Die subtile Manipulation einer Masse

Überall dort, wo es um einen Entscheid zugunsten oder zulasten bestimmter Interessen geht, wird versucht, diesen Entscheid zu beeinflussen. Diese Einflussnahme erfolgt dabei nicht immer auf lautere Art und Weise…

Seit Menschengedenken wird versucht, Menschen für oder gegen eine Sache zu beeinflussen. Es spielt dabei keine Rolle, wie viele Menschen davon betroffen sind. Es kann sich dabei nur um eine Einzelperson wie zum Beispiel ein CEO handeln oder eine Gruppe von Verwaltungsräten – oder gar um ein ganzes Volk.

Diese Beeinflussung ist nicht per se eine negative Angelegenheit. So kann beispielsweise das Vortragen von Tatsache oder Zahlen zu einer anderen Meinung und damit zu einem anderen Verhalten führen.

Solange es sich dabei um «harte Fakten» handelt, ist gegen diese Form der Einflussnahme nichts einzuwenden. Auch das Hervorheben gewisser Tatsachen oder Umstände ist noch nicht problematisch.

Kritisch ist eher die Art und Weise, wie – aber auch ob etwas überhaupt vorgetragen wird. Das bewusste Weglassen von Tatsachen oder Umständen zielt nämlich darauf, Entscheidungsträger zu manipulieren.

Die Schweiz mit ihrer direkten Demokratie, also mit einem hohen Mitwirkungsgrad dank Entscheiden durch das Volk, ist dabei besonders anfällig für eine Manipulation der Massen.

Handlanger Massenmedien

Die Medien, namentlich die Massenmedien, spielen deshalb hierzulande eine zentrale Rolle. Erst sie ermöglichen es, eine Information oder eine Meinung zu den Massen zu portieren.

Je unkritischer über eine Sache berichtet wird, desto grösser die Gefahr, dass sich die Medien zum Handlanger einer Manipulation machen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn eben nur eine Information oder nur eine Meinung portiert wird, wenn also eine andere Information oder eine andere Meinung weggelassen wird beziehungsweise ausbleibt.

Die Schwierigkeit im Falle einer Manipulation im Sinne eines Weglassens liegt natürlich im Erkennen eben dieser Manipulation. Woher will man wissen, dass einem nicht alles gesagt wird?

Es verlangt ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber jenen, die eine Manipulation betreiben, um erst auf die Idee zu kommen, dass hier versucht wird, das Meinungssteuer auf die eine oder andere Seite zu reissen. Doch allem und jedem kann man nicht immer misstrauen, weshalb es nicht immer einfach ist, die Manipulatoren als solche zu erkennen. Schauen wir uns dazu einige Beispiele an.

Manipulator George W. Bush

Gewiss erinnern Sie sich noch an die angeblichen Massenvernichtungswaffen im Irak. Was die USA seinerzeit selbst vor der UNO als Hauptgrund fürs gewaltsame Eindringen in den Irak vorbrachten, war wohl einer der grössten Manipulationsversuche der Geschichte.

Dieser ist teilweise gelungen. Das amerikanische Volk glaubte ihrem damaligen Präsidenten George W. Bush. Andere Staaten waren davon nicht überzeugt, denn schliesslich fanden die UNO-Inspektoren während ihrer monatelangen Suche im Irak keine Hinweise für Massenvernichtungswaffen.

Doch selbst die aktuelle Berichterstattung hat etwas Manipulatives. So zog bekanntlich auch Grossbritannien mit den USA in den Irak-Krieg. Dieser Artikel hier portiert den Verdacht in die Öffentlichkeit, dass Tony Blair, damaliger Premierminister Grossbritanniens, angeblich einer «zufällig mitgehörten Unterhaltung» eines Taxifahrers an der jordanisch-irakischen Grenzen ziemlich viel Glauben schenkte.

Was online jedoch nicht zu lesen ist, jedoch in der Print-Ausgabe der gleichen Zeitung zu lesen war, ist diese Agenturmeldung, wonach der britische Geheimdienst bereits vor dem zweiten Irak-Krieg vom Abbau von Waffen wusste.

Wer sich also nur auf das abstützt, was online zu lesen ist, wird dadurch im Glauben gelassen: Tony Blair hat sich vermutlich aufs Gerede eines Taxifahrers abgestützt. Dass dieser gleiche Tony Blair dank seines eigenen Geheimdienstes aber noch mehr wusste, bleibt dem Online-Leser vorenthalten.

Doch damit nicht genug: Zurzeit untersucht die so genannte Chilcot-Kommission in Grossbritannien, was den Ausschlag für den Irak-Krieg gegeben hatte. Dass es eine solche Kommission gibt, darüber haben vorgängig einige Medien berichtet – auch die bereits oben angesprochene Zeitung.

Doch im oben erwähnten Taxifahrer-Artikel ist von dieser Kommission in keinem Wort die Rede… Wesentlich differenzierter und ohne reisserische Taxifahrer-Theorie wird hingegen in diesem Artikel berichtet.

Hilfloser Haushaltsminister mit drastischen Massnahmen

Ein anderes Beispiel ist die Geschichte mit den Namen von 3000 Bankkunden, über welche Frankreich verfügt. Lange Zeit wurde darüber gemunkelt, ob es sich bloss um einen Bluff des französischen Haushaltsministers Eric Woerth handelte oder wie sonst Frankreich an diese Daten hätte gelangen können. Denn sicher schien nur, dass diese nicht auf dem offiziellen und rechtlichen Weg Frankreich zugestellt wurden.

Hier läuft die Manipulation seitens Haushaltsminister relativ offen ab und zwar indem er eindeutig verschweigt, woher diese 3000 Namen stammen. Ziel dieser «offenen Manipulation» ist es, französische Steuerflüchtlinge zur Selbstanklage zu bringen.

Trotzdem spielt auch Eric Woerth nicht mit offenen Karten. Es beginnt bei der Aussage «3000 Namen». 3000 Namen heisst nämlich noch nicht, dass es sich auch um 3000 Steuerhinterzieher handelt. Dies gibt er inzwischen auch selber zu.

Zudem liess er sich zur Aussage hinreissen, dass er diese Daten «ganz legal» und von «einer Quelle» erhalten habe. Wie wir jedoch wissen, stammt mindestens ein Teil davon von einem Datenklau beim Schweizer Ableger der HSBC Private Bank. Gemäss diesem Bericht spricht die HSBC Private Bank jedoch von «nicht mehr als zehn Kunden». Diese Aussage wurde in den Massenmedien aber mehrheitlich auch nicht erwähnt…

Da der französische Haushaltsminister nicht davor zurückschreckt, nicht legal erworbene Daten strafrechtlich zu verwenden, ist ihm auch noch anderes zuzutrauen.

So berichtete am 8. September 2009 eine Westschweizer Zeitung auf der Basis von «informierten Quellen», dass drei Schweizer Banken, darunter die Crédit Suisse, diese 3000 Namen geliefert haben sollen. Könnte es sein, dass diese «informierte Quellen» der französische Haushaltsminister selber ist, der hier einen weiteren Versuchsballon aufsteigen liess und im Zweifelsfall ohnehin alles abgestritten hätte?

Impfzwang, falls…

Wir brauchen jedoch nicht immer über die eigenen Grenzen zu blicken, um manipulative Beiträge zu finden. Schauen Sie sich doch einmal diesen «10vor10»-Beitrag vom 27. November 2009 zum Thema Impfzwang im Pandemiefall an:

Haben Sie etwas gemerkt? Didier Burkhalter hatte wortwörtlich gesagt:

«Wenn eine Pandemie kommt und wenn die Krankheit sehr schlimm ist, dann müssen wir einen Zwang haben.»

Was die Befragten des Pflegepersonals genau gefragt wurden, bleibt dem Zuschauer verborgen. Hingegen spricht eine Befragte klar und eindeutig von der Schweinegrippe. Ja der ganze Beitrag handelt eigentlich von der Schweinegrippe – nur Didier Burkhalter spricht nicht davon…

Ist denn die Schweinegrippe eine Pandemie und ist sie «sehr schlimm»?

Bis anhin haben wir davon gehört, dass die Schweinegrippe ein «Grippchen» sei und dass nur Menschen starben, welche zu den Risikogruppen gehörten. Von einer schlimmen, bedrohlichen Krankheit kann somit kaum gesprochen werden.

Unter dem Eindruck der Medienberichterstattung über die Schweinegrippe und der tatsächlichen Bedrohung ist es doch verständlich, dass sich kaum jemand impfen lassen will – auch nicht das Pflegepersonal.

Hätte man die Frage so gestellt, wie es Didier Burkhalter äusserte, nämlich ohne Kontext zur Schweinegrippe, dann wären die Antworten des Pflegepersonals bestimmt anders ausgefallen. Es scheint jedoch so, dass den Befragten die zwei «Wenns» des Gesundheitsministers vorenthalten wurden…

Wenn die Sterblichkeit einer Vireninfektion auch für Nicht-Risikogruppen beispielsweise bei zehn Prozent liegt, würden Sie sich da nicht auch impfen lassen, obschon Sie sich bislang gegen die Schweinegrippe-Impfung stemmten?

Instrumentalisierter Oskar Freysinger

Gewiss haben Sie ja auch mitbekommen, dass ausgerechnet der Initiativbefürworter und SVP-Nationalrat Oskar Freysinger beim arabischen Fernsehsender Al Jazeera den Schweizer Minarettverbotsentscheid erklärte:

Wie zu entnehmen ist, spricht bereits Oskar Freysinger davon, den Zuschauern (also der arabischen Welt) das Schweizer Gesellschafts- und Dekmokratiesystem zu erklären. Doch warum lädt der Schweiz-Korrespondent von Al Jazeera, Tamer Aboalenin, ausgerechnet Oskar Freysinger dazu ein und nicht ein Staatskundler?

Hört man den Worten des Schweiz-Korrespondenten zu, könnte man auch meinen, es liege ihm etwas daran, der arabischen Welt aufzuzeigen, wie rückständig sie sei. Ob sich dessen Oskar Freysinger bewusst war?

Beunruhigend oder nicht

Noch ein Letztes – und damit zum eigentlichen Auslöser dieses Artikels. Thinkabout hat unter dem Titel «Beunruhigende Signale gab und gibt es viele» unter anderem auf diesen Artikel des «Beobachters» verlinkt.

Daraus sei hier nun ähnlich wie bei Thinkabout ein Abschnitt zitiert:

Gemäss seiner Untersuchung hält rund ein Fünftel der Befragten Demokratie und Islam für unvereinbar, fast jeder Fünfte (18,2 Prozent) erachtet die Todesstrafe als eine gerechte Sühne für den Abfall vom Islam. Jeder Dritte (32,7 Prozent) lehnt rechtsstaatliche Prinzipien ab, und immerhin noch jeder Elfte (8,5 Prozent) äusserte Verständnis dafür, wenn zur Verbreitung des Islams Gewalt angewandt wird.

Nehmen wir diesen einen Abschnitt einmal auseinander (aufs Auseinandernehmen aller Abschnitte wird hier verzichtet):

Aus dem Artikel kann entnommen werden, dass diese Befragung durch den Soziologen Mouhanad Khorchide durchgeführt wurde, welcher selber Muslim und Imam in Wien ist.

Nicht repräsentativ

Aus dem Artikel geht nicht hervor, wann, wo und welche Muslime befragt wurden. Aus der Grafik dieses Artikels ist zu entnehmen, dass es um die Antworten von 199 Befragten geht (von angeblich rund 350 Religionslehrern).

Die Prozentzahlen beziehen sich gemäss besagter Grafik auf die Antworten «trifft sehr zu» und «trifft eher schon zu». Nun muss man nicht Claude Longchamp heissen um zu wissen, dass 199 Befragte nicht repräsentativ sind.

Auch das Fehlen einer Unterscheidung zwischen «trifft sehr zu» und «trifft eher schon zu» ist fragwürdig. Jeder, der schon selber irgendwo an einer Umfrage teilnahm, weiss, dass das «trifft eher schon zu» so eine WischiWaschi-Antwort ist, so ein persönliches Hin- und Hergerissen-Sein.

Es dürfen somit schon Zweifel ob diesen Ergebnissen angebracht werden, welche allerdings nicht aus dem Beobachter-Artikel hervorgehen.

Was bei diesen Zahlen insgesamt fehlt, ist auch eine Gegenüberstellung zu anderen Religionen. Hat einmal jemand danach gefragt, wie viele Pfarrer der Ansicht sind, dass bei einer strikten Auslegung des Christentums Demokratie und Christentum nicht vereinbar sind? Offensichtlich scheint niemand in die eigenen Reihen zu schauen…

Es ist allgemein bekannt, dass das Christentum andere Religionen nicht ablehnt (der Koran übrigens auch nicht, siehe Sure 109) und sie in der Ausübung ihres Glaubens nicht einschränken will. Gemäss Volkszählung aus dem Jahr 2000 bekannten sich 41,82 % zur römisch-katholischen und 33,04 Prozent zur evangelisch-reformierten Kirche.

Und obschon sich eine klare Mehrheit zum Christentum bekennt, lehnt diese christliche Mehrheit ein religiöses Symbol einer anderen Religionsgemeinschaft ab. Sind Christentum und Demokratie wirklich miteinander vereinbar? Wenn Zweifel bezüglich Islam aufkommen, dann sollten wir auch Zweifel bezüglich anderen Religionen, auch der eigenen, anbringen (dürfen).

Die Sache mit der Todesstrafe

Update (13.12.2009): Die Aussage in diesem Abschnitt ist nicht korrekt. Siehe dazu diesen Kommentar.

«…fast jeder Fünfte (18,2 Prozent) erachtet die Todesstrafe als eine gerechte Sühne für den Abfall vom Islam» heisst es da weiter. Das klingt erschreckend.

Was wäre, wenn man diese Zahl einmal umdreht? Das ist schnell gerechnet: 71,8 Prozent der 199 Befragten erachten demnach die Todesstrafe nicht als gerechte Sühne für den Abfall vom Islam. So betrachtet sieht das doch sofort viel positiver aus…

Doch wie oben erwähnt, lohnt es sich auch, solche Zahlen zu vergleichen. Was denken Sie, wie viele Europäer die Todesstrafe befürworten oder ablehnen? 80, 90 oder gar 100 Prozent?

Gemäss diesem Artikel haben sich im 2005 58 Prozent der Polen für eine Todesstrafe – oder umgekehrt – 42 Prozent gegen eine Todesstrafe ausgesprochen. Polen ist bekanntlich ein höchst katholisches Land, in dem man bestens weiss: Du sollst nicht töten.

Weiter ist diesem Artikel zu entnehmen, dass «in Gesamteuropa der Anteil der Befürworter nur bei 38 Prozent liegt». Nur bei 38 Prozent. Das ist ja beruhigend, nicht wahr?

Den muslimischen Religionslehrern dürfte ihre Religion relativ wichtig sein, sonst wären sie wohl nicht Religionslehrer. 18,2 Prozent befürworten die Todesstrafe für eine ganz spezifische Tat. Aber 38 Prozent der Europäer, wessen religiöser Couleur sie auch immer sind, befürworten die Todesstrafe ohne irgendeine Differenzierung.

Und nun sollen uns diese 18,2 Prozent beunruhigen? Oder sollten uns nicht die 38 Prozent beunruhigen? Warum spricht eigentlich niemand davon, Polen zu meiden, sind dort doch gar 58 % für eine Todesstrafe?

Kultureller Hintergrund und aktueller Zeitgeist

«Jeder Dritte (32,7 Prozent) lehnt rechtsstaatliche Prinzipien ab» ist ebenfalls dem oben erwähnten Zitat zu entnehmen. Wäre diese Zahl gleich hoch, wenn die fraglichen Religionslehrer in Österreich aufgewachsen wären, also in einem anderen Kulturkreis? Wohl kaum. Es gilt somit klar zu unterscheiden zwischen kultureller und teilweise menschenverachtender Tradition einerseits und der Religion andererseits.

Zur letzten Aussage «…und immerhin noch jeder Elfte (8,5 Prozent) äusserten Verständnis dafür, wenn zur Verbreitung des Islams Gewalt angewandt wird.»

An dieser Stelle sei in Bogen zum ersten Manipulationsbeispiel bezüglich Irak-Krieg gespannt. Am 23.08.2002 (also noch vor dem zweiten Irak-Krieg) schrieb «Spiegel Online»:

Lediglich 53 Prozent der Amerikaner sind für einen gewaltsamen Sturz von Präsident Saddam Hussein. Das ergab eine am Umfrage des Fernsehsenders CNN, der Zeitung „USA Today“ und des Meinungsforschungsinstituts Gallup. Im Juni waren noch 61 Prozent für einen Krieg gegen den Irak.

Warum sollen diese 8,5 Prozent beunruhigen, wenn es möglich ist, dass in den USA 61 Prozent beziehungsweise 53 Prozent sich dafür aussprechen, mittels Gewalt das zu verbreiten, woran die Amerikaner glauben?

Das Gegenmittel zur Manipulation: Hinterfragen

Mittels Manipulation werden Meinungen und Ansichten geschaffen, welche Menschen in einem falschen Glauben zu einer bestimmten Handlung bewegen sollen.

Wir sind alle ein Teil dieses «Spiels». Gläubige Moslems werden genauso von fanatischen Imamen manipuliert wie aufrechte Bürger von fanatischen Politikern.

Je bedeutender die Meinung eines Kollektivs ist, wie das im Falle einer direkten Demokratie der Fall ist, desto grösser ist die Gefahr, manipuliert zu werden. Das sollten wir nie vergessen!

Wir müssen deshalb gerade auch wegen der zugenommenen Anzahl an Kommunikationskanälen (und der immer kleiner werdenden Redaktionen) vermehrt lernen, hinter die Botschaften zu blicken. Was vordergründig als «viel», «extrem» oder «schlimm» aussieht, ist auf den zweiten Blick nicht mehr, nicht extremer und nicht schlimmer als andere Dinge.

Was «beunruhigend» ist oder nicht, liegt immer im Auge – und vor allem im Geiste – des Betrachters, der vor Manipulationsversuchen nicht gefeit ist…

19 Antworten auf „Die subtile Manipulation einer Masse“

  1. Es heisst ja nicht umsonst, man soll nur Statistiken glauben die man selbst gefälscht hat… 😉

  2. @titus:

    deine kritik am umfragen-scharlatan ist berechtigt. leider ebenso berechtigt ist deine kritik am funktionieren des tandems umfragen – medien; im hause srg löste das minarett-abstimmungs-umfrage-versagen durchaus einen heilsamen schüttler aus.

    indess dürfte dein rat, die dinge zu „hinterfragen“ ev. etwas kurz greifen. das mag zwar beim staunen ob dem einen oder anderen blog post helfen — ein blick auf die moderne kriegsführung (psychologische und netz- kriegsführung sind längst integraler bestandteil jeder militärischen strategie) und die heutige medienrealität (besitzverhältnisse, journalistisches grundverständnis) zeigen jedoch, dass das erkennen der manipulation schier unmöglich geworden ist.

    also wäre nebst der gesunden distanz zu den dinge wohl auch ein möglichst breites wissens- reservoir von nöten. dazu kann die civil society als dritter player nebst dem staat und parastaatlich- internationalen organisationen durchaus einiges beitragen

  3. Anfangs des Artikels viel Zustimmung von meiner Seite. Beim Thema Todesstrafe – die ich ablehne – bist du aber in meinen Augen selbst in die Manipulationsbahn hineingeschlittert. Du relativierst die Befürwortung der Todesstrafe für Abfällige durch Religionslehrer, weil die Religion für diese ja wichtig ist. Wenn angeblich ohne Spezifizierung christliche Europäer sie befürworten, unterstellst du ihnen quasi, jeden für alles Hinrichten zu wollen. Aber in Europa steht die Todesstrafe längst nur noch für Kapitalverbrechen und du darfst den Leuten durchaus zugestehen, es auch so zu sehen.
    Und wenn die Religionslehrer nicht in Oesterreich aufgewachsen sind, mag das die Antworten erklären, aber nicht entschuldigen. Denn sonst wären wir genau bei der gefürchteten Parallelgesellschaft. Mich beunruhigt übrigens jeder, der Gewalt befürwortet, um seine Ideen zu verwirklichen, ob es dann 8 oder 60 Prozent einer Gruppe sind.
    199 aus 350 finde ich in eigentlich nicht schlecht, was die Repräsentativität betrifft. Bei den Umfragen in Polen und in den USA, war die Stichprobe sicher viel kleiner.

  4. @ Tinu
    Danke für Deinen Hinweis. Vorab: Auch ich verurteile die Todesstrafe. Ich bin zwar nicht besonders gläubig, meine jedoch, dass es nicht bei anderen Menschen liegen darf, darüber zu urteilen, wessen Leben willentlich beendet werden «darf» oder nicht.

    Es ist tatsächlich eine Relativierung drin: Wenn wir wegen diesen 18,2 aufschreien, dann sollte der Aufschrei bei 38 Prozent noch wesentlich lauter sein – nur höre ich davon nichts. Oder andersrum: Wenn man bei 38 Prozent schon nicht aufschreit, warum dann das Geschrei wegen 18,2 Prozent?

    Aber natürlich verdient beides einen Aufschrei.

    Zur Todesstrafe wegen Kapitalverbrechen: Da muss ich Dir widersprechen. Aus dem oben verlinkten Artikel ist zu entnehmen:

    «Wir haben ein Komitee für die Wiedereinführung der Todesstrafe gegründet. Durch meine Bekanntschaft mit der Familie des ermordeten Mädchens Jeanne-Marie Kegelin* hat das Thema eine besondere Brisanz für mich erhalten. Auf ein solch grausames Verbrechen muss mit einer entsprechenden Bestrafung reagiert werden – und das kann meiner Meinung nach nur die Verurteilung zum Tode sein.»

    Zu den Religionslehrern: Richtig, ob sie in unseren Breitengraden aufgewachsen sind oder eben nicht, entschuldigt nichts. Für mich hat die Frage «Rechtsstaatlichkeit» nichts mit der Religion, sondern eher mit der Tradition zu tun. Aus der Befragung (oder dessen, worüber wir öffentlich verfügen) geht jedoch nicht einmal hervor, woher sie stammen…

    Wir, die wir die Möglichkeit hatten, unseren Rechtsstaat in über 150 Jahren zu entwicklen, gehen immer davon aus, dass andere gleich weit sein müssten und immer nur der Staat und dessen Recht über allem stehe. Bevor wir jedoch diesen Rechtsstaat hatten, bestimmte auch die Kirche und/oder das Familienoberhaupt, was Recht und Ordnung ist. Auch das ist keine Entschuldigung. Nur sollten wir uns und die Betroffenen beispielsweise bewusst sein, dass das Leben bei uns einer Entmachtung der bisherigen Rechts- und Gewaltinhaber gleichkommt.

    In der Schweiz gilt, dass erst mindestens 1000 Befragte repräsentativ sind. In den USA dürfte das nicht viel anders sein und wohl eher noch höher liegen, dies gerade auch um die Fehlerquote zu verringern.

    Was bei Umfragen eben auch wichtig ist, ist, dass man damit eine gewisse «Allgemeinheit» erreicht. Wenn der fragliche Soziologe diese Umfrage vor der Moschee X gemacht hat, in welcher ein konservativer Imam predigt, kommt sicher etwas anderes heraus als wenn er sie vor der Mosche Y mit einem gemässigten Imam machte.

    Im Rahmen unserer Volksabstimmung bzw. den Umfragen dazu wurde mindestens im Ständerat darüber diskutiert, ob es richtig ist, dass Umfragen sich nur auf Leute mit Festnetzanschluss beschränkt – wo doch heute vor allem Jüngere nur noch ein Handy haben. Das deckt dann eben auch nicht mehr diese «Allgemeinheit» ab.

    @ André
    Ich erachte die Blogsphäre nicht als Konkurrenz zur «4. Staatsgewalt», den Medien, sondern ergänzend als «5. Staatsgewalt», den Zivilbürgern, welche als Kollektiv über mehr Wissen verfügen als jede Redaktion im In- und Ausland.

    Dies setzt jedoch voraus, dass jeder Zivilbürger für seinen Teil, für sein Fachwissen, mit seinem Hintergrund, die Dinge hinterfragt, die da kommuniziert werden und – sollte etwas nicht «aufgehen» – die Erkenntnisse daraus publiziert. Leider scheuen viele noch, sich auch nur schon anonym zu Wort zu melden… 🙁

  5. Na ja, das scheint ja alles sehr bedrückend zu sein und man ist geneigt, an gute alte Zeiten zu glauben, in denen halt alles nicht so war… Und stellt dann fest, dass es damals keine Blogs gegeben hat, welche Meldungen hinterfragt haben, die Dinge wurden einfach so geschluckt, wie sie serviert wurden.
    Da gab es doch mal das Institut für Strategische Studien in London. Das versorgte uns regelmässig mit Panzer-, Flugzeug und Mannschaftszahlen des Westens und des Warschaupaktes. Die Ostblockzahlen waren nach meiner Erinnerung 2 bis 3 mal grösser als diejenigen des Westens – bis 1989….

  6. Wie schon abschliessend im Artikel erwähnt, sind wir alle nicht davor gefeigt, dass man uns ein A für ein B vorhält. Das betrifft auch Blogger.

    Das heisst aber auch, dass die Zahl an Kommunikationskanälen nicht entscheidend ist. Die hohe Zahl an Kommunikationskanäle erlaubt lediglich, dass auch solche zu Wort kommen, welche bis anhin keine Gelegenheit dazu hatten. Doch die «Aufgewecktheit» der Zivilbürger ist damit nicht automatisch höher.

    Es ist auch eine Gratwanderung zwischen «nicht in eine Paranoia zu verfallen» und «kritischem Hinterfragen». Ein Haar lässt sich immer in jeder Suppe finden – wenn man danach sucht…

  7. Unterliege ich einer Begriffsverwirrung? Der Interviewte spricht von einem Mord. Und das ist doch ein Kapitalverbrechen, oder?
    Was die Zahlen betrifft. Sicher sind 350 Religionslehrer eine kleine Zahl – darum ist es ja auch nicht möglich, 1000 zu befragen, sondern offenbar nur 199. Ihr Einfluss ist aber sicher beträchtlich. Und, wie gesagt, sie wollen die Todesstrafe für Abfall von der Religion – für Menschen also, die niemandem geschadet haben. Ein Mord ist doch etwas anderes.

  8. Nein, Tinu, Du nicht – aber ich 🙂 Du hast Gustav gesagt und ich habe Gasthof verstanden… Asche über mein Haupt! 😉

  9. Ich kann @Tinu nur danken für seine Kommentare. Denen kann ich mich voll und ganz anschliessen. Sich gegen – mehr oder weniger – dokumentierte Manipulationen durch politische oder mediale Verlautbarungen mit einer manipulativen Argumentation zu wehren, wie Du es tust, ist höchst unglücklich. Immerhin liegen Deine Fehlschlüsse einigermassen offen da. Aber auch nach dem ersten Hinweis von Tinu machst Du im gleichen Fahrwasser weiter:

    Zitat Titus 12.12. 13h44:

    Was bei Umfragen eben auch wichtig ist, ist, dass man damit eine gewisse «Allgemeinheit» erreicht. Wenn der fragliche Soziologe diese Umfrage vor der Moschee X gemacht hat, in welcher ein konservativer Imam predigt, kommt sicher etwas anderes heraus als wenn er sie vor der Mosche Y mit einem gemässigten Imam machte.

    Ich sage dazu nur so viel: Der Befrager wird die 199 von total 350 Imame kaum vor einer einzigen Moschee angetroffen haben. Sorry, aber eine repräsentativere Umfrage als diese kann ich mir gar nicht vorstellen, und als Wiener/Österreicher wäre mir einigermassen unheimlich, wenn ich mir, durchaus nachvollziehbar hochgerechnet, ausrechnen könnte, dass mindestens 70 muslimische Religionslehrer zu den besagten Fragen \"nicht so genau wissen\", was sie ihren Schäfchen nun erzählen sollen.

    Die direkte Demokratie wäre bei uns bestimmt noch viel leistungsfähiger und authentischer, wenn die Medien ihre Rolle als vierte Macht besser ausübten, aber Dein allgemeines Medienbashing verkennt eines: Der Abstimmungskampf bei uns dauerte Monate. Alle Medien und Parteien waren gegen das Minarettverbot. Hätten Sie Volksnähe besessen, hätten sie die Stimmung aufgenommen und dagegen selbst sachlicher argumentiert. Stattdessen wurde mit einem \"Durchrutschen\" spekuliert – oder ging es am Ende auch hier und da tatsächlich bei den Gegnern eben auch nur um eine Randgruppe? Wo waren denn alle die Angehörigen des Club Hélvétique vor der Abstimmung?
    Wenn der Regisseur Samir im Dienstagsclub nach der Abstimmung die Befürworter mit der Aussage, diese hätten das Volk \"beschissen\" beschimpfen kann, dann ist das auch eine peinliche Manipulation – von Frustpotential bei den Verlierern. Man kann diese Diskussion endlos weiter führen.
    Mein Artikel hat anhand der Beispiele nur eines aufzeigen wollen: Wir haben ein Problem. Das wir mit Nachfragen, Hinhören, mit Verlangen um Erklärungen und Bekenntnissen zum Rechtsstaat, mit Imam-Ausbildung im Land, lösen müssen.

    Ich habe Deine Argumente vor der Abstimmung oft nicht nachvollziehen können (in der Beiz), aber ich habe es sehr geschätzt, dass Du einer der ganz wenigen nach der Abstimmung gewesen bist, der gefragt hat: Und was haben wir jetzt zu tun?
    Davon ist nicht viel übrig geblieben…
    Dieser Artikel, den ich in einem anderen Kontext, sorgfältiger und sachlicher formuliert und nicht als Gegenbeweise zurecht gebogen, durchaus als Prinzipiendiskussion begrüssen könnte, enttäuscht mich, da bin ich ganz ehrlich. Und er macht mich ratlos.

  10. @ Tinu & Thinkabout
    Wie sagte doch kürzlich eine Bloggerin aus Zappadonghausen: «Lautes Denken kann auch grausam peinlich sein»…

    Ich hatte die 18,2 Prozent so verstanden, als ob diese Zahl abschliessend ist, also dass «nur» 18,2 Prozent der befragten Imame die Todesstrafe begrüssen würden und dies wegen des «Abfalls vom Islam» tun. Diesen Irrtum hatte ich bei Tinus Kommentar noch nicht bemerkt, daher das gleiche Fahrwasser.

    Warum ich hier dermassen zu kurz gedacht hatte, kann ich (noch) nicht nachvollziehen… Ich werde im Artikel auf jeden Fall einen Hinweis auf diesen Kommentar anbringen.

    Den Vorwurf der «manipulativen Argumentation», also dass ich willentlich etwas ausgelassen hätte, kann ich trotzdem nicht gelten lassen. Ich verlinke relativ intensiv meine Schreibe, dies auch darum, um aufzuzeigen, dass ich mir die Aussagen nicht bloss aus den Fingern sauge. Das schliesst allerdings nicht aus, dass man selber einer Fehlüberlegung erliegt. Dank der Verlinkung kann jeder feststellen, dass beim Autor wohl etwas durch die falschen Gedankengänge lief…

    Und, ungeachtet dessen, erachte ich diese 18,2 Prozent wie auch die anderen Prozentzahlen, so wie sie im Beobachter stehen, immer noch als manipulativ. Dem Leser bleibt nämlich vorenthalten, auf wie viele Befragte sich diese «Untersuchung» abstützt. Selbst aus der Grafik oben ist nicht ersichtlich, wie viele «trifft sehr zu» und wie viele «trifft eher schon zu» ausgewählt hatten. Was ist, wenn nur einer auf «trifft sehr zu» tippte? Und was denken die anderen 150 Imame, die nicht geantwortet haben? Zu welcher islamischen Richtung gehören überhaupt die 199 bzw. die anderen 150 Imame? Lässt sich aus den Antworten ein Unterschied je nach Richtung feststellen?

    Ich bin nur um Differenzierung bemüht – auch zwischen den verschiedenen islamischen Richtungen – und finde es daher störend, wenn mit solchen pauschalen Angaben ein Bild gemalt wird, das dann hochgerechnet wird, vielleicht aber völlig falsch ist – und zwar in die eine wie in die andere Richtung. Denn was wäre, wenn die anderen 150 Imame auch deshalb nicht geantwortet hatten, weil sie vor allem «trifft sehr zu» ausgewählt hätten?

    Wenn wir nicht wieder ein böses Erwachen erleben wollen, dann wird es der Sache sicher nicht gerecht, diese Untersuchung auf einen Sockel zu stellen und zu sagen: Schaut her, genau so sieht «die Realität» heute aus. Das von Dir, Thinkabout, gewünschte Nachfragen hätte hier, bei den Ergebnissen dieser Untersuchung anfangen sollen.

    Zu diesem Artikel:
    Er ist das Resultat verschiedener Beobachtungen und zwar nicht erst aus jüngerer Zeit. Es ist mir ein wichtiges Anliegen, aufzuzeigen, dass die Dinge nicht immer so sind, wie es auf den ersten Blick den Anschein macht, dass uns häufig auch gedankliche Assoziationen etwas glauben lassen, das nicht wirklich so ist. Dein Artikel war nur der berühmte Tropfen, der das Fass dahingehend zum Überlaufen brachte, als dass ich mich nun einmal hingesetzt habe und aufzuzeigen versuchte, was bei uns rauskommt aufgrund dessen, was man uns zu hören und zu sehen gibt.

    Zu Deiner Frage «Und was haben wir jetzt zu tun?» und dem Vorwurf «Davon ist nicht viel übrig geblieben…»:

    Was ich aus dieser Abstimmung gelernt habe, ist unter anderem, unangenehme Themen und unausgesprochene Problem nicht mehr zu tabuisieren. Dazu gehört auch die Rolle der Medien und ihre sicher teilweise auch manipulative Wirkung auf die Medienkonsumenten. Ein Beitrag dazu findest Du oben.

    In diesem Beitrag habe ich unsere Beziehung zu Ausländern/Zuzüger und die Verstrickungen unserer Konsumwelt zur «Nicht-Konsumwelt» thematisiert, was schliesslich auch dazu führt, dass es überhaupt zur Migration kommt – auch von Moslems, die sicher auch gerne in ihrer Heimat geblieben wären…

    In diesem Beitrag thematisiere ich die Religion und rufe dazu auf, diesem Anders- oder Querdenkenden einmal zuzuhören. Nicht, dass ich mit allem einverstanden wäre, was er sagte. Trotzdem lohnt es sich, hinzuhören, auch noch eine Woche später.

    Dieser Beitrag zeigt auf, wie man plötzlich überall Minarette sieht…

    Dieser Beitrag spricht davon, dass vom christlichen Fest der «Weihnachten» nicht mehr viel übrig ist, obwohl wir uns mehrheitlich Christen nennen.

    Und im heutigen Beitrag zeige ich auf, dass nicht immer alles so war, wie es heute ist.

    Thinkabout, was ich tue, ist nicht nichts. Ich zeige mit dem Finger vor allem auf uns, weil WIR ein Problem haben – nicht «die Anderen», nicht die, an deren Verhalten oder Auffassung wir uns stören – was nicht heissen soll, dass ich deren Verhalten und deren Auffassung goutiere.

    Ich zeige vor allem mit dem Finger auf uns, weil wir dazu übergegangen sind, mit dem Finger auf die Anderen zu zeigen.

    Mit diesem Finger zeigen wir auf jugendliche Gewalttäter, zeigen wir auf Jugendliche aus dem Balkan – statt auf UNSERE Migrations- und Integrationpolitik, welche mitunter zu den «Rahmenbedingungen» gehören, welche die Betroffenen zu dem machen, was sie heute (nicht) sind.

    Mit diesem Finger zeigen viele angebliche Christen auf die Moslems und sagen, «Ihr habt ein Problem», bevor diese angeblichen Christen in den Massen des Sonntagsverkaufs entschwinden, um sich die Nächstenliebe zu erkaufen (ich spreche mit den beiden Beispielen keine spezifische Person an!).

    Ja, wir können so weiter machen und immer auf die Anderen zeigen – oder bei uns selber anfangen und zuerst vor dem eigenen Haus kehren…

    Ich ziehe Letzteres vor, weil dies nach meiner Ansicht eher zu einer Ursachen- statt einer Symptombekämpfung führt.

  11. Lieber Titus
    Ja. Und genau diesen gekrümmten, auf sich selbst zeigenden Finger schätze ich sehr! Er wäre dann auch Ausdruck eines Wissens, dass der oben von Dir kritisierte Beobachter-Artikel ja auch nicht der einzige ist, der in die eingeschlagene Richtung Indizien liefert. Es geht auch nicht darum, Muslime an den Pranger zu stellen.
    Wenn ich sage, dass Erklärungsbedarf besteht, dann sehe ich uns nicht als Richter einer Inquisition. Ich verstehe es auch als Aufforderung an uns, dieser Fragestellung den Nachdruck zu verleihen, der darin besteht, dass wir uns aufs Gespräch einlassen. Nicht jede fehlende Antwort ist eine Verweigerung: Wir müssen auch Ängste auf der anderen Seite abbauen helfen.

    Zur Manipulation noch so viel: Über die Umfrage des Wiener Soziologen mag sich jeder sein eigenes Urteil bilden. Die Dissertation ist übrigens als \\"ausgezeichnet\\" beurteilt worden. Wir alle müssen uns bewusst sein, dass wir mit jeder Meinungsäusserung, die wir \\"belegen\\", manipulieren. Das liegt in jeder Auswahl begründet. So gesehen manipuliert, wertet, schliesst jede Redaktion Themen und Gruppen aus, wenn sie den Inhalt bestimmt, und jeder Blogger tut es auch.
    Deine Verlinkungen sind zahlreich, das stimmt. Etwas was ich im gleichen Mass wohl zuwenig mache, wie Du es vielleicht fast übertreibst: Dein Hinweis, man könne Deine Rückschlüsse ja nachprüfen, indem man die Links konsultiert, ist manchmal auch zuviel verlangt: Der Leser sollte nach meiner Meinung im Blogtext schon das Gefühl haben, dass der Artikel in sich schlüssig ist – und die Links nur zur Vertiefung benötigen. Multitasking in Ehren – aber ich habe das in meiner eigenen Arbeit schon genug.

  12. @ Thinkabout
    Wir verstehen nicht das Gleiche unter «Manipulation»…

    Ich verstehe sie so, wie sie auch in der allwissenden (und vor Manipulation auch nicht immer gefeiten) Wikipedia definiert ist: Die gezielte UND verdeckte Einflussnahme.

    Wenn ich über etwas Bescheid weiss, es aber bewusst unterschlage/verschweige, dann manipuliere ich. Wenn ich über etwas schreibe, ohne vorgängig auf alle Aspekte gestossen zu sein, dann ist das etwas anderes. Letzteres kann etwas Dilletantisches haben, sollte ich mich vorgängig nicht relativ intensiv mit der fraglichen Sache auseinandergesetzt habe (und das können schnell einmal ein paar Stunden sein).

    Schon bevor ich zu bloggen began, habe ich beim Kommentieren eines gelernt: Es lohnt sich nicht, Dinge zu verschweigen. Denn was ich weiss, aber verschweige, kann schnell ein anderer Kommentierender vortragen, womit das eigene Argumentationsgebilde zusammenbricht und die eigene Glaubwürdigkeit flöten geht. Ich täte mir damit keinen Gefallen. Und genau darum gibt es bei mir keine 3-Minuten-Postings. Und genau darum verlinke ich so intensiv.

    Ich erwarte nicht, dass man jedem Link folgt. Wenn aber jemand zu einem Punkt gegenteiliger Meinung ist, kann er so jener Quelle nachgehen, welche meine Meinung beeinflusst hat. Ist die Quelle nicht so vertrauenswürdig, wie ich das beurteilt hatte (meine Mittel sind ja auch beschränkt) oder kennt jemand noch einen Aspekt, welcher mir beim Vorbereiten und Schreiben eines Artikels entgangen ist, so ist derjenige herzlich eingeladen, einen Kommentar zu hinterlassen. Mein Meinungsbildungsprozess ist nicht mit dem Publizieren eines Artikels abgeschlossen…

  13. Lieber Titus

    So in etwa habe ich jetzt getan, was Du mir vorschlägst, und habe bei \“diepresse.com\“ ein paar Artikel nachgelesen. Dabei bin ich auf den hier gestossen: Islam-Lehrer an Österreichs Schulen teils Fanatiker
    und habe in der linken Kolonne auch noch die weiteren Texte gelesen. Danach lese ich das alles so, dass die Studie über österreichische Islam-Religionslehrer
    – einer wissenschaftlichen Prüfung standhält und als Dissertation mehrfach sehr positiv benotet wurde
    – mehr als die Hälfte der Religionslehrer befragt wurden, die an österreichischen Schulen unterrichten (also nicht nur als Imame in Moscheen)
    – offenbar viele Kinder von den Eltern aus dem Religionsunterricht abgemeldet wurden (weil er ihnen zu fundamentalistisch erschien)
    – diese Religionslehrer 50\’000 Kinder unterrichten (oder, je nach Schätzung, immer noch ca. 25\’000)

    Wie gesagt: Auch hier gibt es viele Sichtweisen. Ganz sicher aber ist diese Umfrage überdurchschnittlich seriös, um begründete Zweifel an der Kompatibilität dieses Lehrkörpers mit den Grundlagewerten des Staates aufkommen zu lassen.

    Das Sprachniveau unter den Lehrern ist sehr gut. Nur Dreien wird mangelnde Sprachkenntnis vorgeworfen. Es ist also nicht damit getan, Deutschkenntnisse zu verlangen. Was aber auch wieder Mut macht,ist die Beobachtung, dass jüngere Lehrer zu moderateren Positionen neigen – und sich offensichtlich gemässigte Muslime auch wehren. Um so mehr sollte man ihnen Rückendeckung geben.

  14. @ Thinkabout
    Besten Dank. Ich hätte ja gerne einmal die Resultate dieser Befragung angeschaut und verlinkt, habe sie aber bis jetzt online nicht gefunden.

    Immerhin hat mich Dein Artikel zum «Falter» geführt, bei dem ich diesen doch ziemlich ausführlicheren Artikel und dieses Interview fand. übrigens, der Falter-Artikel scheint die Quelle für die Aussagen im Beobachter zu sein (siehe gleiche Aussagen und gleicher Wortlaut)…

    Und: Dieser Artikel von «Die Presse», welcher sich mehrheitlich auf Wien bezieht, erweckt einen ziemlich positiven Eindruck bezüglich Sprache und Bildungsniveau – und weicht damit massiv von dem ab, was aus dem im vorangehenden Abschnitt verlinkten Artikel des «Falters», welcher sich auf Österreich bezieht, entnommen werden kann.

    Das heisst: Schon zwischen Wien und Gesamtösterreich scheint es markante Unterschiede zu geben. Ist es da richtig, entweder die eine oder die andere Untersuchung als Referenz heranzuziehen?

    Wie Du aus dem Falter-Artikel auch entnehmen kannst, spielt der geschichtliche Hintergrund Österreichs noch eine Rolle (wegen der damaligen Annexion Bosniens). Ich würde mal sagen, unsere östlichen Nachbarn sind bezüglich Ausbildung der Religionslehrer, welche schon seit 1982 an öffentlichen Schulen unterrichten, weiter als wir.

    Dies spricht eher dafür, dass die gleiche Befragung hierzulande, wo eine solche Ausbildung noch in den Kinderschuhen steckt, vermutlich noch schlechter ausfällt…

    Ja, es soll hierzulande eine solche Untersuchung auch geben. Ich hoffe nur, dass diese dann aber für Religionen gemacht wird und nicht nur auf den Islam beschränkt wird (alles andere erweckt nur wieder einen Generalverdacht bezüglich einer Religion). Fundamentalisten gibt es in allen Religionen – und am schlimmsten sind die, von denen überhaupt niemand spricht…

  15. In der Schweiz leben ca. 400.000 Muslime. In Bern waren am letzten Samstag laut den Medien ca. 500 – 700 Personen anwesend. Geht man davon aus, dass ein Teil aus österreichischen und deutschen Muslimen bestand, vielleicht auch die Reporter mit dazugezählt wurden, so könnte man auf ca. 1 Promille Schweizer Muslime kommen.

    Ohne mit Prozenten oder Umfragen um Dich zu schmeissen, wie interpretierst Du dieses Desinteresse?

  16. Bitte einfach alle Kirchen im Dorf lassen, ja? Wenn man Umfragen so auseinander nimmt, wie Du es tust, dann sollte man gar keine mehr machen. Und wenn wir nun hin gehen und sagen, Extremisten gibt es in allen Parteien, dann ja, mag das stimmen. Aber sie haben nicht nur ganz unterschiedliche Stosskräfte und Bedeutungen, sie unterscheiden sich in einem zentralen Punkt ganz massgeblich von den islamistischen Bewegungen: Es stecken keine Staatsmächte dahinter, welche diese Triebkraft extremistischer Religion für politische Zwecke nützen können. Es sollte endlich begriffen werden, dass es hier nicht nur um Religionsgleichheit geht, sondern um die sehr unterschiedliche Bedeutung für Kontrollorgane wie Verfassungsschutz etc.
    Das tönt nicht schön, aber es ist Realität. Den Teufel nicht an die Wand zu malen,ist okay. Aber social correctness beweisen wir wohl besser dadurch, dass wir endlich die Prinzipien unserer demokratischen Werte dort anwenden, wo wir klare Indizien haben, dass sie verletzt werden. Und das dankten uns dann z.B. alle gemässigten Muslime – mit einer ziemlichen Flächenwirkung. Ein paar radikale Evangelikale in einem Chrachen in irgend einem Winkel unseres Landes haben da nicht die gleiche Bedeutung – nicht mal Scientology ist von annähernd ähnlicher Tragweite. Lernen wir hier in unseren Positionen und vernünftiger Durchsetzung gröbster Leitplanken hinzu, wird das zudem allen aufgeschlossenen Menschen in unserem Land zugute kommen. Mit jeder Religionszugehörigkeit. Denn in diesem Sinn sind wir tatsächlich längst ein säkularer Staat.

  17. @ Ate
    Organisiert wurde die Demo vom neu gegründeten «Islamischen Zentralrat der Schweiz», dessen Präsident genauso europäischer Herkunft ist wie jener deutsche Redner, welcher ein Einreiseverbot erhielt.

    Zum jetzigen Zeitpunkt ist es ungeschickt, nicht nur gegen diesen Volksentscheid zu demonstrieren, sondern dazu noch einen fragwürdigen Redner einzuladen. Die schon lange bestehenden islamischen Verbände der Schweiz haben sich deshalb auch von dieser Demo und dessen umstrittenen (und schliesslich nicht zu Wort gekommenen) «Star-Redner» klar distanziert.

    So aus dem Bauch heraus, also ohne Belege, halte ich das Ganze für Trittbrettfahrerei einiger junger, zum Islam konvertierten Europäer, welche meinen, es besser machen zu können als die bereits bestehenden islamischen Verbände.

    @ Thinkabout
    Gestatte mir Dich darauf hinzuweisen – und ich bitte darum, mir den Spiegel auch vorzuhalten, sollte es mir gleich ergehen – wie undifferenziert Du argumentierst.

    Zitat: «Ein paar radikale Evangelikale in einem Chrachen in irgend einem Winkel unseres Landes haben da nicht die gleiche Bedeutung – nicht mal Scientology ist von annähernd ähnlicher Tragweite.»

    Mich stört diese Aussage nicht nur deshalb, weil ich sie als Behauptung erachte, sondern auch weil sie das Wegschauen legitimiert.

    Könnte es sein, dass vor einigen Jahren auch schon einige sagten, dass «ein paar radikale Muslime in einem Chrachen in irgend einem Winkel unseres Landes» keine Bedeutung hätten? Diskutieren wir hier nicht eigentlich deshalb, weil wir weggeschaut hatten?

    Und ob 3 von 169 islamischen Religionslehrer in Wien (1.8 %) oder ein Drittel von 210 österreichweit Befragen (33 %) Probleme mit der deutschen Sprache haben, ist doch ein Unterschied, oder?

    Warum sind diese Zahlen so wichtig?

    Wenn der Gesetzgeber (das sind ja auch nur Menschen) jene Kontrollorgane schaffen sollen, die Du Dir wünschst, dann ist der Druck doch ein anderer, wenn den Parlamentariern (oder den Stimmbürgern) das Argument «33 Prozent» statt nur «1.8 Prozent» in den Kopf gesetzt wird.

    Wenn es darum geht, die richtigen Massnahmen gegen Fundamentalisten zu ergreifen, dann wäre es doch noch interessant zu wissen, was in der Grossstadt Wien anders (besser) läuft als im restlichen Österreich, oder?

    Zur social correctness gehört nicht nur die Differenzierung, sondern auch die Gleichbehandlung (z. B. beim Beobachten der radikalen Elemente in unserer Gesellschaft). Sonst strafen wir auch die gemässigten Gesellschaftsteilnehmer ab und es kommt nicht zur gewünschten Flächenwirkung.

  18. @Titus
    Dass das Ergebnis der Sprachtests in Wien besser ausfällt als im Rest des Landes, wird hier erklärt:
    http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/474744/index.do?from=simarchiv
    In Wien müssen Religionslehrer eben schon seit 2006 Sprachkenntnisse beweisen, sonst werden sie gar nicht angestellt.
    Aber das ist ein Nebenschauplatz, in dem wir uns nicht verlieren müssen, nur um Recht zu behalten: Ich habe in meinen Kommentaren selbst die Bemekrung gemacht, dass ganz offensichtlich Probleme da sind, obwohl die Sprachkenntnisse eigentlich sehr gut sind und auch so nachgewiesen werden. Es ist also ein Beispiel dafür, dass diese Kenntnisse wichtig sind, es aber nicht mit Sprachtests getan ist, was ja auch logisch ist.

    Und wenn ich irgendwelche Frömmler oder eine Scientology nicht als so wichtig ansehe, so hat das wesentlich damit zu tun, dass wir es umgekehrt bei den islamistischen Bewegungen mit einer politisch operierenden oder zumindest politisch instrumentalisierten Gruppe zu tun haben – welche politisches und religiöses Leben nach dem Selbstverständnis gar nicht zu trennen vermag. Sorry, aber wenn dieser Unterschied nicht einleuchtet, dann ist jede weitere Diskussion sinnlos.

    Übrigens fühle ich mich für ein Kind, das aus einer evangelikalen Familie stammend, eventuell darin behindert wird, die gleiche Bildung zu kriegen wie andere Dorfbewohner, genau so verantwortlich. Ich wage aber zu behaupten, dass es, wird in einem solchen Fall für die Bildungsinteressen des Kindes staatliche Autorität bemüht (bisher) deutlich weniger Geschrei von links gegeben hätte, das sich für die eigene Kultur der Familie stark gemacht hätte.
    Wieso, verd…. nochmal (Verzeihung), fragt man eigentlich nicht mal so rum:
    Warum soll das muslimische Kind, das bei uns aufwächst, partout weniger Recht auf Bildung haben als das Kind einer anderen Migrations- oder Glaubensgemeinschaft???

  19. @ Thinkabout
    Ich bin schon in der Antwort oben dem Aspekt «politisch operierenden / politisch instrumentalisierten Gruppe» ausgewichen, weil ich mir da noch nicht im Klaren bin.

    Konkret geht es darum: Wenn ich an eine politische Partei denke, welche ja gewissermassen auch eine bestimmte «Religion» predigt (also Dinge predigt, an die wir im sehr bestimmenden weltlichen Leben glauben und die wir unterstützen sollen), beabsichtigt diese doch auch, Macht auszuüben oder unseren Alltag zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Es geht dabei schon lange nicht mehr um den idealistischen Ansatz, sich nur fürs Gemeinwohl einzusetzen…

    Eine gewisse Partei meinte dabei in der Vergangenheit sogar, dass die eigenen Bundesräte in der Öffentlichkeit sagen dürfen sollten, wenn sie anderer Meinung als der Gesamtbundesrat gewesen wären. Das heisst, man will sich – und damit auch die eigene Partei – sich klar von den anderen distanzieren. Damit zeigt man keinen Gemeinsinn mehr.

    Ich will damit nicht vom Thema abweichen, sondern frage mich nur, wo die grössere Gefahr liegt: Bei jenen, die wir klar als Gefahr betrachten oder bei den salonfähigen Polterern, welche die Volkesmeinung nur allzu oft mit flapsigen Ideen beeinflussen (welche nichts damit zu tun haben, dass sie dem Volk besser zuhören, denn niemand aus dem Volk kommt auf die Idee, die Menschenrechte in Frage zu stellen).

    Mir leuchtet der Unterschied von Dir angesprochene Unterschied schon ein. Nur, eben, ich frage mich, ob wir das Augenmerk nicht zu sehr nur auf die einen richten…

    Deine Schlussfrage erlaube ich mir zu ergänzen mit den Fragen:
    – Warum wird überhaupt unterschieden zwischen muslimischen und nicht muslimsischen Kindern und warum betrachten wir sie nicht ganz einfach als Kinder?
    – Davon abgeleitet: Warum unterscheiden wir überhaupt nach Muslime, Christen, In- und Ausländer?

    Denn da fängt meiner Meinung nach der Teufelskreis an; die Chancenungleichheit führt dazu, dass sich Zuzüger selber organisiert (organisieren muss), sprich, es entstehen halbwegs Parallelgesellschaften…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.