Beds are burning

Heute beginnt in Kopenhagen die 15. UNO-Klimakonferenz. Doch irgendwie scheint diese Konferenz viele Menschen nicht zu interessieren. Und die Umweltverbände vermögen keine Massen zu mobilisieren – nicht einmal ideologisch Gleichdenkende…

Ziel dieses Musikvideos ist es nicht nur, auf die Klimakonferenz aufmerksam zu machen, sondern auch auf die Internetplattform timeforclimatejustice.org.

Prominente Unterstützung…

Darauf finden sich Statements von zahlreichen international bekannten Gesichtern wie: Jimmy Carter, Desmond Tutu, Jet Ali, Horst Köhler, Vitali Klitschko, Bertrand Piccard, der 14. Dalai Lama, die jordanische Königin Rania, der niederländische Prinz Willem-Alexander usw… Selbst die Bundesräte Merz und Leuenberger gehören zu den so genannten «Allies» (Verbündete).

Hinter dieser Internet-Plattform steckt das «Global Humanitarian Forum Geneva» (GHF), welches im 2007 im Beisein unserer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey gegründet wurde und dessen Präsident der Friedensnobelpreisträger und ehemalige UNO-Generalsekretär Kofi Annan ist. Walter Fust, ehemaliger Direktor der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) ist der CEO des GHF.

Finanziell unterstützt wird dieses Forum durch die Schweiz, Deutschland, Frankreich, Dänemark, Luxemburg und Liechtenstein. Dieser «seriöse» Hintergrund erklärt wohl auch, weshalb man so viele bekannte Gesichter dazu bewegen konnte, sich für timeforclimatejustice.org zu äussern.

…und prominente Partner

Ebenso illuster wie diese Gesichter ist auch die Liste der Projektpartner:

Projet-Partner

Da sind ebenso eine grosse Serie von Unternehmen aus der Medien- und Unterhaltungsindustrie dabei wie auch eine international tätige und bestens bekannte Werbeagentur oder die beiden Umweltorganisationen WWF und Greenpeace.

Hochkarätige Musiker, einen altbekannten und populären Song, viele bekannte Gesichter und unzählige Partner, die die Botschaft in alle Welt hinaus tragen könnten: Da ist alles dabei, was es braucht, um timeforclimatejustice.org zu einem echten Renner zu machen.

…mit mässigem Erfolg

Die Realität sieht hingegen ernüchternd aus: Zurzeit wurde das obige Video – am 30. September 2009 hochgeladen – gerade einmal etwas über 450’000mal angeschaut. Demgegenüber werden Videos von irgendwelchen englischen Talentshows innert einer Woche gleich oft aufgerufen…

Selbst auf Facebook hat Kofi Annans Fanseite «time4globaljustice», welche Ende Juni 2009 eröffnet wurde, nicht einmal 25’000 Fans. Zum Vergleich: Die Gruppe «Ich schäme mich für das Resultat der Minarett-Initiative» hat innert einer Woche über 80’000 Anhänger gefunden…

Auf timeforclimatejustice.org konnte jeder, der wollte, ein «tck tck tck» (ein Tick-Tack) in Form einer Textnachricht, eines Bildes oder eines Videos hinterlassen, den obigen Song als mp3-Datei herunterladen und einige vordefinierte Zeilen an seinen Regierungschef schicken, um diesen etwas «aufzurütteln». Wie oft das Eine oder Andere getan wurde, bleibt jedoch unbekannt, denn einen Zähler findet man ebenso wenig wie die einzelnen tck’s…

Aufgrund der tiefen Zahlen bei YouTube und Facebook liegt die Vermutung nahe, dass die ganze Kampagne kein grosser Erfolg war.

Jeder kocht sein eigenes Süppchen

Ein Grund dafür könnte in der Verzettelung der Kräfte liegen. Denn nebst dem eher elitären Kreis von respektablen Persönlichkeiten unter timeforclimatejustice.org haben auch die hiesigen Umweltverbände WWF und Greenpeace Mitmach-Aktionen lanciert. Man könnte dabei fast meinen, wir würden auf unterschiedlichen Planeten leben…

Nicht umsonst spricht deshalb der WWF auf seiner Webseite davon, dass «tcktcktck», also die oben bereits erwähnte Plattform, «das selbe Ziel verfolgt» – das selbe Ziel wie die internationale, WWF-eigene «Vote Earth»-Kampagne.

Auf dieser haben rund 1.2 Millionen weltweit ihr Votum abgegeben, über eine Million stammt dabei aus dem asiatischen Raum. Zum Vergleich: Diese 1.2 Millionen sind etwas mehr als am vorletzten Sonntag in der Schweiz gegen die Anti-Minarettinitiative gestimmt hatten…

Aus der Schweiz waren es 392 und aus Liechtenstein 2 Voten (hier fehlen keine Nullen!). Bei 220’000 Schweizer Mitgliedern ist diese tiefe Zahl mehr als blamabel. Auch die dazu gehörende (weltweite) Facebook-Gruppe «60 Earth Hour» bringt es zurzeit weltweit nur gerade auf schlappe 925’000 Mitglieder.

EarthHour-Unterstützung Schweiz/Liechtenstein

Greenpeace hatte am vergangenen Freitag auf dem Bundeshausplatz nach eigenen Angaben die Namen jener 12’000 Personen verlesen, welche die Greenpeace-eigene Kampagne unterstützten. Bei 150’000 Mitgliedern ist das verhältnismässig zwar mehr als beim WWF. Für ein so wichtiges Thema ist es trotzdem fragwürdig, weshalb sich nicht mehr an dieser Aktion beteiligten.

Wiederum mässiger Erfolg

Auch der aktuelle Aufruf von Greenpeace, man möge unseren Umweltminister Moritz Leuenberger anrufen, ihm eine E-Mail schreiben oder etwas in sein Blog setzen, scheint gemessen an seinem Blog bislang wenig Erfolg gehabt zu haben: Ein einziges Votum findet sich darin.

Allerdings ist es auch gut möglich, dass nicht alle Kommentare, welche den Umweltminister dazu auffordern sollen, in Kopenhagen eine CO2-Reduktion von 40 % zu fordern, auf seinem Blog freigegeben werden…

Nebst den Mitmach-Aktionen der beiden bekannten Umweltaktionen gab und gibt es wohl noch weitere, so zum Beispiel jene des Jugendsolarprojekts. Dort kann (oder konnte) man eine Petition an den Bundesrat unterschreiben. Letzter angegebener Stand per 23. November 2009: 8768 Unterschriften…

Dann gibt’s da noch die «Stimmen fürs Klima». Dahinter stehen 52 vor allem ökologische und/oder karitative Organisationen wie die Alpen-Initiative, Brot für alle, Erklärung von Bern usw., aber auch den WWF und Greenpeace. Die beiden scheinen auf verschiedenen Hochzeiten zu tanzen.

Organisiert wurde ein «Klimafest», welches am 17. Oktober 2009 stattfand und nach deren eigenen Angaben 3’500 Besucherinnen und Besucher anzog. Die dazu gehörende Facebook-Gruppe weist rund 800 Mitglieder auf.

Die Verzettelung dieser Kräfte erscheint eklatant. Es ziehen zwar alle am gleichen Strick – aber irgendwie einfach nicht in die gleiche Richtung. Ist es da beruhigend zu wissen, dass die weltweiten Aktionen generell wenig Anklang fanden?

Fehlende Unterstützung

Ein zweiter Grund, weshalb diese Aktionen kaum Resonanz fanden, dürfte sicher auch darin liegen, dass kaum auf diese Aktionen hingewiesen wurde.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit fand man in der Augenreiberei genau ein «grünes» Schweizer Blog (nebst dem Greenpeace-Blog), welches im Vorfeld auf diese Aktionen aufmerksam machte: umweltnetz.ch mit diesem Artikel vom 23. August 2009. Ein einsamer Rufer, der Toni W. Püntener…

Das ist eine bedenkliche Bilanz. Es scheint fast so, als ob allen die Klimaveränderungen ziemlich egal wären – selbst den bloggenden Vertretern der Grünen.

Oder liegt es vielleicht daran, dass neuerdings auch auf der grünen Seite an den Klimaveränderungen gezweifelt wird, obschon die Umweltorganisationen das Thema zuoberst auf der Prioritätenliste haben?

Die Grüne Partei der Schweiz verweist auf ihrer Homepage auf keine der oben genannten Mitmach-Aktionen, jedoch auf die eigene Volksinitiative «Klimainitiative». Letztere ist auch auf Facebook vertreten und hat, wenn wundert’s, zurzeit nur gerade rund 200 Mitglieder…

Grosser Fragezeichen

Beds are burning.

Doch wenn jene, deren politisches Hauptgebiet die Umwelt ist, schon im Vorfeld dieser Konferenz nicht auf  Mitmach-Aktionen hinweisen, um damit einerseits eine breite Masse fürs Thema Klimaerveränderungen zu sensibilisieren und andererseits die Regierungsvertreter unter Druck zu setzen, dann reicht wohl eine Löschdecke erst recht nicht aus, um diesen Brand zu löschen.

Und wenn jene, welche solche Aktionen anbieten, zwar mindestens ähnliche Ziele verfolgen, aber ansonsten völlig unterschiedliche Wege gehen, wie kann man da erwarten, dass die hohe Politik einen Konsens findet?

Ob’s wohl doch soweit kommt wie im nachfolgenden, nicht mehr ganz aktuelle Video?

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