Billiges Politiker-Bashing

Meinungsfreiheit ist kein Freipass, seine Meinung auf eine x-beliebige Weise zu äussern, schon gar nicht wenn es um Personen geht. Etwas mehr Anstand und viel weniger Feigheit dürfte einigen Blog-Betreibern gut tun, insbesondere dann, wenn sie erwarten, ernst genommen zu werden…

Die Meinungsfreiheit ist uns Schweizern heilig und das ist auch gut so. Trotzdem gibt es die absolute Meinungsfreiheit nicht. Die Rede ist hierbei nicht davon, dass man sich im öffentlichen Raum beispielsweise mit rassistischen oder diskriminierenden Äusserungen zurückzuhalten hat.

Nein, es geht darum, dass manch einer seine Meinung deshalb nicht frei äussern kann, weil er mit mehr oder weniger schweren Folgen zu rechnen hat, sollte er dies trotzdem tut.

Anonym ja, aber…

Wer beispielsweise Einblicke in ein Unternehmen, eine Organisation oder eine Branche über Dinge erhält, die moralisch und/oder ethisch fragwürdig oder verwerflich sind, der würde in die Schusslinie dieses Unternehmens, dieser Organisation oder dieser Branche geraten.

Von Mobbing über Ächtung, den Verlust der Arbeitsplatzes mit fadenscheinigen Argumenten, die Schändung von persönlichem Eigentum (aufgeschlitzte Reifen, versprayte Häuserfassaden usw.), den Eingang von Morddrohungen oder der Bedrohung durch oder gar die Anwendung von physischer Gewalt ist vieles möglich – leider auch in der Schweiz.

Darum kann es durchaus Situationen geben, in denen jemand sich zum Selbstschutz nur anonym oder unter einem Pseudonym äussert, sei es über eine Plattform à la Wikileaks oder einfach nur über ein Blog.

Diesen Selbstschutz kann man allerdings auch missbrauchen. Dies geschieht zum Beispiel auf Blogs wie leuenberger-blog.ch, calmy-rey-blog.ch oder widmer-schlumpf-blog.ch.

Inhaltlich ziemlich ähnlich, visuell teilweise identisch: Ausschnitte der drei Blogs
mit ihren jeweils zusammengetragenen Negativ-Meldungen.

Virtueller Hinterhalt

Sie alle drei zielen darauf ab, die hinter diesen drei Domain Namen stehenden Bundesräten einfach nur negativ darzustellen – anonym versteht sich, denn sie enthalten alle weder ein Impression noch den Namen eines Autors (wobei «admin», aus dem Seitenquelltext entnommen, hier nicht als Autorenbezeichnung verstanden wird).

Man kann durchaus unterschiedlicher Meinung über die Leistungen der drei angesprochenen Bundesräte sein. Man darf sie auch kritisieren, mit Vorteil anhand konkreter Argumente, denn solche sind immer noch das beste Mittel, andere zu überzeugen.

Doch ein Blog nur darauf auszurichten, einseitig beziehungsweise ganz gezielt mit Negativ-Artikeln eine Person schlecht darzustellen und dies noch anonym, das ist Kindergartenzeugs. Und das ist schlichtweg feige.

Das sind Angriffe aus dem virtuellen Hinterhalt. Es sind Angriffe, die jegliche Diskussionskultur vergiften und damit politischen Lösungen im Wege stehen.

Wer so agiert, der scheint davon überzeugt zu sein, dass nur eine Ansicht die richtige ist, dass nur diese eine Ansicht gelten kann und darf und dass deshalb Vertreter anderer Ansichten schlecht zu machen sind. Argumente zählen nicht.

Bedauerliche Entwicklung

Diese Einstellung hat etwas Faschistisches. Es geht um alles oder nichts, um schwarz oder weiss, um gut oder böse. Dabei geht vergessen, dass die Schweiz in der Vergangenheit mit Erfolg immer wieder auf den berühmten «gut schweizerischen Kompromiss» gesetzt hatte. Und Kompromisse beinhalten nie nur alles oder nichts, sind nie nur schwarz oder nur weiss und sind auch nicht nur gut oder böse. Sie sind ein Mittelweg, der manchmal etwas mehr links, manchmal etwas mehr rechts von der politischen Mitte liegt.

Schliesslich sind so geführte Blogs auch schlechte Vorbilder für den politischen Diskurs. Sie machen nämlich das anonyme Bashing über Politiker salon- beziehungsweise internetfähig, sei es nun über eigene Blog-Artikel oder bloss über die Kommentarfunktion eines Blogs, Forums usw. Zum Vergleich: Keine Zeitung würde einen Leserbrief anonym abdrucken, ausser der Redaktion wäre der Name des Schreibers bekannt.

Insgeheim weiss auch der Betreiber dieser Blogs, dass sein Handeln nicht unproblematisch ist. Nicht umsonst versucht er, sich hinter der Anonymität zu verstecken. Letztere wiederum erlaubt es ihm, Dinge so zu äussern, wie sie in der nicht-virtuellen Welt wohl zu einer Klage aus dem Bereich der Persönlichkeitsrechte führen könnte.

Wer zu seiner Meinung steht und auch ernst genommen werden will, der braucht sich nicht zu verstecken. Nur wem die Sache nicht so geheuer erscheint, weil er genau weiss, dass er sich in einer (rechtlichen) Grauzone befindet, macht das so.

Eine alte Bekannte

Trotzdem: Absolute Anonymität gibt es auch im Internet nicht, allerdings kann nur eine Polizeibehörde vollständig Transparenz schaffen. Im Falle der drei Blogs oben kann hingegen jeder bei Switch/NIC, der Registrierungsstelle für CH-Domain-Namen, abfragen, wem diese Domain-Namen gehören: Es handelt sich um die Chamäleon Media GmbH in St. Gallen und dessen Gesellschafter Reimut Massat.

Alle Wege führen nach Rom zur Chamäleon GmbH und Reimut Massat (Gesellschafter
der «ABC Internet & EDV GmbH, vormals Chamäleon – Agentur für neue Medien GmbH»
in Kreuzlingen sowie der Chamäleon Medien GmbH in St. Gallen).

In einem Artikel unter dem leuenberger-blog.ch wird als Quelle auf schweiz-blog.ch verwiesen. Auch dieser Domain-Name und somit auch dieses Blog gehört zu dieser Firma. Hier besteht allerdings der Unterschied, dass es ein Impressum gibt und darin auch die Chamäleon Media GmbH angegeben wird.

Dass man dazu in diesem Fall in der Lage war, liegt wohl am Inhalt. Dieser ist wesentlich «harmloser» als die anderen drei genannten Blogs und zielt weniger auf ein Politiker-Bashing ab. Interessanterweise werden in der Blogroll die Anti-Bundesrat-Blogs nicht aufgeführt, obschon alle zur selben Firma gehören. Man versucht also, vordergründig keine Beziehung zueinander herzustellen.

Regelmässigen Lesern der Augenreiberei ist diese Firma übrigens nicht unbekannt. Sie war bereits einmal in einem anderen Zusammenhang ein Thema. Damals ging es darum, dass diese Gesellschaft auffällig viele Domain-Namen reservierte, welche Namen von Politikern enthalten.

Und wie bereits in diesem früheren Artikel aufgezeigt, bestehen – oder bestanden früher einmal – Verbindungen zum St. Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann.

Dubioses Engagement

Ob diese noch immer in gleicher Weise bestehen, kann nicht gesagt werden, denn hier enden die Fakten und beginnen die Mutmassungen. Betrachtet man die drei fraglichen Blogs, welche sich gegen SP- und BDP-Bundesräte richten, erscheint es plausibel, dass dahinter sicher mindestens SVP-Sympathisanten stecken.

Unwahrscheinlich ist hingegen, dass dahinter nur die Chamäleon Media GmbH steht. Es mutet doch eher abenteuerlich an, dass eine Firma, deren Zweck gemäss Firmen-Homepage primär aus dem Anbieten von Internet-Dienstleistungen besteht, selber politische Blogs betreibt. Oder dient dieser Firmenzweck etwa gar nur als Deckmäntelchen für eine gezielte, politische Propaganda?

Wahrscheinlicher ist eher, dass sie nur eine Mittlerrolle übernimmt, damit eben niemand genau erfährt, wer tatsächlich hinter diesen Blogs steckt. Das könnte man dann als so eine Art «Briefkastenfirma 2.0» bezeichnen.

Übrigens, eine aktuelle Verbindung zwischen der Chamäleon Media GmbH und Lukas Reimann gibt es noch immer: Wie aus der Name Server-Registrierung hervorgeht, werden alle genannten Blogs, einschliesslich der Website von Reimann, von der Firma Movetec GmbH in Würenlos gehostet. Ist das trotz zahlreicher Schweizer Hostingfirmen alles nur reiner Zufall?

Alle Name Server-Definitionen (siehe auch letztes Bild oben) zeigen auf einen Server
der Firma Movetec GmbH (oben: movetec-server.ch, unten: move-server.ch
mit Movetec als technischer Kontakt)

Ob diesen zahlreichen Merkwürdigkeiten betreffend Chamäleon Media GmbH würde es sich wohl bald lohnen, einen chamaeleon-media-blog.ch aufzumachen – selbstverständlich anonym… 😉

22 Antworten auf „Billiges Politiker-Bashing“

  1. Wie der rechtsnationale Kampfbegriff „Classe politique“ gehört es in gewissen Kreisen halt zum guten Stil, Politiker/innen generell runterzumachen. Zwar lassen sich z.B. auf Indymedia auch fragwürdige Artikel finden, also anonyme.

    LG,
    U. Schüpbach

  2. Wie ich eingangs erwähnte, gibt es für mich schon berechtigte Gründe, anonym zu schreiben. Dies ist dann der Fall, wenn es darum geht, Missstände aufzuzeigen und der Autor dabei Folgen für sich persönlich fürchten muss.

    Bei den drei oben erwähnten Blogs geht es aber nicht um Missstände. Man teilt ganz einfach nicht die Meinung und die Parteifarbe der drei Betroffenen, weshalb nach jedem Grashalm gesucht und dieser aufgeführt wird, der zur Ansichten der Betreiber quer in der Landschaft steht.

    Man könnte das auch «Anonymitätsmissbrauch» nennen, was dann dazu führt, dass der Anonymität wegen solcher Köpfe dann eben gänzlich der Kampf angesagt wird…

  3. Ich frage mich einfach, wer für so was Zeit hat. Es ist weder konstruktiv, noch kreativ, noch bringt es irgendwen irgendeinen Schritt weiter. Es ist schlicht und einfach nur ein Ersaufen in giftiger Galle.

    Ich frage mich, was man für eine Person sein muss, um Stunden damit zu verbringen, andere herunterzumachen. Selbst wenn das jemand für Geld täte: Was für ein himmeltrauriger Job. Was für ein armseliges Leben.

    Die gleiche Fragen müsste sich eigentlich auch ein Leser solcher Blogs stellen …

    Abgesehen davon: Wieder einmal super recherchiert.

  4. Solche Blogs sind ein Ventil, über welches Frust abgelassen wird, sowohl seitens Schreibenden wie auch seitens Lesenden. Das kann man aus psychohygienischen Gründen durchaus tun, damit habe ich noch kein Problem. Das Problem hierbei ist aber, dass sich der Frust ausschliesslich gegen Personen einer bestimmten Partei richtet. Es geht weniger um die Person. Vielmehr will man der Partei dieser Personen das Recht und die Kompetenz absprechen, überhaupt im Bundesrat Einsitz nehmen zu können.

    Abgesehen davon: Besten Dank für die Blumen. Es wird noch eine Art Fortsetzung geben…

  5. Es ist bedenklich, wie mit den technischen Möglichkeiten der Meinungsäusserung im Zuge des Informationszeitalters auch das Verschwinden von Anstand und Respekt dem (anders denkenden) Gegenüber Einzug gehalten hat.

    Obwohl ja auch die klassischen Leserbriefschreiber mit vollem Namen vor verletzender Polemik nicht zurückschrecken. So dementiert ein gewisser Konrad Schläpfer, der am liebsten Walter Angst von „augenauf.ch“ erschiessen lassen möchte:
    (Quelle: Artikel „Verbalattacken“, Strassenmagazin Surprise, Nr.230/10)
    „Ich bin kein Intellektueller, sondern ein einfacher Bürger, der rechts steht. Einmal habe ich den Grünen geschrieben, dass man ihren Präsidenten, diesen Trottel, aufhängen solle. Ich weiss, dass das Blödsinn ist. Aber manchmal schreibe ich einfach aus der Wut heraus.

    Geht es diesen Griffeltätern meistens also „nur“ darum, etwas Dampf abzulassen, haben solche (intellektuell anmutenden) Politiker-Bashing-Seiten für mich eine ganz andere politische Brisanz und Tragweite.

    P.S.
    Asche über mein virtuelles Haupt.
    Ich betreibe mein privates blog ja auch aus einer gewissen Anonymität heraus. (Zwar mit Foto, und ein Blick auf switch’s who_is offenbart ja meine vollständigen Koordinaten.)
    Aber ich betrachte das nicht als Persilschein für Narrenfreiheit, sondern in erster Linie als ein minimaler Persönlichkeitsschutz für mein privates Umfeld.

  6. @Bobsmile: Auch als „Anonymos“ kann / muss man Anstand und Respekt bewahren.

    @titus: Wenn du recherchierst: Mich würde auch einmal wundern, nach welchen Kriterien die Online-Zeitungen die Kommentare freischalten. Nach der Bekanntgabe von Hilde Fässler, dass sie kandidieren möchte, erschien auf dem Online-Tagi ein Bericht. Die Kommentare dazu liessen meine Haare zu Berge stehen: „Mannweib“ stand da und anderes mehr. Vor allem Frauen spuckten Gift und Galle in Richtung Hilde Fässler, sehr persönlich und weit unter der Gürtellinie.

    Frust ablassen ist das eine; sein Leben bloggenderweise andere Leute auf primitivste Weise fertig zu machen, das andere. Ich möchte mit einem solchen Zeitgenossen nicht einmal 10 Sekunden zusammen in einem Lift stecken.

  7. @Titus:
    Sehr starker Artikel. Gratuliere.
    @ Alice:
    Hilde Fässler ist für mich eine bodenständige Poltikerin mit einem grundsätzlich honorigen, sympathischen Auftritt. Aber als Bundesrätin wünsche ich sie mir nicht. Jetzt hoffe ich, dass ich trotzdem mehr als 10 Sekunden im Lift mitfahren dürfte! 🙂

  8. @Relax: Mit dir fahre ich bis auf den K2 im Lift 😉 Ich hätte Hilde gerne im Bundesrat, weil ich sie als absolut integre Frau kenne, die auch andere Meinungen gelten lässt.

    Es ist ein Unterschied, ob man jemanden nicht im Bundesrat möchte oder ob man dieser Person „Mannweib“ und sonst noch allerlei anderen Schund an den Kopf wirft.

  9. @Alice: Wie das gut tut. Gehe nächstens zu SuisseEMEX 10 und mit deinem Feedback werde ich mich mit gutem Selbstvertrauen in der Masse bewegen. Danke und ja und ich würde mich auch auf die Liftlänge – rauf und runter freuen. Es wäre eine jener raren Genussaktivitäten, die ohne schlechtes Gewissen betreffend Straf-Kategorie auskommen (immoral, illegal or fattening) Also in jedem Fall erstrebenswert.

    Fässler ist eine integre Frau und ihr Verzicht auf Effekthascherei gefällt mit sehr. Aber sie scheint mir auch etwas zu wenig „Biss“ zu haben. Auf jeden Fall, als sie mal in der Arena sagte, dass man anstatt Grübel einen jungen und / oder Arbeit suchenden Banker zum UBS CEO hätte machen können, habe ich zumindest ihre Sachkenntnis in Wirtschaftsfragen auf NULL herabgestuft. Was Grübeli gelesitet hat und leistet, hätte Ackermann und Brad Dougan nicht besser machen können. Und diese Namen sind die besten Koryphäen die es im weltweiten Banking zurzeit gibt.

  10. @ Bobsmile
    Auch wer immer unter dem gleichen Pseudonym schreibt, gibt etwas von seiner (digitalen) Identität preis. Schliesslich ist es nicht der Name, sondern das Handeln, das zählt. Du kannst übrigens auch in einem Grossverteiler einkaufen, ohne dass Du Deinen Namen preisgeben oder ein Pseudonym musst und dies obwohl es hier um eine obligationsrechtliche Angelegenheit geht. Allerdings hatte ich Dich geografisch etwas weiter weg eingeordnet… 🙂

    Interessant ist der letzte Abschnitt aus dem fraglichen Surprise-Artikel: «Wird ein schreibender Heckenschütze konfrontiert, buchstabiert er zumindest im Tonfall zurück. Für die Adressaten ist dies ein schwacher Trost. Denn wer kann schon wissen, ob hinter einer Hassbotschaft ein trauriger Trottel steht oder ein gefährlicher Gewalttäter.»

    @ Alice
    Als Blogbetreiber biete ich zwar gerne eine Plattform zur Diskussion, aber nicht zu Anfeindungen, bei denen man sich im Ton vergreift. Nach meinem Verständnis trage ich nämlich durchs Bereitstellen dieser Plattform auch eine Mitverantwortung (ich werde quasi zum «Mittäter» oder könnte vielleicht sogar der «Beihilfe» bezichtigt werden 🙂 ). Darum finden solche Kommentare hier keinen Platz und werden gelöscht. So ähnlich sehe ich das bei den Zeitungsportalen. Vielleicht braucht es da einfach einmal jemand, der einen Verlag verklagt. Eine juristische Grundlage müsste sich doch finden lassen.

    @ Relax-Senf
    Auch wenn es off-topic ist, frage ich trotzdem nach: Was hat denn Grübel fachlich so besonderes an sich, dass er besser qualifiziert ist als ein Arbeit suchender Banker (ausser vielleicht seinem Beziehungsnetz, das aber nichts mit Fachkompetenz zu tun hat)?

  11. @Relax: Mit dem Grübeli kommen wir in ein Gebiet, wo du und ich uns wohl nie einig werden. Ich bin nicht sicher, ob er wirklich der Richtige ist. Ich hoffe es, aber eben, ich zweifle auch.

    Kürzlich hat mal wieder ein Experte (einer, der in der Finanzwelt Gewicht hat … habe vergessen, wie der Mann heisst), den nächsten Crash vorausgesagt. Auf innerhalb der nächsten zehn Jahre. WENN. Wenn wir nicht die Spielregeln grundlegend ändern und neu festlegen und vor allem wenn wir den CH-Grossbanken nicht das Klumpenrisiko nehmen. Im Moment deutet alles in eine andere Richtung. Das macht mir eine Heidenangst. Ich war und bin nämlich der Überzeugung des oben genannten Experten. Wir werden in kurz- oder mittelfristig wieder geradewegs gegen die Wand fahren. Mit Folgen, die wir nicht mehr abfangen können. Ob das der Grübeli – wie du ihn liebevoll nennst – wirklich geschnallt hat, wage ich zu bezweifeln.

    Wir müssten uns also beim Liftfahren auf ein Tabuthema einigen: Die Banken und die Finanzwelt. Weil: Bei der alleinigen Erwähnung des Namens Dougan bilden sich rote und grüne Flecken auf meiner Haut, der Ackermann darf gerne bleiben, wo er ist (in Deutschland). Und bevor es grenzwertig wird und ich das werde, wogegen ich mich hier so laut ausspreche, nämlich ausfallend, gehe ich E-Gitarre spielen (wunderbare Aggressionstherapie).

    Ganz herzliche Grüsse

    Alice

  12. Zum Thema Online-Zeitungen und Kommentare, bei mir wurde mal ein ziemlich kritischer Kommentar nicht freigeschaltet, als ich dann den selben Kommentar etwas später unter einem fiktiven weiblichen Namen nochmals sendete, war er freigeschaltet.

    Warum? Es war der selbe Inhalt, warum also den vorherigen nicht? Und vor allem, weshalb hat niemand bemerkt, dass es der selbe war?

  13. @Titus: Ist es eine Frage um mich aus der Reserve zu locken oder schlichtes Unverständnis im Umgang mit einem Thema mit dem man sich nicht wirklich auskennt?

    Ein Banker der Arbeit sucht, wird von mir nicht abwertend verwendet sondern zur Illustration, dass sich Frau Fässler mit ihrer seinerzeitigen Aussage in der Arena-Sendung, einen Bärendienst erwiesen hat. Diese Aussage hätte an einem Comedy Event einen riesigen Heiterkeitsbrüller im Publikum ausgelöst. Für wirtschaftlich interessierte Schweizer ist sie seither keine valable BR-Kandidatin mehr. Bei der Suche dem richtigen Kaliber als CEO auf einem „Riesentanker in schwerer See“ hat man ja nicht nur keine Arbeit suchenden Banker ignoriert sondern auch hunderte von Bankern in aktuellen Top-Positionen bei der Konkurrenz, für nicht NICHT gut genug empfunden.

    Bei Bank- und Wirtschaftsthemen fühlen sich die Leute immer schnell für genügend qualifiziert um kritisieren zu können. Kämen die gleichen Leute auf die Idee, nur weil jemand den Führerausweis hat, könnten diese Personen Formel 1 Rennen fahren! Kann man einen Teamausfall für Ski-Weltcup-Abfahrten mit einem Schweizer in Ordnung bringen, der Ski fahren kann? Den Nati Goali mit einem x beliebigen Fussballer ersetzen?

    Grübel hatte schon vor der UBS-Anstellung einen Leistungsausweis, wie ihn kaum ein anderer Banker zu bieten hat. Er war Chef Investment Banking CS bevor er das ungenügend erfolgreiche CS Private Banking übernommen hat. Er hat freiwillig den Hut genommen, als ihm Lukas Mühlemann, EX-CEO CS, seinen Buddy Wellinger vor die Nase gesetzt hat. Wohin es führt, wenn, Akademiker und erfolgreiche McKinsey Kader , aber NICHTBANKER – das Sagen haben, ist ja unbestritten aktenkundig. Als die CS am Abgrund stand – nicht soo lange her aber bei den Leuten schon wieder vergessen – hat man Grübel geholt und Grübel hat die CS gerettet. GERETTET.

    Auch die Auferstehung der UBS ist, neben anderen Faktoren, letztlich und massgeblich Grübel zu verdanken. Und wenn Grübel dafür am Schluss z. B. 100 Millionen Bonus bekommt, ist dies ein absolut vertretbarer Bonus, welcher der Schweiz MILLIARDEN an Kosten erspart. Leute die UBS Aktien halten, gönnen dem Grübel auch einen fetten Bonus, wenn der Aktienkurs sich wieder in Richtung der Kurse von vor der Krise bewegt. Die Kritik am Bonus kommt mehrheitlich von Leuten die keine UBS Aktionäre sind und keinen Grund zur Kritik gibt es auch bei all jenen Schweizern die fast so gut wie keine Steuern bezahlen und das sind sehr viele Schweizer.

  14. „Fast so gut wie keine Steuern“ bezahlen einfache Menschen, die den ganzen Tag arbeiten, aber dummerweise nicht mit Geld Geld verdienen, sondern mit realer Arbeit, die heute zum Teil so schlecht bezahlt ist, dass man – als Familie mit Kindern – tatsächlich nur noch wenige Steuern bezahlen muss. Diesen ihr Recht auf Abgestossensein von Riesenboni abzuprechen, wie du das durch die Blume tust, stellt diese Menschen in eine Ecke, in die sie nicht gehören.

    Wir können aber auch gerne von Familien sprechen, die viel Steuern bezahlen: Ich habe kürzlich mit Entsetzen festgestellt, dass wir aus irgendeinem uralten Anlagevehikel, das nicht funktioniert hat, noch UBS-Aktien haben – leider kam dieses Feststellen für die UBS Generalversamlung ein paar Tage zu spät, sonst hätte ich meine Stimmen Ethos oder der SP übertragen. Sprich: Der Gabathuler-Haushalt hat in irgendeinem symbolischen Abfalleimer UBS-Aktien. Der Gabathuler-Haushalt zahlt jede Menge Steuern. Im Gabathuler Haushalt empfinden alle vier Menschen unisono Grübels Bonus als pervers. Familien wie unsere kenne ich noch mehr. Soooo einfach ist das also nicht.

    Zu Hilde Fässler: Wenn man jeden Politiker für einzelne Aussagen, die er macht, der Lachhaftigkeit preisgibt, wären alle im Zirkus – als Clowns.

  15. Nein, ich will Dich nicht aus der Reserve locken. Ich versuche mich zu erklären:

    Wir gehen häufig davon aus, dass jemand in einer Top-Position ist, weil er einfach ziemlich gut ist. Das mag durchaus zutreffen und stelle ich nicht kategorisch in Abrede.

    Doch seien wir auch realistisch: Es sind vielfach nicht nur harte, messbare (Erfolgs-)Kriterien, die darüber entscheiden, ob jemand aufsteigt und eine Top-Position einnimmt, sondern es ist sehr oft auch «die Chemie» (Sympathie/Antipathie), also ob einem jemand passt oder nicht und ob er mit seiner Art, seinem Wesen und mit seinen Visionen oder Ideen (deren Erfolgschance sich im Voraus nicht messen lässt) in einem bestehenden Kreis reinpasst.

    Der arbeitslose Banker war vielleicht einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort oder hatte eben eine Nase, die seinem Vorgesetzten nicht gefiel und schon steht er auf der Strasse, obschon er Grossartiges hätte leisten können, hätte man ihn unterstützt, gefördert und gefordert.

    Ein anderer Punkt betrifft die Frage der Messung des Erfolgs. Nach meiner Auffassung lässt sich der Erfolg nur schwer messen, weil die Bedingungen nie die Gleichen sind. Darum erscheint es mir zu einfach zu sagen, «der Neue» hat den Karren aus dem Dreck gezogen. Nach unzähligen Milliarden von Abschreibungen, nachdem man die alte Führungsriege quasi zum Teufel gejagt hat, nachdem man Milliarden an Ramschpapieren der Nationalbank verkauft hat, nachdem man eine Milliardenspritze vom Staat erhalten hat und nachdem sich die Finanzmärkt wieder beruhigt und die Wirtschaft sich wieder erholt hat, kann es doch mit «dem Neuen» eigentlich nur aufwärts gehen…

    Beide Punkte, zur richtigen Zeit am richtigen Ort bei den richtigen Leuten wie auch die veränderten (Markt-)Bedingungen, welche ein Vergleich oder ein Sich-gegenseitiges-messen gar nicht erlauben, beziehen sich nicht nur auf Banker oder die Finanzbranche. Man darf sie durchaus auch auf andere Grossunternehmen verallgemeinern.

    Aus diesen Überlegungen frage ich mich, was denn Grübel fachlich so Besonderes an sich hat, das ihn qualifiziert, besser als alle anderen (und damit auch als seine Vorgänger) zu sein.

    Übrigens hört man hin und wieder auch ehemalige Manager, die über ihre vergangene Arbeit und ihre zurückliegenden Erfolge sagen: Ich hatte einfach nur unglaublich viel Glück…

  16. @Titus: Alles richtig beschrieben, d.h. grundsätzlich könnte man es so belassen. Es könnte auch arrogant und desinteressiert wirken. Ein Versuch Übersicht hinzubekommen.
    a) Erfolg hat immer auch mit Aspekten zu tun, die ausserhalb der eigenen Kontrolle liegen. Dies trifft nicht nur auf die Gefeuerten zu sondern auch auf die Erfolgreichen. Nicht nur die Betroffenen sondern auch das Umfeld nimmt es jedoch immer differenziert wahr, d.h. je danach positiv oder negativ.
    b)Die Vermittlung von arbeitslosen Bankern in neue Jobs war ein Teil meiner Aktivitäten und ein Stellensuchender hat die Qualitäten die Ausbildung und Arbeitspraxis belegen. Daher begegne ich jenen die ungekündigt sind und solchen ohne aktuellen Job, mit derselben korrekten Professionalität. Mein Urteil bilde ich mir nicht aufgrund von Papier sondern durch ein Gespräch.
    c) „Erfolg ist nur schwer zu messen.“ Absolut korrekt, trotzdem müssen wir es tun und tun es auch, wobei die Meinung von Chef und Untergebener immer unterschiedlich ausfallen kann. Meistens lassen sich aber Dinge messen, mit internen und externen Tools, Modellen, Zahlen, etc. etc. Und selbst wenn s nicht möglich ist, so ist das Leben. Deshalb lassen sich erzielte Erfolge auch nicht einfach wiederholen, wenn man als Chef den Job wechselt, denn auch das Team spielt immer eine wichtige Rolle.
    d) Betreffend Grübel meine ich, dass die Ausführungen zuvor bereits darlegen, warum er der richtige ist. Grübel hat die CS saniert. Es gibt keinen zweiten Banker in der Schweiz, der diesen Erfolg mit einer Grossbank vorzeigen kann. Dass die CS weitaus besser durch die Krise gekommen ist, als eine der ganz wenigen internationalen Grossbanken – neben der Deutschen Bank mit Ackermann – ohne Staatshilfe, ist auch ein Verdienst von Grübel, weil bereits zu seiner aktiven Zeit als CS CEO die Risiken zurückgeführt wurden.

    Grübel hat harte Entscheidungen fällen müssen, „lebendiges Fleisch“ abgeschnitten, damit der Patient eine Chance zum Überleben bekommen hat. Da muss man seine Sache SEHR GUT verstehen, denn ein falscher Schnitt und der Patient verblutet oder liegt im Koma, sprich weitere Milliarden vom Staat sind nötig.

    Wenn Titus einen echten Banker auftreibt der behauptet, er hätte dem Grübel seinen Job machen können, lass ich eine Flasche Wein springen.

    Sorry Alice, Antwort für dich gibt es in einer anderen Night session!!

  17. @Alice: Da habe ich ja wieder etwas angestellt, das ich gar nicht wollte. Qollte nicht bei dir den UBS/BONI Nerv treffen. Alice, ich gebe dir recht, dass es ein gesellschaftliches Problem ist, wenn Leute in Vollzeitjobs ausüben und trotzdem nicht davon leben können. Aber die Ursache dafür liegt nicht bei den Banken. Es ist ein Problem der Gesellschaft, wodurch es wieder zu einem Problem der Politik wird. Xorry, wer sich auf dem Arbeitsmarkt mit Qualitäten anbieten muss, die Millionen andere auch anbieten können, erhält einen entsprechenden Lohn. Die Politik kann Mindestlöhne einführen. Wird einen Teil Menschen helfen, andere Menschen vollens ins Elend stürzen, weil Menschen durch Maschinen ersetzt werden – wenn es sich rechnet – und weil Arbeitsplätze ins Ausland abwandern werden. Ausser in Bloggerkreisen, wird man auf der Strasse auch nicht rasach eine grössere Anzahl Leute finden, die freiwillig beim täglichen Einkauf oder für Dienstleistungen mehr bezahlen würden. Beispiel: Auf den Zürcher S-Bahn soll die Zugbegleitung ab 22.00 reduziert werden und die Gwerkschaft redet von einem Abbau von 300 Stellen. Also ich bin dafür, dass die Zugbegleiter nicht abgebaut sondern erhöht werden. Wenn die Ticketpreise verdoppelt werden müssten und darüber abgestimmt werden muss, was glaubst du was dabei heraus kommt? Ich weiss es auch nicht, aber vermute eine Ablehnung. Sprich 300 Jobs gehen verloren.

    Grübels Bonus, kennst du den? Grübel hat den Job für ein Butterbrot angenommen, weil es ihm um Rum und Ehre geht. Ich lasse gerne alle Kritik und Beschimpfungen an Teilen der alten UBS Crew zu, aber die Wut auf Grübel verstehe ich nicht. Den Dampfer wieder zurück auf Kurs und in ruhigere Gewässer zu bringen, ist Grübels Job und wenn er den richtig erledigt, hat er einen fetten Bonus verdient. Entscheiden werden dies die Aktionäre und die werden in der Mehrheit zustimmen, weil sie Grübels Arbeit an ihrem Depotwert ablesen können.

    Zu Hilde Fässler habe ich bereits zuvor gesagt, dass ich sie als Mensch sympathisch finde, etc. Aber eine andere Wahlmeinung darf ich schon haben, oder?

  18. @Relax: Eine andere Wahlmeinung haben? Ja, geht’s denn noch? (LOL). Okay, werden wir ernst:

    Leider hast du völlig recht mit unserer absoluten Nichtbereitschaft, für gute Dienstleistungen und (Handwerks)arbeit mehr zu bezahlen. In diesem Bezug kränkelt unsere Gesellschaft tatsächlich extrem. Nehmen wir die von dir angesprochenen Zugbegleiter: Wenn die Sache dann aus dem Ruder läuft, schreien wir, schreien unsere Politiker, nach mehr Polizei, und weil wir wahrscheinlich auch nicht gewillt sind, mehr Steuern für mehr Polizisten zu bezahlen, gibt’s dann als Placebomassnahme Videokameras. Oder die Leute fahren wie die Irren über die Grenze, grasen die (ausländischen) Einkaufszentren ab und empören sich dann darüber, wenn sich die Arbeitsbedingungen für unser Verkaufspersonal (plus all dem Personal in den Zulieferfirmen unserer Einkaufszentren) verschlechtern. Es sind – auch da hast du leider recht – dieselben Menschen, die sich dann lauthals über den Grübel ärgern. Das hat dann schon irgendwas sehr Schräges an sich.

    Zum Grübel habe ich – wie mehrfach angesprochen – ein zwiespältiges Verhältnis. Einerseits bewundere ich den Mann alleine schon dafür, den Job überhaupt übernommen zu haben, auch dafür, was er erreicht hat, aber gleichzeitig stelle ich mir die bange Frage, ob er nicht zu sehr in Ansichten gefangen ist, die uns nicht guttun werden. Wobei das meiner Meinung nach weniger sein Problem ist als das unserer Politik, die dieser Stärke nichts entgegenzusetzen hat. Was hat man nicht alles von Massnahmen gesprochen … wo sind die Taten geblieben? Ich glaube, es war sogar Grübel, der gesagt hat, es brauche Regeln. Es würde Politiker brauchen, die sich auf Augenhöhe mit Grübel – und generell Vertretern der Finanzwelt – auseinandersetzen könnten. Würde. Könnten. Da liegt eines der vielen Probleme, die wir haben.

    Gegen einen Bonus für Grübel habe ich nichts. Dummerweise ist ein „fetter“ Bonus dann wieder so einer, der für mich in Höhenlagen liegt, vor denen mir ekelt. Ich verstehe, warum das so ist (200’000 Franken wären in Grübels Welt eine Beleidigung, wenn nicht gar Degradierung) und deshalb möchte ich die ganze Geschichte nicht an Grübel aufhängen, sondern generell an dem von dir angesprochenen gesellschaftlichen Problem. Es ist etwas gewaltig aus dem Ruder gelaufen in unserem sozialen Gefüge.

  19. Mit den «gesellschaftlichen Problemen» ist das eben immer so eine Sache (auch ich ertappe mich häufig genug beim Verwenden dieses Begriffs): Sie führen dazu, dass alle und niemand sich angesprochen fühlt…

    Wenn CS-Banker im Durchschnitt fast soviel verdienen wie ein Schweizer Bundesrat, dann ist das eben auch so ein «gesellschaftliches Problem».

    Auf der anderen Seite werden diese Probleme von politischer Seite auf eine Weise angegangen, als ob nationalstaatliche Grenzen dabei eine Rolle spielen würden…

    Ich erlaube mir, dazu auf zwei ältere Beiträge zu verweisen:
    «Boni und die machtlose Politik» (24.05.2009)
    «Blanker Banken-Wahnsinn» (12.02.2010)

    Von Grübel ist da übrigens nicht die Rede 😉

  20. Bei der pfleglichen Behandlung, will ich doch ebenso antworten 🙂

    @Titus: Der Verdienst von einem Schweizer Bundesrat wird immer wieder als Vergleich herangezogen, ist aber ein untauglicher Massstab. Ein KMU-Chef, muss nicht kann aber, locker mehr als ein BR verdienen. Was immer wieder beim BR Vergleich vergessen geht, Macht und Status und Eingang in die Geschichtsbücher, sind höchste immaterielle Güter, für die Blocher und Villiger hohe Hürden in Kauf genommen haben (Verkauf, bzw. vorgezogene Erbvorgänge.) Das Einkommen von Spitzenpolitikern ist immer in allen Ländern weit weg von dem was in der Privatindustrie bezahlt wird. Nach den politischen Ämtern, öffnen sich jedoch ziemlich automatisch Türen für sehr gut bezahlte „Einnahmequellen-Posten.“ Vergessen geht auch immer wieder die tollen Renten, die das „kleine“ Gehalt in letztlich attraktive Sphären aufwerten.

    Banker Boni können schon pervers sein, das habe ich schon vor 2007 zwischendurch gedacht. Nur es kann für mich einfach nicht sein, dass das Stimmvolk über den Markt bestimmt. Wenn es dazu kommt, dann gute Nacht zu dem Anrollen von einer endlosen Wunschliste, was die Leute gerne anders haben wollen.

    @Alice: Danke, dass du mir die Wahl lässt. Finde ich sympathisch und fair, habe ich aber von dir nicht anders erwartet. (nix LOL)

    Die vorherigen Zeilen richten sich ja auch an dich, weshalb ich hier nur ergänze. Die exorbitanten Boni und die Nutzung als Dauerbrenner in den Medien schüren Begehrlichkeiten und können den sozialen Frieden gefährden. Lassen wir die Geldbeträge weg und schauen wir auf die Köpfe, d.h. wie viele Personen davon profitieren und wie viele davon in der Schweiz leben, dann ist es einfach eine Schweinerei wie Medien mit irreführenden Schlagzeilen die Stimmung in der Schweiz aufheizen, weil wir dann von ein paar Duzend, von Hundert oder Zweihundert Personen sprechen. Es weiss es ja niemand genau, auch nicht die Banken. Die kennen immer nur ihre eigenen Zahlen und bei der heute verbreiteten Schädigungsenergie bei Mitarbeitenden, vertrauliche Zahlen / Informationen an die Presse weiter zu geben, werden solche Zahlen möglicherweise bewusst gar nicht eruiert. Auf jeden Fall betreffend vermutete 90 Prozent der Boni in Geldform und 95 Prozent der Boni in Form von Headcount, das Ausland. Weshalb Medien und Menschen in der Schweiz sich über etwas aufregen, das sie nicht zu ändern vermögen.

    Das Boni Thema raubt mir keinen Schlaf und ich finde es unverständlich, dass es ein Dauerbrenner in der Gesellschaft ist. Mich interessiert und beschäftigen z. B. die folgenden zwei Themen.

    a) Krankenversicherung und die tatsächlich verfügbare Deckung. Wenn ich immer etwas dafür tue, also wenig Krankheitskosten produziere, mit fortschreitendem Alter aber immer weniger Leistung beziehen kann, weil wir alle nach geheimen Moral- und Ethikformeln an Wert für die Volkswirtschaft verlieren, wenn wir nicht mehr im Arbeitsprozess stehen !! Pflegebedürftigkeit, Kosten, Einschränkungen und Dahinsiechen, ist ein Thema für das sich zu streiten lohnt. Bei http://www.claudia-klinger.de/digidiary findet eine äusserst spannende und auch deprimierende Diskussion statt.

    b) Die riesigen Gewinne die mit „vergifteten“ Lebensmitteln – ignorieren von gesetzlichen Grenzwerten, verkaufen von abgelaufenen Lebensmitteln etc. – erzielt werden, regen mich sehr auf. Würde ich sogar mit auf die Strasse gehen zum Protestieren. Aber Lebensmittel sind auch so ein schönes Beispiel, dass es die MENSCHEN sind, die Verhältnisse erlauben und begünstigen. Bei jedem Fleischskandal in D in den letzten Jahren, haben die Leute nach wenigen Wochen wieder die BILLIGSTEN Fleischangebote berücksichtigt.

    Ja, Alice die Löhne von Verkaufspersonal / Kassiererinnen etc. sind erbärmlich, aber wenn die Leute für jeden Rappen Differenz zum billigsten Anbieter rennen – und das tun sie – dann kommen die Löhne unter Druck. Die billigsten Anbieter von Putzleistungen bekommen den Zuschlag und logischerweise werden da die Löhne gedrückt, damit die Offerte gehalten und Gewinn erzielt werden kann.

    Ob es viel, wenig oder keinen Bonus gibt ist mir eigentlich egal. Für mich ist jedoch unerklärlich, dass die Leute keine anderen Probleme für ein besseres Leben erkennen. Wenn denn die Boni abgeschafft werden, haben dann die einfachen Menschen etwas davon ??? !!!
    Nein, profitieren tun nur die Aktionäre.

  21. Im Zuge der Google Recherche stosse ich gerade auf diesen Artikel, in dem unsere Firma und damit verbundenen Providerleistungen mit den kritisierten Blogs in Zusammenhang gebracht wird. Auf die betreffenden Inhalte, welche ich nicht kommentieren möchte, haben wir keinerlei Einfluss, erbringen lediglich Domain- und Hosting-Dienstleistungen.
    Freundliche Grüsse, Markus Zimmerli, Movetec GmbH

  22. @ Markus Zimmerli
    Vielen Dank für die Klarstellung.

    Wie Sie sicher selber festgestellt haben, steht Movetec im Artikel oben auch nicht in der Kritik. Sie scheinen vielmehr der bevorzugte Hoster der angesprochenen Personen/Organisationen zu sein, was ich keinesfalls als politisches Statement oder als Kundenpräferenz verstanden haben will.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.