Wenn Swatch-Uhren einen Moment still stehen…

Gedanken zum Tod von Nicolas G. Hayek und dessen Bedeutung für die Region Biel.

Biel ist die zehntgrösste Stadt der Schweiz, die zweitgrösste des Kantons Bern und die grösste zweisprachige Stadt der Schweiz.

Und Biel ist heute auch eine prosperierende Stadt. Zeugen dafür sind die unzähligen Grossprojekte und Grossbaustellen:

  • Lücken im Autobahnnetz werden endlich gebaut oder weiter geplant.
  • Ein neues Verwaltungsgebäude soll bis 2013 die weit verzettelte Verwaltung grösstenteils unter ein Dach bringen.
  • Neue Fussball- und Eishockeystadien sind beschlossen und der Spatenstich steht bald an.
  • Auf dem ehemaligen Expo-Gelände soll eine Art «Klein-Venedig» entstehen.
  • Ein Regiotram soll die zunehmende Mobilität von 100’000 Personen aus der Region in naher Zukunft bewältigen.
  • usw.

Eine wichtige, treibende Kraft hinter vielen dieser Projekte ist sicher der Stadtpräsident und Nationalrat Hans Stöckli.

Ihm ist es auch zu verdanken, dass sich Biel in den letzten Jahren «diversifiziert» hatte und nicht mehr nur die Stadt der Uhren, sondern unter anderem auch zur Stadt der Präzisionsindustrie und der Kommunikation geworden ist.

Trotzdem: Mit Rolex, welche in Biel ihre Uhrenwerke herstellt und zurzeit die eigenen Räumlichkeiten ebenfalls weiter ausbaut, mit der Swatch Group, dem grössten Uhrenunternehmen der Welt sowie mit unzähligen kleineren, allgemein wenig bekannten Uhrenfirmen ist und bleibt die Uhrenindustrie eines der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine von Biel.

Dabei hatte «das rote Biel» unglaublich viel Glück, dass ihr in der jüngeren Vergangenheit nicht nur einer geschickt wurde, welcher den Glauben an die Uhrenindustrie nie verloren und das Undenkbare – nämlich billig Schweizer Uhren zu produzieren – gewagt hatte.

Nein, Biel wurde auch beglückt mit einem echten Patron, der schon Sozialkompetenz aufwies, als andere diesen Begriff noch gar nicht kannten. Die Rede ist natürlich von Nicolas G. Hayek, dem gestern Abend verstorbenen Verwaltungsratspräsidenten Patron der Swatch Group.

Er war auch der einzige Ehrenbürger der Stadt Biel – und dies zu Recht. Die lange Liste der Projekte, so wie sie oben steht – sie würde heute wohl ganz anders aussehen, hätte er vor 25 Jahren «den Karren nicht aus dem Dreck gezogen».

Selbst in der jüngsten Wirtschaftskrise verfielen er und sein Sohn Nick (CEO) nicht in Panik, sondern bewahrten kühlen Kopf und bewiesen eben das, was man heute «Sozialkompetenz» nennt.

Die Stadt Biel und viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus der Region verdanken Nicolas G. Hayek sehr viel, ja sogar soviel, dass für ihn ein Denkmal gebaut oder ein Platz oder eine Strasse nach ihm benannt werden sollte.

Doch wer den Visionär, Querdenker, Exzentriker, Patriot, sozialen eingestellten Patron und vor allem mutigen Entrepreneur kennt, der weiss, dass ihm das gar nicht gefallen würde.

Wer ein Denkmal für ihn errichten will, der tut wohl besser daran, andere Visionäre, Querdenker, Exzentriker, Patrioten, soziale Patrons und mutige Entrepreneurs à la Hayek zu unterstützen.

Davon gibt es nämlich viel zu wenige – meint bestimmt auch Nicolas G. Hayek.

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  • Hayek über Hayek:
    Ein «10vor10»-Beitrag mit bemerkenswerten Aussagen über das (kranke) Finanzsystem vom 19.07.2005 (!).

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