Wasser.

Am zweiten Tage (Montag) kam mein Cousin M. mit seiner Frau und deren Kind und klopften an die Tür, da sie aus dem Haus meines Verwandten W. auf der gegenüberliegenden Strassenseite flohen, welches beschossen wurde und wobei viele Verwandte getötet wurden.

Er wurde ebenfalls gefesselt, seine Augen wurden ebenfalls verbunden und alle drei kamen in den gleichen Raum zu uns.

Als Cousin M. erzählte, dass W.’s Haus beschossen und viele Verwandte getötet oder verletzt wurden, schrieen und weinten die Frauen und Kinder, sodass die Soldaten kamen und fragten, was wir wollten und wir sie anflehten, uns laufen zu lassen. Schliesslich sagte die Armee, alle ausser M. und mein Neffe I. könnten gehen, damit wir beide ebenfalls getöteten würden, falls die gegnerischen Kämpfer herausfänden, dass sich in unserem Haus Soldaten befinden.

(…)

Wir verliessen das Haus zu Fuss und einige Verwandte begleiteten uns. Die Soldaten sagten, wir sollen laufen und nicht stehen bleiben. Mein Neffe I. lief vor mir und ich sah ihn fallen und dachte, er wäre gestolpert, doch dann sah ich, dass ihm ins linke Bein geschossen wurde. Ich stoppte um ihm zu helfen, doch Soldaten im Haus der Familie J. schrieen, weiter zu laufen oder sie würden erneut schiessen, also liefen wir weiter.

Der Neffe I. krabbelte noch ein Stück und brach schliesslich zusammen. Seine Frau und seine fünf Kinder sahen zu wie er angeschossen wurde, krabbelte und zusammenbrach, doch weder sie noch wir konnten helfen, da dies die Soldaten nicht zuliessen.

Weiter in der S.-Strasse trafen wir auf eine Ambulanz, doch diese konnte nicht an den Ort, an dem I. zusammenbrach, sodass er schliesslich dort starb

(…)

M. A. R., Vater von fünf Kindern und Polizist, erzählt:

«Am Montag Morgen gegen zehn Uhr kamen Soldaten zu meinem Haus und nahmen mich zu einem Nachbarshaus mit, in welchem sie bereits andere Nachbarn festhielten.

Die Soldaten schossen aus dem Haus, doch ich wusste nicht worauf, da ich nichts sehen konnte.

Morgens um zwei Uhr zog mich ein Soldat nach draussen, zeigte auf H.’s Haus und erzählte mir, in dieses Haus zu gehen um die Waffen sowie die Kleider der bewaffneten Männer abzunehmen, welche sie getötet hatten. Ich lehnte ab, doch zwangen sie mich zu gehorchen.

Ich ging ins Haus und fand dort drei lebende, bewaffnete Männer der Gegner. Sie forderten mich auf sie zu verlassen und nicht zurückzukommen, ansonsten würden sie auf mich schiessen. Ich ging zurück zu den Soldaten, welche mich die Kleider ausziehen liessen, mich umdrehten und mich erzählen liessen, dass die drei noch lebten. Sie legten mir daraufhin Handschellen an und schossen erneut auf das Haus von H.

Später schickten sie mich nochmals um nach den bewaffneten Gegnern im Haus zu sehen. Ich fand einen verwundet und die anderen unverletzt und sie sagten: „Sag dem Offizier, dass wenn er ein richtiger Mann ist, er selber herkommen soll.“

Ich ging zurück und erzählte dies den Soldaten, welche mich daraufhin verfluchten und erneut in Handschellen legten.

Ich hörte, wie ein Helikopter sich näherte, gefolgt vom Geräusch einer explodierenden Rakete. Die Soldaten sagten, dass sie jetzt sicher sind, nun die bewaffneten Männer im Haus mittels Rakete getötet zu haben. Aber als ich nachschaute sah ich, dass die Rakete mein Haus und nicht das Haus mit den Bewaffneten traf. Dies erzählte ich den Soldaten.

Gegen Mitternacht, zwischen Montag und Dienstag, wurde ich ein dritten Mal dazu gedrängt, nachzuschauen ob die bewaffneten Gegner tot waren. Ich fand zwei von ihnen immer noch lebend, allerdings unter Geröll verschüttet. Der Dritte hielt immer noch seine Waffe.

Ich erzählt dies den Soldaten, welche noch wütender wurden, mir nicht glaubten und deshalb zwei Teenager schicken wollten, um Fotos zu machen. Sie lehnten ab, doch die Soldaten schlugen sie, sodass sie schliesslich doch gingen und die Fotos schossen. Anschliessend schickten die Soldaten einen Hund ins Haus. Das war so gegen zehn oder elf Uhr morgens.»

Y. A., Vater von fünf Töchtern und vier Söhnen zwischen vier und zweiundzwanzig Jahren, berichtet Folgendes:

«Am Montag gegen 10.30 h betrat eine Gruppe von Soldaten unser Haus und sperrte uns alle im Keller ein, währenddem sie wieder nach oben gingen.

Sie nahmen uns die Mobiltelefone ab und verboten uns, uns zu bewegen. Sie nahmen ebenfalls alle Laken und Matratzen weg. Wir hatten kein Essen und kein Wasser. Die Kinder waren verängstigt, unterkühlt, hungrig und durstig, doch wir hatten nichts. Wir waren während zwei Tagen in dieser Lage.

Nach einem Tag verlangten die jüngeren Kinder verzweifelt nach Wasser, sodass ich ihnen jenes bisschen Wasser gab, welches im Spülkasten des WC noch vorhanden war; es gab keine andere Alternative.

Nach zwei Tagen, am Mittwoch Morgen, schmiessen uns die Soldaten aus dem Haus. Ich bat noch darum nach oben gehen zu dürfen um einige Kleider und Schuhe mitnehmen zu können, aber die Soldaten liessen uns nicht. Wir mussten das Haus barfuss und mit dem verlassen, was wir trugen, als die Soldaten zwei Tage früher in unser Haus kamen.»

Y. A.’s Haus wurde später noch zerstört…

Falls Sie nun glauben, diese Gräuel wurden im zweiten Weltkrieg oder im Korea- oder Vietnamkrieg verübt, so liegen Sie ebenso falsch wie wenn Sie meinen, diese Fälle von «humanitären Schutzschilden» wären Einzelfälle.

Es sind Kriegsgräuel anno 2009 (!), leicht anonymisiert und frei ins Deutsche übersetzt aus diesem 127-seitigen Bericht. Es ist folglich nur ein kleiner Auszug aus diesem insgesamt sehr erschütternden Bericht.

Dass hier Menschenrechte aufs Ärgste verletzt wurden, muss wohl nicht noch speziell erwähnt werden…

Eine Antwort auf „Kriegsgräuel anno…“

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