Die Augenreiberei «behind the scenes»

Nichts ist einfacher, als über sich selbst zu schreiben. Weil die Augenreiberei heute ihren zweiten Geburtstag feiert, gibt es für einmal einen selbstreferentiellen «Blick hinter die Kulissen».

Es soll Leute geben, die die Arbeit hinter einem Blog und dessen Beiträgen masslos unterschätzen. Von zufälliger und unabgesprochener Themenwahl, mangelndem Ehrgeiz, abschreiben bei anderen, fehlenden Fakten und nur dem Wiedergeben der eigenen Meinung, von gedankenlosem Hinausfeuern irgendwelcher Texte, fehlender Wahrnehmung von Pflichten und der Verantwortung für seine Texte und von nicht vorhandenem Stress ist da etwa die Rede.

Auf der Suche nach Antworten

Solche Blogs mag es geben. Dies jedoch von allen Blogs zu behaupten, ist nicht bloss nur eine dumme Verallgemeinerung, sondern stimmt ganz einfach nicht.

Wenn ich nachfolgend relativ offen beschreibe, wie ein Beitrag hier entsteht, so tue ich das nicht im schulterklopfenden Sinne. Ich tue es auch aus der Überzeugung heraus, dass es andernorts mindestens auf mentaler Ebene auch so oder ähnlich abläuft – vielleicht etwas intensiver, vielleicht etwas weniger intensiv und vielleicht nicht so schulmeisterlich und strukturiert, wie sich das unten präsentiert.

Vorab noch ein Wort zur Motivation und dem angeblich mangelnden Ehrgeiz von Bloggenden. Eine Redewendung besagt, dass der Applaus des Künstlers Brot sei. Würden sich Bloggende tatsächlich nach dem richten, würden sie hierzulande kläglich verhungern. Deshalb tut jeder gut daran, sich nach etwas anderem zu richten als nach dem Applaus.

In meinem Fall ist es die Suche nach Antworten. Sollte ich auf solche stossen, so könnte ich diese für mich behalten – oder eben über ein Blog an andere weitergeben. Manchmal hat eine Antwort auch nicht einen absoluten Charakter, sondern es ist nur eine unter vielen möglichen Antworten. In dem Fall kann diese eine unter vielen Antworten hier auf die Probe gestellt werden.

Ich unterscheide im Wesentlichen fünf Etappen bei der Erstellung eines Beitrags, wobei die Grenzen zwischen den Etappen nicht immer klar gezogen werden können:

  1. Themenwahl
  2. Informationsbeschaffung
  3. Reflexion
  4. Schreibarbeit
  5. Aufmachung

Themenwahl

Bei der Themenwahl geht es immer um die folgenden beiden Optionen:

  • Greife ich ein bereits bekanntes (Mainstream-)Thema oder einen Aspekt dazu auf und versuche, dieses Thema oder diesen Aspekt zu vertiefen, weil mir das bisher Gehörte, Gesehene oder Gelesen (noch) nicht reicht oder
  • greife ich ein komplett neues, «unabhängiges» Thema auf?

Wie bereits erwähnt, gibt es manchmal fliessende Grenzen zwischen den Etappen. Hier liegt so eine vor gegenüber der Informationsbeschaffung. Konkret: Finden sich keine Informationen zu einem Thema oder einem Aspekt oder «brennt» man bei einer Nachfrage nach Informationen an, lautet die Devise: Zurück auf Feld 1.

Das heisst auch, dass gewisse Themen von langer Hand geplant sein können und nicht so zufällig gewählt werden, wie das einige vielleicht denken. Es heisst aber auch, dass gewisse Themen fallen gelassen werden müssen, weil da nichts ist, obschon man meinte, da wäre etwas.

Über diese «Leerläufe» – sie halten sich in Grenzen – erfährt niemand etwas, genauso wie auch niemand etwas davon erfährt, dass es bei gewissen Themen durchaus Gespräche im Hintergrund mit anderen Bloggenden oder mit Mitlesern geben kann. Ganz so einsame Pfadfinder, wie das selbsternannte «professionelle Beobachter» glauben, sind Bloggende dann doch nicht.

Die Themenwahl wird auch bestimmt durch die zeitlichen Ressourcen. Es gibt immer mehr Themen, die man aufgreifen möchte, als man aus zeitlichen Gründen behandeln kann.

Allerdings: Ein Blog muss nicht tagesaktuell sein. Das erlaubt, auch noch Tage oder Wochen später ein Thema zu vertiefen, welches nicht mehr aktuell ist. Das ist auch nicht so schlecht, denn die Halbwertszeit gewisser Ereignisse ist in den «etablierten Medien» manchmal viel zu kurz um sich auch einige reflektierende Gedanken über diese Ereignisse machen zu können.

Informationsbeschaffung

Ich suche nach Antworten, und die finde ich nicht, indem ich nur Dinge «aus dem Bauch heraus» in die Welt hinaus posaune. Die finde ich für gewisse Themen nur, indem ich mich mit dem jeweiligen Thema auseinandersetze und mich darüber informiere.

In dieser Etappe geht es um die Suche nach Fakten und zwar möglichst an der Quelle. Letzteres ist aus zeitlichen Gründen nicht immer möglich, da ich nicht immer an der Quelle nach einer Bestätigung einer Information aus einer Zweitquelle nachfragen kann. So kann es dann mit Bezug auf eine (verlinkte) Zweitquelle vorsichtshalber schon einmal heissen: «…es scheint, dass…», «…er liess kürzlich verlauten, dass…»,  «…glaubt man dem, was…» usw.

Die Informationsbeschaffung ist nicht zuletzt wegen des breiten Spektrums der hier häufig behandelten Schwerpunktthemen Politik und gesellschaftliche Entwicklung äusserst zeitintensiv. Darum finden sich hier immer wieder auch eher reflektierende als recherchierende Beiträge, welche mich vordergründig glauben lassen, diese zeitintensive Etappe der Informationsbeschaffung «umgehen» zu können.

Weil damit aber häufig auch eine Art Begründungspflicht einhergeht um so den Lesenden zu verdeutlichen, weshalb ich auf diese oder jene Überlegung gekommen bin, besteht schnell einmal die Gefahr, eine Behauptung aufzustellen. Darum komme ich vielfach dann doch nicht darum herum, mich übers eine oder andere Detail zu informieren, bevor ich irgendwelche Schlüsse ziehe.

Reflexion

Hier geht es im Anschluss an die Informationsbeschaffung um die folgenden Punkte:

  • Was habe ich von wem wie und wo erfahren? Was will mir der Urheber sagen?
  • Warum will mir der Urheber genau das sagen?
  • Was sagt mir der Urheber nicht? Was vermisse ich?
  • Warum sagt mir der Urherber etwas nicht? Was könnten mögliche Gründe dafür sein?
  • Welche Aspekte aus dem, was ich erfahren habe, aus dem, was ich nicht erfahren habe und aus dem, was ich mir überlegt habe, will ich (zusammenfassend) aufnehmen ohne durch mögliche Weglassungen (weil zusammenfassend) den Sinn zu entstellen?

Auch hier kann ich nicht immer eine klare Grenze zur nächsten Etappe ziehen, dem eigentlichen Schreiben des Beitrags. Oftmals wird man sich erst dann einer Sache bewusst, wenn man diese versucht, in Worte zu fassen und dabei über einen Punkt stolpert, den ich noch nicht ganz zu Ende gedacht habe (oder den ich nicht so schreiben kann, wie ursprünglich beabsichtigt).

Schreibarbeit

Einfacher wäre es ja, wenn man tatsächlich nur irgendwo etwas abschreiben könnte. Copy-Paste kommt in der Augenreiberei aber nur für Zitate zur Anwendung.

Das, was man zuvor erfahren, sich überlegt hat und «rüber bringen» will, das in Worte zu fassen und in eine einigermassen logische Struktur und «in einen Guss» zu bringen, ist für mich nicht selten harte Knochenarbeit.

Die Freiheit zu haben, in der Länge keinem Limit zu unterstehen, ist dabei manchmal Fluch und Segen zugleich. So können Details aufgegriffen werden, die bei einer Längenlimite als nicht relevant taxiert würden, die es aber manchmal «in sich haben», insbesondere wenn eine Reihe solcher Details auftauchen, die als Gesamtes ein anderes als das «detaillose» Bild abgeben. Aber man kann sich auch in Details verrennen und muss dann wieder den Weg zurückfinden.

Zur Schreibarbeit gehört vor allem auch das Verschärfen oder Abschwächen von Aussagen, denn: Narrenfreiheit gibt es auch für Blogs nicht, sie unterstehen ebenso dem geltenden Recht wie alle Beiträge, welche über andere Medien an die Öffentlichkeit gelangen. Üble Nachrede oder verleumderische Aussagen wären auch in Blogs möglich, können geahndet werden und sind darum vorzugsweise zu vermeiden…

Das gilt für mich aus Prinzip in gleicher Weise für Kommentare. Ich biete hier keine Plattform an, um andere über Gebühr «schlecht» zu machen. Wer das machen will, soll sich ein eigenes Blog aufbauen.

Was ich bezüglich «Schärfe» des Tons in Beiträgen und Kommentaren empfehlen kann, ist die folgende Faustregel: Schreibe die Dinge nur so, wie Du sie den Betroffenen bestimmt aber respektvoll auch direkt ins Gesicht sagen könntest. Man ereifert sich manchmal ja gar zu schnell ob einer Sache, wenn man nur einen Bildschirm vor sich sieht…

Aufmachung

Diese letzte Etappe ist auch nicht ganz ohne. Hier geht es darum, den Titel zu setzen (oder ihn anzupassen), Zwischentitel zu setzen um aufzulockern und zum «Dranbleiben» zu animieren, eine kurze Einleitung zu schreiben, mindestens die wichtigsten Fakten als Beleg dafür, dass man sich diese nicht aus den Finger gesaugt hat, zu verlinken und Tabellen, Bilder oder meistens selbsterstellte Grafiken einzubinden und gegebenenfalls mit einer kurzen Beschreibung zu versehen.

Schliesslich folgt das wiederholte Durchlesen und Abrunden des Textes. Manche Fehler schleichen sich trotzdem ein und manchmal «holpert» ein Text trotzdem etwas. Das ist Absicht, denn schliesslich soll man auch noch sehen, dass dies ein privates Blog ist 😉 .

Keine «5-Minuten-Übung»

Die Zeit, welche ich fürs Bloggen aufwende, ist ein streng gehütetes Betriebsgeheimnis. Doch soviel sei gesagt: Kein einziger Artikel ist in fünf Minuten erstellt. Nur schon das «Einarbeiten» in ein Thema mittels Suche und Sichtung von Unterlagen im Rahmen der Informationsbeschaffung kann in die Stunden gehen.

Über etwas zu schreiben, das ich nicht oder nicht vollständig gelesen habe, halte ich für gefährlich, denn wenn ich nicht bloss eine halbe Antwort finden will, muss ich auch bereit sein, mich mit jenen Details zu beschäftigen, in denen manchmal der Teufel steckt.

Halbwahrheiten oder Unausgesprochenes finden sich schliesslich anderswo schon zur Genüge…

18 Antworten auf „Die Augenreiberei «behind the scenes»“

  1. gratuliere zum 2. geburi. respekt.

    merci für den einblick ins backoffice. so akribisch wie du machen das ja nur wenige blogger. eindrücklich.

    ich wünsche weiterhin frohes schaffen.

  2. Ich verneige mich vor deiner strukturierten Vorgehensweise 🙂 nicht, dass ich das nicht vermutet hätte, man merkt das deinen Artikeln auch an, dass da viel Arbeit und Überlegungen dahinterstecken.

    Ich hingegen fange oft einfach mal an mit Schreiben mit einer groben Vorstellung worum es in etwa gehen soll (oh jeh…, wenn DAS bobby california liest… ;-)), und frage mich dann zuweilen ob der Leser, die Leserin den Gedankensaltis und unvermittelten Richtungswechseln wohl überhaupt noch folgen kann (oder mag). Nicht, dass da nicht auch viel Recherche und Nachdenken dahintersteht, aber ich schreibe meist spontan aus dem Bauch heraus (und dementsprechend unstrukturiert). Und denke am Schluss oft: schon wieder viel zu viel Zeichen gebraucht, in Zeiten von 20 Minuten müsste das doch viiiiel kürzer sein, dass das überhaupt jemand bis zum Ende durchliest….

  3. Herzliche Gratulation zum Geburtstag 🙂

    Ich ziehe meinen Hut vor deiner Arbeit. Denn: Für mich ist Bloggen in einem Fall (Zappadong) eine schreiberische Fingerübung, eine Abladen meiner Gefühle, ein kurzer Kommentar zum (Welt)geschehen, im anderen Fall (Autorenblog) Teil meines Berufes (nach dem Motto: schreibe und schreibe darüber).

    Was du im Blog machst, mache ich in meinen Büchern. In meinen Blogs suche ich den Ausgleich zum langsamen, total durchdachten und strukturierten, schleifenden und feilendem Schreiben.

    Was zeigt: So, wie es verschiedene Printerzeugnisse gibt, gibt es verschiedene Arten von Blogs. Wie bei Printerzeugnissen wählen die Leute, was sie lesen und was nicht.

    Im Falle von Zappadong ist es mir total egal, ob ich einen Leser habe oder 200. Im anderen Fall (dem Autorenblog) freue ich mich über jeden Klick, denn Klicks bedeuten, als Autorin wahrgenommen zu werden, nicht ganz im stillen Kämmerlein zu versauern.

    Für mich gehört dein Blog in meinen Alltag wie meine Tageszeitung. Ich finde in ihm Tiefgang, eine intensive Auseinandersetzung mit einem Thema – und ich habe die Chance, mich aktiv an der Diskussion zu beteiligen.

    Das gilt übrigens auch für die Blogs meiner Vorkommentierer(innen).

  4. Auch von meiner Seite her gratuliere ich Dir zum 2-Jährigen, auch wenn Du diesesmal keine Torte offerierst.

    Ich kann nicht sagen, dass die Augenreiberei von Tag zu Tag besser wird, weil sie bereits schon vom ersten Beitrag weg mehr denn gut war und es deshalb keine Steigerung geben kann. Die Erzählungen bzgl. Deiner Nachbarin vermisse ich ein wenig, denn die brachte ein wenig Schmunzeln in Deinen Blog indem es ja ansonsten mehrheitlich um ernsthafte Themen geht.

    Aber eine Frage sei mir gewährt, wo ich doch sehe wieviel Arbeit hinter jedem Deiner Beiträge steckt: Wafür, warum und weswegen nimmst Du so viel Mühe in Kauf? Ists für Dich persönlich, verarbeitest Du damit Deine Gedanken? Ists für uns, seis um uns die Augen von Deiner Warte aus gesehen, zu öffnen?

    Anders ausgedrückt, es gibt so viele Blogbetreiber die sich scheinbar mit ihren Beiträgen wichtig machen wollen, die Welt an ihrem Erlebten obs nun interessiert oder nicht teilhaben lassen wollen.
    Du nicht, Du bringst Spitzenqualität, aber dennoch frage ich mich was wohl Dein unegoistischer Grund sein könnte.

  5. Gratuliere auch zum 2. Geburi und möchte Dir hier, lieber Titus, meinen Respekt zollen.

    Dein feiner Blog inspiriert zu kritischem Nachdenken und manche Male zur Augenreiberei.

    Danke und weiterhin frohes Schaffen, hier und anderswo auch…

  6. Alles Gute zum 2 jährigen Jubiläum.

    Ich bin froh, gibt es die Augenreiberei. Gar manches Thema aus Politik und Gesellschaft zeigt durch deine fundierte Recherche ganz neue An- und Einblicke und – was ich am meisten an diesem Blog liebe – die Erörterungen kommen in einer gewissen Unaufgeregtheit daher, ohne jedoch trocken zu wirken. So wie du die Berichte verfasst, moderierst du anschliessend auch die Diskussion. Manch hoch gehender Welle begegnest du mit treffender Argumentation, ganz im Sinne deiner Faustregel.

    So wie Ate weiter oben, frage ich mich auch: Woher, lieber Titus nimmst du nur diese enorme Schaffenskraft? (Ich nehme an, du gehst schon ab und zu auch mal an die frische Luft, oder? ;))
    Doch das darf ruhig auch eines dieser gehüteten Geheimnisse bleiben!

    Jedenfalls finde ich die Augenreiberei ungemein spannend, auch wenn ich nicht immer etwas dazu sage, will eine Antwort doch überlegt sein, und sei es auch nur eine pointierte Bemerkung, irgendwie möchte man den handwerklich ausgereiften Beitrag ja nicht mit belanglosem Gesülze verhunzen.

    In diesem Sinne, wünsche ich der Augenreiberei, und dir Titus alles Gute fürs dritte Schaffensjahr.

  7. Auch von mir noch beste Wünsche zum 2-jährigen Jubiläum. Was für ein Aufwand hinter deinen Blogartikeln steckt, konnte ich bisher nur vermuten – jetzt bestätigst du es. Da kann der WaldundWiesenBlogger nur respektvoll den nicht vorhandenen Hut ziehen.
    So will ich dich auch ab und zu zum Vorbild nehmen, aber nicht imitieren. Die Vielfalt unserer Bloggerwelt ist es, was das Blogs Lesen so anregend und so vergnüglich macht.

  8. @ Alle
    Vielen Dank allerseits für die Lobhudeleien 🙂 , welche nicht Ziel dieses Beitrags waren. Ein aktueller Anlass (siehe vorheriger Beitrag) lieferte mir den Steilpass, zum Zweijährigen aufzuzeigen, dass es auch andere (Blogger-)Seiten geben kann.

    In meiner Blogroll gibt es einige Blogs, die nun wahrlich keine unreflektierten Ich-Buden sind – und selbst wenn: Da meldet sich jemand zu Wort, tut seine Meinung kund, exponiert sich und sitzt nicht bloss auf seinen Schnabel. Da wird couragiert die Meinungsäusserungsfreiheit gelebt, auf welcher es kein Monopol geben darf (auch wenn sich das einige vielleicht etwas zu sehr verinnerlicht haben).

    @ Ate / Bobsmile
    Wie bereits schon erwähnt, suche ich nach Antworten. Das ist meine Motivation.

    Ich könnte auch sagen, meine Motivation wäre die Flucht vor seichten TV-Serien, welche Abend für Abend laufen und welche mir dank erfolgreicher Flucht die nötige Zeit für die Beiträge hier liefern. Mangels frischer Luft, Bobsmile, steht eine Sauerstoffflasche gleich neben meinem Flachbildschirm 🙂 .

    Und die Frau Habermacher, Ate, ist leider ausgewandert. Doch ich hatte gerade gestern mit ihr telefoniert. Sie wollte wissen, ob bei uns im Haus wieder eine Wohnung frei sei. Ich vermute nun, dass sie an eine Rückkehr denkt. Um eine klare Antwort hat sie sich jedoch etwas herumgedruckst. Ich giesse derweil weiterhin ihre Geranien, welche sie mir anlässlich ihrer Auswanderung vermacht hatte und warte gespannt der Dinge, die da vielleicht (nicht) kommen werden… 😉

  9. Auch ich schliesse mich der Gratulantenliste an.
    Du bist der profundeste unter den Schweiz Gegenwartsbloggern, sowohl in der Themenwahl, in der Materialausarbeitung, als auch in der Stringenz deiner Argumente.
    Fast jede(r) JournalistIn in der Schweiz könnte sich da die Augen reiben, würde er oder sie regelmässig vorbei schauen.
    Claude

  10. Auch ich gratuliere und schließe mich den Komplimenten meinen VorrednerInnen an: Das ist ein hervorragendes Blog, welches in der Schweizer Bloglandschaft herausragt.
    Ich möchte noch zwei Punkte anmerken:
    Zunächst eine kleine Kritik. Dass die Texte »in der Länge keinem Limit unterstehen« führt meines Erachtens dazu, dass sie regelmäßig zu lang sind. Damit beziehe ich mich auf eine implizite Norm, die ich auch nicht richtig begründen kann. Wenn ich deutsche Zeitungen lese, freue ich mich immer, dass die Artikel so lang sind – und wenn ich gewisse Blogs lese, störe ich mich immer daran, wenn sie eine gewisse Länge überschreiten. Mir ist bewusst: Die Länge trägt auch zur außerordentlichen Qualität und Tiefe der Texte bei. Aber eventuell wäre es möglich, etwas stärker zu verdichten.
    Dann zur Themenwahl: Bei meinem eigenen Bloggen habe ich den Eindruck, dass tagesaktuelle Themen oft viel mehr Resonanz hervorrufen als hintergründige, eigenständigere Themen. Deshalb habe ich die Haltung, zu aktuellen Themen öfters kurze Stellungnahmen zu publizieren (die aber mehr sein sollen als meine persönliche Meinung) – hinter denen dann auch nicht so viel Arbeit steckt wie hinter größeren Beiträgen. Einige Ideen dazu trage ich denn auch Monate mit mir herum.

  11. @ Philippe
    Auch Dir vielen Dank, einschliesslich der konstruktiven Kritik.

    Ich bin mir des Längen-„Problems“ bewusst, ohne bis anhin zu einem klaren Schluss gekommen zu sein. Einerseits sperre ich mich etwas dagegen, kürzer zu werden, weil ich kein Freund von verbalem „Fastfood“ bin. Andererseits bin ich mir auch bewusst, dass lange Texte nicht gerade dem heutigen Zeitgeist entsprechen und ich mich dieser Tatsache auch nicht ganz versperren kann.

    Ein Gedanke beinhaltet die Unterteilung in mehrere Teile („Häppchen“), auch wenn das vielleicht bedeutet, dass sich die Lesende erst dann zu äussern wagen, wenn sie alles gelesen haben.

    Zudem habe ich die Länge bereits (unmerklich) etwas reduziert. Schliesslich werde ich in Kürze noch die Schrift ändern (die Neue Helvetica bei Dir hat es mir angetan), was die Lesbarkeit und die „Lust“ aufs Lesen vielleicht noch etwas erhöht.

    Zur Themenwahl: Es kommt schon vor, dass ich auch deshalb ein tagesaktuelles Thema aufgreife, weil ich einen Platz für Diskussionen einräumen möchte. Die Ereignisse rund um uns beschäftigen viele, auch mich, wobei noch zu unterscheiden ist, ob das, was als „tagesaktuell“ gilt, auch wirklich von Bedeutung ist. Syrien und die mehrere tausende verschwundener Menschen oder die Kämpfe in Libyen (war da was?) sind für mich relevanter als die leidige Frage um die Fotos eines toten Osama bin Laden…

    Es gibt auch Themen, die in den klassischen Medien wie auch in Blogs vor- und rückwärts diskutiert werden, sodass dort bereits alles gesagt wurde, was es zu sagen gibt. Wozu soll ich mich dann hier noch äussern? Gerade deswegen habe ich auch den Anspruch, etwas Neues in die Runde zu werfen, sei es ein neuer, bisher unbeachteter Aspekt oder ein anderer Blickwinkel auf diese Ereignisse.

    Nicht immer gibt es dazu etwas Neues, was auch in Ordnung ist. Manchmal kann ich hingegen ein aktuelles Thema auch als Steilpass für einen „Rand-Aspekt“ aufgreifen. So würde ich den von Dir aufgenommenen Rosenkrieg Fielding-Borer dazu verwenden, etwas über die Auswirkungen solcher Rosenkriege auf die Kinder zu schreiben oder ich würde den von Dir angesprochenen Aspekte der „rohen Destruktivität“ (wo der Mensch wieder zum Tier wird…) vertiefen.

    Und das Herumtragen von Ideen kenne ich gut. Ich habe sie mir inzwischen aufgeschrieben, so muss ich sie nicht immer mit mir tragen 🙂

  12. Danke, Titus, für diese aufschlussreichen Bemerkungen. Ich finde, du hast Recht – sowohl die Themensetzung in Blogs wie klassischen Medien als auch die Redundanz vieler Blogposts ist ein Problem. (Für das Rosenkrieg-Beispiel schäme ich mich schon fast etwas.)
    [Zur Schriftart: Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, mit dem iA3-Theme zu arbeiten (das ich gekauft habe, siehe z.B. bei David Bauer, http://www.davidbauer.ch/) — alleine aus dem Grund, weil es eine schöne Serifenschriftart nutzt. Aber ich schrecke gleichzeitig davor zurück, WordPress selber zu hosten – ich kann das schon, aber es braucht so viel Wartung mit den ewigen Updates.]

  13. zur Länge:
    Ich habe mal ausgewertet, ob sie weniger gelesen werden, auf dem stadtwanderer. und ich kam zu einem negativen schluss. lange artikel werden mehr gelesen.
    das heisst nicht, dass sie besser, nötig oder weiss was sind. es heisst nur, dass sie nicht per se für blog ungeeignet sind.

  14. @ Philippe
    Mittels einer kleinen Software erstelle und ändere ich dieses Theme selber. Dabei ist es immer eine Gratwanderung zwischen einer einigermassen „seriösen“ Aufmachung (die Wahrnehmung der Menschen ist je nach Kleidung auch eine andere) und der Beibehaltung eines privaten Charakters.

    @ Claude
    Vielen Dank für den Hinweis.

  15. @Claude Longchamp: Ich würde jetzt mal spontan bezweifeln, dass Clicks und Länge der Artikel korrelieren. Es dürfte vielmehr auch mit dem Inhalt der längeren Artikel zu tun haben, dass sie häufiger gelesen werden.

  16. Der Teufel steckt wahrscheinlich überall, denn niemand kann in allen Dingen ein Spezialist sein.

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