Das CVP-Team, das keines mehr ist

Gewisse Parteien haben den Wahlkampf 2011 offiziell bereits lanciert. Diese Eile gegenüber früheren Jahren hat allerdings auch ihre Tücken…

Bereits am 9. Februar hatte die CVP ihre Wahlkampagne fürs 2011 den Medien vorgestellt. Es gilt seither der Slogan «Keine Schweiz ohne uns.» Dieser steht auch klar und deutlich auf der Titelseite des so genannten «Wahlvertrags»:

Versprechen und Versprecher

Bereits auf der nächsten Seite lächeln einem mehr oder weniger souverän die CVP-Bundesrätin Leuthard, der CVP-Präsident Darbellay und der CVP-Fraktionspräsident Schwaller entgegen:

Man wähnt sich ins Jahr 2007 zurückversetzt, als die SVP mit Christoph Blocher und dem Motto «Blocher stärken, SVP wählen» warb. Doch nein, «Leuthard stärken, CVP wählen» gilt hier nicht, auch wenn Doris Leuthard ganz vorne steht. Stattdessen ist die Rede von «…wir halten unsere Versprechen». Aha.

Soweit, so gut. Auf einer später folgenden Doppelseite präsentiert sich dann das «Swiss Team 2011», welches sich wie folgt zusammensetzt:

(Zum Vergrössern anklicken)

Wie unschwer zu erkennen ist, handelt es sich um die bekannten CVP-Köpfe aus dem National- und Ständerat, einschliesslich der CVP-Bundesrätin. Sie ohne weiteren Kommentar auf dieser Doppelseite im Wahlvertrag 2011 (und nicht etwa in einer normalen CVP-Broschüre) aufzuführen ist wie so eine Art Versprechen, wonach diese auch im Wahljahr 2011 wieder antreten würden.

Nur: Von fast einem Viertel dieser Köpfe ist heute schon bekannt, dass sie im Herbst nicht mehr zur Wiederwahl antreten werden und bei mindestens zwei weiteren ist fraglich, ob sie nochmals in den «Ring» steigen mögen. Daraus ergibt sich die folgende «Bilanz»:

(Zum Vergrössern anklicken)

Wie ging das doch gleich: «…wir halten unsere Versprechen»? Zugegeben, dieses «Swiss Team 2011» war kein Versprechen, wohl eher ein Versprecher. Und noch mit Köpfen zu werben, welche abtreten, ist… naja…

Politisch korrekt wäre…

Stets um politische Korrektheit bemüht – und auch als kleine Hommage an die Betroffenen – hat man sich deshalb in der Augenreiberei erfrecht, das Motto und das Motiv der CVP entsprechend den Tatsachen «leicht» anzupassen:

😉

5 Antworten auf „Das CVP-Team, das keines mehr ist“

  1. Gerade eben hat sich auch der Fribourger Kantonalpräsident Emanuel Waeber verabschiedet.
    Er störe sich am unkoordinierten Vorgehen mehrerer Sektionen, nannte er als Rücktrittsgrund.

    Noch ist offen, ob er auch aus der CVP austreten wird.

    Vielleicht hat er ja ein Transferangebot von der, in Freeburg, noch schwächelnden (r)echten Schweizer Partei, die da meint, dass echte Schweizer zu ihnen gehören müssen.
    😉

  2. @ Dan
    Du meinst, er hat sich verabschiedet, bevor er überhaupt zum Team gehörte?

    Und dass die echte Schweizer Partei bei Euch schwächelt, überrascht mich. Ihr habt doch in Bulle den Sprecher des Berner Ständeratskandidaten dieser echten Schweizer Partei, der sich gelegentlich auch noch als Bundesratskandidat verheizen lässt, sprich, der schon ziemlich abgehärtet ist für allerlei Wahlkämpfe… 😉

  3. Ich finde es gut, wenn sich Leute verabschieden, die sich nicht in der CVP heimisch fühlen.

    Bei der SVP ist es anders: Hier sind Leute an der Basis, die lediglich schauen, was die Elite sagt, nichts dabei denken und bleiben.
    Was ich davon halte, muss ich wohl nicht erklären.
    Dass die SVP ihre arme Basis meist wie z.B. im Steuerbereich über den Tisch zieht, merkt diese nicht mal.

  4. Irgend etwas störte mich schon lange an diesem Slogan, und jetzt weiss ich auch was:
    Keine Schweiz, (Komma!) ohne uns.
    Das gibt ja eine ganz andere Aussage!

    Irgendwie sehr spitzfindig formuliert, ich behaupte mal, die meisten – so auch ich – lesen das ganze ohne Komma, eben als „Keine Schweiz ohne uns“.

    Die ursprüngliche Aussage bedeutet aber, das alle anderen Parteien die Schweiz zerstören wollen. Ziemlich gewagte Behauptung, zumal die anderen Bürgerlichen ja nur echte Schweizer Mannen und Frouen wählen lassen.

  5. Du meinst, es wäre eher so zu verstehen:

    Keine Schweiz? Ohne uns!

    Ich habe das immer ohne Komma verstanden und sehe im Komma eigentlich keinen Sinn. So oder so: „Keine“ und „ohne“ sind beides negative Ausdrücke. Auch wenn in der Mathe Minus-mal-Minus wieder Plus gibt: Geschickt finde ich das nicht. Es drückt eher die Defensivhaltung aus. „Eine Schweiz dank uns“ wäre doch viel positiver, oder? (mit oder ohne Komma?)

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