Für weniger Durchwinken – gegen die Demokratie-Krise

Der Euro soll gerettet werden, damit das wirtschaftliche Europa gerettet wird. Und wer rettet eigentlich das demokratische Europa? Oder gilt bald: Rette sich, wer noch kann!

Unheimliches tut sich im Euro-Land. Das Monopol auf der Produktion von Regenschirmen hat zwar nach wie vor China. Das Monopol für Rettungsschirme liegt hingegen definitiv bei den Europäern.

«Innenpolitische Unfälle»

Wobei – auch das ist nicht ganz richtig. Die Schirmmacher heissen vor allem Angela Merkel und Nicolas Sarkozy. Die beiden lassen dann ihre «Einigungen» von den anderen europäischen Amtskollegen des Euro-Raums und von ihren Regierungen und Parlamenten (wenn überhaupt) durchwinken.

Dass die Slowakei sich erfrechte, zuerst Nein zum Euro-Rettungsschirm zu sagen, war in den Augen der «Euro-Retter» wohl eher so etwas wie ein «innenpolitischer Unfall». Zum Glück lassen sich solche Hinternisse durch das angekündigte Auswechseln der slowakischen Regierung lösen, nicht wahr…?

So könnte es auch dem griechischen Regierungschef Papandreou ergehen, wenn die nächste Vertrauensabstimmung nicht in seinem Sinne verläuft. Dann könnte eine mögliche Nachfolgerin oder ein möglicher Nachfolger nämlich auch die Abstimmung über dieses unsägliche Hilfspaket wieder absagen…

Demokratie als Gefahr

Wenn demokratische Prozesse als Gefahr empfunden werden, empfiehlt sich die Einnahme von dēmokratía Standard oder dēmokratía consensus. Damit wird zwar nicht unbedingt der Euro gerettet, dafür aber wenigstens die Demokratie.

Leider sind die beiden Produkte in Europa nur schwer erhältlich. Selbst in der Augenreiberei gibt es nur noch eine Flasche des gängigeren dēmokratía Standard. Diese wird nachfolgend abgebildet in der Hoffnung, es melde sich jemand, der noch mehr davon hat und bereit wäre, die eine oder andere Flasche wenigstens nach Berlin und Paris zu schicken.

Vorder- und Rückseite von dēmokratía Standard. Wer das Produkt kennt und noch mehr davon hat, soll sich doch bitte melden!

Übrigens: Statt oral eingenommen kann dēmokratía Standard oder dēmokratía consensus auch intravenös gespritzt werden. Das wirkt dann schnell…

😉

5 Antworten auf „Für weniger Durchwinken – gegen die Demokratie-Krise“

  1. Ich habe noch ein Langzeit Immunogen „dēmokratía juvenil“ in Zäpfchenform. Damit werden Kinder immunisiert, ähnlich wie bei der Kinderlähmung.

    Allerdings wurden bei der „stillen Feiung“ Nebenwirkungen gesichtet. Die Halbwertszeit verringert sich exponential zur Berieselung mit Mainstream Medien
    😉

  2. @ Dan
    Da sich die Ereignisse in Griechenland inzwischen überstürzen, sollte wohl etwas von „dēmokratía“ auch noch nach Athen geschickt werden – egal in welcher Ausprägung (Standard / Consensus / Juvenil) und in welcher Form (flüssig oder Zäpfchenform)…

    Hier übrigens noch ein passender Beitrag von DRS 4 von heute Nachmittag mit Andi Gross (das Interview wurde wohl noch geführt, noch bevor Papandreou bezüglich Volksabstimmung wieder zurückkrebste).

  3. Es ist nicht unbedingt so, dass alles besser wäre, wenn das Volk mehr hätte abstimmen können. Aber bestimmt legitimierter.

    Ohne Volk ist es für die Regierungen bequemer, und grosse Würfe gehen schneller übe die Bühne. Um bessere Würfe zu machen, müssten halt auch die Regierungen etwas besser sein.

  4. @ Raffnix
    Da erlaube ich mir Dir zu widersprechen. Wenn über eine Sache abgestimmt werden soll oder muss, dann ist die Politik gezwungen, auf die Bevölkerung zu hören. Im nationalen Parlament spricht man jeweils von „referendumstauglich“ und meint damit, eine Vorlage so zu gestalten, dass – sollte jemand das Referendum ergreifen – sie vor dem Volk durchkommt. Wenn es hingegen keine Abstimmungen gibt, muss die Politik auch nicht auf die Bevölkerung achten. Dann liegt es an Letzterer, sich zu Massenprotesten zu organisieren… Welche Variante zu mehr Zufriedenheit führt, brauche ich hier wohl nicht zu erklären.

    Die Politiker vor allem im Ausland haben deshalb Angst vor Abstimmungen, weil sie befürchten, dass eine Vorlagen zu komplex sei als dass sie von einer Vielzahl Stimmenden verstanden wird. Das ist tatsächlich eine Herausforderung, zumal (auch hierzulande) nicht immer eine sachliche, sondern vor allem eine populistische Diskussion stattfindet… 🙁

  5. Die Regierung kann eben auch eine Abstimmung verlangen, wenn sie nicht müsste.

    Und in Griechenland wurde jetzt ein fauler Kompromiss ausgehandelt, um die Abstimmung zu umgehen. Mal gucken, ob das Volk Freude daran findet.

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