Tour de Suisse

Aufgrund des Schweizer Nationalfeiertags gibt es hier für einmal eine etwas holprig-verbale Reise durch die Schweiz…

Es brauchte erst eine Volksabstimmung, bis für alle der 1. Aug(u)st ein bezahlter Feiertag wurde. Erst dadurch wurde es möglich, dass sich die Feierlichkeiten nicht mehr bloss auf einen (Feier)Abend beschränkten.

Viele beginnen darum den Tag in Bettenhausen, sprich: Sie schlafen erst einmal aus. Anschliessend nutzt manch einer das meistens schöne Sommerwetter und geht baden.

Besonders an heissen Tagen ist jeder froh, in eines der Bassins eines Freibads springen zu können. Natürlich tut es auch ein Bach oder ein See, um Abkühlung vor der se(e)ngenden Sonne zu finden. An einem breiten Bach mit wenig Tiefe ist es allerdings schwierig, wirklich Erfrischung zu finden.

Weit verbreitet sind am Nationalfeiertag inzwischen aber auch die so genannten «Bure-Zmorge», wobei sich das nicht unbedingt nur auf den Morgen beschränkt.

Den Bauern bietet das die Gelegenheit, auf ihre Art(h) den Städtern ihre Arbeit zu zeigen. Sie scheuen dabei keine Mühe und bauen auch schon mal Zelte auf oder bewirten die Gäste in Scheunen.

Trotz zunehmender Besucherzahlen und emsigem Treiben auf den Bauernhöfen läuft das Ganze doch immer sehr friedlich ab, sodass nicht ein einziger Bulle und kein Tschugg zum Einsatz kommt.

Constantine Ferrera und Ursy Bühler nehmen inzwischen regelmässig an einem Bure-Zmorge teil. Dies(s)e Möglichkeit halten die beiden Frauen nämlich für etwas vom Schweizerischsten, passend eben zum 1. August.

Die beiden Damen stammen von einem Berg, eigentlich einem Felsberg, umgeben von Wald mit hohen Tannen, bei dem unterhalb davon zwei Simmen zusammentreffen. Das liegt zwisch(en) Bergen.

Bisher besuchten sie jeweils einen Hof in ihrer unmittelbaren Nähe. Um den für den Nationalfeiertag so wichtigen Zusammenhalt zwischen den Landesteilen zu betonen, geht es dieses Jahr aber für einmal über die Sprachgrenze hinaus.

Der von ihnen ausgewählte Lieu liegt im Kanton Vaud. Der fragliche Hof liegt an einer Strasse namens Rue de la Bière, was ziemlich alkoholsüchtig klingt. Das Hofsgut verdient jedoch Respekt, denn es war früher der Sitz einer beeindruckenden Grafschaft. Selbst die Habsburger blickten damals neidisch auf diesen Flecken der Erde.

Um dorthin zu gelangen gibt es mehrere Möglichkeiten. So ist die Anreise sowohl mit dem Zug als auch mit dem Bu(u)s möglich. Und weil die Gegend dort eher fla(a)ch ist, wäre auch das Velo als Transportmittel möglich.

Da eine der beiden Damen ein ziemlich seltsames We(e)sen zu sein scheint, kleidet sie sich häufig arg- und würenlos und darum meistens auch unpassend zum Ereignis – oder sie erlaubt sich ganz einfach immer einen Scherz.

Denn auch diesmal trägt sie ein enges Kleid mit blauen Schuhen, rötlich geschminkten Wangen und einem Mund so ro(o)t wie die Schweizer Fahne. Die Gläser der dazu passenden, inzwischen in die Jahre gekommenen Sonnenbrille sind heute matt.

Darum kann auch in diesem Jahr die ande(e)re Dame den Seufzer «Mannomann» nicht verhindern. Und wie schon in früheren Jahren hätte sie am liebsten auf dem Absatz kehrt gemacht.

Kein Wunder sprechen viele vom Zerfall der Sitten, denkt sie sich weiter. Wie auch immer: Entsprechend der Kleidung kommt für die beiden nur ein Anreise mit dem Zug in Frage.

Wer einmal angekommen ist, sollte sich bloss nicht an der Kirche orientieren, denn dieser Ort ist nicht wirklich ein Kirchdorf, herrschten hier doch lange die Heiden. Darum ist auch die Kirche eher bescheiden und somit  ohne Turm ausgefallen.

Vielmehr dient das einzige örtliche Restaurant im Dorf als Orientierungshilfe. An einem Egg stehen dort nämlich zwei Erlen, von wo aus man auf den mit Steinen gepflasterten Weg abzubiegen hat. Der bewirtende Bauer hat es inzwischen aber auch zur Tradition gemacht, jeweils zu Beginn des Bure-Zmorge durch ein Horn zu blasen.

Alsdann weiss man im Dorf, dass alles bereit ist und – für Ortsunkundige – in welche Richtung man zu laufen hat: Über eine Brugg bewältigt man einen Graben, der wohl noch aus früheren Zeiten stammt. Vorbei an verschiedenen Höfen gelangen auch die beiden Damen schliesslich aufs mit Eichen und Linden gesäumte Hofsgut.

Einmal dort angekommen sind immer alle überwältigt von der belle vue, welche sie von hier aus, einer leichten Erhöhung, geniessen können. Das ist förderlich für eine ausgelassen Stimmung, welche sicher noch durch die lüpfige Volksmusik aus den Lautsprechern gefördert wird.

Auch die Kinder sind ausgelassen, hört man sie doch viel lachen. Grund dafür dürfte allerdings weniger die Musik als vielmehr eine frei herumlaufende Gais Geis sein.

Auch ein Muhen ist irgendwo zu hören, dessen Ursprung jeder Besucher in den Scheunen nachgehen kann. Und natürlich gehört auch eine anschmiegsame Katze dazu, welche sich allerdings ständig am Lausen ist…

Überwältigend ist auch das Zmorge-Buffet, lässt es doch keine Wünsche offen. Von Henniez mit Lamone Limone über Chardonne bis hin zu Champagner ist auf der Getränke-Seite alles vorhanden. Natürlich wird alles kühl serviert, weshalb der draussen stehende Kühlschrank bei sommerlicher Hitze schon bald einmal Eis(s)chollen aufweist.

Zu essen gibt es all das, was eben ein Bauernbetrieb herzugeben vermag. Vieles wie Schinken oder Speck ist wie in alten Zeiten an Galgen(en) aufgehängt. Und auch wenn der Bauer kein Bäcker ist, backt er sein Brot trotzdem selbst, Silserli und Butterzöpfe eingeschlossen. Ob dem Reichtum dieses Buffets könnte sich manch einer fast wie im Paradis(o) fühlen.

Natürlich braucht man an so einem Ort nicht nur zu essen. Da stapelt sich beispielsweise auch ein Buchberg, an dem sich jeder bedienen kann, um sich eben mit einem Buch ins grüne Gras zu legen.

Für die eine der beiden Damen ist das nichts. Sie ärgert sich offensichtlicher lieber darüber, dass der Speicher ihres Handys voll ist. Erst nachdem sie ihn geleert hat, erhält sie endlich beim Abschicken ihres SMS die Bestätigungsmeldung «Sent».

Auch Kinder beeindrucken die Bücher wenig. Sie bauen damit lieber eine Burg, spielen davor Burgherr oder Burgfräulein und kreuzen mit Rivalen schon einmal ihre aus Haslen bestehenden Degen. Zwar auch spielerisch, aber weniger improvisiert, können es derweil die Erwachsenen einmal mit Hornussen versuchen.

Welcher Tätigkeit auch immer jeder für sich nachgeht, hofft doch jeder bei sonnigem Wetter auf einen lauen(en) Wind. Zu windisch sollte es dann aber doch auch nicht sein, obschon man von Petrus selbstverständlich nichts erzwingen kann.

Darauf, oder zumindest dass es nicht in jedem Winkel windisch ist, hofft auch immer Hans Hirzel und seine Familie, alle ausgewanderte Zürcher, welcher heute auf diesem Hofsgut hausen. So hat der Hofsherr nämlich auch mehr davon, wenn er – neben dem Hof stehend und dem bunten Treiben zuschauend – genüsslich eine Brissago rauchen kann.

Kostenlos ist so ein Bure-Zmorge nicht, das heisst, jeder kann den Preis bezahlen, der ihm richtig erscheint. Kreditkarten werden hingegen keine akzeptiert, es muss ba(a)r bezahlt werden. Der grösste Lohn für den Bauer und seine Familie sind allerdings die strahlenden Gesichter, welche seinen Hof verlassen.

Na dann: Einen schönen 1. August!

😉

3 Antworten auf „Tour de Suisse“

  1. Bevor ich weggehe, rasch hier rein geguckt:
    Eine schöne 1.-August-Idee!

    Welch eine Verwunderung:
    Von den ca. 94 Links habe ich gerade von 17 eine klare Vorstellung, wo sich der Ort / Kanton befindet bzw. ich war mal da.
    Jetzt weiss ich auch, wo Bettenhausen liegt 🙂
    Ich werde später erneut reingucken.
    @titus, Dir auch einen schönen 1. August!

  2. Vielen Dank für die Wünsche!

    Und schau‘ Dir die Websites der einzelnen Gemeinden nicht zu genau an oder sitze vorher ab, denn was da geboten wird, lässt einem teilweise die Haare zu Berge stehen…

  3. Ich müsste (Sp)lügen, würde die Rede ausser Bergen von Links viel bringen, andeererseits muss man nur nach der Grundeschenz des Textes graben und schon trifft man des Pudels Kerns.

    Chapeaux.
    😉

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