Schweinegrippe und Tierversuche

Manchmal kann man als Laie einfach nur staunen, was da draussen in der Welt so geschieht, das gar nicht geschehen sollte – würde man meinen. Die Rede ist von den Anschlägen gegen Personen von Pharmaunternehmen.

Es sind verschiedene Punkte, über welche man sich bei diesen Untaten in der Augenreiberei – wie könnte es anders sein – die Augen reibt:

Wie aus dem Nichts (?)

Da tauchen plötzlich wie aus dem Nichts militante Tierschützer auf – zumindest kommen sie für die breite Öffentlichkeit wie aus dem Nichts. Hört man den Worten einiger Betroffener jedoch genau zu, scheint dieses Phänomen nicht neu zu sein («10vor10»-Bericht vom 05.08.2009):

Wie kommt es, dass wir mehr hören über Rechtsextreme (mindestens einmal pro Jahr) als über militanten Tierschützer, welche offensichtlich nicht vor physischer Gewalt gegenüber Sachen wie zum Beispiel Grabschändungen zurückschrecken?

Von wegen Terroristen und so…

Was einem dabei auch zum Staunen bringt, ist die heutige «Terroristisierung». Ungeniert titelt da etwa ein «20 Minuten»: «Tierterroristen sind wie die Al Kaida organisiert». Wunderbar, wie da eine Assoziation aufgebaut wird, nicht wahr?

Über den militanten Charakter dieser Aktionen braucht hier nicht diskutiert zu werden. Auch dass solche Taten zu verurteilen sind, steht wohl ausser Frage.

Doch gleich von Terrorismus zu sprechen, welcher sich normalerweise gegen eine politische Sache richtet, ist schon ziemlich scharfes Geschütz – wären wir nicht bald schon daran gewöhnt, jedwelchen gesetzlichen Verstoss durch eine Gruppe (das beginnt ab zwei Personen) als «Terrorismus» zu bezeichnen…

Man könnte dabei aber auch zum Glauben gelangen, dahinter stecke Marketing. Sie haben richtige gelesen: Marketing, politisches Marketing, um genauer zu sein. Denn indem man auch diese Untaten als Terrorismus bezeichnet, kann man das Ganze auch unter dem «Branding» «Kampf gegen den Terrorismus» laufen lassen. Clever, nicht wahr?

Und dieser «Kampf gegen den Terrorismus» ist nach Ansicht vieler nur dadurch möglich, indem man die Grundrechte einschränkt. Gesetze sollen verschärft werden, um alles und jedes kontrollieren und überwachen zu können. Andere Möglichkeiten werden gar nicht erst in Erwägung gezogen oder diskutiert.

Wer es trotzdem wagt, sich gegen diese Massnahmen wenigstens verbal zur Wehr zu setzt, riskiert ob dieser «Terroristisierung» schon mal Betitelungen wie «Terroristenfreund» oder «Landesverräter» – und seien sie nur gedanklich geäussert.

Und: Es würde auch nicht überraschen, wenn seitens Pharmaunternehmen plötzlich Geld an Parteien fliessen würde, um eben diese Verschärfungen durchzubringen. Was Banken können, sei den Pharmaunternehmen und ihren (betroffenen) Bossen nicht vorenthalten. Die entsprechenden «Kontakte» sind ja schliesslich bereits vorhanden…

Teurer, ineffizienter Sicherheitsapparat

Mit Kanonen soll man bekanntlich nicht auf Spatzen schiessen, das wissen Sie ja. Soll dann die Armee mit Panzern auf militante Tierschützer schiessen? Oder andersrum gefragt: Wozu geben wir jährlich Millionen aus für eine Armee aus, wenn die heutigen, realen Bedrohungen von ganz woanders her kommen?

Gewiss, ein Teil dieser Millionen fliesst auch in unsere Nachrichtendiensten. Und da erstaunt es einmal mehr, dass diese offensichtlich keine Ahnung über die Täter haben, wie das bereits genannte Blatt zu berichten weiss:

Der Schweizerische Inland-Geheimdienst vermutet, dass es sich bei den schweizerischen militanten Tierschützern um ungefähr zwei Dutzend lose zusammengeschlossene Aktivisten handelt. «Wir können aber nicht ausschliessen, dass es sich um ein und dieselbe Organisation handelt, die unter verschiedenen Fantasienamen auftritt» so VBS-Sprecher Martin Bühler.

Tierversuche, Schweinegrippe und die Medien

Wenn Sie es bis hierhin geschafft haben, werden Sie sich nun bestimmt fragen, weshalb denn dieser Artikel mit «Schweinegrippe und Tierversuche» betitelt ist. Es geht hierbei um den letzten Punkt, über welche der Laie nur staunen kann…

So wurde in den vergangenen Wochen die Schweinegrippe in den Massenmedien aus allen möglichen Winkeln beleuchtet. Nur ein Aspekt blieb bis anhin aussen vor: Wie kommt es überhaupt zu einem Impfstoff?

Wäre diese Frage ausreichend behandelt worden, dann wäre auch die Thematik «Tierversuche» zur Sprache gekommen. Und vielleicht – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt – wäre dabei auch wieder einmal die ethische Frage über Tierversuche aufgeworfen worden. Tierschutzorganisationen hätten sich zu Wort gemeldet und wären angehört worden.

Die Welt hätte es nicht grundlegend verändert. Aber vielleicht würde heute, wo so genanntes «bewusstes Einkaufen» mehr denn je praktiziert wird, der eine oder andere etwas mehr auch auf die Wahl seiner Kosmetikartikel oder seiner Medikamente achten. Würde dadurch der Umsatz für Produkte mit Tierversuchen zurückgehen und für solche ohne Tierversuche zunehmen, wäre das eine Sprache, welche die Pharmaunternehmen verstünden – und nicht etwa abgefackelte Ferienresidenzen oder versprayte Kirchen…

Aber eben, diese Diskussion über Impfstoffe und Tierversuche findet bis heute nicht statt. Stattdessen steht nun das Militante, das «Terroristische» dieser Aktion im Vordergrund, sodass Herrn und Frau Schweizer weiterhin nur das Wohl der eigenen Wellensittiche wichtig ist und nicht auch das Wohl anderer Tiere.

Die militanten Tierschützer haben mit ihren Aktionen vieles erreicht, dass sich wohl genau gegen sie und ihre Gesinnung richtet.

  • Derartige Aktionen gibt jenen recht, welche nach noch mehr Überwachung schreien.
  • Diese Aktionen gibt auch jenen recht, welche noch mehr für Nachrichtendienste ausgeben wollen, denn «da ist ja noch mehr Gefahr».
  • Der militante Charakter dieser Aktionen lenkt vom eigentlichen Thema (Tierversuche) ab.
  • Eine eigentliche Diskussion über Tierversuche findet nicht statt, ja sie kann gar nicht stattfinden. Denn welcher nicht-militante Tierschützer würde es wagen, jetzt in einer Diskussion genau die gleichen Forderungen zu stellen wie die militanten Tierschützer, ohne dabei nicht in den gleichen Topf geworfen zu werden?
  • Der aktuelle «Hype» um die Schweinegrippe erhöht die persönliche Betroffenheit. Da ohnehin jeder sich selbst der Nächste ist, haben es Tierschützer zurzeit besonders schwer, Forderungen gegen Tierversuche zu stellen.

Was sich diese militanten Tierliebhaber geleistet haben, ist wahrlich ein Meisterstück für eine kontraproduktive Aktion… Auch darüber staunt der Laie. Schade um die Sache an sich.

2 Antworten auf „Schweinegrippe und Tierversuche“

  1. diese Terroristen sollte man nur insofern ernst nehmen, dass sie „normale Kriminelle“ sind und hinter Gitter gehören.
    Ich behaupte, dass diese Leute auch Produkte benötigen, die mal in Tierversuchen getestet werden.
    Dass Tierversuche nicht das glebe vom Ei sind, muss man aber auch öfter wiederholen, da gäbe es sicher auch was zu forschen. Ist vielleicht nicht so gabz lukrativ.

  2. Da triffst Du den Nagel wohl auf den Kopf: Es mangelt heutzutage nämlich an der Transparenz darüber, ob für ein Produkt Tierversuche durchgeführt wurden oder nicht.

    Was ich schon gesehen habe, ist das Gegenteil, also Erwähnungen wie: «Dieses Produkt wurde ohne Tierversuche hergestellt.»

    Doch solange wir nicht wissen, wo und wann Tierversuche stattfinden, ist es auch relativ schwierig, sich beim Einkauf dementsprechend zu verhalten.

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