Sommerrätsel: Finde die kommunikativen Stolpersteine!

Zugegeben, in der Augenreiberei schraubt man oftmals an irgendwelchen Sätzen herum, dreht sie, spaltet sie auf, führt sie wieder zusammen, verschachtelt sie andersrum, relativiert oder verschärft sie, präzisiert oder verallgemeinert sie – bis dann hoffentlich alles so klar gesagt ist, wie es gesagt werden möchte.

Da kann sich schon einmal ein Schreibfehler einschleichen. Oder ein Satz ist un- oder missverständlich. Aber hey – dies ist ein privates, nicht-kommerzielles und werbefreies Blog. Da darf das schon einmal vorkommen.

Anders sieht es allerdings aus, wenn hinter einer Sache ein kommerzieller Anbieter steckt. Da darf man erwarten, dass das Geschriebene sitzt, denn jeder Fehler, egal ob auf grammatikalischer, orthografischer oder stilistischer Ebene, lässt an der Professionalität des Gewerbetreibenden zweifeln. Schliesslich ist die Unternehmenskommunikation das Gesicht des Unternehmens.

Die Augenreiberei lädt Sie zu zwei Sommerrätseln bezüglich Unternehmenskommunikation ein. Enthemmen Sie sich und lassen Sie die «die Super-Nanny der Fehlersuche» in Ihnen aus sich raus! Spielen Sie dabei durchaus auch einmal die Dumme oder den Dummen.

Rätsel 1: Für AnfängerInnen

Flyer

Aufgabe
Finden Sie in der oben stehenden Abbildung den einen sprachlichen Fehler und formulieren Sie auf gleiche (fehlerhafte) Weise einen Tipp ans betreffende Unternehmen, um zukünftig derartige Fehler zu vermeiden.

Für die beiden richtigen Antworten gibt’s ein Sugus zu gewinnen (muss abgeholt werden). Es gewinnt, wer zuerst beide Antworten abliefert.
  

Rätsel 2: Für Fortgeschrittene

Die Post, Info-Mail vom 23.07.2009

Aufgabe
Finden Sie in oder aus der oben stehenden Abbildung…

  • …die Fehler in Grammatik, Orthografie und Stil
  • …jene Begriffe, welche 80 % der Empfänger nicht verstehen
  • …jene Punkte oder Aussagen, welche für 80 % der Empfänger missverständlich oder unklar sind
  • …heraus, welche Nutzer wessen Dienstleistung oder Website überhaupt angesprochen sind

Bonus-Frage:

  • Wie lautet eigentlich die weibliche Form im Plural von «Fortgeschrittene»?

Super-Bonus-Frage:

  • Nennen Sie mindestens zwei Gründe für das oben gezeigte kommunikative Malheur.

Zu gewinnen gibt’s ein Glacé nach freier Wahl (muss abgeholt werden). Mit der richtigen Beantwortung der Bonus-Frage respektive der Super-Bonus-Frage verdoppelt sich jeweils der Gewinn. Es gewinnt, wer die meisten Punkte findet.

  
Der Rechtsweg ist ebenso ausgeschlossen wie der Linksweg, einzig der Mittelweg ist zulässig in Form der unten stehenden Kommentarfunktion.

Viel Glück!

8 Antworten auf „Sommerrätsel: Finde die kommunikativen Stolpersteine!“

  1. Ich probiere es mal:
    1.1. Wer weiss, dass „tu was“ eigentlich „tu etwas“ heisst, würde es wohl mit „do something“ übersetzen. „what“ ist und bleibt ein Fragewort.
    1.2. 4 für fo(u)r dürfte weit herum bekannt sein, passt aber nicht zu einem Schönheitssalon (ist es einer?)
    1.3. Eine ästhetische Behandlung muss noch kein ästhetisches Resultat ergeben.
    1.4. Dass man modern (aktuell, neu, optimal etc) nicht steigern sollte, haben uns die Werbefritzen längst ausgetrieben.
    1.5. Ich nehme an, dass du die Kontaktdaten aus Diskretion nicht abgebildet hast
    1.6. Der Fleck auf dem Gesicht, war der aufgedruckt?

    2.1. Die Pronomen im ersten Satz beziehen sich auf „unsere Kunden“, sind also nicht Höflichkeitsform und müssen klein geschrieben werden.
    2.2. E-Mail ist bei der ersten Nennung sächlich (schweizer Gebrauch), dann weiblich (deutscher Gebrauch). Wurden da zwei Texte zusammenkopiert?
    2.3. Im Zweifelsfall kann man auch zweifelsfalls schreiben, denke ich, aber nicht beides gleichzeitig.
    2.4. Ja, wer ist eigentlich der Adressat?

    3. Der / die / das Fortgeschrittene, die Fortgeschrittenen.
    Ich kann dir höchstens „les avancées“ als weiblichen Plural bieten.

    4.1. Mischung von Englisch und Deutsch
    4.2. Texte ändern, ohne alles durchzulesen
    Alles ein bisschen nach dem Motto: Gedankenlos gemischt.

    Wahrscheinlich habe ich nicht alles gefunden. Der Kopf ergänzt Fehlendes und meistens sogar richtig.

  2. Danke, Tinu, nicht schlecht. Ein halbes Sugus ist Dir gewiss 😉

    Unter Rätsel 1 hatte ich den von Dir aufgeführten Punkt 1.1 erwartet. In einem 10vor10-Beitrag wurden einmal Leute auf der Strasse gefragt, ob sie u. a. wüssten, was der Slogan «The future’s bright, the future’s» von Orange bedeute. Kaum jemand wusste darauf eine Antwort…

    Zum Punkt 1.2 (zwar nicht verlangt): Stimme Dir zu. Doch: Wenn schon abgekürzte Schreibweise, warum dann nicht auch gleich das «you» mit einem «U»? Schön ist das auf jeden Fall nicht, aber «trendy»…

    1.3: Was lässt Dich von einem ästhetischen Ergebnis schreiben?
    1.4: Hatte ich selber gar nicht bemerkt, bin aber auch kein «Werbefritz».
    1.5: Genau.

    1.6: Anlässlich meiner fotografischen Behandlung habe ich der Dame auf dem Bild irrtümlich einen Schönheitsfleck verpasst. Was hingegen nicht von mir ist, ist die dunkle Linie auf dem Nasenrücken. Eine Folge der «multifunktionalen Technologie»? 😉

    Hier fehlt noch ein auf die gleiche Weise formulierter Tipp ans betreffende Unternehmen.

    2.1, 2.2., 2.3: Hui, diese Punkte hatte ich selber noch gar nicht beachtet (so von wegen der Kopf ergänzt Fehlendes). Es hat aber noch einige Fehler mehr… Achte doch noch auf die Übereinstimmungen in den Fällen, Einzahl/Mehrzahl sowie die getrennte/nicht-getrennte Schreibweise…

    Mir fehlt vor allem auch noch etwas zur Verständlichkeit respektive Missverständlichkeit. Deshalb hatte ich eingangs darum gebeten, sich etwas «dumm» zu stellen. Denke dabei an den DAU, an den Dümmsten Anzunehmenden User 🙂

  3. Da Tinu schon mächtig abgeräumt hat, hole ich halt die andere Hälfte vom Sugus.
    „U better look in2 a wordbook be4 U waste money 4 a flyer“

    Und beim Fortgeschrittenen-Rätsel bleibt nur noch der gestalterische Fehler, die schnelle (trotz Zusatzschlaufe über Härkingen laufende) Post mit den gemächlichen Flügzüügs zu vergleichen.
    Oder machen die auch gleich den Support?
    „Jaaaa … tüet schnäu warte … i ga schnäu ga nacheluege …“

  4. Besten Dank, Bobsmile!

    Für den originellen Tipp geb‘ ich Dir ein Extra-Sugus 😉

    Ich dachte eher an ein «Do what 4 your english», aber Deine Lösung ist da amüsanter.

    Zum Rätsel 2 und apropos Geschwindigkeit: Wären die Berner wirklich so langsam wie man ihnen immer nachsagt, dann hättest Du beim (langsamen) Durchlesen noch mehr entdeckt. Häng‘ mal den Klischee-Berner raus und liess den Text nochmals durch… 😉

  5. Jaaa, itze gseeehnis.

    2.5 „Achtung vor Phishing Mails“ heisst doch eigentlich, dass ich (Hoch-)Achtung vor Phishing Mails haben soll? Hehe.
    „Achtung bei Phishing-Mails“, oder „Vorsicht, Phishing-Mails!“

    2.6 Einige unsere[r] Kunden (einige DER Kunden)
    2.7 … erhalten E-Mails, in [der] DENEN …
    2.8 … ihr E-Mail Konto zu aktualisieren. Wir aktualisieren … (-> unschöne Wortwiederholung)
    2.9 Phishing Mails -> Phishing-Mails
    2.10 Herr und Frau Durchschnittsnutzer wissen wohl nicht, was mit unbekannter oder verdächtiger URL/Adresse gemeint ist. Was ist ein Link und was soll der Kunde genau vermeiden?
    „Klicken sie nicht auf verdächtige Links“ – wäre wohl treffender, aber wie erkennt der Kunde, wohin der Link führt (ohne ihn anzuklicken?) Mit der Maus darüber schweben und unten links oder im „Balloon Help“ die Adresse inspizieren, das machen wohl die wenigsten Kunden.

    Ich bin sicher, das war noch nicht alles. 😉

  6. Siehst Du nun, dass es manchmal auch was bringt, ein Klischee rauszuhängen? 🙂

    Du hast viel noch Verbleibende gefunden. Ich lös‘ dann mal auf:

    2.5 Genau, man hat Achtung vor einem bestimmten Menschen, aber sicher nicht vor Phishing.

    2.6 Yep
    2.7 Exakt, dann stimmt’s mit der Einzahl/Mehrzahl
    2.8 Es ist nicht nur die unschöne Wiederholung, es ist auch das Verwirrspiel zwischen den «Aktualisierenden»; einmal ist es der Kunde, einmal die Post
    2.9 Richtig. In diesem Sinne müsste auch «E-Mail-Konto» und «E-Mail-Adresse» zusammen und nicht getrennt geschrieben werden.
    2.10 Genau, ob alle verstehen, was mit «URL» gemeint ist, wage ich zu bezweifeln. Und wenn man keine Ahnung hat, was damit gemeint ist, versteht man auch nicht, was für ein Typ von «Adresse» gemeint ist. Viele denken wohl spontan an die physische Postadresse, schliesslich kommt dieses E-Mail ja auch von der Post. Oder es ist einfach nur fachchinesisch…

    Im gleichen Sinne sehe ich das mit «SPAM». Diesen Begriff haben vielleicht schon viele gesehen, aber was damit gemeint ist, dürfte für einige ein Rätsel sein. «Phishing» geht auch in diese Richtung. Da verwendet man einen solchen Begriff ohne ihn ausreichend zu erklären. Unnötig, so mit Fachbegriffen um sich zu schmeissen, wenn man ein allgemeines Publikum anspricht, oder?

    «Phishing Mails»: Nicht im E-Mail wird Phishing betrieben, sondern auf einer Website. Zusammen mit dem restlichen Text könnte man aber meinen, dass schon alleine das E-Mail gefährlich sei.

    «In diesem Fall…»: Ja gibt’s denn noch weitere Fälle?

    «…gefälschte E-Mail-Adresse»: Das versteht doch keiner, wenn man gerade eben ein E-Mail mit besagter Adresse erhalten hat. Dass das, was vordergründig angezeigt wird, nicht dem entsprechen muss, was hintergründig angewandt wurde, wissen nicht viele.

    «…präparierte Phishing Seite»: Nun, eine Phishing-Seite ist immer «präpariert». Der Rabe ist auch immer schwarz 🙂 . Zudem ist das wieder so ein Fremdwort, das noch lange nicht alle verstehen.

    «…wo bei einem Login»: Die falsche Verwendung von «wo» ist leider schon beinahe eine Volkskrankheit.

    «…nicht Ersteller und Absender dieser E-Mail…»: Angesprochen ist DIE Schweizerische Post. Demnach ist DIE Schweizerische Post nicht DIE ErstellerIN und nicht DIE AbsenderIN dieser E-Mail.

    «Löschen Sie/reagieren Sie nicht»: Wer der Lösch-Aufforderung folgt, reagiert eben doch auf dieses E-Mail…

    «Beachten Sie generell, wohin die Links in E-Mails führen»: Beim ersten Mal durchlesen habe ich nicht verstanden, wie ich etwas in einem E-Mail beobachten kann, das ich soeben gelöscht haben soll…

    Wie Du schreibst (2.10), ist es schwierig zu erfahren, wohin Links in E-Mails führen. Genauso ist es mit dem Link «Kontakt» rechts unten in diesem E-Mail… Zudem kann ich nicht verstehen, weshalb man nicht gleich sagt, wie denn die richtige «URL» lauten muss (dann wüsste ich vielleicht auch, weshalb ich angeschrieben wurde).

    Dann der Hinweis auf den Support – ohne Angabe einer E-Mail- oder Web-Adresse oder einer Telefonnummer.

    Zudem wäre da noch das Bild der beiden Herren rechts oben. Sind das der CEO und der Verwaltungsratspräsident der Post? Sehen die nicht ulkig aus? Kann man ein E-Mail ernst nehmen, das solche Herren zeigt? (ich weiss natürlich, dass das nicht CEO + VR-Präsi sind).

    Und schliesslich noch jener Satz, welcher diesem E-Mail über eine doch ernsthafte Sache die Krone aufsetzt und mich schliesslich dazu bewogen hat, dieses E-Mail «auseinanderzunehmen»: «Phishing Mails sind oft sehr schlecht übersetzt UND VOLLER FEHLER». Na dann muss dieses E-Mail der Post aber auch ein «Phishing Mail» sein…

    Ich hab‘ den Sugus-Kontostand nicht so im Griff. Ich geb‘ einmal mal allen eine Runde aus 🙂 Besten Dank fürs Mitmachen.

  7. Da sieht man, wie schwer es einem Informatiker fällt, sich bei diesem Thema dumm zu stellen. Darum schnell noch zurück zum ersten Fall. Die „ästhetische Behandlung“ hat mich deswegen gestört, weil ich es so verstehe, dass die Behandlung selbst schön anzusehen ist. Der Kundin dürfte aber die Schönheit der Apparaturen und deren Anwendung nicht so wichtig sein. Sie selbst soll nachher schöner sein.
    Ich freue mich schon auf den nächsten Newsletter irgendeiner Firma, um den zu analysieren.

  8. Ach so hattest Du das gemeint!

    Tatsächlich ist es fraglich, ob die Behandlung effizient und ästhetisch durchgeführt wird oder ob nicht eher die Methode zur ästhetischen Behandlung effizient ist.

    Gewiss werde ich weitere Fälle bringen, sofern sie so viele Fehler enthalten für ein so wichtiges Thema wie bei der Post. Der Flyer war ja eigentlich nur ein «Aufwärmerli» oder ein «amuse bouche» 😉

    Bobsmile hatte da aber auch ganz etwas Spannendes in seinem Briefkasten…

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