Weltreligion Kapitalismus

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs wissen wir: Es kann nur eine geben – nur eine Wirtschaftsordnung. Man nennt sie «Kapitalismus». Und obschon sie DIE Wirtschaftsordnung ist, führt sie doch zu einer ziemlichen «Unordnung»…

Das Thema ist aktueller denn je, denn anlässlich der jüngsten UNO-Vollversammlung waren zu Recht Klagen seitens der so genannten «Schwellenländer» zu hören, wonach diese nun den Preis für die in der ersten Welt angerichtete Wirtschaftskrise zu zahlen hätte.

Trotzdem – und das ist nicht als Vorwurf zu verstehen – auch die Schwellenländer orientieren sich am Kapitalismus und dies obwohl inzwischen allen bekannt sein dürfte, dass es sich hierbei nicht um das Ei des Kolumbus handelt (vielleicht hätte es besser auch nur das Ei und nicht den Kolumbus gegeben…)

Zu diesem weit reichenden Thema empfiehlt die Augenreiberei die folgenden vier Teile der ORF-Dokumentation «Der Kurssturz des Goldenen Kalbes – Welche Religion kommt nach dem Kapitalismus?» (via)

Teil 1/4


 

Teil 2/4


 

Teil 3/4


 

Teil 4/4


 

Der nachfolgende 10vor10-Beitrag des Schweizer Fernsehens vom 23. September 2009 macht deutlich, dass Sie weiterhin gebeten sind, bei Ihrem «Einkaufserlebnis» noch freudiger einzukaufen, denn schliesslich muss der Rubel rollen.

Dass die Migros eine Genossenschaft und damit primär eigentlich nicht gewinnorientiert ist, tut der Sache keinen Abbruch. Wenn’s schon eine «soziale Marktwirtschaft» gibt, kann es ja auch eine kapitalistische Genossenschaft geben…

  

Falls sie noch nicht genug von dieser «Religion» gesehen haben, können Sie dann ja noch Michael Moores jüngsten Film «Capitalism – A Love Story» anschauen gehen. Hier schon mal der Trailer dazu:

Und jetzt aber wieder an die Arbeit, denn Zeit ist Geld, Geld ist Konsum und nur Konsum treibt die Wirtschaft an. Falls Sie nun zeitlich gesündigt haben, dann beichten Sie es bitte Ihrem Chef…

3 Antworten auf „Weltreligion Kapitalismus“

  1. Ich habe mir zwar die Filmbeiträge noch nicht angesehen, doch find‘ ich es gut, dass auch Du diese Thematik in Deinem Blog anschneidest. Doch eben: Was ist Kapitalismus? Ist er tatsächlich in Opposition zum (gescheiterten?) Sozialismus? Oder gehören gar beide zur gleichen Medaille? Es braucht nicht viel, um unseren Kapitalismus zu verstehen. Er ist ein eigentliches Pyramidenspiel (auch: Kettenbrief). Mit unzähligen Verlierern und ganz wenigen Gewinnern. Und er fährt immer wieder an die Wand, um dann frischfröhlich das gleiche Spiel der Aufschulderei, der Nachschuldnerei fortzusetzen. Durchschnittlich alle 70 Jahre. Toll! Toll?

  2. Danke Dir, Hanspeter.

    Wenn ich etwas zurückdenke, dann stelle ich fest, dass wir heute zwar die Demokratie haben. Doch diese Gesellschaftsordnung trägt der eher undemokatischen und nur gewinnorientierten Wirtschaft nicht Rechnung.

    Die Wirtschaft hat seit dem Entstehen der heutigen politischen Gesellschaftsordnung (in allen westlichen Ländern) eine Eigendynamik entwickelt, welche in ebendieser Gesellschaftsordnung nicht berücksichtigt ist.

    Ich gehe dabei davon aus, dass das Bestreben der Politik darin liegt, fürs Wohl der Gesellschaft zu sorgen. Doch das Primat der Politik scheint heute vorwiegend auf dem Papier zu gelten.

    Die Politik, als treibende Kraft für unsere Gesellschaftsordnung, scheint immer nur zu reagieren statt zu agieren. Technische oder wirtschaftliche Schranken sollen beispielsweise nicht fallen, weil es zum Wohle aller ist, sondern weil die Wirtschaft danach drängt um Umsätze zu steigern oder «neue Märkte zu erschliessen».

    Die Wirtschaft kennt nur den Gewinn. Alles andere ist ihr egal. Um «das Andere» hat sich gefälligst die Politik zu kümmern. So sind auch unsere Sozialwerke nur eine Antwort auf die reine Gewinnorientierung der Wirtschaft. An dieser krankt meiner Meinung nach unsere Gesellschaftsordnung.

    Wenn aber die Wirtschaft als Gesamtes eine so dominante Rolle in unserem Leben spielt, kann sie eine gewisse Verantwortung nicht von sich weisen. Es ist zu einfach, von der Politik X oder Y zu fordern. Umgekehrt ist es heute jedoch undenkbar, auch (höhere) Forderungen (z. B. höhere Sozialabgaben) an die Wirtschaft zu stellen. Erst wenn das geschieht, kann man m. E. (wieder) vom Primat der Politik sprechen.

    Einige Gedankenspiele: Wie würde die Welt aussehen, wenn die oberste Maxime der Wirtschaft nicht der Gewinn, sondern das Wohl seiner Mitarbeiter wäre? Wie würde die Welt aussehen, wenn die Unternehmensbesteuerung sich nicht nach dem Gewinn orientiert, sondern sich anlehnt an die Anzahl Beschäftige und deren Gehälter?

  3. Dazu kann ich sagen: „Konsumenten ohne Geld, sind eben keine Konsumenten“ oder „Konsumenten mit zu wenig Geld, sind keine guten Konsumenten“…

    Wenn also nur Konsum die Wirtschaft ankurbelt, dann muss man schauen das alle Konsumenten genügend Geld haben, damit sie auch gute Konsumenten sein können… Und Bürger ist man ja schon länger nicht mehr, was also bleibt ist Konsument sein, wenn dann aber der Geldhahn zugedreht wird, was ist man dann eigentlich noch?

    Die ganze Kosum und Konsumenten Rechnung geht also nur auf, wenn man den Konsumenten reichlich Geld zur Verfügung stellt… Doch aktuell werden ja alle Konjunkturspritzen die den Noch-Konsumenten aber bald Nicht-Konsumenten helfen würden ihren Konsum zu steigern bzw. wieder aufzunehmen gestrichen…

    Und wo die Wirtschaft nur Gewinn kennt, da kennt der Konsument eben nur den Konsum – was kein Problem ist solange die Konsumenten eben Geld zum konsumieren haben…

    Dieses „Perpetuum mobile“ von Konsum und Gewinn steht aber meiner Meinung kurz vor dem total Kollaps und zwar auf der ganzen Linie!

    Andererseits muss es ja nur noch bis 2012 halten, denn dann soll ja was geschehen, was alles ändern soll… *lol*

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.