Aline, 30, IV-Bezügerin mit psychischer Erkrankung (Teil 1/2)

Die Diskussion um die Finanzlage der Sozialwerke und um den Missbrauch der Sozialversicherungen veranlasst einige, sämtliche IV-Bezüger gleich unter einen Generalverdacht zu stellen. «IV-Rente» ist schon beinahe zu einem Schimpfwort geworden.

Wenig hört man von den Betroffenen selbst. Das ist auch verständlich, denn wer sich öffentlich exponiert, dem kann nicht nur ein rauer Wind entgegen blasen, sondern er (oder sie) muss plötzlich der breiten Öffentlichkeit noch die eigene Invalidität erklären…

Das nachfolgende, schriftlich geführte Interview mit einer IV-Bezügerin gibt Einblick in ein Schicksal. Es ist einer von vielen Einzelfällen, welcher in keinem Fall verallgemeinert werden darf. Er soll aufzeigen, was es bedeuten kann, IV-Bezügerin oder IV-Bezüger zu sein und dass die Sichtweise der Nicht-Invaliden, also der Nicht-Betroffenen, manchmal vielleicht etwas gar zu einfach ist, insbesondere dann, wenn eine Krankheit äusserlich kaum sichtbar ist.

Titus: Lass uns mit nackten Zahlen beginnen. Du beziehst eine IV-Rente. Wie hoch ist diese?

Aline: Es gibt vier verschiedenen Stufen bei den IV-Renten: Mindestens zu 40 Prozent invalid enspricht einer Viertelsrente. Ab 50 Prozent gibt es eine halbe Rente. Wer mindestens zu 60 Prozent invalid ist, erhält eine Dreiviertelsrente. Und ab 70 Prozent Invalidität erhält man eine ganze Rente.

Ich hab einen Invaliditätsgrad von 85 Prozent und bekomme deshalb eine ganze Rente. Das sind momentan rund 1500 Franken pro Monat, was dem Betrag für so genannte Frühinvalide entspricht.

Und wovon lebst Du sonst noch?

Ich bekomme zusätzlich Ergänzungsleistungen und verdiene – wenn die Gesundheit es zulässt – auch ab und zu ein wenig mit den 15 Prozent «Restarbeitsfähigkeit». Dieses Einkommen wird allerdings zu zwei Dritteln mit den Ergänzungsleistungen verrechnet, das heisst, effektiv darf ich vom zusätzlichen Einkommen nur einen Drittel behalten.

Wie fühlt man sich als Betroffene in einer Gesellschaft, in welcher viele gleich ein rotes Tuch sehen, wenn sie «IV-Rente» hören?

Grossartig! 🙂

Nein, natürlich nicht. Teilweise wie der letzte Dreck. «IV-Rente aus psychischen Gründen», das steht doch für gewisse Leute etwa auf derselben Stufe wie drogen-dealender, sozialhilfebetrügender Kinderschänder mit Migrationshintergrund.

Durch die ganze Scheininvaliden-Diskussion denken nicht wenige Leute, dass «psychische Krankheiten» eigentlich gar nicht wirklich existieren und Betroffene sich mit der IV-Rente einfach «ein schönes Leben machen».

Ich würde sofort tauschen: IV-Rente gegen Gesundheit, regelmässige Arbeit und ein «normales» Leben. Nur befürchte ich, dass, wenn den Leuten erst mal bewusst wird, dass sie mit der Rente auch die Krankheit und die damit verbundenen Einschränkungen übernehmen müssten, dann doch niemand mehr tauschen wollen würde.

Wie reagiert Deine direkte Umwelt darauf, wenn Du erzählst, dass Du IV-Bezügerin bist?

Ich erzähle das eigentlich fast nie. Ausser ich kenne die Leute wirklich gut. Meine engsten Freundinnen kenne ich noch aus der Zeit, als ich noch normal mit ihnen zur Schule ging. Die haben ja alles miterlebt. Für die ist das gar kein Thema, für die bin ich einfach Aline.

Wer mich wirklich gut kennt, weiss auch, auf wie vieles ich privat verzichten muss, dass ich zum Beispiel auf keiner Hochzeit meiner besten Freunde dabei sein konnte, dass ich sie nicht besuchen konnte, während sie im Ausland lebten – all diese Einschränkungen eben.

Zudem gibt es einen Unterschied: Psychisch krank – das lässt sich bei näherer Bekanntschaft sowieso nicht verbergen. Aber den meisten Leuten erzähle ich einfach, dass ich selbstständige Fotografin bin, was ja auch stimmt – nur kann ich eben leider nur ganz wenig arbeiten, zu gewissen Zeiten auch gar nicht.

Kennst Du Unterschiede zwischen den Regionen? Reagiert man auf dem Land anders als in einer Stadt?

Ich habe nie auf dem Land gewohnt, habe aber gehört, es soll da ganz schlimm sein… In der Stadt ist man eben anonymer.

Hast Du eine Erklärung dafür?

Man kennt sich auf dem Land wohl besser, weiss was jeder macht…

Ich habe aber auch das Gefühl, es kommt auf das Milieu an, in dem man sich bewegt. Es ist sicher sehr viel schwieriger, als SVP-Büezer eine psychische Erkrankung zu haben als in einem – sagen wir mal eher unkonventionellen künstlerischen Umfeld.

Wie reagierst Du auf die Vorwürfe gegenüber IV-Bezügern?

Muss ich das?

Ich habe mich sehr lange unheimlich geschämt, dass ich eine IV-Rente beziehen muss, ich erzähle das, wie bereits erwähnt, immer noch fast keinem, aber irgendwann dachte ich:

OK, ich habe mir meine Krankheit nicht selber ausgesucht und sie geht auch nicht weg, wenn ich mich dafür schäme. Das benötigt nur Energie, die ich anderswo dringend brauche.

Was ist der Grund für Deine IV-Rente?

Die Hauptdiagnose ist eine sehr ausgeprägte Angststörung. Dann gibt‘s noch ein paar Nebendiagnosen

Wie äussert sich diese Angststörung?

Ich habe Angst vor so fast allem und jedem: Vor Menschenmengen, öffentlichen Verkehrsmitteln, in Räumen sitzen zu müssen, aus denen man nicht einfach rauslaufen kann wie Theater, Schulen usw., meinen «sicheren Radius» zu verlassen – also alles, was weiter weg als 10 Minuten von meiner Wohnung ist – in schlechten Phasen sogar davor, die Wohnung überhaupt zu verlassen. Auch in «guten Phasen» brauche ich dazu einige Überwindung und die einfachsten Dinge sind immer sehr anstrengend.

Allein schon einkaufen gehen ist an manchen Tagen eine totale Tortur, ich stehe in der Schlange an der Kasse und bin überzeugt, ich kippe gleich um. Auch wenn man es schon tausendmal gemacht hat und ja eigentlich weiss, dass das nicht passiert. Das Gefühl ist eben stärker als der Verstand.

Zeitweise war ich auch ein bisschen wie Monk aus der gleichnamigen Fernsehserie – also komplett paranoid was Viren und Bakterien anbelangt. Das konnte ich mittlerweile zum Glück wieder ein wenig abtrainieren, dafür kommen an anderen Ecken wieder neue Probleme dazu.

Seit wann leidest Du darunter?

Erste Anzeichen der Krankheit gab es bereits im Kindesalter, wobei viele Kinder Phasen zum Beispiel mit Fantasievorstellungen, Ängsten usw. durchmachen – nur wächst sich das sonst jeweils in der Regel wieder aus mit dem Älterwerden.

Das war bei mir nicht so, das hat sich immer mehr verstärkt. Mit 14 war dann ein Schulbesuch eine Zeit lang nicht mehr möglich, ich lernte von zu Hause aus und ging nur zu den Prüfungen hin.

Dann ging es mir eine Weile wieder etwas besser, später wieder schlechter bis ich mit 17 das Gymnasium endgültig abbrechen musste. Später folgten noch zwei weitere Versuche an anderen Schulen.

In schlechten Phasen sass ich einfach nur zu Hause und guckte die Wand an, ich konnte nichtmal mehr bis zum Briefkasten gehen, weil ich solche starken Ängste hatte. Ich stand mehrmals kurz davor, in eine psychiatrische Klinik einzutreten, wollte es dann aber doch immer wieder «selbst schaffen», das heisst, durchaus mit psychologischer beziehungsweise psychiatrischer Hilfe, aber eben nicht in einer Klinik.

Was hatte das für Auswirkungen auf Dein Erwerbsleben?

Sobald es mir jeweils in bisschen besser ging, habe ich mir Jobs gesucht und Teilzeit gearbeitet, ein Praktikum gemacht usw. Da war es jedes Mal dasselbe, ich brauchte enorm viel Energie, um trotz meiner Ängste und den anderen Einschränkungen einigermassen «normal» funktionieren zu können.

Es ist ja nicht so, dass man nicht merkt, dass man nicht so leistungsfähig ist wie andere, man spürt das sehr genau. Aber man führt neben der Arbeit, dem Alltagskram einfach, einen ständigen inneren Kampf gegen die Erkrankung, welcher wahnsinnig energieraubend ist. Es ist wie mit angezogener Handbremse Auto fahren zu wollen. Es geht schon. Eine Weile lang. Aber eben nicht besonders gut.

Und irgendwann geht es dann jeweils nicht mehr. Dann bricht man zusammen und schämt sich in Grund und Boden, weil man es wieder nicht geschafft hat, trotz der angezogenen Handbremse genau so schnell zu fahren wie die «Normalen».

Und nach jedem «Misserfolg» ist das Selbstvertrauen noch ein Stück mehr angeknabbert, man traut sich noch weniger zu, zieht sich aus Scham noch mehr zurück und gerät in einen Teufelskreis – weil man sich auch irgendwann fragt, wozu man sich nochmals aufraffen, nochmals überwinden, nochmals kämpfen soll, wenn man doch nie das schaffen kann, was «alle anderen» können.

Ich wollte dann aber trotz allem unbedingt Fotografie studieren, ich habe schon immer viel fotografiert, hatte auch kleinere Aufträge und bewarb mich schliesslich für ein Fotografiestudium und wurde auch aufgenommen. Ich war überglücklich und dachte, jetzt wird endlich alles gut.

Und dann wurde alles besser?

So war es dann leider nicht. Eigentlich war mir vom ersten Tag an bewusst, dass ich das alles gar nicht schaffen kann. Dass man 150 Prozent geben muss und dass ich das nicht kann, weil meine Krankheit viel zu viel Energie verschlingt. Ich habe mich dann 3 Semester lang irgendwie mehr schlecht als recht durchgekämpft und musste dann einfach einsehen, dass das nicht geht.

Abschied zu nehmen von diesem Traum – auf den ich jahrelang hingearbeitet hatte – das war wahnsinnig schmerzhaft, wenn man einfach sagen muss: Es geht nicht.

Natürlich habe ich immer wieder Therapien gemacht, aber irgendwie erzählt einem jeder was anderes, oft geben einem auch Therapeuten das Gefühl wirklich total verkorkst zu sein und man ist erst recht niedergeschlagen, weil ja sooo viel an einem «verkehrt» ist. Zeitweise habe ich dann gar keine Therapie mehr gemacht, weil ich dachte: Mir kann sowieso keiner helfen.

Demnach ist es nicht so einfach, einen geeigneten Therapeuten und eine geeignete Therapiemethode zu finden?

Ja, das ist so. Abgesehen davon, dass es auf der persönlichen Ebene stimmen muss, funktioniert auch nicht bei jedem die selbe Therapiemethode. Auch bei Psychopharmaka müssen oft viele verschiedene Medikamente ausprobiert werden, weil sie je nach persönlichem Stoffwechsel anders wirken, oder auch mit der Zeit ihre Wirkung verlieren.

Ich würde noch so gerne sagen: Aber eines Tages habe ich einen ganz tollen Therapeuten gefunden und seither geht’s mir richtig gut. Ich hab zwar jemanden gefunden, der mir dabei hilft, mich endlich mal etwas auf die Dinge zu konzentrieren, die ich gut kann – was für eine Überraschung, die gibt es sogar! Aber insgesamt ist das alles ein sehr langwieriger Prozess und da ich schon sehr lange unter meiner Erkankung leide, hat sich vieles mittlerweile chronifiziert.

Über all die Jahre ist auch ganz viel an Selbstvertrauen kaputt gegangen. Wie kann man auch lernen, sich etwas zuzutrauen und zu merken «Ich KANN das ja!», wenn nie was längerfristig klappt.

Manchmal geht es mir etwas besser und mir gelingt etwas, kann auch wieder ein bisschen arbeiten – und dann falle ich wieder in ein Loch und gar nichts geht mehr und muss beispielsweise einen Auftrag, auf den ich mich schon sehr gefreut hatte, absagen. Dann schäme ich mich jeweils unendlich und frage mich, wie ich je glauben konnte, dass ich das hinbekommen würde.

Und manchmal geht es. Zwar nie problemlos, denn danach bin ich immer vollkommen erschöpft, aber es geht. Aber um auf finanziell eigenen Beinen zu stehen, dazu reicht es leider bei weitem nicht. Dazu ist mein Zustand einfach viel zu instabil.

Und deshalb bekomme ich eine IV-Rente.

Ich hoffe immer noch, dass ich sie eines Tages nicht mehr brauchen werde. Aber mit der Zeit wird man vorsichtig mit dem Hoffen, weil es jedes Mal so weh tut, wenn man erkennen muss, dass sich die Hoffnungen dann doch nicht erfüllen.

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Lesen Sie den zweiten Teil im nächsten Beitrag.

16 Antworten auf „Aline, 30, IV-Bezügerin mit psychischer Erkrankung (Teil 1/2)“

  1. Ein eindrücklicher Bericht. Finde ich gut, dass dieses heikle Thema aufgenommen und mal von dieser Seite beleuchtet wird. Sonst hört man ja eigentlich nur das SVP-gefärbe Stammtischgedröhne von wegen den vielen Schmarotzern, die auf unseren Taschen liegen. Auch wenn ich sicher bin, dass es von denen ein paar gibt, sind Betroffene wie Aline wohl die grosse Mehrzahl.
    An der Stelle sollten wir vielleicht wieder etwas dankbar sein, wenn wir gesund sind, arbeiten und unser Leben mehrheitlich frei gestalten können.

  2. @ Sensor
    Richtig, wir sollten dankbar sein, dass wir gesund sind.

    Andererseits frage ich mich manchmal, was denn schon „normal“ oder „gesund“ sei. Haben wir nicht alle mit Ängsten oder anderen Problemchen zu kämpfen (ich will damit nicht Alines Krankheit verharmlosen), sodass wir eigentlich erst recht keinen Grund zur Stigmatisierung hätten?

  3. Der Unterschied zwischen Schmarotzern und den legitimen IV-BezügerInnen ist eben, Schmarotzern sind nicht krank!

    Sollte also einfach sein Schmarotzer von den anderen legitimen zu unterscheiden, denn ich glaube kaum, dass ein Schmarotzer die selben Einschränkungen auf sich nimmt wie ein kranker, nur um eine Rente zu bekommen.

    Im Gegenteil, wird ein Schmarotzer eben alles ohne jegliche Einschränkung tun, wie ein gesunder eben, also arbeiten wenn auch schwarz und nebenbei zusätzlich eine IV-Rente kassieren. Denn die IV-Rente alleine ist nicht viel, das lohnt sich für einen Schmarotzer gar nicht.

    Wenn die IV jeden so durchleuchtet wie ich es erlebt habe und wie andere berichten, dann glaube ich eigentlich fast nicht, dass es tatsächlich Schmarotzer gibt. Da muss man schon sehr viel kriminelle Energien haben, dass ist nicht mehr Schmarotzerei, dass ist dann viel mehr echter Betrug und wohl mit einem Riesen Aufwand verbunden.

    Mag sein, dass es früher einfacher war, keine Ahnung, hatte erst vor 3 Jahren mit der IV zu tun, vorher wusste ich nicht mal was das ist. Aber heute, also ich kann mir echt nicht vorstellen, wie es möglich sein soll, ohne krank zu sein eine IV-Rente zu bekommen.

    Ich meine wenn ja sogar Kranke jahrelange Prüfungen durchmachen müssen und keine bekommen, wie soll es möglich sein, dass da Nicht-Kranke eine bekommen?

    Und dann kommen ja noch die Rentenrevisionen, ich hatte die IV-Rente gerade mal knapp 8 Monate lang und schon gab es eine Rentenrevision, ja kaum zu glauben.

    Also wenn es tatsächlich Schmarotzer gibt, dann müssen die echt krank sein und somit wären es dann wiederum keine Schmarotzer mehr! 😉

  4. Hallo zusammen,
    ich habe einen Mitmenschen der ist an ALS erkrankt.
    Schön eure Märchen über Psychokrabkheiten zu ertragen. Aber ich glaube euch kein Wort.
    Ich denke, da werden doch auch Psychokranke verurteilt die ein Krankhaftes Gedankengut haben, oder geht das nicht in die gleiche Richtung?
    Mein Vater hatte 2 solche Psychokranke in seinem Mietwohnungen. Ich bemerkte keine Krankheit bei diesen Frauen.
    Nur dass sie Exentrisch waren, aber eben Psycho IV-Bezüger.
    Fact ist doch, wer Körperlich behindert ist, keine IV Gelder mehr bekommt, wegen den Psychokranken.
    Ich denke, die Psychokraken, kann mann sehr schnell heilen. Die Körperlichen behinderten eben nicht.
    Darum muss das Psychopatenzeugs weg von der IV.
    Sorry, es geht um Invalidität, nicht um Psychoinvalidität.
    Ansonsten, Geisteskrankheiten bis hin zu Authismuss kenn ich sehr wohl, leider.
    Also ist dies die Alise30 in meinen Augen sich selbstbemittleidender Mensch.
    Genau solches Gedankengut tragen auch einige Mitarbeiter in meinem Arbeits-Team, bekommen die jetzt alle IV?
    Na ja, ich weiss es, ich habe das vergeben geschrieben.
    Aber da geht was nicht auf!
    Da könnte ich ja meine Kinder auch gleich der IV wegen Psychomatischen Störungen anmelden!
    So nicht..
    PS: Ich muss auch IV bekommen, denn mein Deutsch ist unterste Schublade, und es belastet mich sehr im Berufsleben, und habe damit Psychische Probleme!

  5. Lieber Herr Schwarz

    Die Geschichte ist zwar drei Jahre alt, aber nach wie vor aktuell. Was Sie hier von sich geben, tendiert in die Richtung des von mir damals beschriebenen „SVP-gefärbten Stammtischgedröhnes“. Ich sag’s mal ganz platt: Ihre Äusserungen belegen, wie wenig Ahnung Sie von der Materie haben. Dass sich die wenigsten Leute auf dem Gebiet auskennen, ist eine Sache. Das legitimiert allerdings nicht, sich auf so abfällige Art und Weise über Menschen auszulassen, die an Krankheiten leiden, die nun mal äusserlich nur bedingt ersichtlich sind.

    Ich erlaube mir das beurteilen zu können, da ich seit einiger Zeit im beruflichen Umfeld täglich mit psychisch erkrankten Menschen in Kontakt bin. Dabei lernt man mit der Zeit auch die Geschichten dieser Menschen kennen. Und die ist häufig von grossem Leid geprägt. Dabei bekommen wir auch direkt mit, wie schwer es ist, aufgrund einer psychischen Erkrankung eine IV-Rente zu erhalten. Geschweige denn wie oft eine Kürzung oder Streichung einer Rente auch dann angedroht wird, wenn es für Fachleute offensichtlich ist, dass diese Person niemals im regulären Arbeitsmarkt bestehen kann.

    Anstatt also weiterhin solches Gedankengut zu verbreiten, empfehle ich Ihnen, sich mit der Realität zu befassen. Besuchen Sie eine der vielen geschützten Werkstätten in der Schweiz oder informieren Sie sich an einem Besuchstag eines Wohnheims oder einer Psychiatrie.

    PS: Ihr Deutsch hat in der Tat Optimierungspotential. Ihre Versuche mit Ironie allerdings auch.

  6. @ Sensor
    Mangels eines entsprechenden Buttons halt in Worte: „Gefällt mir“ 🙂

    @ Peter Schwarz
    Natürlich kann man sich nur auf das verlassen, was man sieht. Sie selber sind aber das beste Beispiel dafür, dass das nicht korrekt ist. Oder sieht man an Ihrer Nasenspitze an, dass Sie etwas gegen psychisch kranke Menschen haben? Wohl kaum. Sich nur auf das Äussere zu verlassen funktioniert darum nicht, weder bei Ihnen noch bei psychisch kranken Personen.

  7. Als direkt Betroffener (mit vergleichsweise harmloser Phobie) kann ich das mit Aline nachvollziehen.
    Selbst mich konnte man nicht „heilen“. Ich kann lediglich nicht zwischen Menschen im Kino sitzen, oder in der Kirche, oder in einem Auditorium, ohne Panik zu bekommen, ohne gewisse Auswirkungen auf diverse Körperorgane zu haben.

    @Peter Schwarz
    Natürlich musst du nicht nachvollziehen können, was psychisch Invalide behindert. Das kann man wohl von dir nicht verlangen, weil du eben in dieser Sache auch etwas behindert bist. Dass du bei den Mieterinnen nichts erkennen konntest, sagt gerade gar nichts. Auch mir würdest du nichts ansehen, und einem mit Rückenschmerzen auch nichts. Auch dir sieht man nicht an, dass du eine etwas beschränkte Äusserungsweise hast. Und warum deine Kinder psychosomatische Störungen haben, und was du dagegen unternimmst, sagst du auch nicht. Falls sie sich behandeln lassen, kostet das auch, und wenn du nichts machst, könnte es sich verstärken.
    Ebenso könnte man fragen, warum jemand starke Rückenschmerzen hat, obwohl er x-mal operiert wurde, oder warum jemand ohne Bein einen Phantomschmerz verspüren kann.
    Bitte mach doch einen Vorschlag, wie man Psychokranke sehr schnell heilen kann. Einige wären dir dafür dankbar.

    Was ich an der ganzen Sache kritisiere, dass die Therapien mehr schlecht als recht sind. Statt solche Krankheiten über Jahre zu verschleppen, sollten diese Leute in einem „rundumdieUhr“ körperlichen Stressprogramm weg von der Psyche und in einer Konfrontationstherapie desensibilisiert werden.
    Gegenüber früher hat man auch bei körperlichen Beschwerden erkannt, dass Belastungstherapien meist besser sind als Schontherapien. Das Problem ist nur, dass es im ersten Fall Maschinen gibt, für psychische Belastungstherapien leider nicht. Und das ist schlecht, weil Psychotherapeuten eher faul sind.

  8. ich bin zwar schon etwas älter, habe mich fast zu lange durchgeschlagen. Aber kaum hat man mir eine IV-Rente zugesprochen, sind es genau die Leute, die vorher immer sagten, ich sei nicht normal. Die jetzt plötzlich finden ich sei doch ganz normal und attraktiv…also zu schön um krank zu sein……was dazu führt, dass ich immer tiefer in Krisen gerate und viel schneller. Man sieht hinter jedem Baum böse Verfolger. Aber wie es mir wirklich geht, das will eigentlich keiner so genau wissen……..

  9. Zuerst ist der steinige Weg, bis jemand die Diagnose richtig stellt, dann, wenn schon Stellenverlust und anderes droht, folgt der steinge Weg um die Überbrückung des finanziellen Lochs, der unweigerlich zur IV führt. Und wenn dann möglicherweise sogar eine Heilung stattgefunden hat, ist es schwierig, wieder einzusteigen, denn wenn man die IV mal abgesetzt hat, kann es nach einen Rückfall schwierig werden. Darum: wenn man einmal in der Abwärtsspirale drin ist, kommt man kaum mehr raus.
    Das ist das Problem unserer Gesundheitspolitik, und die wird nun mal von jenen umgesetzt, die sich gegenüber Hilfeempfängern arrogant benehmen.
    Oder, wie in einem mir bekannten Fall, wurde jemandwegen Depressionen zwar zu 100% krankgeschrieben, bekam jedoch pro Woche eine Stunde Therapie. Rate mal, wie lang so ein Fall verschleppt wird, und rate mal, was der Arbeitgeber dazu sagt.
    Darum ist auch professionelle Hilfe, die nicht genügend intensiv ist, keine gute Hilfe.

  10. Das Problem begann, nachdem unsere Staatsbetriebe, PTT, SBB, Bund allgemein, ihre damals gigantischen personellen ‚Ueberschüsse‘ Minder-Qualifizierter auf Kosten der Sozialversicherungen abzubauen begann, wer nicht mehr wollte oder konnte, wurde so auf die Ruhebank versetzt. Ich kannte viele Staatsheinis, die sich so ab 60 in den so ‚bezahlten‘ Ruhestand versetzen liessen.

    Natürlich haben auch die Anderen das bemerkt, und wie Menschen halt so sind, wenn’s um Profitieren geht, stehen sie alle Schlange. So zum Beispiel eine jüngere Frau in der Nachbarschaft, mit Kind, aber ohne Mann, vor lauter Verdruss über ihr Schicksal würde sie IV-Empfängerin. Oder der, der sich zu Tode fressen möchte, aber dafür von der IV zuwenig Geld erhält. Sein Auto und andere Wertsachen bleiben dabei (offiziell) bei einem guten Freund deponiert. Oder teil-invalide Baumeister, der ein Leben lang schwer herzkrank und Säufer war. Seit der Pensionierung fehlt ihm nichts mehr, und saufen tut er heute noch…

    Ich könnte endlos weiterfahren.

    Aber so kann es nich sein, nur weil jemand das Gefühl hat, ein psychisches Problemchen zu haben, sofort nach öffentlicher Hilfe zu schreien, genau so hat es doch dann angefangen, und heute stehen wir vor der Tatsache, dass ALLE meinen, sie hätten ein ANRECHT auf GLÜCK UND WOHLSTAND, und wer es nicht schafft, greift zur Versicherung.

    Der Mensch ist (auch) ein Parasit. Das aber zu verhindern, ist auch Aufgabe des Staates. Sich auf Kosten Anderer den Wanst zu füllen, zeugt von einer traurigen Einstellung. Und wer, wie oben geschrieben, dann auch noch das Gefühl hat, überwacht zu werden, muss doch ein schlechtes Gewissen haben – hätte man es es nicht, müsste man sich auch nicht vorsehen, ja nicht erwischt zu werden.

    Ich sah mal EINEN, der ging immer am Stock. Und bezog immer Leistungen. Als er sich einmal, in einer grossen Menge Leute, nicht beobachtet fühlte, trug er seinen Stock auf der Schulter…

    Zudem: Wir Automobilisten werden ununterbrochen überprüft. Auch wir Steuerzahler, oder wir Bahnbenutzer. Sogar an der Grenze passiert es uns, trotz eigentlich offener Schranken. Wieso sollen dann Leistungs-Bezüger nicht auch den gleichen Regeln unterliegen?

    Etwas weniger NARZISMUS wäre angesagt, etwas weniger EGOMANIE. Das ist es doch,an was zunehmend mehr und mehr Leute zu ‚LEIDEN‘ scheinen. Aber das sind keine Krankheiten, das ist nur (infantiles) Denken, Derer, die offenbar immer glaubten, wichtiger zu sein, als sie es halt sind, und damit nicht fertig werden.

    Die allermeisten Menschen scheitern an sich selbst…, es war schon immer so.

    Und die, die es wirklich nötig hätten, leiden naturgemäss auch darunter. Machen dagegen kann man aber nur Eines, nämlich HINSEHEN und KONTROLLIEREN. Wer das nicht versteht, ist ganz einfach, wie meistens, selber schuld…

    soviel dazu.

  11. Lieber Herr Jacob

    Nachdem ich mir nun Ihren Beitrag zweimal durchgelesen habe, bin ich immer noch unschlüssig, was Sie uns denn nun eigentlich sagen möchten. Geht es um Kritik an Staatsbetrieben? Dann hätten Sie irgendwie den falschen Post erwischt. Geht es um Gesellschaftskritik? Auch dann sind Sie falsch.

    Ich vermute mal, Sie verbreiten hier recht undifferenziert ihre Ansichten zu Menschen, die Hilfe vom Staat in Anspruch nehmen. Anders kann ich mir die herablassende Schreibe und den inflationären Gebrauch von Grossbuchstaben nicht erklären. Damit wir uns zumindest in einem Punkt einig sind: es gibt auch Missbrauch unserer sozialen Systeme und den soll man durch Kontrolle verhindern.

    Pauschale Rundschläge wie sie von Ihresgleichen in schlechtester Stammtischmanier verbreitet werden, sind – um es mal höflich zu formulieren – unpassend und unfair gegenüber Menschen, welche Hilfe wirklich benötigen. Wie in einem vorherigen Beitrag erwähnt, habe ich mit Menschen zu tun, die aufgrund einer Beeinträchtigung eine IV-Rente beziehen. Der weitaus grössere Teil würde sich wünschen, die Umstände wären anders und sie wären nicht auf fremde Hilfe angewiesen.

    Auch Ihnen würde ich, wie bereits Herr Schwarz, empfehlen, sich bei entsprechenden Institutionen zu informieren und das Wissen aus erster Hand zu erhalten. Falls Sie das Risiko in Kauf nehmen können, dass ihr Weltbild danach nicht mehr ganz so simpel sein wird.

  12. Es ging in meiner ‚Zustands-Analyse‘ weder um das Eine, noch das Andere, ich umschrieb die Situation, beginnend mit dem ‚Auslöser‘ der Renten-Explosion, ewähnte einige Beispiele, und schloss meine Analyse damit, darauf hinzuweisen, dass die, die das Problem eigentlich betrifft, unter der Konsequenz dieses Zustands zu leiden hätten.

    Meine Behinderungen waren nicht ‚primär‘ sichtbar, genausowenig wie die der meisten phsychisch Betroffenen. Eine leichte, aber in der gesamten Kindheit leistungsmindernde und zu Krämpfen führende Muskelschäche, dazu rot/grün farbenblind und umprogrammierter Linkshänder, dann ab 12 ein (pubertäres?) Herzproblem, das bis etwa 18 jede sportliche oder länger ’still-stehende‘ Tätigkeit unterband.

    Ich glaube daher nicht, jemanden kontaktieren zu müssen, um herauszufinden, wie es ist, wenn man nicht alles kann, oder zumindest so kann, wie die NORMALEN, mein Vorteil war vielleicht , dass mich, von klein auf, damit abfinden musste, dass ich vielen Dingen halt nicht so schnell, so stark, oder so ausdauernd war wie alle Anderen, die ich kannte.

    Erst in Amerika erkannte ich, wieviele Linkshänder es eigentlich gibt. Und ich erkannte den eigentlich grossen Vorteil, meine beiden Hände in etwa gleich gut einsetzen zu können. Und so wenig, wie Andere sich Namen, Gesichter, Autonummern, e.t.c. ‚memorisieren‘ können, so wenig kann ich gewisse Farb-Variablen ‚memorisieren‘, sehen kann ich sie ja trotzden.

    Trotzdem, Hobby und Berufswahl beschränken Farbenblinde genau so wie umerzogene Linkshänder in massivster Form. Dazu die Beinmuskelschwäche, Fahrradfahren , im besten Fall mit E-Motor. Bergsport, Laufsport, Fussball, Hockey, vergessen und begraben…

    Ich könnte natürlich noch weiterjammern, und immer nur das halbleere Glas vor mir sehen, genau so, wie dies doch heute dier grosse Trend ist. Auch bei den Promie’s, jede und jeder schnorrt doch nur noch von ihren/seinen Gefühle Wehwehchen, man liegt sich die ganze Zeit in den Armen. Die Esotherik-Sender sind doch mit Anruferinnen, die sich den Kof voll schnorren lassen, was ihnen in der Seele (mehr wahrscheinlich im Bauch) fehle und was noch Gutes auf sie zukoemmen würde, wenn sie nun endlich einmal für sich selber schauen würden und nicht immer nur für, oder besser, auf Andere.

    Es ist alles eine Frage der Verhältnismässigkeit. Wenn vor hundert Jahren der Anteil der Bevölkerung mit psychischen Problemen 5 % gewesen wäre, läge er, unter den Bedingungen, dass es der breiten Bevölkerung heute doch materiell und gesundheitlich erheblich besser geht, zumindest nicht über dem damaligen Prozentsatz. Läge er aber darüber, wäre doch zumindest die Frage legitim, weshalb es denn so sei.

    Sie unterstellen mir, in der Art einer groben Anyse erstellten, Stellungnahme hetzerische oder gar beleidigende Inhalte, Sie vergessen dabei offenbar, dass Alle von uns solche kennen, die NUR vom System profitieren, ohne eigentlich wirklich, in irgend einer Form, krank zu sein.

    Wenn alle, die nicht PERFEKT sind, ich war es ja (leider auch) nicht, dafür den Staat, in welcher Form auch immer, zur Verantwortung ziehen, zerbricht das System. Mir reicht es schon, durch das System gezwungen worden zu sein, meine ganze Programmierung umzustellen. Ohne dafür, ausgenommen Schläge mit dem Lineal auf die falsche Hand, etwas vom Staat zu erhalten.

    Soviel dazu, von Einem, der weiss, von was er spricht…

  13. leider fühlt sich jeder als Experte, wenn es darum geht, andere zu beurteilen oder zu qualifizieren. Dieses Phänomen fällt vor allem bei Politikern und Medienleuten auf, die sich berufen fühlen, zu allem die Meinung sagen zu müssen.

    Wenn es jemand schwerfällt, nur sichtbare (z. B. Bein ab) Beschwerden anzuerkennen, und psychische abzulehnen, dann fehlt ihm halt einfach ein Teil der Wahrnehmung, was ja an sich auch schon eine relativ grosse Behinderung ist.

  14. liebe aline, ich bin selber betroffen und deine geschichte macht mich sehr betroffen. seit ich 20 bin kämpfe ich den denselben kampf wie du. der unterschied ich bin jetzt 50 jahre alt und und habe mich immer wieder mit 50% arbeit im verkauf etc. über wasser gehalten. habe viele psychiatrieaufenthalte hinter mir. hatte das glück zu hause bei meinen eltern immer wieder schutz zu finden. habe seit 18 jahren, kleine wohnung, die ich halten konnte und bin stolz darüber. bin ursprüngflich ausgebildete krankenpflegerin fasrk, wo für mich durch meine schizohrenie, manie, depression keine möglichkeit mehr besteht zu arbeiten.macht mich traurig glaub mir. letzte arbeit im migros kassiererin, mediwechsel, keine chance. letzte arbeit jetzt im geschützten bereich. viel mobbing durch kollegin, keine kraft mehr. betreue über jahre meine betagten eltern nebenbei. ich habe jetzt keine lust und kraft mehr weiterzukämpfen. glaub mir schäme mich auch wegen meiner iv und el.mein problem liegt zurück in meiner kindheit, habe missbrauch erlebt mit 11 und dort liegt bei mir der wunde punkt. habe internetseelsorge in anspruch genommen und denke muss seelsorge weitervefolgen, konnte alles rauskotzen. habe enge freunde über jahre und den glauben an gott zum glück nie verloren, im gebet kann ich ihm alles geben nur der missbrauch glaub mir versteh ich nicht warum er das zuliess. du fühlst dich so allein, es war mein nachbar, konnte meinen eltern nichts davon erzählen, sonst wäre der nachbar tod.meinen stiefbruder noch verloren mit 18 er war 21. ging unter den zug war schizophren, lehre abgebrochen und dann später von vorne durchgezogen. du fragst dich warum ich dir das schreibe. ich möchte dir mut machen, alina, gib nicht auf verfolge deine ziele auch du kjannst stolz sein auf dich. manchmal muss mann halt das so akzeptieren wie es ist. alina du lebst, und glaub mir, gott liebt dich so wie du bist, sonst wärst du nicht da und ich auch nicht.und unser glück ist miteinander zu sein im austausch unser probleme. das problem mit der psychischen krankheit wird thema werden in der gesellschaft, man muss und wird uns wieder wahrnehmen in der gesellschfaft. den, früher gab es nischenarbeitsplätze. ich, eveline wünsche dir nur gutes und verfolge deine fotografie, so eine schöne natur, welt, menschen, trotz alllem.

  15. Liebe Aline
    Auch ich bin eine betroffene von dieser schrecklichen „Krankheit“.
    Vor 23 Jahren erlitt ich einen schweren Autounfall von welchem ich mich erstaunlich gut erholt habe. Doch die Psyche konnte da nicht mithalten. Habe schon unzählige psychiatrische Klinikaufenthalte hinter mir. Immer wenn es meinem Umfeld zuviel wurde haben Sie mich in diese abgeschoben. Ich werde mit Neuroleptika und Psychopharmika vollgepumpt. Habe deswegen starkes Uebergewicht.
    Seit dem Unfall habe ich noch bei der Post gearbeitet,aber da wurde ich vor Jahren einfach wegrationalisiert und an die IV weitergeleitet.
    Seit 7 Jahren arbeite ich in einer geschützten Arbeitsstelle mit körperlich Behinderten und geistig. Es ist jeder Tag ein Horror
    aber ich möchte doch noch gebraucht werden. Ich fühle mich auch sehr minderwertig weil ich eine Rente beziehen muss und mit solchen Leuten arbeiten muss. Oft zweifle ich an meinem eigenen Geisteszustand und momentan erzähle ich wie diese einen Müll.
    Mein Mann nimmt mich gar nicht mehr ernst und mein Vater auch.
    Was ich mir da alles anhören muss! Mein Selbstbewusstsein ist völlig am Boden und ich habe das Gefühl ich habe NIEMANDEN mehr.

  16. Doch, liebe Frau Schmid, Sie haben immer noch sich selbst. Aber genau hier liegt vielleicht auch Ihr Problem, Sie sind vielleicht einfach nicht in der Lage, mit sich selbst etwas anzufangen, und erwarten aber von Anderen, sich mit Ihren eigenen Problemen herumschlagen zu müssen.

    Betrachten Sie diesen Zustand wie eine Waage, wer mit anderen Menschen auskommen will, muss immer darauf achten, die Balance zu halten. Denn auch andere Menschen haben ihre eigenen Probleme, hatten Unfälle, wurden von harten Schicksalsschlägen getroffen, aber wenn jeder dieser Menschen sich selber dann einfach Anderen überlassen würde, wäre zuletzt Jeder wieder allein.

    Und die Liebe schwindet, ganz langsam, aber stetig, denn irgendwann kann man es einfach nicht mehr hören, ständig nur mit ‚fremdem‘ Mist belastet zu werden, ohne jede Aussicht, dass sich an der Situation je etwas ändern würde.

    Ihr Mann nimmt Sie sicher ernst, wahrscheinlich sogar sehr ernst, und Ihr Vater auch. Ich aber würde daher eher darauf aufpassen, dass man Sie nicht zu ernst nimmt, denn auch Ihr Mann hat ein Recht auf ein eigenes Leben, und er hat Sie sicher nicht genommen, um dafür jetzt nur noch Ihre Leidensgeschichten miterleben zu müssen, denn würde er es, würde er wohl selber früher oder später krank davon.

    Sich mit Ihrem Zustand abzufinden, und das Beste daraus zu machen, ist das Einzige, das die weiterbringt. Alles Andere wird die Situation nur verschärfen, bis zu dem Punkt, wo Ihr Mann Sie irgendwann wohl trotzdem verlässt.

    Nicht, weil er Sie nicht mehr lieben würde, er wird einfach nicht mehr können, seiner eigenen Gesundheit zuliebe. Ob es Ihnen aber das wert ist, müssen Sie selber entscheiden, und ich wünsche Ihnen dazu alle Gute.

    Von Einem, der auch in dieser Beziehung sehr viel miterlebt hat…

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