Gesucht: Berufliche Aussichten

Wurden Sie schon wegrationalisiert oder gehören Sie noch immer zur nächsten Einsparungsmassnahme?

Die Frage hat zwar einen stark sarkastischen und trüben Unterton. Aber mehr als ein Funken Wahrheit steckt trotzdem dahinter.

Unternehmen, welche davon sprechen, wie sie Arbeitsplätze schaffen würden, betreiben Augenwischerei. Um mit einem Irrtum aufzuräumen, sei es einmal klar gesagt: Kein Unternehmen schafft Arbeitsplätze der Arbeitsplätze wegen, sondern aus einer rein betrieblichen Notwendigkeit heraus.

Vereinfachung aus Kostengründen

Diese betriebliche Notwendigkeit ergibt sich daraus, dass entweder eine Arbeit nicht automatisiert ausgeführt werden kann oder eine Automatisierung teurer zu stehen kommt als eine (weiterhin) manuelle Ausführung.

Konkurrenzfähigkeit wird heute vielfach über den Preis definiert. Andere Kriterien zählen kaum oder nur in gewissen Branchen. Wer somit konkurrenzfähig sein will, muss primär günstig sein.

Es liegt daher auf der Hand, dass deshalb die Kosten ständig noch weiter reduziert werden müssen und dass in sehr vielen Fällen, insbesondere im heutzutage dominanten Dienstleistungssektor, das Personal der grösste «Kostenfaktor» ist.

Demgegenüber sind Maschinen, allen voran Computer, dank welchen eine Automatisierung möglich wird, meistens günstiger. Den im Alltag noch nicht sehr gängigen Robotern blüht aber auch eine rosige Zeit, sobald ihnen mehr Beweglichkeit und mehr Bewegungsfreiheit eingehaucht werden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis heute mehrheitlich noch physisch ausgeführte Tätigkeiten zunehmend von Robotern übernommen werden.

Maschinen, egal ob fest verankerte Computer oder bewegliche Roboter, können auch im 24-Stunden-Betrieb an jedem Tag des Jahres eine Leistung erbringen, verlangen keinen Lohn, erfordern auch keine Sozialabgaben und arbeiten dazu noch fehlerfrei.

Darum geht es auch weiter mit der Automatisierungstendenz. Wo möglich – und möglich ist vieles – werden die Arbeitsprozesse und die Angebote so vereinfacht, damit eine Automatisierung erst recht möglich wird. Man kommt damit quasi den relativ dummen Maschinen entgegen.

Optional besteht auch die Möglichkeit, eine Tätigkeit an Dritte zu delegieren, welche die gleiche oder eine ähnliche Tätigkeit kostenlos ausführen. Dies erfordert allerdings ein gewisses psychologisches Grundwissen und eine gute PR-Abteilung, damit der Ausführende die unentgeltliche Tätigkeit als Mehrwert und nicht etwa als Mehraufwand empfindet…

Garantiert unsicher

Sie haben es schon längst bemerkt: Es geht um Stellenabbau und zwar nicht um den «natürlichen» Stellenabbau, weil die Nachfrage gesunken ist, sondern weil die Kosten «aus marktwirtschaftlichen Gründen» gezielt gesenkt werden sollen.

Beispiele zur Automatisierungs- oder Wegdelegierungstendenz mit der Folge «Stellenabbau» müssen hier keine aufgeführt werden. Jeder kennt entweder als Mitarbeiter oder als Kunde selber genügend davon.

Sie verstecken sich meistens hinter eher harmlos, ja sogar positiv anmutenden Begriffen wie «Optimierung», «Restrukturierung», «Vereinfachung», «Mehrwert schaffen», «bessere Qualitätskontrolle» usw…

Die Wahrscheinlichkeit, von der Lehre bis zur Pensionierung beim gleichen Unternehmen angestellt zu sein, ist wohl selten so gering wie heute. Dafür ist die Wahrscheinlichkeit, dass seine Stelle während seiner beruflichen Laufbahn mehrfach abgebaut wird, umso höher…

Und Dienstjubiläen – wer braucht die noch? Gibt es tatsächlich noch Unternehmen, in denen sich mehrere Angestellte zehn, zwanzig oder mehr Jahre halten können, sodass es sich «lohnt», eine Sache wie Dienstjubiläen im Personalreglement zu führen? Wozu soll man Treue noch belohnen, wo man doch ohnehin froh ist, wenn die Leute ihren Platz freiwillig räumen…

Selbst Unternehmen, welche früher als sichere Häfen galten, weil es staatliche oder staatlich gestützte Unternehmen wie Bahn, Post oder Telekom und ähnliche waren, bieten keine Garantie mehr für nichts. Der Service public wurden schon lange privatisiert.

Und seit den Vorkommnissen bezüglich «Griechenland-Krise» ist selbst der Staat als Arbeitgeber kein Garant mehr für eine sichere Stelle. In Spanien sollen neuerdings die staatlichen Angestellten sogar eine Lohnreduktion in Kauf nehmen müssen, eine Massnahme, welche selbst in der Privatwirtschaft heute eher ungewöhnlich ist…

Jeder ein Betroffener

Um nun nicht falsch verstanden zu werden: Nicht die fehlende Garantie einer lebenslangen Anstellung beim gleichen Arbeitgeber ist das Problem, denn bekanntlich hat nichts ewig Bestand. Auch die möglicherweise fehlende Flexibilität zur Veränderung seitens der Arbeitnehmenden ist nicht das Problem.

Nein, es geht darum, dass man zunehmend einfach nur noch «Humankapital» und nicht mehr Mensch ist, dass man zunehmend zu spüren bekommt, dass man ein lästiger Kostenfaktor ist und nicht mehr ein fürs Unternehmen wertvolles Geschöpf und es geht darum, dass es kaum mehr einen Wirtschaftsbereich gibt, bei dem man noch als Mensch und als nützliches Geschöpf betrachtet wird.

Die «No future generation» betrifft schon längst nicht mehr nur die Jungen bis zu einem bestimmten Alter. Sie erstreckt sich inzwischen von 16 bis 65 Jahren.

Oder kennen Sie eine Branche

  • welche nicht unter Kostendruck steht
  • welche nicht von einem Strukturwandel betroffen ist
  • welche aber aus heutiger Sicht noch eine längerfristige Perspektive bietet, sodass sich beispielsweise auch eine mehrjährige und teure Ausbildung lohnt?

9 Antworten auf „Gesucht: Berufliche Aussichten“

  1. Dieses Problem ist natürlich direkt mit dem anderen Problem mit dem unbedingten Grundeinkommen verknüpft, denn Arbeit für alle wird es in naher Zukunft rein von der Entwicklung her nicht mehr geben also muss ein anderes System gefunden werden, eben das bedingungslose Grundeinkommen… Denn irgendwann läuft das meiste automatisch und ganz ohne menschliche Arbeiter und dann fragt sich dann wer das von Robotern hergestellte Zeugs kaufen soll, wenn nur noch eine Minderheit der Menschen arbeiten muss…

    Irgendwie kommt man da mit der Entwicklung anscheinend eben auch nicht mehr nach, doch sie geht genau in diese Richtung und je früher man das antizipiert desto besser… Das mit dem Arbeitsplätze schaffen ist ähnlich wie mit der Finanzspritze für Griechenland, nur ein hinauszögern des unvermeidlichen!

    Das System ist nämlich am Ende seines Lebenszyklus angelangt, die Frage die wir uns alle nun stellen sollten ist, wollen wir ein Update oder doch besser eine Neuinstallation wo der alte Müll vorher gründlich gelöscht wurde?!

    Ich plädiere hier eindeutig für die komplette Neuinstallation, am besten einhergehend mit einem Hardwareupgrade auf die neusten Technologien… 😉

  2. Ich denke nicht, dass das ein neuer Trend ist. Menschliche Wertschätzung gibt es von Fall zu Fall nach wie vor, aber unternehmerische Wertschätzung ist schon seit der Industrialisierung im Keller. Und ich hab das Gefühl, dass sich das ohne ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht ändern lässt.

  3. Über mehrer Jahre habe ich mich aus beruflichen Gründen mit den verschiedensten Büroraumformen und ihren Vor- und Nachteilen beschäftigt. Angefangen vom Einzelbüro, über das Grossraum-, Kombi-, Non-Territorialembüro wie auch dem Open Space.

    Etwas verwundert war ich nun, als ich sah, auf welche grossen Anklang die Idee von Moritz Leuenberger bei den Betroffenen stösst.
    Ich rede hier von seiner Idee, dass Pendler öfter zu Hause bleiben. (TA http://tiny.cc/biwg3).

    „So schone man die Umwelt, gewinne an Lebensqualität und könne dank geteilten Arbeitsplätzen erst noch Kosten sparen, argumentieren die Organisatoren.“

    Nun die Umwelt würde dadurch möglicherweise tatsächlich geschont. Doch geht es wirklich darum? Vorallem würden die Unternehmen Kosten sparen und könnten weiterhin die Immobilienfläche reduzieren.

    Gewinn an Lebensqualität? Ich behaupte dies wäre für nur ganz wenige der Fall. Denn von zu Hause arbeiten klingt zwar verlockend, doch tut meiner Meinung nach nur wenigen gut. Die Abgrenzung zwischen privatem und beruflichem Arbeitsbereich muss gelernt sein. Ebenso verlangt es an einer hohen Eigendisziplin sich an eine fixe Tagestruktur zu halten. Je nach Tätigkeit, entfällt jegliche soziale Interaktion und man arbeitet für ein Unternehmen, welches kaum greifbar ist.

    Ausserdem ist aus Studien zu Non-Territorialen Büros bekannt, dass Mitarbeitende manchmal ein Gefühl der Jobunsicherheit überkommt. Ich denke dieses würde sich auch in diesem Szenario einstellen. Wird mann, wenn man von zu Hause aus arbeitet nicht etwas austauschbarer?

  4. Besten Dank. Yep, diesen Tag meinte ich (Home Office Day, nicht Home Working Day).

    Ich werde voraussichtlich in einem separaten Beitrag aufs Thema zurückkommen (zumindest hatte ich bisher bereits geplant, etwas darüber zu schreiben).

  5. Berufe mit Zukunft gibt viele, nur sind die anrüchig oder nicht so bekannt.

    Ehrbare Berufe:
    Selbstversorger
    Schliess- und Wachdienste / Sicherheitsfachleute
    Privatdetektiv
    Esoterische Dienste (Wahrsagen, Handauflegen, Fernheilung, …)
    Markler / Vermittler
    etc.
    Unerbare Berufe:
    Kredithai
    Geldeintreiber
    Taschendieb (Sparmassnahmen Polizei)
    Arbeitsvermittler / Menschenhändler
    Söldner
    etc.

  6. Esoterische Dienste hast Du unter ehrbar? Dass diese Tätigkeit (von Beruf wage ich nicht zu sprechen) Zukunft hat, halte ich hingegen für unbestritten…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.