Jung, jünger, dümmer?


Anlässlich der kommenden Abstimmungen wird im Kanton Bern auch über eine Verfassungsänderung zur Senkung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahre abgestimmt.

Jugendliche hätten in diesem Alter andere Interessen, sollen gemäss Abstimmungsbüchlein die Gegner der Alterssenkung im Grossen Rat des Kantons Bern (Legislative) gesagt haben. Es bestünde auch gar kein Bedürfnis für eine Ausdehnung der politischen Rechte.

Zu einfache Kontra-Argumente

Bei einer regelmässigen Stimmbeteiligung von etwas mehr als dreissig Prozent scheinen aber auch viele Nicht-Jugendliche andere Interessen zu haben. Folgt man der obigen Argumentation, müsste man den heute Nicht-Stimmenden in aller Konsequenz die politischen Rechte für immer entziehen, denn diese haben ja gar kein Bedürfnis nach diesen Rechten…

Weiter meinen die Gegner, die Übergabe von Verantwortung stünde im Widerspruch zur Tendenz, immer strengere Jugendvorschriften einzuführen.

Darin sieht man in der Augenreiberei überhaupt keinen Widerspruch. Widersprüchlich ist es eher, wenn eine Mehrheit des Grossen Rats meint, sie müsse Jugendlichen immer mehr vorschreiben statt dass sie Jugendliche in die Verantwortung einbezieht.

Ältere Menschen: Unbeeinflussbar?

16-Jährig seien eher beeinflussbar als «ältere Menschen mit Erfahrung», ist da weiter zu lesen. Es sei zu vermuten, dass viele Jugendliche bei ihren Entscheidungen durch die Erziehungsberechtigten beeinflusst würden.

Die Entscheidungen junger Menschen fallen zwar anders aus als jene älterer Menschen – auch aufgrund der Lebenserfahrung. Doch die Fähigkeit, selbständig Entscheidungen fällen zu können, hat nichts mit Erfahrungen zu tun.

Wenn die Lebenserfahrung eine Rolle spielen sollte, dann dürfte sie auch mit 18 Jahren unzureichend sein. In den Augen eines 80-Jährigen ist das auch noch für einen 30-Jährigen der Fall…

Das Alter alleine sollte kein Argument sein fürs Stimmrechtsalter. Das zeigt sich sehr deutlich beim folgenden Video:

(via)

Bald eine Abstimmungsprüfung?

Für die Autoprüfung sei ebenfalls das zurückgelegte 18. Altersjahr erforderlich, meinen die Gegner der Senkung des Stimmrechtsalters ebenfalls.

Nach dem oben gezeigten Video kann man sich die Frage stellen, ob es – ungeachtet des Alters – nicht für alle eine Staatskunde-Prüfung bräuchte, bevor man jemanden überhaupt an die Urne lässt…

Es wäre eine «reife» Leistung, wenn nach dem Kanton Glarus der Kanton Bern der zweite Kanton wäre, welcher sich durch Senkung des (aktiven) Stimmrechtsalters auf 16 Jahre wenigstens etwas fortschrittlich zeigen würde…

4 Antworten auf „Jung, jünger, dümmer?“

  1. zap, 15, voll interessiert, voll engagiert, hätte die meisten dieser Videoleutchen um Längen geschlagen (und die Augen gerollt beim Gucken). Ja zu 16.

  2. Na dann Hut ab vor zap!

    Gewiss haben die nur die ärgsten Beispiele gezeigt. Trotzdem fürchte ich, dass viele wohl nur wenig wissen – weil es sie einfach nicht interessiert.

    Daran ist die Politik auch nicht ganz unschuldig, da bekanntlich häufig irgendwelche Fachbegriffe verwendet werden, die kaum jemand versteht, wenn er die politische Diskussion verfolgt. Oder man kennt den Unterschied zwischen A und B nicht, weil einem dieser nie jemand erklärt hat. Es ist manchmal schon zum Ablöschen.

    Vielleicht sollte der Bund einmal ein Wikipedia für Schweizer Politik aufbauen…?

    Übrigens: Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass der eine oder andere Poltiker auch nicht so genau weiss, wie es um eine Sache steht. Er ist einfach nur rhetorisch Spitze, sodass er einem eine Zahnbürste für einen Mercedes verkaufen kann… 😉

  3. Einspruch, lieber Titus.
    Meiner Meinung nach handelt es sich „nur“ um die Senkung des aktiven Stimmrechts. Beim passiven Wahlrecht kann man nämlich in ein Amt gewählt werden. Und das blieb 2007 gemäss Gegenvorschlag im Kanton Glarus bei 18 Jahren.

    Auch in Bern soll das aktive Stimmrechtsalter auf 16 gesenkt werden, das passive Wahlrechtsalter soll bei 18 bleiben.

    Ich bin auf jeden Fall für Stimmrechtsalter 16, denn in der Schulausbildung steckende Jugentliche sind die besser informierten Stimmbürger!

    Witzige Abstimmungskampagne.
    Eigentlich bin ich grundsätzlich skeptisch gegenüber Strassenumfragen, denn je nach gewünschtem Ergebnis kann man sich die erforderlichen Szenen im Schneideraum zusammenbasteln.
    Aber hier mussten die Könizer Jugentliche wohl nicht viel wegschneiden.
    😉

  4. Herrje, da hab‘ ich doch tatsächlich den Gustav Gasthof genannt. Das kommt davon, wenn man in letzter Sekunde noch eine Präzisierung anbringen will und sich davon verwirren lässt, dass viele das aktive Stimm- und Wahlrecht passiv wahrnehmen… 😉

    Ist korrigiert.

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