Max Göldi wieder auf Schweizer Boden

Einige Gedanken zur Rückkehr von Max Göldi aus Libyen – und was danach folgen wird und folgen sollte.

Auf diese «befreienden» Bilder haben wir wohl alle lange gehofft und der Glaube daran schon fast verloren:

Fragwürdige Haltung

Dass Schweizer politische Gefangene werden, ist eher selten. Rachid Hamdani und Max Göldi waren allerdings de facto politische Gefangene, auch wenn Libyen immerzu andere fadenscheinige Gründe nannte.

Sie wurden in Libyen festgehalten, weil die Schweiz ein rechtsstaatliches Verfahren gegen den wohlbehüteten, mutmasslich gewalttätigen Sohn Hannibal Gaddafi auslöste. Gegen dieses Verfahren ist nichts einzuwenden, über die Vorgehensweise lässt sich allerdings diskutieren.

Libyen nutzte indes die widerrechtliche Veröffentlichung der Fotos von Hannibal Gaddafi schamlos aus. Dass deren Veröffentlichung widerrechtlich ist, wusste man auch bei einer «Tribune de Genève», quasi der Hauszeitung im internationalen Genf. Und was widerrechtlich ist, richtet sich gegen den Rechtsstaat.

Dass deren Veröffentlichung auch politisch brisant war, wusste man in der Redaktion der besagten Zeitung ebenfalls. Trotzdem druckte man sie ab. Und obschon man heute die Folgen davon kennt, beharrt die Zeitung immer noch auf ihr Recht.

Die ganze Affäre rund um die Veröffentlichung dieser Fotos, welche bisher eher etwas in Vergessenheit geraten war, zeugt von einer unglaublichen Naivität und von einer ebensolchen Verantwortungslosigkeit seitens involvierter Personen.

Ja, auch Medienschaffende tragen eine Verantwortung gegenüber den Protagonisten ihrer Berichte und allen direkt oder indirekt involvierten Personen. Dagegen hilft auch das Deckmäntelchen der Pressefreiheit nicht.

Unmögliche «Normalisierung»

Dies ist einer der Punkte, welchen es nun aufzuarbeiten gilt. Daneben gibt es auch noch die politische und wirtschaftliche Seite. So soll eine «Normalisierung der Beziehungen» angestrebt werden. Das klingt etwa so, wie wenn man so tun wolle, als ob nichts gewesen wäre.

Solange in Libyen ein Machthaber à la Gaddafi an der Macht ist, solange wird es keine Normalisierung der Beziehungen geben. Denn wenn schon der Verdacht wegen Gewalt gegen eine Hausangestellte gegenüber einem Sohn eines nicht demokratisch legitimierten Machthabers zu einer solchen Eskalation führen kann, bleiben die Beziehungen zu diesem Land und dessen Machthaber unberechenbar.

Die Lehre, die wir daraus ziehen sollten, ist, über die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu solchen Staaten nachzudenken, um anschliessend entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Das Leid, welches durch ein derart unberechenbares Verhalten ausgelöst werden kann, wiegt um einiges schwerer als ein Paar Franken Umsatz. Das hat auch mit Ethik zu tun.

Und es hat auch mit Glaubwürdigkeit zu tun, der Glaubwürdigkeit gegenüber den Grundwerten, die wir so gerne nach aussen hin vertreten. Vordergründig Moralapostel und Heilsbringer zu spielen, aber hintergründig ungeachtet irgendwelcher Grundwerte Geschäfte zu machen, das passt nicht – oder sicher nicht immer – zusammen.

Und die Anderen?

Natürlich gilt es auch noch die menschliche Seite aufzuarbeiten. Max Göldi ist zurück bei seiner Familie und man ist versucht zu glauben, die Geschichte ende hier.

Nein, für ihn, seine Familie und sein bisheriges, soziales Umfeld beginnt erst jetzt die Arbeit. Eine ungewollte Entfremdung fand statt und Max Göldi, geprägt durch die unerwarteten Erlebnisse der letzten zwei Jahre, ist nicht mehr der gleiche wie vorher. Dies aufzuarbeiten könnte Jahre in Anspruch nehmen. Dabei wird nie mehr alles so sein, wie es einmal war.

Das Schicksal der beiden Schweizer dürfte vielen hierzulande nahe gegangen zu sein. Vergessen wir dabei als weitere Lehre nicht all die unzähligen Gefangenen irgendwo auf der Welt, für welche kein Bundesrats-Jet losfliegt und keine gesichtsverlierenden Kniefälle durch einen Bundespräsidenten begangen werden.

Es gibt noch viele Rachid Hamdanis und Max Göldis. Und sie alle, wie ihre Angehörigen, sind für immer geprägt durch das Leid, das man ihnen antat oder noch immer antut.

Dagegen auf politischer oder gar wirtschaftlicher Ebene anzukämpfen wäre ein nobles Ziel – sofern das mit der eigenen Glaubwürdigkeit stimmen würde…

27 Antworten auf „Max Göldi wieder auf Schweizer Boden“

  1. Laut Gerichtsurteil wäre Max Göldi am 12. oder 14. Juni entlassen worden. Hätte ihn Lybien nach der abgesessenen Strafe dann nicht ausreisen lassen, so hätte auch Ghadaffi sein Gesicht verloren, sofern er überhaupt eins hat.

    Ich verstehe nicht ganz, warum sich wegen diesen 2 oder 4 Tagen vorzeitiger Haftentlassung die Schweiz und auch die EU für ihre Bemühungen so derart brüstet.

  2. Vielleicht weil in Libyen auf nichts Verlass ist? Der Gerichtsprozess, der nach Monaten durchgeführt wurde, war ja auch nur ein Vorwand…

  3. Die ganze Geschichte zeigt wieder einmal, dass auf internationaler Ebene immer noch das Recht des Stärkeren gilt. Für einen Kleinstaat wie die Schweiz ist es deshalb extrem wichtig, gute Beziehungen zu anderen Demokratien und Rechtsstaaten zu haben, was sich allerdings schlecht mit der Rolle eines Trittbrettfahrers und Rosinenpickers verträgt.

  4. Sorry, ist etwas lang geworden …

    Ich befürchte, wir Medienkonsumenten wissen viel zu wenig über die Zusammenhänge, die den Verlauf der Geiselnahme bestimmten. So bin ich weiterhin nicht bereit, Bundesrat Merz für seinen damaligen Flug nach Tripolis, mit einer Rückkehr ohne Max Göldi, zu verurteilen.

    Herr Göldi
    Natürlich bin ich froh für ihn, dass er dem unberechenbaren Despoten Gaddafi endlich entkommen konnte. Und ich hoffe für ihn, er möge den sehr speziellen Ansprechpartner finden, dem er alles ohne Wenn und Aber zu seiner Entlastung erzählen kann, und der auch bezüglich der Persönlichkeitsrechte und Staatsgeheimnisse über jeden Zweifel erhaben schweigt.
    Das einzige Akzeptierbare, das Muammar Gaddafi für Göldi tat, war ihn am Leben zu lassen und auf schwerwiegende Folgermassnahmen zu verzichten. Doch dass Göldi als Spielball undurchsichtiger Machtspiele benutzt wurde, ist unverzeihlich.

    Libyen-Affäre – eine stark gefilterte Mediengeschichte
    Wir werden voraussichtlich nie wissen, wie das Kräftemessen zwischen den Staaten lief, wer sich konkret für die Freilassung Göldis einsetzte und wer eventuell Muammar Gaddafi überzeugen konnte. Selbst die Verlautbarungen der Familie Göldi bewegten sich in einem engen Kreis zwischen Verzweiflung, Trauer und grosser Freude, hingegen ohne politischen Bezug.

    Selbst ein Auszug von Rahmendaten hilft nicht weiter:

    15.07.2008:  Festnahme Hannibal Gaddafi
    18.07.2008:  Festnahme Göldis
    08.10.2008:  Erdölstopp
    21.10.2008:  Peer Steinbrück: Zuckerbrot und Peitsche gegen CH
    18.03.2009:  Peer Steinbrück: Kavallerie gegen CH
    08.07.2009:  L’Aquila G8-Gipfel – Gaddafi will Schweiz aufteilen
    20.08.2009:  Libyen verspricht Bundesrat Merz, Geiselfreilassung bis Ende Monat
    24.08.2009:  Bundesrat-Jet steht ca. 4 Tage in Tripolis ohne Geiselbefreiung
    Febr. 2009:  Muammar Gaddafi Präsident der AU (bis Jan. 2010)
    Juni 2009:  Geldabzug von libyschen Anlagen auf CH-Banken
    15.09 2009:  Präsident der UN-Generalversammlung, Ali Abdussalam Treki, Libyen (bis Sept. 2010)
    04.09.2009:  Veröffentlichung Polizeifoto Hannibal Gaddafi
    21.10.2009:  Jean Ziegler erklärt Wesen und Machtanspruch Gaddafis
    01.12.2009:  Urteil Göldi
    14.02.2010:  Schweiz-EU-Schengen: Einreiseblockaden
    25.02.2010:  Muammar Gaddafi ruft aus zum Dschihad gegen CH
    03.03.2010:  Totaler Wirtschaftsboykott Libyens gegen Schweiz
    25.05.2010:  CD mit Schweizer Bankdaten wird in Italien verwendet
    10.06.2010:  Enthaftung Göldis
    13.06.2010:  Nebst anderen Besuchern ist Silvio Berlusconi in Gaddafis Zelt
    14.06.2010:  Rückkehr in CH
    14.06.2010:  Etliche europäische Parteien reissen sich darum, wer Göldi befreit hätte.
    Sept 2010:  Präsident der UN-Generalversammlung, Joseph Deiss, CH

    Selbst welcher Teufel genau die Tribune de Genève ritt, das Foto Hannibals zu veröffentlichen, werden wir nie genau wissen. Die Ausrede mit der Pressefreiheit ist zu dämlich. Wollte man Libyens UN-Vorsitz lächerlich machen? Glaubte die Redaktion, dies könnte genügend Druck erzeugen?

    Gaddafi hat seinen Vorsitz in der AU bloss zu seiner Macht genutzt. Geplant wäre nebst der allgemeinen Kooperation afrikanischer Staaten ein Afrikanischer Gerichtshof. Mir wird kotzübel, denke ich daran, wie so eine Gerichtsbarkeit unter der Ägide des Despoten Gaddafi aussehen würde.

    Ich bin überzeugt, Regierungen haben dem Spiel um Göldi interessiert zugeschaut und hätten grundsätzlich was lernen können über den Umgang mit Menschen und Diktaturen. Es fanden viele symbolische Aktionen statt, die hingegen in ihrer Mehrdeutigkeit versagten. So der Einwurf von Bundesrat Merz mit dem Gesichtsverlust und der Art des Chance-Gebens an Gaddafis Adresse, in dem der Bundesrat-Jet tagelang in Tripolis stand. Gaddafi hat die Chancen nicht genutzt.

    Selbst den Staaten Europas glaube ich einen ehrenhaften Einsatz für Göldi nicht. Insbesondere für Deutschland mag ein Druck auf die Schweiz angenehm gewesen sein. Es scheint, als sei ihm jedes Mittel recht seine immense Staatsverschuldung irgendwie zu tilgen. Ein bisschen CD, ein bisschen Schweiz zerreissen, gewürzt mit Steinbrücks grenzwertigen Drohungen lenkte zumindest von anderem ab. Stelle ich mir die Merkel vor, wie sie in Gedanken die Schweiz aufteilt und sich Schlappmund schleckt ob dem möglichen Zugewinn, fühle ich mich beschmutzt.

    Erstaunlich ist, wie sich jetzt die Regierungen um die Ehre reissen, Max Göldi gerettet zu haben. Es ist ein Kindergarten, es ist widerlich. Und die Schweiz? Sie wird die Libyen-Krise beenden und ehrenhaft aus diesem Zwist herausgehen wollen. Und im Hintergrund werden erneut Kräfte wirken, deren Hauptziel vor allem wirtschaftliches Vorankommen ist.

    In Diktaturen, wo so viel gestorben wird, besitzt das Menschenleben einen anderen Stellenwert. Der Tod und die Todesangst sind immer präsent. Das verleiht der dortigen Kultur eine eigene Färbung, die für Westeuropäer kaum verständlich ist, wie auch die Dreistigkeit, mit der Diktatoren ihren Machthunger an Einzelpersonen stillen.

    Am 20.06.2009 starb Neda in Teheran.

  5. @ Titus
    Klar war der Prozess nur ein Vorwand und genau da hätte man eingreifen sollen und müssen und zwar geeinigt. Jetzt, nachdem Max Göldi bereits schon zum Gefängnis draussen war, im Hotel wohnte, sich grossartig profilieren wollen seh ich als Ding der Lächerlichkeit-

    @Quatensprung
    Der Einzige, der wirklich etwas gewagt hat, war BR Merz auch wenn er scheiterte. Ihm gilt meine Hochachtung.
    Die Facts waren bekannt, die Daten hingegen nicht mehr so auf den Tag genau. Tolle Zusammenfassung!

    21.10.09 Jean Ziegler erklärt Wesen und Machtanspruch Ghadaffis

    Jean Ziegler setzte sich auch in Szene, dass er ein Freund von Ghadaffi sei. Warum hat er denn seinem „guten Freund“ nicht mal unsere Wertvorstellungen von einem Menschenleben erklärt? Wenn er denn ein „guter Freund“ von Ghadaffi ist, so muss man davon ausgehen, dass er durch seine Nichteinmischung die Werteinschätzung seines Freundes höher einschätzt als die unsrige.

    Ja, nun im Nachhinein hat sich scheinbar jeder für Herrn Göldi eingesetzt, vermutlich vernehmen wir morgen der Italienischen Presse, dass wir es Berlusconi zu verdanken hätten. Aber wo waren all diese Leute als Max Göldi sie gebraucht hätte?
    Der Einzige, der sich wirklich, für unser aller Augen sichtbar eingesetzt hat, war nun mal BR Merz und der wird nun für seinen Einsatz belächelt.

    Nun ja, machen wir weiter so. Morgen bereits wird uns mit dem Staatsvertrag wieder vor Augen geführt, wie sehr die Schweiz doch erpressbar „geworden“ ist.

  6. @ate
    Soeben spricht Bundesrat Merz in der Télé und erklärt seinen Einsatz: Er wusste sehr wohl – wie zu erwarten war – dass er sich auf eine «asymmetrische Situation einliess» …
    Ich hoffe doch sehr, die Schweiz werde die diesbezügliche Arbeit von Merz endlich erkennen und entsprechend anerkennen.

  7. Siehst Du, Herr Merz wusste sehr wohl, auf was er sich einliess und dennoch ging er seinen Weg. Einen Weg, den ich bewundere, denn wer bitteschön hat im Nachhinein den Schneid aufgebracht, Ghadaffi vor die Augen zu treten?

    Ja, man müsse doch verstehen (siehe Ziegler), ja und Frau Leuthard hat den Berlusconi gebeten, Frau Calmy klammerte sich an die EU. Ja und sogar der Spanische König hätte sich eingesetzt und keiner hat etwas erreicht.

    Und keiner hat etwas erreicht. Max Göldi wurde zum vorgesehenen Termin nun denn halt 2 oder 4 Tage früher aus der Haft entlassen. Auch das hat System, denn der Freitag ist ein Ruhetag.

    Lassen wir doch nun all diejenigen, die sich doch so fest für Max Göldi eingesetzt haben mit einem Krönchen auf dem Haupt rumraufen. Tatsache ist aber, als die anderen kuschten, hat sich Herr Merz so verhalten, wie es ein echter Patriot tun sollte.

    Gäbe es eine Winkelried-Auszeichnung, so würde ich sie ihm verleihen.

  8. @ Ate / Quantensprung
    Wir wissen nur, was uns die Medien zu berichten wussten. Zugleich wissen wir aber auch, dass den Medien nur sehr wenig bekannt gegeben wurde.

    Und sobald man wenig über eine Sache weiss, ziehen vor allem die Medien links und rechts so genannte «Experten» hinzu, von denen der Eine über eine Sache besser Bescheid weiss als der Andere…

    So ähnlich dürfte es beim gestern gezeigten Dok-Film gewesen sein: Auch wenn ich ihn selber noch nicht vollständig gesehen habe, dürften darin nur jene Angaben enthalten sein, welche bisher medial bekannt waren oder welche den involvierten Stellen genehm sind um darüber zu sprechen (so im Sinne von: Jeder hat sein Bestes gegeben).

    Dass Italien schon alleine wegen der Flüchtlinge ein vitales Interesse an «normalen» Beziehungen mit Libyen hat, leuchtet noch ein. Trotzdem: Welche Rolle spielte Berlusconi, insbesondere am Sonntag? Warum war Deutschland involviert? War das nur ein Akt der Solidarität unter Nachbarn? Und inwiefern engagierte sich auch der spanische König, von welchem gestern die Rede war? War da nicht auch noch einmal die Rede von Sarkozys ex-Frau? Was wurde im Bundesrat ab- und besprochen? Wie viel wurde der aussenpolitischen Kommission gesagt (Geri Müller als damaliger Präsident der APK des Nationalrats äusserte sich immer sehr zurückhalten)? Inwiefern hatte Libyen unsere Medien durchleuchtet und dabei jedes Wort auf die Waagschale gelegt? usw…

    Ich will damit nur sagen, dass wir über vieles gar nichts wissen. Mir ist das zu wenig, um urteilen zu können, wer was warum (nicht) gemacht hatte. Etwas Licht ins Dunkle könnte das Parlament via GPK bringt…

  9. Auf die Gefahr hin, wenig Sympathien zu wecken:
    – Warum diese Empörung: Weil der auf der internationalen Bühne irrelevante Kleinstaat Schweiz sich selber ins Abseits gespielt hat?
    – Worüber genau die Empörung: Ueber „die Journalisten“, die sich mit Communiques zufrieden geben, Polizei- Fotos publizieren; über die Performance des Bundesrates?
    – Weshalb das Erstaunen: ist denn noch immer nich klar, dass der Isolationskurs mit einem zu bezahlenden Preis verbunden ist? Benötigt „die Schweiz“ in der (Identitäts-)Krise einen Göldi um vermeintlichen Zusammenhalt zu erzeugen?

    Erbete Analyse- Antworten auf die Fragen von titus; Emotionen sahen wir ja nun am TV…

  10. Der Punkt, der mich am meisten erstaunt ist, dass nun unsere Regierung, mit Vuvuzelas erzeugten 130 dB, zu einer „Normalisierung der Beziehung“ bläst.
    Es geht hier also nicht um menschliche, sodern nur um wirtschaftliche Beziehungen.

    Wirtschaftlich hatte die Affäre ja nie gravierende Ausmasse angenommen. So gelangte diesen Januar, trotz Boykottaufruf Gaddafis, Libysches Öl über Zwischenhändler in die Schweiz und im Gegenzug verdoppelten sich die Exporte der Schweizer Pharma- und Chemieunternehmen gegenüber 2009!
    (Quelle Eidg. Zollverwaltung)

    Und was hatten denn die anderen Staaten für ein Interesse, dieser auf internationaler Bühne irrelevanten Schweiz hilfreich unter die Arme zu greifen?

    Menschlich gesehen wünsche ich Herrn Göldi und seiner Familie für die Zukunft viel Kraft, auf das auch sie zur „Normalisierung der Beziehung“ untereinander finden mögen.

  11. @andré
    Grundsätzlich bin ich nicht empört sondern desillusioniert. Dies, weil ich hinter dem Libyen-Schweiz-EU-Hickhack hauptsächlich wirtschaftliche Machtspiele sämtlicher Parteien vermute. Nur weil Muammar Gaddafi mit den Amis gegen die Al-Quaida kämpft, macht ihn für die EU-Staaten nicht zum Freund.

    Irrelevanter Kleinstaat Schweiz im Abseits
    Befindet sich ein irrelevanter Kleinstaat im Abseits, wird er vergessen, gilt für relevante Staaten als Nonvaleur. Seit der sog. Bankenkrise, aufgrund derer die relevanten Staaten verzweifelt nach Kapital suchen, ist die Schweiz hingegen ins Licht der Relevanz getreten: Die Verzweifelten vermuten und suchen ihre fehlenden Milliarden in der Schweiz – und dies mit allen Mitteln (ex: UBS-Debakel, Daten-CD, Lieferverträge mit Libyen etc.).
    Die Folge: Ein relevanter Kleinstaat befindet sich nach wie vor im Abseits.
    Ob die Schweiz sich selber ins Abseits manövrierte, darf hinterfragt werden.

    • Die EU ist eine träge Vielstaatenmasse geworden, deren einst mit viel Ideologie und Hoffnungen besetzte Währung anlässlich der Krise fürchterlich eiert.
    • Die EU wird nicht regiert sondern bloss wirtschaftlich verwaltet und hat in etlichen Bereichen die demokratische Ebene verlassen.
    • Zumindest ich konnte nicht wissen, dass die EU das Mindestmass an Eigenkontrolle nicht erfüllt (Griechenland-Eintritt, Rettungsschirm).
    • Die Tatsache, dass die Schweiz sich ins Abseits gespielt haben soll, weil sie dem trägen und mangelhaften Verein EU nicht beitrat, lässt ein Hegemoniestreben der EU, insbesondere Deutschlands, erkennen.

    Empörung über die Journalisten …
    Es gibt keine Empörung, es gibt unbeantwortete Fragen.
    Das ist der Punkt: Die Bürger können weder das Spiel der Journalisten (Hannibal-Foto) noch jenes des Bundesrates deuten, da vernutet werden muss, es würden ihnen falsche Tatsachen vorgespiegelt.
    Ich erinnere an das Pfötchendrücken verschiedener europäischer Staatsmänner bei Ceaucescu vor 1989. Als die wahren Verhältnisse Rumäniens ans Licht kamen, bemühten sich die Regierungen, zu verschweigen, vor Ceau?escu Bücklinge getätigt zu haben.
    Die Wendung «Performance des Bundesrates» habe ich in diesem Zusammenhang schlicht nicht begriffen, ist also UB.

    Preis des Isolationskurses
    Die Schweiz ist nicht vollkommen isoliert, es gibt die teilweise nivellierend wirkenden bilateralen Verträge.
    Im konkreten Fall «Göldi» hat sich die EU erst ernsthaft eingemischt, als es um die Schengen-Blockade für Libyer ging, und sie wirtschaftlichen Einbruch aufgrund unterbrochener Wirtschaftsbeziehungen befürchtete.
    Es wäre sehr bedauerlich, sähen die EU den Preis (Busse) für den Nicht-Beitritt in einer Geiselnahme, die möglichst lange hinausgezögert werden muss.

    Nein, die Schweiz benötigt keinen Göldi als Element des Zusammenhaltens und befindet sich m. E. in keiner Identitätskrise.

    Analyse-Antworten für @titus
    [UB = Unbeantwortbar]

    • Welche Rolle spielte Berlusconi, insbesondere am Sonntag?
    UB

    • Warum war Deutschland involviert?
    Wegen der Schengen-Blockade gegen libysche Geschäftsmänner, die ihre Wirtschaftsbeziehungen zur EU unterbrochen sahen.

    • War das nur ein Akt der Solidarität unter Nachbarn?
    Es waren wirtschaftliche Interessen von Staaten, die zwischenzeitlich gerne dem humanistischen Weltbild frönen.

    • Und inwiefern engagierte sich auch der spanische König, von welchem gestern die Rede war?
    UB oder: Zusammenarbeit Calmy-Rey und Ex-Frau Sarko?

    • War da nicht auch noch einmal die Rede von Sarkozys Ex-Frau?
    UB oder:
    «Cécilia Ciganer-Albéniz» kann jeder in Wikipedia selber nachlesen. Pikant ist, dass sich nach der Befreiung der bulgarischen Krankenschwestern Deutschland zu wenig honoriert sah …

    • Was wurde im Bundesrat ab- und besprochen?
    UB

    • Wie viel wurde der aussenpolitischen Kommission gesagt (Geri Müller als damaliger Präsident der APK des Nationalrats äusserte sich immer sehr zurückhalten)?
    UB

    • Inwiefern hatte Libyen unsere Medien durchleuchtet und dabei jedes Wort auf die Waagschale gelegt?
    UB oder: Besitzt Gaddafi eine Waagschale?
    Mitte Oktober 2009 bekam man über die Medien mit, Gaddafi lasse die Schweizer Medien überwachen. Das soll Jean Ziegler der Sonntagszeitung berichtet haben.
    Angesichts der aufgepeitschten Ideologisierung Libyens wage ich mir kaum vorzustellen, wie eine Auswertung solcher angeblich in Echtzeit gesammelter Daten aussähe.

  12. @ Bobsmile / Quantensprung

    In diesem Beitrag über die heutige Dominanz der Wirtschaft hatte ich bereits einmal die Frage aufgeworfen, was denn mehr wiegt: Die Wirtschaft oder nicht doch (auch) andere Aspekte bzw. die Gesellschaft (wir alle zusammen!) an sich.

    Wir sind als kleines Land vielleicht reich, aber im Vergleich zu unseren Nachbarn wirtschaftlich doch eher unbedeutend. Was bleibt uns da?

    Aus meiner Sicht bleiben eben nur die «anderen Aspekte». Allerdings: Was verbindet uns mit den Deutschen, Franzosen, Italiener, oder Österreichern – um vorab unsere direkten Nachbarn zu nennen? Was tun wir für die Beziehung zu diesen Ländern, fernab irgendwelcher wirtschaftlicher Beziehungen? Findet da aktiv irgendein freundschaftlicher Austausch statt? Oder findet eine direkte Begegnung mit den Nachbarn fernab wirtschaftlicher Beziehungen nur in den Sport-Arenen statt – und dann ist man sowieso Gegner und nicht Freund?

    Vielleicht müssen wir da ansetzen und mit unseren Nachbarn über den Landesgrenzen genauso natürlich umgehen wie mit unseren Nachbarn über der Kantonsgrenze. Das schafft automatisch Freundschaften und Verständnis. Und das wäre auch möglich ohne EU-Beitritt.

  13. Jetzt, Max Göldi ist zu Hause, darf auf alle eingehackt werden.
    Endlich, es war schon lange nötig.
    Also: auf sie mit Gebrüll. (für mich nicht das erste Mal)

    – Unser Rechtsstaat bzw. die Kantonshoheit wurde arg strapaziert.
    Wie kommt ein Regierungsmitglied auf die Idee, Entschädigungszahlungen zu versprechen? das ist Sache der Genfer Regierung oder der Gerichte.

    – anscheinend gilt „keine fremden Richter“ nicht mehr. Akzeptiert der Bundesrat JEDES Urteil oder hat er sich da Grenzen gesetzt?
    Wird er auch Schweizer Gesetze missachten?

    – Kniefall um Kniefall: wenn die Magistrate so etwas wie Ehre nicht kennen ist das ihre Sache. Sie haben auch die Ehre und das Ansehen des Landes beschmutzt

    – wenigstens weiss jetzt die ganze Welt: wenn wir ein Problem mit der Schweiz haben müssen wir nur einen Schweizer nehmen: die Regierung kommt angekrochen und erfüllt alle Wünsche.

    – wieweit wäre der Bundesrat gegangen bis er „NEIN, nicht mit uns“ gesagt hätte? Wäre er Gadhaffis Forderung nach der Aufteilung der Schweiz auch nachgekommen und hätte mit D, F und I beitrittsverhandlungen geführt?

    – wieviel Eigenverantwortung müssen/dürfen wir persönlich übernehmen?
    Spätestens seit dem Fall der bulgarischen Krankenschwestern sollte auch Herr Göldi wissen, dass er in Libyen ein Risiko eingeht.

    – wenn ich vor der Küste von Somalia segeln gehe und von den Piraten als Geisel genommen werde: kommen dann auch Merz/Calmy etc. angekrochen? Hoffendlich nicht, ich bin dann sicher 100% selber Schuld und habe meinen Seich selber auszubaden.

    Fragen über Fragen

    Merke: wer sich ein Mal erpressen lässt wird immer wieder erpresst.

  14. Ganz allgemein: Wir wissen doch, dass Gaddafi mit uns Demütigungsspielchen spielte. Das ist (aus unserer Sicht) Kindergartenzeugs. Sie aber einfach als solche abzutun, währenddem ein bzw. zwei Menschenleben auf dem Spiel stehen, wäre beim unberechenbaren Gaddafi fahrlässig gewesen. Also spielen wir da halt mit. Hat es uns letzten Endes als Nation weh getan? Bei mir überwiegt die Freude über Hamdanis und Göldis Rückkehr…

    Wenn ich’s richtig im Kopf habe, sind drei Punkte zu erfüllen: Normalisierung der Beziehungen, Schiedsgericht, Göldis Freilassung.
    Im «Club» von gestern sagte Peter Maurer, Staatssekretär im EDA, dass sie (also die Schweiz) auf der Freilassung von Göldi als ersten Punkt beharrten und erst anschliessend die anderen Punkte zu erfüllen wären (über welche am Freitag in Spanien weiter diskutiert wird). Zudem sollen auch die Umstände in Libyen, namentlich die 53 Tage Verschleppung der beiden Geiseln, im Rahmen des Schiedsgericht angeschaut werden.

    Für den Rechtsstaat Schweiz ist das ein Erfolg. Aber – Hand aufs Herz – egal was dabei herauskommt: Gaddafi kann das Resultat egal sein, denn er steuert ohnehin die Medien in seinem Land, ergo wird man dort nur hören, was ihm genehm ist.

    Zur Signalwirkung nach aussen: Bei Rechtsstaaten ist wohl nichts zu befürchten. Und was anderen Staaten anbelangt, hatte ich im Beitrag oben nicht umsonst geschrieben: «Die Lehre, die wir daraus ziehen sollten, ist, über die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu solchen Staaten nachzudenken, um anschliessend entsprechende Konsequenzen zu ziehen.» Im Moment reden immer noch alle nur von Libyen, aber vielleicht öffnet sich da die Optik ja noch im Laufe der nächsten Wochen…

    Zu den Zahlungen: Ich meine, man sollte vor allem auch die «Tribune de Genève» in die Pflicht nehmen. Die Erklärung deren Chefredaktor im Club leuchtete mir (immer noch) nicht ein.

    Zur Eigenverantwortung: Die beiden arbeiteten vorher vielleicht schon seit 20 Jahren in Libyen und immer lief alles rund. Die genauen Hintergründe und Umstände kenn wir nicht. Aber wenn es so war, warum sollten sie misstrauisch werden? Reisen wir nicht mehr in die USA, obschon dort auch schon zu Unrecht Menschen zum Tode verurteilt wurden? Eben…

  15. Laut Nachrichten wurden heute vom Bundesrat 1,5 Mio Euro auf eine deutsche Bank überwiesen.
    Heisst das nun, dass man den Vertrag nicht einhält, gar nicht gewillt ist den Übermittler der Polizeifotos auszumachen, so wie im Vertrag versprochen wurde? Ist dieser Transfer etwa als Depot zu verstehen?
    Auch bei mir Fragen über Fragen.

    Deine Frage Titus: Hat er uns (Ghadaffi) letzten Endes als Nation weh getan?
    Ja, würde ich da mal sagen. Das Wissen, dass unsere Nation erpressbar wurde, macht allemal verdammt weh.

    Scheinbar bin ich wieder die Einzige, die die Ausagen des Chefredaktors der Tribune de Genève verstehen will, auch wenn ich bezeifle, dass er die ernst gemeint hat. Hannibal hat seine Angstellten gedehmütigt, warum also nicht auch ihn mit diesen Polizeifotos demütigen?

    Aber sorry, ich vergass, dass wir in der Schweiz auf die Empfindungen fremder Länder, Kulturen und deren Eigenheiten Rücksicht nehmen müssen und wir uns in userem eigenen Land gefälligst hinten anzustehen haben.

    Wenn wir uns schon gefälligst einer fremden Kultur anzupassen haben, so erwarte ich doch zumindest, dass fremde Kulturen auch unsere Rechte akzeptieren.

    Was wäre passiert, wenn so wie kikri die Frage stellt, der Bundesrat gesagt hätte: Nein, nicht mit uns? Genau das Gleiche sagte auch Lybien, besser ausgedrückt Ghadaffi. Er darf sich das erlauben, wir hingegen kriechen und beugen uns.

  16. Ate, was hörst Du denn für Nachrichten? Ich empfehle Dir diesen Artikel, er erklärt alles.

    Zu Herrn Ruetschi: Seine Argumentation war, dass sie die Demütigungen im Laufe dieser Krise mit verschiedenen Fotos aufzeigen wollten. Darunter war u. a. auch ein Foto von Merz. Zu diesen Demütigungen gehörte auch die Verhaftung von Hannibal. Um diese darzustellen bzw. um aufzuzeigen, wie demütigend er das empfand – das fragliche Bild spricht Bände – wurde eben dieses Polizeifoto verwendet. Damit trat die Genfer Tageszeitung selber ins «Geschäft» der Demütigungen ein, obschon das nicht das Ziel gewesen sein soll.

    Und selbst wenn: Was soll dieses Auge-um-Auge, Zahn-um-Zahn, Demütigung-um-Demütigung? Wollen wir uns wirklich auf Gaddafis Niveau runter bewegen – oder nicht doch weise und mit Bedacht (re-)agieren?

    Wenn Du Dir den Club ganz angesehen hast, dann konntest Du auch hören, dass das Veröffentlichen von Polizeifotos verboten ist. Wir sind nicht die USA. Das gilt sowohl für Fotos von Schweizern wie auch von Ausländern.

    Das hat nichts mit fremden Kulturen oder Rücksichtnahme auf diese Kulturen zu tun, sondern es hat damit zu tun, den Rechtsstaat zu leben und eben nicht einfach willkürlich Fotos zu veröffentlichen – auch wenn es dem Gefühl im Bauch widerstrebt. Niemand hat gesagt, dass der Rechtsstaat immer dem Bauchgefühl folgen muss…

    Dass rechtliche Vorgaben eingehalten werden, hat auch mit Rechtssicherheit zu tun. Darum ist es umso schlimmer, dass diese Fotos ausgerechnet aus jenen Kreisen gelieferten wurden, welche sonst für Recht und Ordnung zu sorgen haben. DAS sollte uns beschäftigen…

  17. Was ich für Nachrichten höre? Immer DRS 1 und Radio 1.

    Bezüglich des Verständnisses des Chefredaktors gab ich meine Meinung kund. Und jetzt? Dank Deinem Blog kam ich in den Genuss der DOK-Serie (muss gestehen, dass ich sie noch nicht ganz gesehen habe). Und eben und jetzt? Schau Dir mal die Bilder dieser Angestellten an. Sind denn diese Leute weniger wertvoll als ein Sohn Ghadaffis? Die Angehörigen dieser Angestellen wurden in Lybien ins Gefängnis gesteckt, bis eben diese beiden Angestellten ihre berechtigten Anschuldigungen rückgängig machten.
    Genf hat nach meinem Urteilungsvermögen und Rechtsverständnis richtig gehandelt. Und genau das, und genau auf das will ich hinaus.
    Jeder Schweizer Bürger wäre in Haft geblieben, aber hat man einen gewissen „Status“, gelten halt andere Gesetze.

    Bezüglich Demütigung hätte ich noch schnell etwas anzufügen. Hannibal fühlte sich mit der Veröffentlichung dieser Polizeifotos gedehmütigt. Wie aber hingegen muss sich Max Göldi fühlen, wenn er nun Aufzeichnungen seiner Abführung in Handschellen sieht. Ist das nicht auch eine Demütigung? Zumal Max Göldi nichts verbrochen hat, Hannibal indessen sehr wohl.

    Logisch und klar, die Empfindungen eines Schweizers stuft man doch gerne ein weniger hoch ein, wie diese eines Sohnes eines Diktators, vor dem man sich verbeugt und ihm quasi die Füsse schleckt.

    Sorry für den Ausdruck, aber irgenwie und irgendwo fühle ich mich von unserem Schweizer Staat verarscht.

    Über diese Einzahlung an eine deutsche Bank wirst Du morgen/heute in den Zeitungen lesen.

    Doch was solls? Wir Schweizer Bürger gehen tagtäglich zur Arbeit, liefern schön brav unsere Steuern ab, damit die (Steuern) unter anderem wegen Unfähigkeit der von uns gewählten Politikern versanden, vergäudet werden.

    Es kommt der Moment wo es reicht.
    Wir, die wir nicht mal fähig sind unsere IV in einen grünen Bereich zu bringen. Wir, die wir nicht mal fähig sind unsere Krankenversicherung die am explodieren ist, in den Griff zu bekommen, genau wir stehen hin und werfen Lybien ohne einen Fehler begangen zu haben noch 1.5 Mio. nach.
    Wir zahlen dieser afrikanischen Familie, deren Sohn als Alsylant zu uns kam, sich vor der Ausreise weigerte und starb, aus wessen Gründen auch immer. Wir zahlen dieser Familie 50.0000 Franken.

    Die Schweiz scheint sich nur noch hervorzuheben, indem sie beim kleinsten Windhauch den Geldbeutel zückt.

    Und damit wären wir beim Übel. Die Schweiz ist erpressbar und käuflich geworden.
    Man verzeihe mir den Ausdruck, aber die Schweiz wurde zur Hure.

  18. „Und damit wären wir beim Übel. Die Schweiz ist erpressbar und käuflich geworden.“
    Das ist sie schon lang, nur weiss es jetzt die ganze Welt.
    Der Bundesrat hat, nur um 1 Person zu retten, dutzende, hunderte? in Gefahr gebracht.
    Wo sind wir gelandet. JedeR muss um jeden Preis geretten werden (siehe auch Rauchverbot pardon Passivraucherschutz etc.).
    Unsere Grossväter und deren Vorfahren waren noch bereit, ihr Leben für unsere Freiheit herzugeben: sie sind wärend 2 Weltkriegen an der Grenze gestanden, haben im Sonderbundskrieg gekämpft.
    Wollen wir sie wirklich beleidigen?
    Wollen vielleicht nicht, aber wir haben es schon x-mal getan.
    Schande über unser Land und „unsere“ Regierung.
    Sind wir wirklich zu Hosenscheissern verkommen?

    um es klarzustellen: ich bin kein Nationalpatriot: mein Herz schlägt immer noch (bin ich bald der einzige?) links

  19. „Jeder muss um jeden Preis gerettet werden“ / Rauchverbot.

    So lassen wir uns doch alle retten! Hören wir doch alle auf zu rauchen, damit wir in absehbarer Zeit die AHV wieder retten dürfen, da die Einnnahmen aus der Tabaksteuer wegfallen und dadurch ein Loch entsteht. Ausserdem leben wir Raucher dank dieser vom Staat (Volk) verordneten Rettung ein paar Jahre länger, was wiederum heisst, dass wir länger AHV beziehen und unsere Alterswehwehchen die Krankenkassen strapazieren werden.
    Auch da denkt man wieder mal nur bis zur Nasenspitze. Mir scheint, man sieht nur das Hier und Jetzt und dann, nach mir die Sintflut.

    Aber dafür dürfen wir, wenigstens in Zürich, sofern es vom Stadtrat genehmigt wird (beim Gemeinderat kam es gestern durch), inskünftig in den Apotheken Cannabis kaufen. Ich fänds in Ordnung, obwohl ich selbst nicht kiffe, aber paradox ist es dennoch.

    Wer rettet uns eigentlich vor diesen wohlgemeinten Rettern?

    So möge denn Kikri, Dein Herz weiterhin links schlagen, das meinige pumperlt rechts und dennoch schlägt unser beider Herz zum Wohl der Heimat.

  20. Sorry, mir unterlief ein Fehler. Bei „die AHV retten“ schlich sich das Teufelchen „wieder“ ein.

  21. @ Ate
    Bitte vermischen wir nicht immer gleiche alle Themen miteinander, sonst sind am Schluss noch die hohen Krankenkassenprämien schuld an Göldis Entführung…

    @ Ate % Kikri
    Also hätten die beiden Schweizer Eurer Meinung nach einfach ihrem Schicksal überlassen werden sollen? Wer ins Ausland geht, erfährt keinen Rückhalt mehr durchs eigene Land?

    Als Konsequenz bunkern wir uns dann am besten einfach ein, kaufen weder vom Ausland Waren ein um davon nicht abhängig zu werden noch verkaufen wir Waren ins Ausland, um ebenfalls nicht davon abhängig zu werden. Die Konsequenz dieses Isolationskurses lasse ich Euch selber zu Ende denken…

  22. Wenn man Cannabis offiziell die der Stadt beziehen darf wollen die doch meinen Ausweis sehen. Zur Altersüberprüfung ist das ja ok.
    Die Stadt will dann die Kiffer auch registrieren.
    Welcher Kiffer will sich schon registrieren?
    Ich werde uter diesen Bedingungen meine Raucherwaren weiterhin am gleichen Ort beziehen wie bisher.
    Es ist wie gehabt: istwas Gutes machen wollen und nicht darüber nachdenken, was die Folgen sind bzw. wie sich die Menschen verhalten.
    Wie beim Rauchen: an die Gesundheit gedacht und die Folgen bez. AHV und Pensionskasse. vergessen
    Wie bei Alternativenergie: Dass es einen Zwischenspeicher (Pumpspeicherkraftwerk) braucht und dazu die Staumauern erhöht werden müssen: vergessen.
    Bioalkohol als Treibstoff soll umweltfreundlich sein (inzwischen haben sie umgedacht) aber vergessen, dass „Energiepflanzen“ in Konkurrenz zu Lebensmittel steht.
    Es ist überall das gleiche: nur monokausales Denken, keine Bereitschaft (oder Fähigkeit?) in Zusammenhängen zu denken

  23. Bisher wurden solche Probleme diplomatisch hinter den Kulissen, und nicht im Blick gelöst.

    Ich halte es für einen grossen Irrtum, dass wir uns nicht mehr ins Ausland begeben dürften, wenn Max Göldi nicht freigekommen wäre.

    Ich denke, dass eher das Gegenteil der Fall ist:
    Weil alle Welt weiss, dass sie nur einen Schweizer als Geisel nehmen kann um JEDE Forderung durchzusetzen wird der Aufenthalt im Ausland gefährlich.
    Mitarbeiter des DEZA und des roten Kreuzen sind noch mehr in Gefähr als heute schon.

    Es gibt auch andere Gründe ins Ausland zu reisen, als nur die geschäftlichen.

    Und nochmals, Max Göldi ist nicht blöd; es hätte wissen können, auf was er sich einlässt.

    Bei deinen beiden Aussagen sehe ich eher das Gegenteil als richtig an

  24. Meine Aussage oben bezügich dem Einbunkern war – sollte das nicht so rübergekommen sein – ironisch gemeint.

    Zum Erpressungsvorwurf: Da blendest Du wohl aus, dass es die Schweiz war, welche als Gegenreaktion zur libyschen Willkür den bessergestellten Libyern die Einreise in den Schengen-Raum verunmöglichte. Die zu erwartende Reaktion Libyens, im Gegenzug auch keine Visa mehr für die Europäer auszustellen, mobilisierte schliesslich die Europäer.

    Die Schweiz stand also nicht bloss da wie ein stummes Kalb, nahm die «erpresserischen» Forderungen Libyens entgegen und führte diese ebenso stumm und anstandslos aus. Es gab monatelange Verhandlungen.

  25. Es war nie die Meinung, dass man diese beiden Schweizer ihrem eigenen Schicksal überlassen hätte sollen.
    Nur, warum wurde Rachid Hamdani fürs angeblich gleiche Delikt freigesprochen und Max Göldi zu einer Haftstrafe von 4 Monaten verknurrt? Die Antwort wird in der Doppelbürgerschaft von Hamdani liegen.

    Was mir, wie bereits im ersten Kommentar geschrieben, sauer aufstösst ist die Tatsache, dass Max Göldi am 11. Februar zu 4 Monaten Haft verurteilt wurde. Nun gut, der 11. Juni traf auf einen Freitag, Ruhetag in Lybien, also wurde er bereits einen Tag früher aus der Haft entlassen.

    Hätte Max Gödli dann seinen Pass und das Ausreisevisa nicht erhalten, dann und erst dann hätte man eingreifen müssen, nicht aber um ihm so quasi als Reisebegleiter zur Vefügung zu stehen und sich danach für die Befreiung einer Geisel feiern lassen.

    Das ists, was mir schwer fällt zu verstehen.

    Übrigens, sorry für meine Aus- und Abschweifung, aber irgendwie ging es beim Thema auch ein wenig um Fähigkeit und Unfähigkeit.
    Auch wenn ich weiss, dass ich es nie schaffe, werde ich versuchen mich insküftig ans vorgegebene Thema zu halten, ohne dabei nach links oder rechts zu gückseln.

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