Die Forderungsgesellschaft

Wer etwas liefert, hat zweifellos das Recht, dafür etwas zu fordern. Und was ist mit jenen, die etwas fordern, ohne etwas geliefert zu haben?

«Wir fordern, dass…», «Wir fordern von…», «Wir fordern mehr…», «Wir fordern weniger…», «Wir fordern nicht, dass…», «Wir fordern keine…», «Wir fordern die XYZ…», …

Die Liste der Formen, mit welchen einer Forderung Ausdruck verliehen wird, liesse sich noch beliebig erweitern. Ebenso lassen sich auch Synonyme finden wie beispielsweise «wir verlangen…», «wir beanspruchen…», «wir erwarten…».

Unterschiedliche Forderungsmotive

Schliesslich sind auch nicht immer derart eindeutige Worte notwendig, um eine Forderung auszudrücken. Manchmal ergeben sich diese aus dem Kontext («Gewerkschaften: 2 Prozent mehr Lohn!»).

Wer etwas fordert, tut dies manchmal berechtigt, manchmal missbräuchlich, manchmal im falschen Glauben und manchmal aus einer überlegenen Position heraus. Er drängt in jedem Fall die Anderen, die Geforderten, in die Defensive.

«Sozialfälle» fordern auch etwas ohne Gegenleistung, nämlich Sozialhilfe. Manchmal stellt sich im Nachhinein heraus, dass deren Anspruch nicht berechtigt war. Dann ist die Rede von Sozialhilfemissbrauch.

Und wie ist das eigentlich mit den politischen Parteien?

Die fordern ja auch ständig etwas. Und wo bleibt die Gegenleistung? Worin begründet sich der Anspruch dieser schier unzähligen Forderungen im Voraus wie auch im Nachhinein, vor wie auch nach den Wahlen?

Und die Gegenleistung?

Wer heute noch etwas «anstrebt», ist altmodisch. Heute «fordert» man. Die Politik macht’s schliesslich vor. Und wir rennen dem im Alltag hinten nach.

Denn wir sind schon längst zu einer Forderungsgesellschaft geworden, zu einer Gesellschaft, die ständig fordert und dabei erwartet, dafür keine Gegenleistung erbringen zu müssen.

Sozialhilfemissbrauch, also die unberechtigte Forderung nach einer bestimmten Sache, die gibt es. Doch weitaus störender ist diese salonfähig gewordene «Forderungitis» bei den politischen Parteien, also der ebenso unberechtigten Forderung nach einer bestimmten Sache.

Wie sagte doch da einmal ein amerikanischer Präsident:

Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.

Wenn schon nicht nach John F. Kennedys vorgängig erwähntem Aufruf: Wie wäre es denn, wenn wenigstens für jede Forderung ohne solidarischen Hintergrund auch eine Gegenleistung in die Diskussion gebracht würde?

Huch – damit könnte Politik ja noch pragmatisch werden und das rhetorische die-Anderen-in-die-Defensive-zwingen ginge flöten…

9 Antworten auf „Die Forderungsgesellschaft“

  1. Wer definiert, ob jemand schon was „geleistet“ hat und wie diese „Leistung“ auszusehen hat? – und wann ist der Grad erreicht wo man etwas „Fordern“ darf?

  2. «Die Anderen», die Geforderten, die, die zusammen eine Mehrheit ausmachen, definieren das. Suchen Sie nicht nach objektiven Kriterien, Mara, Politik ist selten objektiv. Es geht immer um ein Abwägen der aktuellen und möglichen zukünftigen Situationen.

    Den Grad, ab welchem man etwas fordern kann, gibt es nicht, zumindest nicht so wie ich das oben meinte. Was ich meine, ist, wenn beispielsweise jemand weniger Steuern fordert, dann soll er doch bitte schön auch sagen, wie diese Steuerausfälle zu kompensieren sind oder was die Steuerausfälle für Auswirkungen haben werden.

    Es ist sooooo einfach, von etwas Ungeliebtem weniger zu fordern und von etwas Beliebtem mehr. Das alleine ist jedoch purer Populismus. Ich wünsche mir mehr Ernsthaftigkeit in der politischen Diskussion dank weniger Populismus, dank konkreten Vorschlägen für eine «Gegenleistung» zum Geforderten.

  3. Die Mehrheit soll definieren was Leistung ist und wer etwas fordern kann – wer auch immer das ist. Die Mehrheit der Schreibenden, der Stimmbürger? – ethische Begriffe, so wie der Begriff Leistung hier verwendet wird, setzt sich komplexer zusammen als irgendein Mehrheitsbegriff…

    Politische Forderungen sind sicherlich in erster Linie Interessenspolitik – und was ist schon wirklich objektiv.
    Aber manche Forderungen machen erst auf den zehnten Blick Sinn – kurzfristig vielleicht keinen, langfristig schon. Und nur weil eine „Forderung“ mit einem Argument daherkommt ist die „Forderung“ deswegen nicht besser oder schlecht – abgestimmter oder vernünftiger.
    Wer Macht besitzt muss selten etwas fordern – man setzt es in dem Fall durch. Fordern ist auch Gehör verschaffen – Aufmerksamkeit erregen – aus welchen Gründen auch immer. Man kann diese „Forderitits“ auch anders beschreiben – dass die Sprachlosen Stimme bekommen.

  4. Mara, es geht hier nicht um Zensur, sodass die Sprachlosen keine Stimme mehr hätten.

    Es geht darum, dass die, welche für die Sprachlosen etwas fordern, auch aufzeigen, wie und womit denn das Geforderte ermöglicht werden soll. Dann obliegt es in einer Demokratie einer Mehrheit, welche sich je nach Sache immer wieder anders zusammensetzen kann und sich auch erst finden muss, darüber zu befinden, ob man dieser Forderung mit all ihren Folgen zustimmen will oder nicht.

    Es ist das klassische «Wer A sagt, muss auch B sagen», nur dass man zunehmend immerzu A fordert, aber B einfach ignoriert. Dabei können von B, den Konsquenzen, auch Sprachlose betroffen sein…

    Wenn also eine Forderung zu einer Verschiebung der Mittel führt, dann soll man dies in aller Konsequenz aufzeigen und uns nicht immer nur das Blaue vom Himmel versprechen. Letzteres ist billigster Populismus.

  5. Die Frauenhäuser sollen fordern, dass Geld für die Oper gestrichen wird?
    Die Caritas erarbeitet gleichzeitig den Sparplan für Kürzungen im Strassenbau?

    Wenn man diesen Anspruch hat, spielt man eine Gruppe gegen die Andere aus.

  6. Bitte lesen Sie mich genau. Da oben steht nämlich:
    «Wie wäre es denn, wenn für jede Forderung ohne solidarischen Hintergrund auch eine Gegenleistung in die Diskussion gebracht würde?»

    Und was Forderungen seitens nicht karitativ tätiger Organisationen betrifft: Ja.

    Unter dem Strich gibt es auch heute schon für jede umgesetzte Forderung irgendein Gegengewicht. Der Unterschied zu meinem Wunsch liegt jedoch darin, dass man von Anfang an auch an die Folgen denkt, damit so schliesslich ohne Populismus nach pragmatischen Lösungen für diese Forderung gesucht oder die Forderung abgeschrieben wird.

    Schliesslich geht es auch um den Umgangston. Was ist Ihnen lieber: Dass man etwas von Ihnen fordert oder dass man Sie um etwas bittet?

  7. Macht das wirklich einen Unterschied?

    Wenn man eine Strasse möchte sagt man, dass man dort die Prioritäten setzen will.
    Wenn man die Steuern und die Staatsquote senken will, nimmt man in Kauf dass egal wo gekürzt wird.

    Es mag vielleich offen und ehrlich sein, wenn jemand sagt: „lieber diese Unterführung als eine Bezuschussung der Kitas“. – Aber im Grunde genommen führt das ja auch nicht weiter. Man setzt schon allein mit der ersten Aussage die Priorität. Ausserdem wird bei Einzelprojekten ja durchaus schon in Ihrem Sinne argumentiert, man hält halt dann ein Projekt für zu teuer…

    Ich halte das Wort der „Forderung“ im politischen Raum für absolut Legitim. Auf eine Forderung wird eingegangen – man sieht ihre Berechtigung ein. Eine Bitte ist immer ein Bittstellen – und die Gewährung ein Gnadenakt.. nicht wirklich der richtige Weg im Ausgleich der Interessen. Die Perspektive der Gesamtverantwortung, die auch in jeder Einzelentscheidung inneliegt, gewinnt man nicht automatisch mit anderen Worten – sondern ist Kern eines politischen Menschen und damit die Folge von politischer Erfahrung.

  8. Es ist für mich nur dann ein «Gnadenakt», wenn fürs Geforderte keine Gegenleistung erfolgt. Wenn Sie in der Bäckerei um ein Pfünderli bitten und dafür nichts zahlen wollen (keine Gegenleistung erbringen), dann ist das Überreichen des Pfünderlis ein Gnadenakt. Aber darum geht es hier nicht.

    Und ja, es macht einen sehr grossen Unterschied, ob man Sie um etwas bittet oder ob man Sie zu etwas auffordert. Die Aufforderung ist – wie das Wort schon besagt – fordernd und bringt Sie in Bedrängnis. Sie reagieren darauf auch eher ablehnend, weil Sie sich nichts gerne von anderen vordiktieren lassen, als wenn es sich um eine Bitte handelt, welche Ihnen subjektiv empfunden mehr Freiraum lässt.

    Es gibt in dieser Sache noch einen anderen Punkt: Wenn ein 300-Seelen-Dorf oder eine Familie gemeinsam etwas haben oder erreichen will, dann müssen sie ebenso gemeinsam zum Gelingen beitragen. Entweder legen alle etwas auf die Seite oder es schnallen alle den Gürtel etwas enger oder es leisten alle etwas mehr als üblich.

    Unser «Dorf» hat aber inzwischen so gegen 7.8 Mio Einwohner und es will nicht mehr nur etwas, sondern vieles haben oder erreichen. Das Ganze wird zu einer relativ anonymen Sache. Gerade deshalb ist es so leicht, einfach etwas zu fordern. Es fühlt sich ja auch niemand wirklich betroffen.

    Oder fühlen Sie sich etwa angesprochen, wenn ein Ueli Maurer 500 Mio. Franken mehr für seine Armee fordert. Wie wäre es, wenn er Ihnen sagt, dass Sie pro Jahr und pro Kopf in Ihrer Familie 64 Franken mehr Bundessteuern bezahlen müssten? Vielleicht sind Sie ja bereit, diese 64 Franken pro Kopf mehr zu bezahlen, wenn Sie dafür als «Gegenleistung» mehr Sicherheit, also etwas mehr erhalten.

    Es gibt aber auch den anderen Fall, wo ein Moritz Leuenberger nicht nur von der zukünftigen Infrastruktur für Verkehr, Strom, Gas, usw. spricht, sondern im gleichen Atemzug auch von Finanzierungsmodellen und – wo ein Aufschrei zu hören ist, wenn man u. a. davon spricht, dass die Reisenden sich auch direkt an den Kosten beteiligen sollen (ab da wird’s dann eben persönlich und man fühlt sich betroffen) statt nur über einen anonymen Geldtopf irgendwo in Bern…

    Ich stelle die Forderung im politischen Raum nicht in Abrede. Sie allein ist aber nur die halbe Wahrheit.

  9. Och naja, ich habe auch mal in Bern nachgefragt, was denn eigentlich genau mit den von mir bezahlten Steuern gemacht wird – man konnte es mir nicht sagen… Es hiess dann einfach, die würden eben für das was anfällt eingesetzt und so… Ich hakte nach und wollte wissen für was den zum Beispiel, da wurde gesagt zbs. für Strassen – da meinte ich, ja aber ich habe doch gar kein Auto und zahlen Autofahrer nicht schon Steuern für Strassen und so?! Darauf kam nur, ja aber sie laufen ja auch auf Strassen oder? Ich darauf, ja zwangsläufig aber ich bräuchte eigentlich keine Strassen zum rum laufen, Wiesen wären mir auch recht… Dann meinte man, ja aber wenn ich einkaufen gehe, dann würden die Dinge dort ja auch auf Strassen angeliefert… Ich darauf dann, mag sein, doch diejenigen also die LKW’s zahlen doch schon Steuern und mit auf der Ware ist gleich nochmal Steuer drauf, heisst das also man zahlt alles doppelt und dreifach und für Dinge die man überhaupt nicht braucht? Irgendwann löschte es dem Typen ab und er meinte, was kümmert es sie für was die Steuern eingesetzt werden, jeder muss die zahlen, zudem sei es auch unsinnig immer alles detailliert zu verfolgen, es fliesse eben ins Gemeinwesen.

    Also genau genommen zahlen wir damit alle auch Dinge, die wir nie brauchen oder sehen werden, irgendwelche Brücken, Strassen und was weiss ich für Dinge in irgendeinem Kaff, das wir nie besuchen werden…

    Genauso diese Armeedinger, was kümmern mich diese „scheiss“ Flugzeuge? Oder darf ich auch mal eins benützen?! Wohl kaum oder, also was kümmert es mich? Für die Sicherheit? Sicher auch nicht, denn ein Peacemaker in meiner Tasche tut mehr für meine Sicherheit und ist erst noch saubillig… Zudem für was überhaupt Kampfjets? In Zukunft werden die Feinde dezentralisiert und im eigenen Land sein, da nützen Kampfjets gar nichts mehr, aber das werden „die“ wohl erst noch lernen müssen… *lol*

    Dazu passend, die Meldung der Caritas, dass die Armut zunimmt und anzunehmen ist das damit auch die Suizidrate vor allem aber auch die Gewaltbereitschaft der Bürger ansteigen wird – ob da dann Kampfjets viel ausrichten ist zu bezweifeln – wäre dann womöglich besser gewesen die Millionen für Soziales und die Bekämpfung von Armut einzusetzen, aber eben, wenn ich eines gelernt habe, dann das es zuerst chlöpfen muss und dann nochmals chlöpfen muss und nochmals doppelt so stark chlöpfen muss, bis mal evtl. etwas geändert wird!

    Ist bei der Klimasache genau so, es wird rein gar nichts getan werden, bis es dann so richtig chlöpft hat und alles eigentlich schon längst passé ist, dann plötzlich rennen alle panisch umher, fordern und schreien – doch bis dahin ist der Zug bereits längst weg…. *lol*

    Wenn ich wie diese zahlreichen Seher und Wahrsager auch mal eine Prophezeiung machen müsste für die Zukunft, dann prophezeie ich mal folgendes:

    Ich sehe in naher Zukunft Bürgerkriege, brutale Schlachten um Wasser und Essen… Kein Strom mehr in den Städten und totaler Zusammenbruch sämtlicher Infrastrukturen… Geld hat keinen Wert mehr… Überall Chaos und Anarchy… Zwei Drittel der Menschheit wird dahingerafft… Und.. Rot alles Rot und überall Gestank… Keine Hoffnung mehr… Bis sich dann vereinzelt wieder kleinere Gemeinden bilden werden auf Mittelalterniveau…

    Ja mag nun etwas gar Apokalyptisch tönen, aber das ist nun mal was meine Kristallkugel mir zeigt… *lol*

    Und Einstein sagte ja auch mal, er wisse nicht mit was für Waffen der Dritte Weltkrieg geschlagen werde, doch der Vierte werde dann wieder mit Keulen und Steinen geschlagen werden…

    Naja, was solls, bin wohl ehh wieder ein bisschen abgeschweift, ist eben bald Neujahr, da kommen bei mir immer so düstere Visionen hoch, hatte gerade letzte Nacht wieder so einen Traum, nun ja wir werden ja dann sehen ob ich eine bessere Quote als die anderen sogenannten Wahrsager hatte oder nicht… *lol*

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