Verantwortung und so

So genannte Manager lernen viel auf dem schulischen Weg. Aber wo lernen sie eigentlich Verantwortung zu übernehmen?

Hand aufs Herz: Als Kind waren Sie bestimmt auch nicht immer brav. Hatten Sie nicht auch einmal einem ständig griesgrämig blickenden Nachbarn möglichst unbemerkt ein rohes Ei in den Briefkasten geworfen?

Alles ist erlaubt – solange es niemand merkt

Und hatten Sie nicht auch einmal dem Nachbarsjungen die Luft aus dem Veloreifen entweichen gelassen? Und wie war das mit den Türklingeln, die Sie von oben bis unten durchdrückten und dann schnellstens wegrannten?

Alles war erlaubt, solange es niemandem schadete und – solange man dabei nicht erwischt wurde…

In der Augenreiberei erinnert man sich noch gut dran, wie man als Fünfjähriger mit seinem besten Freund draussen beim Hintereingang von einem dieser in den 1970er Jahre erstellen Wohnblock spielte.

Es war ein prächtiger Sommernachtmittag und es war Zvieri-Zeit. Darum hatten auch beide eine Banane in der Hand, welche allerdings noch ähnlich unreif war wie die beiden Jungen.

Darum eignete sie sich auch ausgezeichnet als Malstift (ja, man soll mit Nahrungsmitteln nicht spielen). Wussten Sie eigentlich, wie weich solche unreifen Bananen werden, wenn man mit ihnen auf einer sonnengewärmten Hausfassade herummalt? 😉

Der Spass war nur von kurzer Dauer und das schöne Wetter schlug blitzartig in ein Donnerwetter um, als die Frau des Hauswarts dieses Treiben entdeckte. Die beiden Betroffenen erschraken ob dem Donnerwetter umso mehr, als dass sie sich keiner Schuld bewusst waren.

Nicht nur wegen dieses Schocks, sondern wohl auch, weil sie erkannt wurden, blieben beide solange wie vom Blitz getroffen stehen, wie die Frau des Hauswarts brauchte, um mit einem Eimer voller Seifenwasser und zwei Schwämmen zurückzukommen.

Was das Leben einem lehrt

Erst anlässlich einer Renovation des gesamten Hauses vor einigen Jahren gingen die Spuren von damals ganz weg. Und trotzdem sind Spuren geblieben. Denn damals lernten beide, was es heisst, Verantwortung für seine Handlungen zu übernehmen.

Schaut man sich die Nachrichten dieser Tage, aber auch der vergangenen Monate oder gar Jahre an, so fragt man sich in der Augenreiberei: Wurden heutige Manager in ihrer Kindheit nie erwischt, als sie gerade dabei waren etwas zu tun, das man nicht tun sollte?

Oder waren die damals immer brav und leben dafür heute «den Lausbuben» aus – nur dass ihnen nicht nur niemand einen Eimer voller Seifenwasser und einem Schwamm in die Hand drückt, sondern dass diese «Mittel» heute wohl kaum reichen?

Sicher ist nur eines: Verantwortung für seine Handlungen zu übernehmen kann man nicht in einer Schule lernen. Das lehrt einem das Leben.

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Wer übernimmt die Verantwortung für:

5 Antworten auf „Verantwortung und so“

  1. Wir haben in den 70er Jahren, als Pubertisten, nach einem samstäglichen Saufgelage über den Balkon im 4.Stock gekotzt.
    Die Spur nach unten zwang uns, am Sonntag Morgen in aller Herrgottsfrühe zu einer Putzaktion sondergleichen.
    Unsere Eltern verlangten die umgehende Beseitigung des Schadens noch bevor die Gottesfürchtigen ihre Minarette besuchen würden.

    Heute sieht man auch woher die Kotze stammt. Nur werden die Kosten deren Beseitigung dem Steuerzahler auferlegt.
    Verantwortlich ist eh niemand mehr, weil die Tat im Zustand verminderter Schuldfähigkeit geschah.

  2. …und ich hatte Dich immer jünger und harmloser eingeschätzt 🙂

    Mir scheint, dass die Eigentümerschaft auch noch eine bedeutende Rolle spielt. Der französischsprachige Ausdruck für „Aktiengesellschaft“ bringt’s auf den Punkt: Société anonyme (SA) => Anonyme Gesellschaft.

    Wenn die Eigentümerschaft schon anonym ist und kein konkretes Gesicht hat, braucht man als CEO bzw. als Verwaltungsrat ja nichts zu fürchten…

    Bei einem KMU und/oder einem Familienbetrieb, in welchen die Eigentümerschaft häufig auch mitarbeitet, sieht’s anders aus.

  3. Wurden heutige Manager in ihrer Kindheit nie erwischt, als sie gerade dabei waren etwas zu tun, das man nicht tun sollte?

    Lieber Titus,
    das finde ich eine ganz wunderbare Geschichte von euch fünfjährigen Knöpfen. Die Hauswartin hat mit ihrem Donnerwetter nicht nur längerfristig bei dir/euch etwas bewirkt, sondern ihr habt ganz aktuell die Konsequenzen eures Tuns tragen und abtragen müssen.
    Deine Frage zu den Managern kann ich beim besten Willen nicht beantworten:
    Vielleicht hatten die kleinen Managerbuben ein Dienstmädchen oder eine Putzfrau, die das von ihnen Verursachte wegputzte…

  4. Ha, wie sich die Geschichten gleichen.
    Ich und mein Freund waren sechs, man schrub das Jahr 1970, die Beatles lösten sich auf.
    Doch das interessierte uns 2 Buben damals noch nicht, nein, unser Ziel war die weisse Wand des eben fertig gestellten Hallenbads, die wir über die ganze Länge mit frischer Lehmerde verzierten.
    Kam nicht gut an!
    Wir mussten mit unseren Müttern die weisse Wand mit viel Seifenwasser so gut es ging „restaurieren“. Danach gab’s Stubenarrest (welch mittelalterliches Wort).

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei den Teppichetagenbewohnern kein solches Kindheitserlebnis zu finden ist.
    Oder haben sie es einfach verdrängt, wissen nicht mehr, was es heisst: Jeder ist für sein Handeln verantwortlich und trägt die (schmerzlichen) Konsequenzen!

  5. @ Hausfrau Hanna
    Besten Dank.

    Das mit dem Wegputzen scheint auch heute noch zu gelten, wenn ich so die 1. Klasse angucke… Derweil bemale ich keine Hausfassaden mehr 😉

    @ Bobsmile
    Was uns lehrt: Nur Erwachsene wollen immer weisse Wände. Eine rationale Begründung dafür gibt’s wohl kaum…

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