Na dann (flat)raten Sie mal!

Politische Werbung gehört wohl zur heikelsten Kategorie von Werbung, denn dabei läuft in der Regel immer alles auf einen bestimmten Termin hinaus. Wenn es nicht gelingt, kurz und verständlich eine Botschaft «an den Mann oder an die Frau» zu bringen, gibt es kaum eine zweite Chance.

Wir haben in den vergangenen Jahren ja schon so Einiges erlebt, was politische Werbung anbelangt: Messerstecher, schwarze Schafe und ähnliches.

Kurz und verständlich

Im Zentrum stand dabei häufig ein eindrückliches Motiv (zumindest sollte es eindrücklich sein) und eine kurze, verständliche Botschaft in Form von einigen wenigen Worten, wozu auch immer ein grosses «Ja» oder «Nein» gehörte.

Im Kanton Thurgau zeigt sich die politische Linke ziemlich wagemutig, indem sie offensichtlich wenig Wert legt auf die Verständlichkeit. Sie wirbt nämlich mit einem «Nein zur Flatrate» für eine kantonale Abstimmung vom kommenden 27. September 2009.

HP_Flatrate-nein

Ausschnitt der Website des Nein-Komittees unter www.flatrate-nein.ch:
Unklarer «Aufhänger» (Flatrate), düsteres Umfeld, wenig ansprechend.

Im deutschsprachigen Raum ist der Begriff «Flatrate» wenig bekannt. Er wurde in Deutschland vor allem durch Angebote seitens Internet-Providern oder Mobilfunk-Anbieter gängig. Hierzulande wird er jedoch, mit Ausnahme von Sunrise, gar nicht oder kaum verwendet (OrangeSwisscom) und wenn, dann auch nur abgekürzt («flat»). Und selbst da muss dem Kunden zuerst erklären werden, worum es sich dabei überhaupt handelt…

Bei der «Flatrate» im Kanton Thurgau geht es allerdings nicht um Pauschaltarife von Internet-Providern oder Mobilfunk-Anbietern, sondern um die Revision des thurgauischen Steuergesetzes. Gelegentlich findet man denn auch die korrekte englische Bezeichnung «Flat rate tax».

Die politische Rechte: Unmissverständlicher

Die jüngeren, eher Internet-orientierten Abstimmenden dürften wohl ebenso wenig verstehen, worum es bei «Flatrate» geht wie die älteren, abstimmungsfreudigeren Generationen.

Geschickter agiert da die politische Rechte. Sie scheint dem in der vorgängigen, politischen Diskussion verwendeten Begriff «Flatrate» nicht aufgesessen zu sein und wirbt daher mit einem unmissverständlichen «Ja klar! Steuerentlastung für alle…»

HP_Steuerentlastung-ja

Ausschnitt der Website des Ja-Komittees unter www.steuerentlastung-fuer-alle.ch:
Verständlich, hell, attraktiv.

So könnte es durchaus sein, dass die Nein-Flatrate-Parteien, zu welchen auch die Thurgauer Ja-SP-Partei gehört, bei dieser Abstimmung vor allem deshalb ziemlich flach rauskommen, weil deren verwendeter Hauptbegriff niemand versteht und damit sämtliche Werbung im Nichts verpufft.…

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