Der UBS-Vogel

Einige meinen, es wäre ein historischer Entscheid gewesen, dass die UBS-Aktionäre der alten Führungsriege die Décharge fürs Jahr 2007 an der gestrigen Generalversammlung verweigerte. Na dann können wir ja wieder zur Tagesordnung übergehen…

Historisch war dieser Entscheid ganz bestimmt, da er bis anhin für ein Unternehmen dieser Grösse einmalig ist. Doch noch lange nicht alles Einmalige ist auch von hoher Bedeutung.

Der Frühling kommt – noch nicht

Wie meinte doch Kaspar Villiger als Präsident des Verwaltungsrats: «Vertrauen entsteht durch Taten».

Richtig. Aber eben: Vertrauen gewinnt man nicht durch eine Tat, sondern durch mehrere Taten. Denn ein Vogel – oder eine Décharge-Verweigerung allein macht noch keinen Frühling.

Andere Vögel lassen eher auf sich warten – auch im Jahr 3 der Bankenkrise. Vielleicht liegt es ja auch daran:

Jedem seine Optik

Die gewollte (?) Verwechslung zwischen Zürich und Basel kann man nämlich durchaus auch im übertragenen Sinne verstehen: Nicht jeder sieht die Dinge vom gleichen Standpunkt aus.

So dürfte Basel für einen New Yorker quasi zu Zürich gehören. Und für den einfachen «Büetzer», welcher für seinen Lohn auch nicht untätig ist, sind die Boni schlichtweg Abzockerei.

So unterschiedlich die Optik bezüglich Geschäftsgang, unternehmerischer Verantwortung und Boni-Zahlungen sein können, so unterschiedlich ist sie auch zwischen Verwaltungsrat und Aktionäre.

Deutlich wird das beispielsweise in der Anrede der Aktionäre. Kaspar Villiger sprach diese mit «Aktionärinnen und Aktionäre» an. Viele Verwaltungsräte tun das so, da macht der alt-Bundesrat keine Ausnahme.

Aber warum nennt man sie nicht einfach «Eigentümerinnen und Eigentümer der UBS»?

«Ihr da unten»

Es mag sicher nur ein kleines Detail sein. Als «Aktionärin oder Aktionär» angesprochen zu werden hinterlässt aber einen gewissen Eindruck von Distanz und Anonymität. Derweil ruft die Bezeichnung «Eigentümerinnen oder Eigentümer» wieder einmal in Erinnerung, wie die Verhältnisse tatsächlich sind: Denen gehört nämlich der ganze Laden – nicht dem Verwaltungsrat und dem Management.

Daneben ist es auch immer wieder interessant, wie der Verwaltungsrat inklusive Management an so einer Generalversammlung positioniert sind. Sie thronen nämlich immer über allem.

Derweil befinden sich die «Aktionärinnen und Aktionäre» irgendwo «da unten» oder «da hinten» im Saal, irgendwo in einer breiten, unidentifizierbaren Masse. Auf Plastikstühlen. Und mit einem Apfelsaft versorgt.

Too big to…

Man ist also nicht auf gleicher Augenhöhe und behandelt die Einen unterschiedlich gegenüber den Anderen. Man hofiert den Eignern nicht hinten nach, wie man das gegenüber Eignern erwartet, sondern fertigt sie ziemlich industriell ab.

Gewiss, man kann das alles mit der Grösse des Unternehmens und der Menge an Aktionären erklären. Doch es ist genau diese Grösse, die schliesslich auch den Staat eingreifen liess.

Und darum kann und muss man sich schon fragen: Wenn selbst die Eigner eines Unternehmens nur noch quasi als eine Nummer in einer breiten Masse behandelt werden, dann stimmt etwas nicht. Weniger ist manchmal mehr und kleiner ist manchmal besser…

Harte Worte

Abschliessend noch einen Ausschnitt eines geistreichen Votums mit harten Worten – je nach Optik…

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Eine Antwort auf „Der UBS-Vogel“

  1. Es reicht eigentlich, die Anfangsrede von Villiger gehört zu haben. Da drin zeigt sich die ganze Haltung. Dass er dann die GV locker (und gut) geführt hat, darf nicht vergessen machen, welches vorbereitete Statement er da am Anfang verlesen hat. Bloss weil einer nett rüberkommt, ist noch lange nicht alles „nett“ und gut, was er sagt.

    Das Vergütungssystem wurde genehmigt. Von Leuten, die einen so schäbigen Zmittaag (=Lunchpaket) erhielten, als herrsche absolute Lebensmittelknappheit. Ich schloss daraus, dass das Gerücht, die Menschheit würde immer dümmer, halt eben doch kein Gerücht ist.

    Und heute Morgen guckte mir so als später Dessert der Brady Dougan aus der Zeitung entgegen. Ich guckte zurück. Okay, der Mann ist in teuren Stoff gewickelt, aber ansonsten sieht er aus wie ein gross gewordener Schuljunge. Er kam nackt auf die Welt wie wir alle auch und er wird irgendwann sterben, wie wir alle auch. Und ich versuchte mir vorzustellen, dass der Typ gerade 71 Millionen gemacht hat. Es ging nicht.

    Es half dann auch nicht, in der gleichen Zeitung so quasi als Kürzestartikel zu lesen, dass die grossen Banken zu noch grösseren Gebilden fusionieren werden. Im Gegenteil. Ich finde das ziemlich beängstigend.

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