Pandemie-Bedrohung: Alles im Griff?

In diesen Tagen informiert das Bundesamt für Gesundheit (BAG) fast täglich über die Pandemie-Gefahr des Virus A(H1N1), landläufig besser bekannt als «Schweinegrippe». Grundsätzliche Botschaft: «Es ist Vorsicht geboten, aber wir haben alles im Griff.» Ist dem wirklich so und – gilt das auch für Sie?

Der streitbare Immunologe Beda Stadler der Uni Bern forderte in der Sendung 10vor10 vom 27.04.2009 (Beitrag «Verdacht auf Schweinegrippe») von den Behörden, dass die Bevölkerung darüber informiert werde, wann, wie und wo Tamiflu abgegeben würde. Denn, so seine Begründung, die Profis wüssten damit umzugehen, die verunsicherte Bevölkerung allerdings nicht.

Steht «Profi» drauf, steckt nicht «fehlerfrei» drin

Doch beunruhigender ist es, wenn so genannten «Profis» nicht wissen, was sie tun. Dazu gehört der explosive Vorfall vom 27. April im Intercity-Zug von Bern nach Lausanne. Hier wurden (glücklicherweise ungefährliche) Schweinegrippe-Viren nicht nur schlecht verpackt und in einem öffentlichen Verkehrsmittel transportiert, sondern man liess in Fribourg potentiell kontaminierte Reisende unbehelligt aussteigen, währenddem alle anderen vor Lausanne eine Stunde lang im Zug festgehalten wurden.

Erst am 30. April, als am Vortag schon die Rede von mindestens 25 Verdachtsfällen war, kam die Meldung, dass man nun ein verlässliches Testverfahren zum Nachweis der Schweinegrippe entwickelt habe. Nun ist da eine Bedrohung und man konnte sie bisher gar nicht genau feststellen? Das erhöht auch nicht gerade das Wohlbefinden…

Dass der bisher einzige nachweislich an H1N1-Viren erkrankte Patient nach den falschen Viren getestet und am 29. April irrtümlich zu früh entlassen wurde, erhöht ebenfalls nicht besonders die Glaubwürdigkeit der Profis.

Ähnlich verhält es sich, wenn am 28. und 29. April eifrig berichtet wird, dass eine prophylaktische Einnahme von Tamiflu nicht empfohlen werde, jedoch jene Personen, welche mit dem irrtümlich entlassenen «Badener Patienten» in Kontakt standen, prophylaktisch mit Tamiflu behandelt würden…

Fragwürdig ist auch der Fall der drei bayrischen Fälle: Wie kann man eine Person mit grippeähnlichen Symptomen mit einem Patienten zusammenlegen, welcher ohnehin schon in irgendeiner anderen Form zu leiden hat, also nicht noch eine Grippeinfektion brauchen kann?

«Zu Risiken und Nebenwirkungen…»

Doch ungeachtet dieser Vorkommnisse gilt es zu betonen, dass es der Quadratur des Zirkels gleichkommt, eine drohende Pandemie mit all ihren «Risiken und Nebenwirkungen» vorauszusehen. Der Beipackzettel, welcher in solchen Fällen zu lesen ist, nennt sich Pandemie-Plan und ist ganze 242 Seiten lang.

Letzterer geht schlimmstenfalls (neudeutsch: worst case) von 25 % Betroffener aus und zieht dabei die spanische Grippe von 1918/1919 als Referenz hinzu. Doch wir leben heute, 2009, im Zeitalter der Billigflüge. Und wir leben in einem Zeitalter, wo man offensichtlich die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes wieder einmal dazu ermahnen muss, was sich ohnehin gehört: Regelmässiges Hände waschen und beim Niesen ein Taschentuch vor Mund und Nase (welches dann bitte nicht irgendwo frei herumliegen zu lassen ist!). Da bekommt der Begriff «Schweinegrippe» plötzlich eine ganz andere Bedeutung…

Der Direktor des BAG, Thomas Zeltner, weisst an der Medienkonferenz vom 03.05.2009 auf die wichtigsten Hygienemassnahme betreffend Pandemie-Vorsorge hin. Thomas Zeltner

 

Übrigens: Haben Sie schon einmal daran gedacht, dass an Ihrer letzten «normalen» Grippe nicht Sie schuld waren, sondern eben jemand, welcher alleine schon diese einfachen Regeln nicht einzuhalten wusste?

Vermutlich sind unsere Arbeit und unsere Umwelt in den vergangenen Jahrzehnten oberflächlich einfach zu sauber und unser Glaube an die allesheilende moderne Medizin zu gross geworden, als das wir bisher Selbstverständliches nicht mehr als notwendig erachten…

Was wäre, wenn tatsächlich…

Wer einen Blick in den fraglichen Pandemie-Plan des BAG wirft, der merkt schnell, dass er vorwiegend an Behörden und ärztliches Personal gerichtet ist. Daher die konkrete Frage: Wie bereiten Sie sich auf eine mögliche Pandemie vor?

Strassenmusiker in Mexiko mit Mundschutz Ein Strassenmusiker in Mexiko: Gut vorbereitet und geschützt hält ihn nichts vom Musizieren ab.(Reuters)

 

Denn wenn es nach SARS (2002), der Vogel- (2005) und nun der Schweinegrippe in diesem Rhythmus weitergeht und minimalste Hygieneregeln als nicht mehr notwendig empfunden werden, wird irgendwann auch Europa in grösserem Umfang von einer Pandemie erfasst. Dabei dürfte die Nachlässigkeit der Menschen wohl die grössere Gefahr sein als die eigentliche Virusbedrohung.

Es kann daher nicht schaden, sich quasi zwecks «psychologischer Vorbereitung» einige Was-wäre-wenn-Fragen zu stellen.

  • Was wäre, wenn Sie oder nur eines Ihrer Familienmitglieder unter Quarantäne gestellt würden?
  • Wer würde ein erkranktes Familienmitglied betreuen und was wären die Folgen (z. B. Arbeitsausfall)?
  • Ab welchem Zeitpunkt und unter welchen Voraussetzungen blieben Sie lieber zu Hause, um sich keiner Gefahr auszusetzen?
  • Verfügen Sie noch über so was wie einen «Notvorrat», falls Sie einmal länger zu Hause bleiben müssten oder der Pizza-Kurier erkrankt und die Kebab-Bude um die Ecke geschlossen ist oder die nächste Migros wegen Erkrankungen und somit aus Mangel an Personal den Betrieb nicht mehr aufrecht erhalten könnte?
  • Verfügen Sie noch über Kerzen und über ein Rechaud, um auch im Falle eines Stromausfalls nicht im Dunkeln eine kalte Suppe essen zu müssen?

 

Diese Fragen mögen düstere Szenarien hervorrufen. Sie sollen jedoch nicht als Panikmache verstanden werden, sondern zum Nachdenken anregen. Zugleich verdeutlichen sie auch, wie selbstverständlich und sorglos wir heutzutage in den Tag hineinleben…

Empfehlenswerte Informationen seitens BAG:

  • Laufend aktualisierte Informationen zu A(H1N1) («Schweinegrippe»)
  • Allgemeine Informationen im Pandemie-Fall

3 Antworten auf „Pandemie-Bedrohung: Alles im Griff?“

  1. Lieber Titus

    Ich versuche es noch einmal, dir hier auf diesem Weg zum Start deiner Augenreiberei zu gratulieren. Und sollten meine guten Wünsche ankommen, werde ich mich ganz sicher auch zum Thema äussern!

  2. @ Chris
    Sei mir nicht böse, aber bevor ich Deinen letzten Kommentar zu diesem Thema hier freischalten, will ich mit Dir zuerst darüber diskutieren…

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