So ein Theater!

Manche Welt-Tage haben es schwer, Bekanntheit zu erlangen. Zu ihnen gehört auch der Welttheatertag. Dass dieser Tag in der Schweiz kaum jemand kennt, dürfte vermutlich auch auf Selbstverschulden zurückzuführen sein…

Wussten Sie, dass heute Welttheatertag ist? Wussten Sie überhaupt, dass es einen solchen Welt-Tag gibt und dazu noch seit 1961? Wohl kaum.

Ins Leben gerufen wurde dieser Tag von ITI, dem «International Theatre Institute», welches unter der Schirmherrschaft der UNESCO steht. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte 1948 auch SuisseTheatre ITI, dem nationalen Zentrum des Internationalen Theaterinstituts ITI.

Gute Absichten, aber…

Gemäss SuisseTheatre ITI soll dieser Welt-Tag den Theatern Gelegenheit bieten, um «engere Verbindungen mit ihrem Publikum zu knüpfen, mit ihm gemeinsam zu feiern.»

Weiter heisst es auf der Website von SuisseTheatre ITI zum heutigen Tag: «Freie Aufführungen sowie besondere Radio- und TV-Sendungen erreichen den Theaterliebhaber ebenso wie den Theaterneuling. Umgekehrt lernen die Theatermacher ihr Publikum besser kennen und können dies in ihrer Arbeit umsetzen.»

Das sind gute Absichten, zumal wohl nur sehr wenige je ein Theater von innen gesehen haben, kulturelle Einrichtungen ständig um Geld kämpfen müssen und somit dankbar sein müssen um jeden «Theaterneuling».

Es fragt sich aber, wer diese guten Absichten denn umsetzen soll…

…denn SuisseTheatre ITI selbst scheint es nicht zu sein. Zwar versteht man sich als Netzwerk der darstellenden Künste, welches «die Information und Dokumentation des Theaters in der Schweiz fördern» und «Aktionen und Veranstaltungen durchführen» will.

Verstaubter Web-Auftritt

Doch einen Kalender mit den «freien Aufführungen» – oder den oben ebenfalls angesprochenen Radio- und TV-Sendungen – welche anlässlich dieses Welt-Tages in der Schweiz stattfinden sollen, sucht man vergebens.

Ohnehin scheint der ganze Web-Auftritt etwas Staub angesetzt zu haben. Der oberste (!) Menü-Punkt «blog» führt tatsächlich zu einem Blog. Dieser enthält ganze zwei Beiträge, der letzte ist bald zweijährig!

Und die Rubrik «Aktuelles» enthält wenig Aktuelles oder führt den Benutzer gar ins «Not Found»-Nirwana. Kleiner Trost: Die ITI-Kollegen aus Deutschland sind nicht wesentlich aktueller

Wenig Unterstützung

Dass es den angesprochenen Veranstaltungskalender aus Anlass des heutigen Tages nicht gibt, ist wohl nicht alleine auf SuisseTheatre ITI zurückzuführen. Es scheint vielmehr, dass sich die Theaterbranche schwer mit dieser Organisation tut.

So gehört beispielsweise das Schauspielhaus Zürich zu den Mitgliedern. Auf dessen Homepage sucht man allerdings vergeblich nach einem Hinweis zum heutigen Welttheatertag.

Das gleiche Bild zeigt sich bei der Roten Fabrik, bei der Hochschule der Künste Bern oder beim Migros Kulturprozent – um nur einige prominente Beispiele zu nennen. Der heutige Welttheatertag findet seitens der SuisseTheatre ITI-Mitglieder schlichtweg nicht statt…

Dornröschen-Schlaf

Einzig auf der Homepage des Theaters Biel-Solothurn, welches nicht als Mitglied bei der oben erwähnten Organisation aufgeführt ist, findet sich die Botschaft der britischen Schauspielerin Jane Dench zum heutigen Welt-Tag – wahrlich eine Ausnahme.

Prinzen gibt es hierzulande keine. Die Theaterbranche, welche mit den jüngsten 3D-Filmen noch stärker in Konkurrenz zum (billigen) Kino steht, muss deshalb schon selber aus dem Dornröschen-Schlaf erwachen.

Ansonsten bleibt für viele potentielle Theaterbesucher der Vorhang ewig unten. Dies könnte im Rahmen der sich abzeichnenden Budget-Kürzungen vielleicht auch bald für Stammbesucher und sämtliche Angestellten eines Theaters gelten. Schuld daran hat dann nicht alleine die öffentliche Hand, welche die Beiträge kürzt, sondern auch die Branche selbst, welche sich neben der Bühne schlecht in Szene zu setzen vermag.

Das Alternativprogramm

Und weil heute kein Theater sich dem Publikum öffnet und diesem die oftmals abgehoben wirkende Kunst des Theaters erklärt, sei an dieser Stelle eine TV-Gebühren-finanzierte Aufführung (jüngere und ältere Szenen) eines nicht abgehobenen Schauspielers «aus altem Schrot und Korn» geboten: Walter Roderer.

Der bald 90-Jährige erhielt gestern übrigens den wohl verdienten Fernsehpreis für sein Lebenswert.

Viel Spass beim Zuschauen 😉 !

6 Antworten auf „So ein Theater!“

  1. Die Welt scheint übersättigt zu sein an Welttagen.
    Wie die Liste der Gedenk- und Aktionstage zeigt, gibt es eine Menge davon – auch solche, die sich überschneiden.

    Durch Übersättigung wird die Liste eine «Liste des Vergessens», und nach dem Theater um Jörg Kachelmanns Verhaftung scheint sich zumindest im deutschen Sprachraum «ausgetheatert» zu haben.

    Immerhin erinnert Dein Beitrag daran, dass auch der «Welttag der Meteorologie» medienmässig quasi verschütt ging.

    Das ist der Wahnsinn des Informationszeitalters:
    Eine monströse Zahl an Daten wird gesammelt, wunderbar geordnet und am Ende sind alle derart erschöpft, dass sie alles in die geheimnisvollen Sphären des Vergessens absinken lassen.

  2. Heute kann ja auch jeder daher gelaufene Hund irgendeinen Tag ausrufen. Darum rufe ich hier und heute den 28. März zum «Internationalen Tag der verloren gegangenen Hosenknöpfe» (Gedenktag) aus… 😉

    Doch selbst wenn man nur die von einer UN-Organisation ausgerufenen Tage berücksichtigt, scheint es mir zuviele zu geben, womit die Beachtung der einzelnen Tage abnimmt. Wozu braucht es bespielsweise einen Tag der Internationalen Zivilluftfahrt (ICAO) oder einen Welttourismustag (UNWTO)?

    Übrigens, Dein Kommentar kam beim mir als Spam an… (?)

  3. Dabei sollte es ja eigentlich am (Publikums-)Nachwuchs nicht mangeln, wird doch in jeder Grundschule mindestens einmal pro Jahr Theater gespielt. 🙂
    Ich gebe zu, auch bobsmiles sind eher sporadische Theatergänger, wenn aber mal, so verschlägt’s uns in die Kleinkunst. Zum Beispiel das Theater am Zytglogge in Bern mit der chäller-kumedi.
    Aber eben, dazu motiviert hat uns ein, dieser Bühne nahestehender Kollege.

    Möglicherweise ist ja die veränderte Haltung der heutigen Informations- und Medienkonsumationsgesellschaft für die schlechten Besucherzahlen in den Schauspielhäusern verantwortlich. Doch gerade diese erreicht man nur über die neuen Medienkanäle, und ein „gluschtig“ machender Auftritt im Netz ist mMn somit unverzichtbar für eine Theaterbühne.

    @Spam/Kommentar
    Möglicherweise werden Kommentare mit mehr als einem Link in die Warteschlange gesetzt?
    (Bei WP kann ich zum Beispiel diesen Schwellwert bei der Kommentarmoderation einstellen.)

  4. Yep, mich findet man auch eher in einem Kleinkunstkeller als in einem der «noblen» Schauspielhäuser…

    Kommentare mit mehr als einem Link gelangen tatsächlich in die Warteschlange. Aber Warteschlange ist nicht gleich Spam…

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