EasyLife – ein Chip verändert die Welt

Es ist noch kein Monat her als das Schweizer Stimmvolk einen Verfassungsartikel über die «Forschung am Menschen» angenommen hatte. Nun stehen die Forscher bereits in den Startlöchern, um der rechtlichen Theorie die forschende Praxis folgen zu lassen.

Mit 77,2 Prozent sagt das Schweizer Stimmvolk am 7. März dieses Jahres «ja» zu einem Verfassungsartikel über die Forschung am Menschen. Absatz 1 des neuen Artikels 118b besagt:

Der Bund erlässt Vorschriften über die Forschung am Menschen, soweit der Schutz seiner Würde und seiner Persönlichkeit es erfordert. Er wahrt dabei die Forschungsfreiheit und trägt der Bedeutung der Forschung für Gesundheit und Gesellschaft Rechnung.

Wie die Westschweizer Zeitung «24 Heures» in ihrer gestrigen Ausgabe berichtete (Artikel leider online nicht verfügbar), hat die «Ecole polytechnique fédérale Lausanne EPFL» (ETH Lausanne) vom Bund bereits grünes Licht fürs Projekt «EasyLife» erhalten.

Mikrochip-Implantat

EasyLife fokussiert sich dabei vor allem auf den Aspekt «Bedeutung für die Gesellschaft». So soll ein zwei Millimeter kleiner, von der EPFL entwickelte Mikrochip schier unbeschränkte Erleichterungen für jeden von uns im Alltag bringen.

Der fragliche Mikrochip kann – symbolisch gesprochen – mit dem Chip einer Bankkarte verglichen werden, welcher jedoch wesentlich mehr Informationen enthält und mit zwei Millimetern wesentlich kleiner ist als ein Bankkarten-Chip.

Die menschliche Komponente dieses Projekts und der Grund, weshalb hier von Forschung am Menschen die Rede ist, liegt darin, dass dieser Chip einerseits in den menschlichen Körper implantiert und andererseits durch die menschliche Wärme, also ohne Fremdenergie, angetrieben werden soll.

Wie dem Zeitungsartikel weiter entnommen werden kann, soll dieser Chip insgesamt an drei Orten implantiert werden: Im Nacken, hinter dem Bauchnabel sowie zwischen der grossen Zehe und dem benachbarten zweiten Zehen des rechten oder linken Fusses (je nachdem ob es sich um einen Links- oder Rechtshänder handelt).

Dieses dreifache Vorhandensein sei aus Sicherheitsüberlegungen notwendig, um im Falle eines Ausfalls trotzdem «handlungsfähig» zu sein. So könne beispielsweise das Signal des Chips am Fuss nicht mehr empfangen werden, sollte der Fuss gebrochen und in einen Gips eingebunden sein.

Privatwirtschaft muss mitmachen

Die Lausanner Forscher versprechen sich viele Anwendungsmöglichkeiten, weshalb auch eine möglichst breite Beteiligung durch die Privatwirtschaft gesucht wird. So hätte man bereits positive Signale von Coop und Migros für ein Mitmachen erhalten.

Konkret bedeutet deren Beteiligung, dass Kunden mit einem entsprechenden Chip-Implantat keine Supercard- oder Cumulus-Karte mehr vorweisen müssten. Auch würde das Zücken der Maestro-Karte fürs Bezahlen entfallen.

Stattdessen würde beim Passieren der Kasse das Signal einer der drei Chips reichen, um die Punkte dem entsprechenden Konto gutzuschreiben beziehungsweise den jeweiligen Geldbetrag vom entsprechenden Bankkonto abzubuchen.

Ein winzig kleiner Chip soll implantiert Grosses bewirken.

«Gebrannte Kinder» zeigen sich begeistert

Auch die SBB sollen sich begeistert von diesem von ihnen als «äusserst innovativ» bezeichneten Projekt zeigen. Diese hatte ja bereits vor Jahren im Rahmen von «EasyRide» versucht, ein System einzuführen, bei welchem das Ein- und Aussteigen in und aus einem Zug automatisch registriert würde. Anhand der daraus resultierenden Daten hätte der Kunde dann monatlich eine Abrechnung erhalten.

Gescheitert ist dieses Projekt an den relativ hohen Kosten. So hätten alle Fahrzeuge des öffentlichen Verkehrs so ausgerüstet werden müssen, damit diese das Signal einer mitgeführten Kundenkarte mit entsprechendem Chip hätten erkennen können.

Seitdem experimentiert man bei den SBB und den anderen öV-Betrieben mit Billetten herum, welche zu Hause ausgedruckt oder via iPhone oder MMS mitgeführt werden können. Glücklich ist man darob allerdings nicht.

So komme es immer wieder vor, dass just im Moment der Billettkontrolle eines dieser von den Kunden unterhaltenen Geräte zum Beispiel wegen leerem Akku nicht laufe. Zudem müsse man auch ständig auf dem letzten technischen Stand sein, was entsprechende Kosten verursache. Häufig bekommen die Zugbegleiter auch zu hören, sie hätten das Billett zwar ausgedruckt, jedoch auf dem Drucker liegengelassen…

Mit einem Chip-basierten System könnten alle diese «Pannen» so nicht mehr passieren, meint man seitens SBB. Auch die Ausrede, man hätte sein Portemonnaie zu Hause vergessen, könne nicht mehr geltend gemacht werden, da der Chip ja auch eine Bezahl-Funktion beinhalte.

Schier unbegrenzte Möglichkeiten

Auch Krankenkassen, Spitäler und Apotheken stehen gemäss EPFL dem Projekt positiv gegenüber. Insbesondere bei der Abgabe von Medikamenten an Patienten in Spitälern oder Apotheken würde ein solcher Chip mehr Sicherheit mit sich bringen, da eindeutig identifiziert werden könne, an wen man ein Medikament abgebe.

Doch auch der Krankenkassen-Dachverband santésuisse zeigt sich begeistert. Mit einem solchen Projekt bestünde endlich nicht mehr länger der Verdacht, dass einem Patienten etwas verrechnet würde, das er gar nicht bezogen habe. Im Zweifelsfall würde es nämlich einfach reichen, den Chip abzufragen.

Schliesslich wollen auch die kantonale Erziehungsdirektion sowie die Kantonspolizei des Kantons Waadt an diesem Projekt mitmachen. Beide sehen einen Vorteil darin, dass man dank diesen Implantaten die Möglichkeit haben werde, die Präsenz von Personen innerhalb eines bestimmten Gebietes abzufragen.

Geschehe beispielsweise ein Verbrechen an einem bestimmten Ort, könne man dank den Signalen der Implantate relativ schnell den Kreis der Verdächtigen festlegen. Ebenso würden dadurch teuere Investitionen in Videoüberwachungssysteme entfallen, deren Nutzen für die Verbrechersuche wegen nicht immer eindeutiger Identifizierung ohnehin zweifelhaft ist.

Starttermin: 1. April 2011

Bis es allerdings soweit ist, hat die EPFL noch viel Arbeit vor sich. Nebst der Erstellung der entsprechenden Vereinbarungen mit den erwähnten Unternehmen müssten bei diesen auch noch technische Vorkehrungen getroffen werden.

Zudem sei noch genauer zu klären, welche Informationen auf diesen Chip sollen sowie wo und wie dieser beispielsweise bei Namens- oder Adressänderungen zu aktualisieren sei. Im Moment stehe nur fest, dass die neue, 13-stellige AHV-Nummer das führende Element sein werde.

Trotz noch zahlreich ungeklärten Details bleibt man zuversichtlich, in genau einem Jahr, am 1. April 2011 mit einem ersten Feldversuch im Raum Lausanne loslegen zu können.

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8 Antworten auf „EasyLife – ein Chip verändert die Welt“

  1. @ dan
    Ich werde das an die entsprechenden Stellen weiterleiten, die werden sich über Dein freiwilliges Engagement freuen… 😀

    @ tinu
    Und SF wird von morgens um sechs bis Mitternacht live darüber auf SF Zwei berichten… 😉

  2. Richtig, es ist nur ein Aprilscherz. Und doch – technisch möglich wäre es bestimmt. Es fragt sich nur, wie lange es noch geht, bis die ethischen Bedenken in den Wind geschlagen werden. Die Vorteile liegen auf der Hand und sieht auch sofort jeder – die Nachteile gehen indes eher unter… 🙁

  3. Es IST möglich. Es gibt einen Club in Amsterdam, dessen Mitglieder einen Chip in sich tragen (freiwillig) – was die Eingangskontrolle und das Bezahlen der Drinks einfacher macht.

    In ein- oder zwei Jahren kannst du diesen Beitrag nochmals schreiben, lieber Titus. Am 2. April.

  4. Da stand doch auch was in der Bibel über diesen Chip – das Mal(Narbe der Chipimplantation?) was als Zeichen des Bösen bezeichnet wird, ohne das niemand mehr etwas kaufen oder verkaufen könne usw. Doch da steht, wer dieses Mal hat bzw. sich darauf einlässt wird verdammt sein, daran wird dann also entschieden wie die Spreu vom Weizen zu trennen ist wenn es dann los geht…

    Wenn es kein Aprilscherz wäre, dann hätte diese Nachricht also bedeutet es geht bald los mit den Ende… *lol*

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