Sind die Twin Towers je gestanden?

Die Anschläge auf die Twin Towers in New York am 11. September 2001 sind zu einem propagandistischen Selbstläufer geworden. Dies wird besonders in diesen Tagen wieder deutlich, in denen wir zum x-ten Mal die beiden Flugzeuge in die Türme fliegen sehen und in denen wir zum x-ten Mal die Türme einstürzen sehen.

Propagandistische Selbstläufer sind sie deshalb, weil keine US-Regierung an dieses Ereignis erinnern und die Bilder nochmals auf der ganzen Welt verbreiten muss. Das machen die Medienunternehmen selbst und gewiss im Sinne der USA.

Unerwartetes Verhalten

Das, oder besser gesagt, die Umwandlung einer unvorteilhaften Situation ins Gegenteil, ist typisch für dieses Land. Denn eigentlich sind diese Bilder peinlich: Da wird live der ganzen Welt vorgeführt, wie ein paar «Kameltreiber» unter Umgehung der schon vor dem 11. September grössten und teuersten Streitkräfte und der grössten und teuersten Geheimdienste das wichtigste Symbol New Yorks in kürzester Zeit in Schutt und Asche legen.

Von einer Schwäche oder einem schwachen Amerika spricht niemand. Einige Medienvertreter sprachen damals höchstens davon, dass die USA «verletzlich» geworden seien.

Verletzlich zu sein ist natürlich auch eine Schwäche, doch scheint dieser Ausdruck für die amerikanische Seele zu stark zu sein. Ebenso scheint es nicht drin zu liegen, das Vorhandensein von Schwächen überhaupt in Betracht zu ziehen und dies obschon jeder weiss, dass niemand und nichts perfekt ist, auch nicht ein Land wie die USA.

Das ist fatal, denn man kann nicht etwas bekämpfen oder verändern, deren Existenz man verneint. Man kann darum auch nicht gegen eine Schwäche antreten, wenn man sich diese nicht eingesteht.

Doch wie bereits erwähnt: Die Umwandlung einer für die USA unvorteilhaften Situation ins Gegenteil ist typisch für dieses Land. Verklärt wird die Schwäche auch noch dadurch, indem man nicht primär mögliche «Versager» im eigenen System sucht, sondern noch Helden macht und feiert – in Form der New Yorker Feuerwehrmänner.

Was danach folgte, sucht seinesgleichen. «Normalerweise» würden in einem so genannt zivilisierten Land – wie beispielsweise Norwegen – Ermittlungen beginnen, um die Autoren dieser Anschläge aufzuspüren. Wären diese nicht so erfolgreich, wie man sich dies erhofft, würden die Ermittlungen «intensiviert», indem mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden. Ziel wäre es schliesslich, die Attentäter vor Gericht zu stellen um sie einer so genannt «gerechten Strafe» zuzuführen.

Doch so lief es nicht ab. Obschon offensichtlich niemand etwas von diesen Anschlägen ahnte, war mit Osama bin Laden relativ schnell ein Schuldiger gefunden. Ermittlungen, die damals geführt wurden, hatten darum nur noch Proforma-Charakter.

Erneut reagierten die USA aber nicht so, wie man es in einer solchen Situation erwarten würde: Da wurde kein Spezialteam losgeschickt, um bin Laden auszumachen und zu fangen. Zwar wurde nach ihm gesucht und jüngst auch gefunden – und gerichtet. Aber primär wurde (zuerst) mit militärischen Mitteln Krieg geführt. Krieg gegen eine Ideologie.

Symbole statt Werte

Die USA haben damals wie heute nichts verstanden. Damals wurden Symbole angegriffen. Symbole der Freiheit, Symbole der Stärke, Symbole der Grösse.

Aber – und hier zeigt sich deutlich der Unterschied zwischen einer Sache selbst und deren Symbole – es waren eben nur Symbole beziehungsweise Sinnbilder. Nicht die Freiheit, nicht die Stärke und nicht die Grösse der USA wurden angegriffen, sondern Sinnbilder davon.

Wie der Begriff «Sinnbild» schon andeutet, geht es dabei um eine Verbildlichung einer ansonsten abstrakten, geistigen Sache. Freiheit, Stärke oder Grösse sind solche abstrakten, geistigen Dinge.

Wenn der Glaube an Freiheit, Stärke oder Grösse dadurch erschüttert wird, indem man deren Symbole zerstört, wie sehr hat man dann die wahre Bedeutung von Freiheit, Stärke und Grösse verstanden?

Bedeutet Freiheit, Stärke oder Grösse für die Amerikaner nur, Symbole davon zu bauen und dafür zu sorgen, dass sie nicht zerstört werden? Es wäre ob der viel nachgesagten Oberflächlichkeit der Amerikaner nicht überraschend, wenn dem so wäre.

Ein Indiz dafür, dass dem so ist, waren und sind die militärischen Interventionen der USA in den letzten Jahren. Auch hier geht es um viel Symbolik, denn eine geistig tiefgründige, ideologische Weltanschauung der Taliban, Al Kaida oder einer sonstigen Gruppierung lässt sich nicht mit oberflächlichen Militäraktionen verändern, obschon die Amerikaner genau dies glauben.

Eher das Gegenteil ist der Fall. Die USA treten an, um den Menschen das zu nehmen, an das sie glauben, weil sie – unaufgeklärt wie sie sind – gar nichts anderes kennen. Würden Sie da nicht auch jene unterstützen, die Widerstand gegen die USA leisten?

Was die USA nach ihren Militäraktionen hinterlassen, ist erst einmal materielle und menschliche Zerstörung, gefolgt von geistiger Leere. Kein US-Soldat und keine US-Regierung führte in den letzten zwei Jahrzehnten Krieg zugunsten einer aufgeklärten Gesellschaft, der Meinungsfreiheit, der Mitsprache durch demokratische Mittel oder der Einhaltung der Menschenrechte.

Darum standen auch nie Aktionen im Mittelpunkt, welche darauf abzielten, die lokale Bevölkerung aufzuklären oder ihnen die Meinungsfreiheit, das Funktionieren der Demokratie oder die Menschenrecht zu erklären, so wie das beispielsweise während des Zweiten Weltkriegs mit Flugblatt-Aktionen geschah.

Das hätte es aber gebraucht, um einen geistigen Prozess in Gang zu setzen, der den Menschen eine Alternative zum bisherigen Regierungs- oder Machtsystem gegeben hätte (die neuen und schwer kontrollierbaren Medien könnten im arabischen Raum während den letzten Jahren diesen «Flugblatt-Charakter» gehabt und schliesslich zum angesprochenen geistigen Prozess geführt haben).

So wurden zwar «die Bösen» aus dem Irak und aus Afghanistan vertrieben oder getötet. Aber flammende Anhänger der westlich geprägten Ideologie und Werte, die wir für so richtig und wichtig halten, sind sie trotzdem nicht geworden. Wie können sie auch Anhänger von etwas werden, das man ihnen kaum erklärt hat oder das man ihnen aufdrängt, ohne dass sie dies von innen heraus, also aus Überzeugung wollen?

Armes Amerika

Auch zehn Jahre nach dem Massenmord in den USA – durch wen auch immer ausgeführt – haben die Amerikaner nichts verstanden. Zur Ehrung der 3000 Opfer in New York – jene über Hunderttausend im Irak oder in Afghanistan werden ausgeblendet – wurde wiederum ein Symbol gebaut.

Es ist ein Symbol gegen das Vergessen der Opfer. Wenn die Amerikaner für alles ein Symbol brauchen um an eine Sache glauben zu können, dann hätten sie besser ein Symbol gegen das Vergessen der demokratischen Werte, der Bürgerrechte, der Menschenrechte, der Meinungsäusserungsfreiheit, der Pressefreiheit und einer aufgeklärten Gesellschaft aufstellen sollen.

Denn: All diese Dinge, die doch unsere westliche Welt ausmachen, wurden in den letzten zehn Jahren massiv mit den Füssen getreten und abgebaut. Der vermeintliche «Kampf gegen den Terror» wurde zu einem verkappten Kampf gegen diese Werte und Rechte.

Weil die Amerikaner offensichtlich nur an Symbole glauben und nicht an das, was dahinter steckt, würden Symbole für diese Werte und Rechte aber nur solange etwas bringen, wie sie unbeschädigt stehen bleiben.

Das heisst, die Twin Towers, oder das, was sie verkörpert haben sollen, hat es nie gegeben. Die Freiheit, Grösse oder Stärke, die in sie als Symbole hineinprojiziert wurden, hat es nie gegeben, weil echte Freiheit, Grösse und Stärke nach dem 11. September 2001 eine andere Reaktion hervorgerufen hätte.

Armes, unaufgeklärtes Amerika. Möge bloss niemand in dessen Illusionsblase stechen. Vor allem aber: Nehmt dem unreifen und schmollenden Kind endlich die Waffen weg, bevor es noch mehr Schaden anrichtet…

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3 Antworten auf „Sind die Twin Towers je gestanden?“

  1. Volker Pispers meinte mal:
    „Der Gemütszustand des Amerikaners ist mit naiv noch sehr wohlwollend umschrieben.“

    Der Durchschnittsamerikaner kennt nur eine beschränkte Welt. Ihm wird eingetrichtert: „Wir sind die Guten“.
    Eigentlich ist die USA ein Drittweltland, dessen Infrastruktur ist mit der von Kuba vergleichbar. Billig gebaute Häuser fallen beim ersten starken Windstoss auseinander. Die Stromversorgung geschieht über Telefonmasten. Die medizinische Versorgung ist für „Unversicherte“ schlicht nicht bezahlbar und das ist die Mehrheit der Amerikaner.

    Ultrarechte Präsidentschaftskandidaten agieren populistisch und ernten tosenden Beifall und massenweise Zulauf – siehe die Tea Party Bewegung.
    Kein Wunder kupfert die Millionärspartei in der Schweiz diese erfolgsversprechende Wahlkampfstrategie von den Amis ab.

    Ron Paul, Arzt und Kandidat für den Posten des US Präsidenten, würde einen unversicherten Patienten sterben lassen, wenn der seine Behandlung nicht bezahlen kann. (s. Link: http://youtu.be/b4Am2bWQRNw)

    In der Tat: Armes Amerika!

  2. @ Daniel
    Ob Ron Paul weiss, weshalb einige nicht versichert sind und ob er weiss, wie viele gar nicht erst zu ihm in die Praxis gekommen sind, weil sie – krank wie sie waren – sich nicht um eine anderweitige Finanzierung zu helfen wusste (z. B. durch die Kirche)?

  3. @daniel
    ebenso arm ist es, von der unfähigen elitären Kaste der Mächtigen auf ganz Amerika zu schliessen.

    Es ist das Prinzip der Republikaner, Steuern zu senken und die Löhne des Fussvolks so tief zu halten, dass es einer dünnen Schicht sehr gut gehen kann.
    Auch wir sind bald soweit. Wenn die Löhne gut ausgebildeter Handwerker kaum reichen, eine Familie zu ernähren, dessen chef jedoch das 500-fache bekömmt, dann bin ich auf „die Schweiz“ auch nicht besonders Stolz.

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