Das Jahreshoroskop 2011

Was bringt das Jahr 2011 der Schweiz? Wie werden die Wahlen im Herbst ausgehen und wie verläuft deren Wahlkampf? Welche Bundesräte treten bald zurück?

Bereits im letzten Jahr präsentierte die Augenreiberei ein exklusives Jahreshoroskop zur Schweiz. Die darin gemachten Vorhersagen trafen allesamt zu.

Trotzdem: Weil manchmal Wolken vor den Sternen liegen, sind genauere Vorhersagen immer schwierig zu erstellen. Darum wurden für das diesjährige Jahreshoroskop zusätzlich noch Karten gelegt, die Kristallkugel befragt und die Zeichen der Natur gedeutet. Es ist somit mehr als nur ein Horoskop, es ist die ultimative Jahresvorschau fürs Jahr 2011!

Januar

Der Bundesrat steht schon ganz zu Beginn des Jahres im Zentrum des medialen Interesses und zwar nicht im positiven Sinne. Anlass zur Kritik gibt das neue Bundesratsföteli:

Bundesrat 2011

Dies wird auch dadurch unterstrichen, dass im Gegenzug die Mode- und Stilberater im Januar ein positives mediales Hoch erleben. Da die Neujahrsansprache der Bundespräsidentin sich stark mit dem Bundesrat selbst beschäftigte, könnte es sein, dass in Folge einer Mode- und Stilberatung in Zukunft

  • eher die Finanzministerin und nicht die Infrastruktur-Ministerin den Gürtel eng zugeschnallt haben wird,
  • die Infrastruktur-Ministerin nur noch Schuhe mit tiefen Absätzen trägt statt solche, die an mangelnden Hochwasserschutz erinnern,
  • sich der Verteidigungsminister bald nicht mehr als heimlicher SP-Sympathisant aufgrund seiner Krawatten-Farbe verrät und dass
  • die jetzige Finanz- und ehemalige Justizministerin nicht mehr Strümpfe trägt, die doch arg an Gefängnisgitter erinnern…

Februar

Wikileaks veröffentlicht neue US-Botschaftsdepeschen, welche die Schweiz betreffen. Darin werden dem Schweizer Botschaftspersonal in allen Herren Ländern schlechte Noten in Sachen Sprachkompetenzen ausgestellt.

Dieses niederschmetternde Urteil fürs Botschaftspersonal trifft allerdings auch die SVP. Letztere will nämlich, dass einreise- und arbeitswillige Ausländer einem Sprachentest auf der jeweiligen Botschaft zu absolvieren hätten, bevor sie Schweizer Boden betreten.

Die Kristallkugel verrät zudem, dass sich der Verband Schweizer Botschafter (VSB) in alle Richtungen wehrt. So kontert der VSB den fraglichen Vorwurf gegenüber den USA damit, dass diese noch immer glaubten, alle Welt würde nur englisch sprechen.

An die Adresse der SVP gerichtet schlägt der VSB vor, dass alle Kandidaten der anstehenden National- und Ständeratswahlen eine Botschaft nach freier Wahl aufsuchen sollen, um sich selber auf ihre Sprachkompetenz prüfen zu lassen.

März

Ueli Maurer hat den Armeebericht 2010 nachgebessert. Er sieht nun vor, dass jeder taugliche Schweizer Bürger nur noch zwei Tage Militärdienst leisten müsse. Am ersten Tag würden die Truppen mit den selbst mitgebrachten Trottinetts irgendwo in den Wald fahren und Zelte aufstellen, um abends am Lagerfeuer gemütlich ein paar Cervelats bräteln und ein paar Schweizer Lieder singen zu können.

Für den zweiten Tag sieht das Programm etwas Drill vor. Geplant ist, dass die Soldaten innert zwanzig Sekunden ein Papierflugzeug basteln können sollen, das einem F/A-18 ähnlich sieht. Wem dies nicht gelingt, hat den Wald aufzuräumen.

April

Die SVP Schweiz kündigt an, dass alt-Bundesrat Christoph Blocher an den kommenden Wahlen im Herbst teilnehmen wird. Er will dabei sowohl für den National- wie auch für den Ständerat kandidieren.

In der Sondersession des Nationalrats reichen verschiedene Vertreter der Mitte-Parteien eine parlamentarische Initiative ein, welche verlangt, dass die gleiche Vereinigung (Verband, Partei usw.) höchstens eine Volksinitiative pro Jahr lancieren dürfe.

Sie sieht zudem vor, dass nach drei aufeinanderfolgenden, abgelehnten Initiativen die fragliche Vereinigung rückwirkend die Hälfte der Kosten für die Durchführung der Abstimmungen zu tragen habe. Damit beabsichtigen die Initianten, die missbräuchliche Verwendung dieses Volksrechts einzuschränken.

Mai

Die SP reagiert auf die Ankündigung der SVP vom April und holt ebenfalls ein altes Schlachtross hervor: Sie schickt alt-Bundesrat Moritz Leuenberger ins Rennen um einen National- und Ständeratssitz im Kanton Zürich.

Juni

Doris Leuthard kündigt an, dass auch Blogs finanziell entschädigt werden sollen, sofern sie zur Meinungsbildung beitragen. Finanziert werden soll dies über die Einsparungen, welche bei der Billag dank jährlicher statt quartalsweiser Rechnungsstellung der Radio- und TV-Gebühren erzielt werden. Vertreter der Printmedien speien daraufhin Feuer.

Die Piratenpartei lanciert ihrerseits den Wahlkampf durch Bekanntgabe von Swissleaks, der ersten rein schweizerischen Whistleblower-Plattform. Für Furore sorgt dabei aber vor allem die Veröffentlichung der zehn grössten Parteien-Finanzierer der bürgerlichen Bundesratsparteien.

Juli

Der im Kanton Appenzell Ausserhoden noch immer beliebte alt-Bundesrat Hans-Rudolf Merz erhält von Parteipräsident Fulvio Pelli die Bitte, für die FDP ins Rennen um einen Ständeratssitz einzusteigen, obschon kein Sitz frei ist und es zu einer Kampfwahl kommen wird.

Merz ist sich nicht einig, weshalb er den Jet für alt-Bundesräte (eine alte Cessna) chartet und ins Tessin fliegt. Die Cessna kommt vorerst nur mit seinem Gepäck zurück.

August

Das Bundesamt für Statistik veröffentlicht erstmals Zahlen nach der neuen Volkszählungsmethode (automatische Datenerhebung). Da in der Schweiz nicht mehr alle Menschen die gleichen Rechte haben, leben demnach auch plötzlich wesentlich weniger Menschen in der Schweiz. Zudem würden sich in der Schweiz nicht wie bisher angenommen 400‘000 Menschen zum Islam bekennen, sondern lediglich 18‘000. Gewisse Parteien bezweifeln diese Zahl.

Derweil informiert das Bundesamt für Sozialversicherungen erstmals über die Krankenkassenprämien fürs 2012. Diese könnten sinken, sollte Cannabis legalisiert werden. Da inzwischen jedoch vielerorts rauchfreie Zonen gelten, ist nicht nur mit Widerstand seitens Pharmaindustrie zu rechnen. Darum will Bernard Rappaz zusammen mit dem Bäckermeister-Verband eine alternative Konsumierungsmöglichkeit in Form von Gebäck auf den Markt bringen.

September

Alt-Bundesrat Pascal Couchepin wird Verwaltungsrat des Krankenversicherers Helsana. Er ahmt damit Moritz Leuenberger nach, der inzwischen Verwaltungsrat von Implenia und neuerdings auch von DHL Schweiz ist.

Derweil erreicht der Wahlkampf einen neuen Höhepunkt. Wie die «NZZ am Sonntag» aufdeckt, hätten sich rund ein Viertel der wieder Kandidierenden für einen Sitz im Parlament einer Schönheitsoperation unterzogen. Die Betroffenen würden sich dank eines attraktiveren Erscheinungsbildes grössere Chancen erhoffen. Pikantes Detail: Die Operationen wurden durch Parteispenden bezahlt.

Oktober

Dieser Monat steht ganz im Zeichen der Wahlen. Egal ob die Sterne, die Karten oder die Kristallkugel befragt werden, sie geben alle die gleiche Antwort: Es entsteht eine Patt-Situation.

Die SVP verliert massiv zugunsten der BDP und FDP. Letztere wiederum verliert zusammen mit der CVP Sitze an die glp. Grüne und SP gewinnen gemeinsam zwar leicht dazu, wobei hier vor allem Sitze von der SP zu den Grünen wechseln.

November

Da sich Tiefseebohrungen auf der Suche nach Erdöl als zu gefährlich erwiesen haben, sucht BP nun in seichteren Gewässern. Das Gesuch um erste Probebohrungen in der Aare wurde jedoch abgelehnt, da man befürchtet, dass dadurch das für die Schweizer AKWs notwendige Kühlwasser ausbleiben könnte. BP wird darum nach einem anderen Gewässer Ausschau halten müssen.

Dezember

Die Gesamterneuerungswahlen des Bundesrats enden in einem Fiasko. Aufgrund der Patt-Situation nach den Wahlen im Oktober sind sich die Parteien uneinig, wer denn nun Anspruch auf wie viele Bundesratssitze hat.

Den Auftakt zu diesem Fiasko bildet die Amtsälteste, Micheline Calmy-Rey, deren Bestätigungswahl zuerst ansteht. Sie wird dabei abgewählt, was zur Folge hat, dass bei den anderen sechs noch anstehenden Wahlen – kumuliert mit einer noch offenen Rechnung betreffend Eveline Widmer-Schlumpf seitens SVP – nichts so herauskommt, wie man es sonst hätte annehmen können.

Letzten Endes ist niemand mit den neugewählten Bundesräten zufrieden, weshalb beide Kammern beschliessen, die Volksinitiative der SVP für eine Volkswahl des Bundesrats im Eilverfahren durchzuwinken. Bei einer Annahme der Initiative im März 2012 dürfte es im Juni 2012 zu ersten Wahlen kommen. Deren Ausgang erfahren Sie in der Jahresvorschau 2012 in einem Jahr…

😉

3 Antworten auf „Das Jahreshoroskop 2011“

  1. Herrlich! Einfach köstlich!

    Für den August könnte Deine Glaskugel recht bekommen. Bekam ich doch am Freitag eine Aufforderung zum ausfüllen der Formulare für die Volkszählung. Als anständiger Bürger füllt man solches sofort aus und retourniert es. Doch halt, stand doch da: „Hat jemand anders in Ihrem Haushalt ebenfalls ein Fragebogenset erhalten? In diesem Fall muss nur ein Fragebogenset ausgefüllt werden. Ausfüllen muss die Person, die als erste im Jahr Geburtstag hat. Wichtig: Bevor Sie das Fragebogenset einer anderen Person wegwerfen, geben Sie hier unten deren Fragebogennummer an.“
    Und? Wenn ich nun meinen Fragebogen schon abgeschickt habe? Heute Montag, kam der nächste, adressiert an meine Tochter, die Geburtstagsmässig den Vorrang hat.

    Also 2 Fragebögen à 3 Personen. Meinst Du die merken das, oder sind wir nun 4 Reformierte und 2 Katholische?

    Auch kann ich mir nicht vorstellen, dass man anhand von 40.000 Fragebögen und 20.000 Telefonaten auf ein paar Monate verteilt, ein effektives Ergebnis reinbringt.
    Wie werden die gezählt, die den Fragebogen nicht ausfüllen, abgebüsst werden (sofern sie dann auch zahlen!) Weiss man dann, wieviele Personen in deren Haushalten leben?

    Und bitteschön, warum muss ich bei einer Volksbefragung angeben, wieviel Mietzins ich zahle? Meiner beläuft sich auf Fr. 3.000.–, behördlich wird immer angegeben das der Schnitt bei Fr. 1.400.– für eine 4 1/2 Zimmer-Wohnung in Zürich liegt (Lach und Kicher!) Stopft man mir nun statistisch 6 Personen in meinen Haushalt (das war nun Spass)

    Und wenn ich nun schon 15 bis 25 min. für das Ausfüllen des Bogens benötige, bekomme ich dann dafür eine Entschädigung? Da ich meine Zeit auch nicht gestohlen habe, kann ich doch sicher einen Abzug in der Steuererklärung machen. Warum? Für jedes kleinste Fötzelchen Papier muss ich auf der Behörde zahlen, obwohl ich die Behörden mit meinen Steuern zahle, aber von mir erwartet man eine Gratisleistung.

    Lies meinen Kommentar mit einem Augenzwinkern, denn augenzwinkernd hab ich ihn auch geschrieben, aber dennoch gebe ich dieser Volkzählung keine Aussage.

  2. Sorry für den kleinen Nachschlag, aber langsam mache ich mir doch ernsthafte Gedanken bezüglich der Richtigkeit dieser Volkszählung, denn was, wenn da der eine oder andere schummelt?
    Gut, spielt ja keine Rolle, wenn der Bauarbeiter schreibt, er hätte einen Hochschulabschluss. Aber wie sieht es aus, wenn der Muslime schreibt, er sei katholisch? Gut, anhand der Kirchensteuer könnte es nachgeprüft werden, wird aber mit Sicherheit nicht gemacht.
    Was bringst, wenn der Albaner ankreuzelt, dass er Deutsch (oder Schweizerdeutsch) denkt.
    Was bringst, wenn der ausländische Eingebürgerte nicht fähig ist, diesen Fragenbogen auszufüllen, geschweige ihn verseht. Siehe Lumengo.

    Dass diese Volkszählung bachab geht, ist vorprogrammiert. Anfänglich hat man in Zürich die Pöstler dazu zweckentfremdet. Nur, wenn ein Pöstler ein Namensschild sieht, weiss er noch lange nicht, wieviele Mitbewohner die Wohnung bewohnen. Scheinbar ist man davon abgekommen, denn gelesen hab ich nie mehr etwas davon.

    Eine Idee hätte ich, aber die wäre für die Betroffenen sehr hart. Der Gemeinderat, von uns gewählt, soll rausgehen und an jeder Türe läuten. In Gemeinden ist es einfach, denn da kennt jeder jeden. In der Stadt hingegen können sie sich aufteilen, denn jedes Haus hat Wohnungen und jede Wohnung hat Bewohner.
    Da könnten sie ja gleichzeitig noch auf Wahlfang gehen, anstatt Apfelessend und Zeitunglesend die Mittwochsitzungen, von uns Steuerzahlern finanziert, abzusitzen. Jass- und Skiveranstaltungen führen sie ja auch durch, warum sich nicht mal für die Eidgenossenschaft einsetzen! Abgesehen, den Nationalräten täte es auch nicht schaden, sich „nach“ ihrer Wahl wieder mal unters Volk zu mischen. Vor der Wahl drängten sie sich ja auch auf!

    Aber ich weiss jetzt schon wie es rauskommen würde. Jeder würde deligieren und das wär dann auch nicht der Sinn von der Sache.

  3. Ich hatte das Thema bereits vor knapp einem Jahr ausführlich abgehandelt, hier fängt der erste Teil an.

    Es geht hier nicht darum, die Gesamtheit zu erfassen, sondern einen Durchschnitt. Für eine „normale“ Umfrage genügen 1’000 Befragte, um als repräsentativ zu gelten. Du sprichst oben vom 20- bzw. 40-fache, was wohl einen ziemlich genauen Durchschnitt quer durch die gesamte Bevölkerung liefert.

    Ja, Du könntest gebüsst werden, solltest Du Dich verweigern. Vorher gibt’s allerdings erst noch eine Mahnung.

    Und ja, gib in jedem Fall CHF 3’000.- an, denn nur so wird deutlich, wie Realität und Amtsschimmel auseinander gehen. Aber nein, Du bekommst keine Entschädigung dafür. Stattdessen darfst Du dann am Schluss das Endergebnis über alle Befragten beim Bundesamt für Statistik nachschlagen.

    Zur Frage der Richtigkeit: Glaubst Du nicht eher, dass bei der Steuererklärung geschummelt wird, wo’s um den eigenen Geldbeutel geht als bei einer Volkszählung? Eben.

    Natürlich wird es solche geben, die etwas Falsches angeben (auch dafür kann man gebüsst werden, wenn’s herauskommt). Aber wäre es Dir lieber, dass Volkszählungen nicht auf Selbstdeklaration beruhen, sondern auf einem vollständigen Ausleuchten Deiner Lebensumstände? Darum will ich auch keinen Gemeindevertreter vor der Tür haben, von dem ich nicht weiss, wie viel er wirklich erfragen darf. Den geht es nichts an, wie ich lebe und dies schon gar nicht, wenn ich kein Vertrauen in ihn habe (und ich ihn auch nicht wählte).

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