Kauft! Kauft! Kauft!

Heute in zwei Wochen ist Heilig Abend. Bis dahin versucht man noch einige Male, uns die frohe Botschaft zu verkünden das Geld aus der Tasche zu ziehen…

Nicht nur der Kalender meint, dass Weihnachten naht. Auch die «Warm up events» namens «Advent», welche Countdown-mässig jede Woche vor Weihnachten stattfinden, deuten darauf hin.

Christlich motivierte Gewerbevereine?

Und schliesslich ist da noch die Weihnachtsbeleuchtung. Diese wird in vielen Fällen nicht etwa von der örtlichen, christlichen Kirche organisiert und finanziert, um uns quasi an die Geburt Christi zu erinnern oder ans «Fest der Liebe» oder wenigstens an eine Botschaft im Sinne der Nächstenliebe.

Nein, hinter dieser Beleuchtung stecken jeweils die örtlichen Gewerbevereine. Denn Weihnachten ist zu einem Gewerbe geworden und um dieses in der dunklen Jahreszeit reizvoller zu gestalten und um Leute anzuziehen, hängte man Glühbirnen in die Luft, welche so arrangiert werden, dass sie mehr oder weniger schöne Motive zeigen.

Wer glaubt, Weihnachten sei ein christliches Fest, ist ein Narr. Ganz unverblümt spricht man heute denn auch vom «Weihnachtsgeschäft», oder um es weniger blumig auszudrücken: Von der Geschäftemacherei dank des christlichen Weihnachtsfestes.

Plakativ…

Und weil all diese «Ankurbelungsmassnahmen» einigen nicht mehr reichen, bombardiert man uns zunehmend auch mit Plakaten, die wenig mit Weihnachten zu tun haben. Sie enthalten nur eine unterschwellige Botschaft: Kauft! Kauft! Kauft!

westside: ihre wünsche gehen in erfüllung

Mit engelhaftem Gesicht verspricht das westside (Migros) in Bern-Brünnen, dass Wünsche in Erfüllung gehen. Gemeint ist damit wohl weniger die Dame auf dem Bild, sondern vielmehr das «Zauberlos». Mit Zauberei hat Weihnachten allerdings nichts zu tun…

An Zauberei grenzt es allerdings, wenn vorbeifahrende Automobilisten auch noch das Kleingedruckte lesen können und ohnehin alle Interessierte einen Internetanschluss haben müssen, um die Teilnahmebedingungen online lesen zu können.

Migros: Ein Fest der Wünsche

Kein M besser ist das Plakat der Migros, welches von einem «Fest der Wünsche» spricht – mit einer Figur, welche hierzulande eben nicht «der Weihnachtsmann» ist und an Weihnachten seinen grossen Auftritt hat (wie in den USA), sondern «Samichlaus» genannt wird und seit einigen Tagen schon längst wieder im tiefen, dunklen Wald verschwunden ist. Ho ho ho!

Könnte einmal jemand von der Werbeagentur den Kindern erklären, warum nun plötzlich der Samichlaus als «amerikanisierte» Variante auch nach dem 6. Dezember noch auftritt? Wir wollen der zukünftigen Käuferschaft doch nicht ein falsches Bild vermitteln… 😉

Centre Brügg: Oh Du fröhliche Einkaufszeit

Beim Centre Brügg (Migros) mutiert der Einkaufswagen zu einem Pistenfahrzeug Schlitten, mit dem damals ja bekanntlich die Hirten Betlehem aufsuchten…

Versprochen wird nur der Sonntagsverkauf – und ein leerer Einkaufswagen mit Innenbeleuchtung…

Coop: Sonntagsverkäufe

Engelhafte Wesen mit Jööö-Effekt beim Centre Bahnhof von Coop in Biel/Bienne. Der grosse Aufhänger sind allerdings die Sonntagsverkäufe.

Man sollte endlich einmal in der Bibel eine Ausnahmeregelung für die Weihnachtszeit schaffen: Sechs Tage sollst Du arbeiten und am siebten einkaufen…

Von wegen Tradition und Religion

Übrigens – und auch wenn es Ihnen schwer fällt: Vergessen Sie die Weihnachtsgeschichte, so wie man sie Ihnen als Kind erzählt hatte.

Von dieser gibt es nämlich zwei Versionen, eine aus dem Lukasevangelium und eine zweite aus dem Matthäusevangelium. Nur in der Letztgenannten wurde «der König der Juden» mit Gold, Weihrauch und Myrrhe beschenkt und zwar von einer unbekannten Anzahl Hirten. Könige, davon deren drei und mit konkreten Namen sowie das Beschenken anderer zur Weihnachtszeit: Das steht alles so nicht in der Bibel…

Daraus leitet sich dann die ganze heutige Geschäftemacherei Schenkerei ab.

Und wir erwarten von den Moslems, dass sie keinem Fanatiker aufsitzen, der den Koran auf seine Weise interpretiert, sind aber schon längst selber der falschen Interpretation der Bibel aufgesessen, welche wir Marketing-Fanatikern verdanken.

Oh du fröhliche Verlogenheit!

11 Antworten auf „Kauft! Kauft! Kauft!“

  1. Das mit dem Konsum stimmt schon. Aber mit meinen Kindern erlebe ich das so: Die Kids haben unglaublich Freude an Weihnachten, am Tannenbaum abholen, am Tannenbaum schmücken, an den Kerzen, am ganzen Drum und Dran, an den Geschenken. Aber es müssen gar nicht unbedingt teure Geschenke sein: Ich habe schon erlebt, dass die Kartonschachtel viel beliebter war als der Inhalt. Und es müssen auch nicht viele Geschenke sein. Sonst wird das einzelne Geschenk entwertet und die Kids wissen gar nicht mehr, was sie jetzt eigentlich mit diesem Überfluss anfangen sollen. Im Gegenteil: Mit ein, zwei gut überlegten Geschenken haben sie viel mehr Spass. Man hat es also selbst in der Hand, die Konsumschlacht zu vermeiden.
    Im übrigen bin ich Atheist, darum ist mir egal, ob’s einen christlichen Hintergrund gibt oder nicht :-).

  2. Ich würde sogar behaupten, dass auch Juden und Moslems Weihnachten feiern, obwohl doch eigentlich… 🙂

    Man mag am 24./25. Dezember schon „irgendetwas“ feiern (z. B. das Fest des gegenseitigen Dankes o. ä.). Aber das, was wir heute an diesen Tagen feiern, verdient nicht die Bezeichnung „Weihnachten“ im christlichen Sinne. Der Gang zur Mitternachtsmesse erscheint mir da dann schon arg heuchlerisch…

    Alles in allem kommt mir Weihnachten so vor, wie wenn man während der Fastenzeit einfach nur auf „Weight Watchers“-Produkte umstellt… 😉

  3. Eigentlich machen die Krämer heute dasselbe, was die Kirche vor 1000 Jahren gemacht hat. Die Kirche hat das Frühlingsfest, das Mittwinterfest oder das Totenfest in Ostern, Weihnachten und Allerheiligen umgewandelt. Jetzt werden aus diesen christianisierten Festen globale Konsumfeste. Einen Hintergrund zu Suchen, ergibt keinen Sinne mehr. Es bleibt bei jedem Einzelnen, so zu feiern, wie er es für richtig hält.

  4. ähm … Ich liebe Weihnachten.

    Nicht wegen der Weihnachtsgeschichte (für jene, die es noch nicht mitbekommen haben: Ich glaube nicht an Gott und bin religionslos).

    Schon gar nicht wegen des Kaufens (ich HASSE einkaufen – und Geschäfte vor Weihnachten lösen in mir regelrecht Fluchtinstinkte aus).

    Und schon gar nicht wegen der Schenkerei (in der Zappadong-Sippe bekommen seit Jahren nur noch die Kinder Geschenke und die ganze Sippe hat sich auf einen sehr bescheidenen Maximalbetrag für die Geschenke geeinigt).

    Ich liebe diese Tage, weil sie traditionell dem Zusammensein gehören. Den Familientreffen, die ich auf keinen Fall missen möchte. Insofern sind für mich diese Tage tatsächlich besinnliche Tage. Es ist das Besinnen auf das, was wirklich zählt im Leben. Ganz abgedroschen und altmodisch: Die Liebe. Die Familie. Das geht im Fall auch sehr gut ganz ohne Religion – und wenn Nana Zappadong dann mit einigen ihrer Enkelkinder in die Mitternachtsmesse geht, dann ist das so echt, wie es echter nicht geht – weil nur jene hingehen, die da wirklich hingehen möchten.

    Deshalb: Hoch möge sie leben, die Weihnacht :-)!

  5. Geschenktechnisch habe ich zu Weihnachten sowieso einen Knacks, da zwischen meinem Geburtstag und Heilig Abend nur 7 Tage liegen.
    (Eltern: „Gibt’s dieses Jahr halt was grosses, gell? Dafür gilt’s für Weihnachten und Geburtstag zusammen …“)

    Heute halten wir das mit der Geschenkerei wie Zappadongs. Eher klein, aber fein, dafür von Herzen.

    Und noch etwas zur Plakatiererei: Ich staune auch immer wieder, wie ich als Fahrzeuglenker den ganzen Inhalt dieser Steintafeln der Neuzeit erfassen soll. Allerdings steht man schon mal genau auf gleicher Höhe im Stau, da hat man dann wenigstens etwas zu lesen. 🙂

  6. @ Tinu
    Das Datum «25. Dezember» soll angeblich erst im Nachhinein festgelegt worden sein und zwar in Anlehnung an den Geburtstag des römischen Sonnengottes, welcher am Tag der Wintersonnenwende stattfand. Nach dem Julianischen Kalender war das eben der 25. Dezember.

    @ Frau Zappadong
    Ich kann bestens nachvollziehen, was Du meinst. Es gibt da schon eine Art «Funken». Aber dieser springt ja nicht wegen des ganzen Drumrums VOR Weihnachten.

    @ Bobsmile
    Als öV-Benutzer musste ich erst in der Wikipedia nachschlagen, was «Stau» eigentlich bedeutet… 😉

  7. Was mich verblüfft, ist die unheimlich Bedeutung des Weihnachtsgeschäftes für die Geschäfte. Anscheinend ist es nicht ungewöhnlich bis Ende Oktober rote Zahlen zu schreiben und dann in zwei Monaten die Hälfte oder mehr des jährlichen Umsatzes zu machen.
    Würde ohne Weihnachten tatsächlich weniger gekauft werden oder würde man die Einkäufe einfach mehr über das ganze Jahr verteilen? Gäbe es dann weniger oder mehr Läden?

  8. Womöglich wird man sich dieses Jahr endlich bewusst, das Konsumenten ohne Geld eben schlechte Konsumenten sind, da nützt auch all die Werbung nichts – Ohne Geld kann nicht gekauft werden!

    Da passt „Ein Fest der Wünsche“ dann noch am besten, allerdings wird es bei vielen bei den Wünschen bleiben, viele Wünsche die eben nicht erfüllt werden!

    Zu diesem Wünschen können sich bei mir auch viele Gläubiger gesellen und auch deren Wünsche(Die Begleichung der Rechnungen) werden dieses Jahr nicht erfüllt werden – sollen die sich doch bei Westside melden, womöglich werden dort ihre Wünsche erfüllt… 😉

    Ich hasse Weihnachten ohnehin, das ja eigentlich ein verchristlichtes Wiccafest ist wie so viele andere auch, alles nur geklaut und missbraucht!

  9. @ Quantensprung
    Ich wäre eher für gar nichts Religiöses, sondern eher für Festlichkeiten, an denen man sich wenigstens einmal im Jahr gegenüber seiner Umgebung bedankt – aufrichtig und ohne Playstation & Co. 😉

    @ Frau Zappadong
    Das sagt sich so einfach. Unsere Gesellschaft ist heute so konditioniert, dass man noch immer schief angeguckt wird, wenn man nicht mitmacht. Ja ja, ich weiss, dass Ihnen das egal ist… (ich kenn’s Sie doch 🙂 )

    @ Harald Jenk
    Gute Frage! Am 26. oder 27. Dezember findet ja jeweils die so genannte «zweite Weihnacht» statt, anlässlich welcher man Geschenke vorbeibringen kann, die man doppelt erhalten hat oder die man nicht braucht. Daran lässt sich auch erkennen, in welchem Überfluss wir leben und dass vieles gar nicht nötig ist, was gekauft und verschenkt wird… Sinnvoller wäre es wohl, diese Mittel direkt einer karitativen Institution einzubezahlen statt quasi über den oben genannten Umwege «etwas Gutes» zu tun.

    Weniger ist manchmal mehr, dafür in besserer Qualität und etwas teurer.

    @ Chris
    Gibt doch mal Deine Rechnungen an der Migros-Kasse ab und zeige dabei aufs oben fotografierte Motiv (die hängen ja auch überall in der Migros rum). 😉

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