Schluddrig bis professionell

Politische Werbung und Internet – da steckt hierzulande noch vieles in den Kinderschuhen. Interessanterweise kommt manches von privater Seite professioneller daher als von den hochoffiziellen Abstimmungskomitees mit entsprechendem Budget.

Wie hiess doch schon wieder diese Steuer-Initiative der SP? Ach ja: Steuergerechtigkeitsinitiative. So wird es seitens Initianten kommuniziert, so steht es im Abstimmungsbüchlein, so kennen es die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger.

Nur bei der FDP Die Liberalen ist die Rede von der «Steuerharmonisierungsinitiative»:

(Zum Vergrössern anklicken)

Entweder hat da jemand nicht aufgepasst oder es war jemand der Ansicht, dass es klüger sei, diese Initiative anders zu nennen als sie auf dem Abstimmungszettel steht…

Damit Wähler mobilisieren?

So sieht übrigens zurzeit die Website des Mitte-Parteien-Komitees für den Gegenvorschlag und gegen die Initiative aus:

(Zum Vergrössern anklicken)

Gähnend langweilig. Die Hälfte der Links in der Navigationsleiste links funktioniert nicht und sollte vermutlich gar nicht erst angezeigt werden – und sowas 10 Tage vor der Abstimmung…

Auf diese Website gestossen ist man übrigens über dieses Video für die «Generation 50plus» (so könnte man meinen), in welchem die fragliche Internet-Adresse angegeben wird:

 

Zwei der vier Protagonisten stehen im schummrigen Licht des Bundeshaus-Eingangs mit entsprechendem Geräusch-Pegel im Hintergrund und scheinen wohl zwischen zwei Kommissionssitzungen befragt worden zu sein – so zumindest der Eindruck. Man braucht kein Profi zu sein, um das als schnuddrig und halbherzig einstufen zu können.

Ein anderes Video, welches sich inhaltlich nicht vom vorherigen unterscheidet, kommt nur leicht peppiger daher und scheint demnach eher für die «Generation 30plus» zu sein:

Haben Sie’s auch gesehen? Selbst die Mitte-Parteien bedienen sich nun auch des Sinnbilds der schwarzen (und echten) Schafe. Damit wird zum schwarzen Schaf, wer bisher noch nie schwarze Schafe verwendet hatte…

Die Anlehnung an schwarze Schafe kommt vermutlich daher, dass man in Sachen Steuergerechtigkeitsinitiative mit der SVP zusammengespannt hatte, denn auch beim nachfolgenden Video wurden die Aufnahmen unter den gleich schlechten Bedingungen gedreht:

(Hinter Toni Brunner war übrigens noch eine Besuchergruppe zu sehen…)

Private: Erfrischend professionell

Ganz anders Tsigan mit «Mini Schwiz». Das Video selbst ist zwar nicht der Renner, dafür wurde die Musik professionell eingespielt und produziert:

Das kann man noch steigern. Zum Beispiel damit:

(Vielen Dank, wahrscheinlich!)

Die Beispiele oben sind sicher nicht abschliessend. Trotzdem ist die Annahme wohl kaum falsch, dass es noch einige Zeit brauchen wird, bis man die Wählenden oder Stimmenden zu Hause vor den Computer-Bildschirmen erreicht.

Denn mit dem, was heute von den offiziellen Seiten her geboten wird, erreicht und überzeugt man kaum jemanden. Dafür reicht diese eher klassische Mach-Art nicht.

3 Antworten auf „Schluddrig bis professionell“

  1. @ wahrscheinlich
    Jä so!

    Dieser Gedanke ging mir auch durch den Kopf, als ich gestern andere Videos vor allem betreffend SVP anschaute. Einige Male musste ich aufs Upload-Datum schauen, weil ich meinte, dass das ein aktuelles Filmi sei… (das schwarze Schaf kennen wir ja bereits schon von früheren Kampagnen).

  2. Solange nicht endlich jede und jeder sein Kärtchen mit einer offiziellen und nachweislich sicheren digitalen Unterschrift hat und ich dann endlich online ohne lästiges Papier abstimmen kann, solange interessieren mich auch die Online-Partei-Seiten einen feuchten!

    Alle reden von digitaler Zukunft, doch solange nicht mal die Basics da sind, sollten die einfach alle ruhig sein. Nur schon, dass die Cablecom immer noch Analogsender hat und die Digitalen mit ihrem blöden CI+ Müll für den Grossteil der Bevölkerung unbrauchbar gemacht hat und es der Bund nach wie vor nicht für nötig hält da einzuschreiten, spricht Bände.

    Nur, ich bin eben ein «Homo Digitalis», deshalb kann ich nicht viel anfangen mit Papier und so Zeugs, wenn jeweils das Abstimmungscouvert kommt regt es mich nur auf weil wieder Platz in einem Zürisack dafür verschwenden werden muss wie für all den restlichen Papiermüll der da täglich reingeworfen wird.

    Ich leere den Briefkasten ohnehin nicht täglich, bestenfalls so 1-2 mal im Monat, ist für mich ohnehin ein lästiger Anachronismus dieser Briefkasten. Und gerade jetzt wo man ohnehin nie weiss wann die Post eigentlich kommt, bald nutzlos, ausser für Pakete natürlich, wobei auch die von anderen, besseren Dienstleister bis vor die Tür gebracht werden.

    Naja, anscheinend werden eben auch so Parteiseiten von «Homo Analogus» ausgedacht, deshalb sprechen die «Homo Digitalis» nicht an, im übrigen weiss man heute auch der «Homo Digitalis» ist viel schneller, aufnahmefähiger, parallelisierter als der «Homo Analogus», auch die Welt des «Homo Digitalis» ist anders als die des «Homo Analogus», denn der «Homo Analogus» konzentriert sich meist auf sein kleines Gebiet, dass für ihn die Welt ist, für den «Homo Digitalis» dagegen ist die ganze Welt und noch ganz andere Welten, sein Gebiet, dass sich zusätzlich auch noch ständig expandiert.

    («Homo Digitalis» «Homo Analogus»)

    Und mir scheint gerade in der Politik und so Beamtendingen sind vor allem «Homo Analogus» tätig, einfach zu erkennen an ihren Vorlieben für Papier, ihrer langsamen Arbeitsweise und ihrem pedantischen Festhalten an alten Strukturen, nun, mögen sie bald aussterben und Platz für die neue aufstrebende Menschenrasse der «Homo Digitalis» machen.

    Dann klappt es dann auch endlich mit allem anderen besser…

    Denn der Unterschied zwischen «Homo Analogus» und «Homo Digitalis» wird ständig grösser, schon heute verstehen sich die beiden kaum noch, das wird kein gutes Ende nehmen.

    *rofl*

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.