Too big or not too big

Wenn die Dinge aus den gewohnten Fugen geraten, soll es der Staat wieder richten. Investigativer Journalismus könnte dabei helfen, die Dinge (wieder) ins richtige Verhältnis zu setzen.

Viele Nachrichten erreichen den Empfänger häufig nur als Einzelmeldungen, so auch jene der letzten Tage. Einige davon haben jedoch eines gemeinsam: Sie befassen sich immer mit der «Too big»-Problematik.

Es geht dabei darum, dass eine Unternehmung oder eine Sache offensichtlich zu gross ist oder wird, sodass daraus ein «Klumpenrisiko» entsteht. Tritt dann ein grösseres «Problem» auf, könnte dieses «systemrelevant» sein, könnte also ein bestehendes System kräftig durcheinander bringen.

Wann ein solches Problem als systemrelevant gilt, ist nicht klar. Klar ist hingegen, dass gerade in letzter Zeit immer häufiger nach dem Staat gerufen wird, sobald ein grösseres Problem eintritt.

«Too big» wohin das Auge reicht

Beispielhaft für die zahlreichen Einzelmeldungen war die «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens von vorgestern Abend. Darin ging es in einem Beitrag um mögliche Milchpreissenkungen.

«Too big» sei nämlich das produzierte Milchvolumen, weshalb wegen dieses Überangebots die Preise sinken sollen. Und weil auch die Zahl der betroffenen Bauern «too big» ist, soll allenfalls der Staat wieder eingreifen.

Ein anderer Beitrag behandelte die 900’000 Kilogramm importiertes Fleisch, welches in jenem Basler BELL-Kühlhaus zwischengelagert wurde, welches im März 14 Tage lang abbrannte. «Too big» ist diese Fleischmenge, darum soll auch hier der Staat dafür sorgen, dass diese Menge «unbürokratisch» wieder importiert werden darf.

«Too big» ist ebenfalls die Aufwertung des Schweizer Frankens insbesondere wegen der «Griechenland-Krise», wie ein anderer Beitrag zeigt. Das sei nicht gut für den Tourismussektor und erst recht nicht für die Exportindustrie.

Hier hat der Staat beziehungsweise die Schweizerische Nationalbank (SNB) bereits eingegriffen und zwar indem sie Euros kaufte: Satte 50 Milliarden bunkert die SNB zurzeit an Euros.

«Too big» seien auch die Ausfälle bei den Fluggesellschaften aufgrund des Ausbruchs des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull, kann einem weiteren Beitrag entnommen werden. Darum soll es auch hier der Staat mittels finanzieller Unterstützung wieder richten, wie der internationale Luftfahrtverband (IATA) fordert.

«Too big» verhindern

Die Kehrseite der «Too big»-Problematik ist die regulierende Seite. Wir erinnern uns: «Too big to fail» sind die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Crédit Suisse.

Darum beschäftigte sich auch die Finanzmarktaufsicht (FINMA) mit dieser Problematik und erliess neue Vorschriften, wie einem anderen Beitrag der gleichen Sendung entnommen werden kann.

Und ein Beitrag der gestrigen Tagesschau beschäftigte sich wiederum mit dem Bericht der Expertenkommission «Too big to fail» des Bundesrats, welcher bei den heutigen Grossbanken nicht wirklich ein «Too big»-Problem sieht…

Ebenfalls gestern war zu entnehmen, dass sich auch Barack Obama in den USA mit dem «Too big»-Problem bei den Banken beschäftige. Demnach sollen die US-Grossbanken in Zukunft das Risiko für weitere, ähnliche Krisen mittels eines 50 Milliarden Fonds selber tragen.

«Too big» wäre auch das fusionierte Unternehmen zwischen Sunrise und Orange auf dem Schweizer Markt geworden, meinte ebenfalls gestern die unabhängige, aber staatlich finanzierte Wettbewerbskommission (WEKO). Deshalb liess sie die geplante Fusion wegen einer zu erwartenden «marktbeherrschenden Stellung» platzen.

Wer A sagt…

Interessant sind bei dieser «Too big»-Problematik die Reaktionen der Marktteilnehmer: Um die heutige Grösse zu erreichen war es einem Unternehmen gut und recht, dass die schier schrankenlosen Regeln des freien Marktes galten.

Staatliche, regulierende Beschränkungen des Marktes – nicht zuletzt auch um das Klumpenrisiko zu minimieren – soll es nach Ansicht der Marktteilnehmer hingegen keine geben, das sei «wirtschaftsfeindlich» und «marktverzerrend».

Doch dann – und nur dann – wenn innerhalb eines Unternehmens ein grösseres Problem auftritt, versucht man gegenüber den Behörden die Grösse des Unternehmens geltend zu machen und spricht von einem «Klumpenrisiko». «Ihr dürft uns nicht fallenlassen, Ihr müsst uns unterstützen», heisst es dann vereinfachend ausgedrückt.

Wer A sagt, muss auch B sagen. Und wer den Staat als Garant im Rücken haben will, muss auch staatliche Auflagen akzeptieren – ob es ihm nun passt oder nicht…

Bis hierhin ging es um die «Too big»-Problematik aus wirtschaftlicher Sicht, bei welcher der Staat jeweils gefordert ist. Es gibt aber auch die «Not too big»-Problematik, bei welcher letzten Endes ebenfalls der Staat gefordert ist und dies nicht zuletzt auch um sich selber nicht in Gefahr zu bringen.

Die Vergessengegangenen

Wir erinnern uns: Eine Vulkanaschewolke hatte über mehrere Tage den Flugverkehr in Europa eingeschränkt. Es gab minuten- und seitenlange Medienberichte über dieses Naturereignis und dessen wirtschaftlichen Folgen.

Grafiker wurden bemüht, etwas aufzuzeigen, das niemand sehen konnte. Und Korrespondenten wurden bemüht, über ihr eigenes Schicksal zu berichten, weil sie ja selber auch festsassen und nirgendwo hingeschickt werden konnten.

Die Anzahl Toter aufgrund dieser Wolke liegt bei null, jene der Verletzten ebenfalls. Gewiss wird der eine oder andere irgendwo in einem Flughafengebäude verstorben sein, aber das wäre auch ohne Vulkanausbruch geschehen. Und die an Flughäfen Gestrandeten wurden quasi 24 Stunden lang betreut.

2’000 Tote und 12’000 Verletzte gab es beim Erdbeben vom Mittwoch der vergangenen Woche in China. Die Überlebenden sind mit kaltem Wetter und kräftigen Winden erbärmlichen Bedingungen ausgesetzt.

«Not too big» sind wohl die genannten Zahlen, denn es gab keine minuten- und seitenlange Berichte über dieses Naturereignis, keine täglichen Live-Schaltungen und nicht einmal Korrespondenten, die über ihr eigenes Schicksal als Erdbebenopfer berichteten.

Dafür haben wir vorgestern erfahren, dass die Chinesen 239 Millionen Euro für die Opfer gespendet hätten. Sind sie nicht grosszügig, diese 1’300 Millionen Chinesen…?

Relatives «too big»

Der Unterschied zwischen der «Too big»- und der «Not too big»-Problematik, zwischen dem Zur-Kenntnis-nehmen und dem Nicht-viel-davon-erfahren liegt im Lobbying.

Mittels Lobbying werden Themen aufgeworfen, welche die Interessen der Betroffenen tangieren. Das ist teilweise auch deshalb notwendig, weil Nichtbetroffene die Problem nicht oder anders sehen.

Wenn es darum geht, die Interessen einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen – auch um so einen gewissen Druck auf Entscheidungsträger auszuüben – ist dafür Medienarbeit notwendig. Ohne Medien erfährt «die Öffentlichkeit» kaum etwas über die Anliegen einer Interessen- oder Schicksalsgemeinschaft.

Doch Erdbebenopfer haben keine Lobby. Da ist niemand, der sich mit Medienarbeit in der Öffentlichkeit für sie stark macht. Darum hat die Öffentlichkeit bis heute nicht erfahren, weshalb China keine ausländische Hilfe angefordert hatte.

Demgegenüber haben Fluggesellschaften eine Lobby. Banken auch. Und Milchproduzenten erst recht. Sie alle betreiben PR, um die Anliegen aus ihrer Sicht via Medien der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Geforderte Medien

Das «Too big»- und «Not too big»-Problem ist darum auch ein Problem der Wahrnehmung, eine Wahrnehmung welche stark von dem geprägt ist, was uns die Medien zu berichten wissen. Deshalb sind die beiden Probleme auch eine Herausforderung für die Medien.

Denn auf der einen Seite geht es darum, auch über jene zu berichten, welche eben keine Lobbyorganisation mit einer PR-Abteilung und millionenschwerem Budget hinter sich wissen.

Und andererseits geht es darum, den Weizen von der Spreu bei jenen trennen zu können, welche eben eine entsprechende Lobbyorganisation haben und über diese für ihre Interessen PR betreiben.

Beides verlangt einen kritischen, investigativen Journalismus.

Notwendig ist das insbesondere dann, wenn es um den Staat geht. Denn der Staat sind wir alle. Wenn also beispielsweise Forderungen an den Staat gestellt werden, dann richten sich diese an uns. Es sind unsere Steuerfranken, welche an Unternehmen gehen würden, welche um staatliche Unterstützung betteln.

Währenddem private Unternehmen nach eigenem Gutdünken PR für ihre Forderungen betreiben können und dabei nicht immer mit seriösen Informationen operieren, haben die verwaltenden Behörden sich an Fakten zu halten.

Fakten sind eine relativ trockene Angelegenheit. Auf sie hören viele weitaus weniger als auf organisierte PR-Aktionen eines privatrechtlichen Unternehmens, welches zum Beispiel aufs PR-Pferd «Empörung» setzen.

Fast gelungene PR

Dies hat massgeblich Einfluss auf das, was wir allgemein hin «die öffentliche Meinung» nennen.

Ein Beispiel: Die Schliessung der Kartonfabrik in Deisswil und die sofortige Entlassung von über 250 Angestellten erfolge wegen des «drastischen Anstiegs der Schweizer Emissionssteuern» (CO2-Abgabe), wie die österreichische Besitzerfirma, Mayr-Melnhof Karton AG, in ihrer Medienmitteilung schreibt.

Das generiert natürlich Empörung, Empörung über die böse, böse CO2-Abgabe, welche als Lenkungssteuer gedacht ist.

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat noch gleichentags reagiert und darüber informiert, dass «die auf Anfang 2010 erhöhte CO2-Abgabe für die Kartonfabrik Deisswil zu keiner Mehrbelastung» führe.

Nur dank der sofortigen Reaktion entbrannte keine langwierige, vermutlich auch polemisch geführte Diskussion, ob denn nun diese Abgabe «wirtschaftsfeindlich» sei oder nicht. Doch es hätte auch anders herauskommen können.

Ein anderes Beispiel sind die 1.7 Milliarden US-Dollar an Ausfällen, welche die Fluggesellschaften nach Angaben der IATA aufgrund der Sperrung der Lufträume erlitten hätten. Das klingt nach viel Geld, nach verdammt viel Geld.

Doch ist das in einem Gesamtkontext betrachtet wirklich viel Geld? Wie viel Umsatz machen denn alle Fluggesellschaften gemeinsam an einem Tag?

Der CEO der Swiss, Harry Hohmeister, konnte im Interview mit der «Rundschau» am Mittwoch auf jeden Fall nicht genau beziffern, mit welchen Ausfällen zu rechnen ist. Wie also kann dann eine IATA von 1.7 Milliarden US-Dollar sprechen, wenn selbst ein seriöses und sicher gut organisiertes Unternehmen wie die Swiss die Ausfälle noch gar nicht beziffern kann?

Es dürfte sich wohl auch hier wiederum nur um eine PR-Aktion gehandelt haben, um eben den Forderungen nach staatlicher Unterstützung mehr (Ein-)Druck zu verleihen…

Risikoreiche Tätigkeit

Kritischer, investigativer Journalismus ist im Moment leider nicht besonders im Trend. Luc Debraine brachte es im gestrigen Editorial von «Le Temps» auf den Punkt: Investigativer Journalismus sei kurzfristig teuer und mit unzähligen Risiken für die Journalisten und die Unternehmen verbunden.

Es seien Risiken, die beide, Journalisten wie Medienunternehmen, immer seltener bereit wären, in Kauf zu nehmen. Zudem würden Informationen zunehmend aus PR-Gründen verweigert. Stattdessen platziere man immer häufiger die eigenen, wirtschaftlich oder politisch passenden Botschaften.

Wenn es aber keinen investigativen Journalismus mehr gibt, wer schützt dann den Staat – und damit uns – vor wohl konzertierten PR-Aktionen der fordernden Wirtschaft?

Und wer schützt uns vor willkürlich agierenden, staatlichen Behörden, wer gibt jenen eine Stimme, welche von den Behörden nicht gehört werden (wollen)?

Wer findet heraus, dass überrissene Löhne bezahlt werden und berichtet darüber? Die PR-Abteilungen der entsprechenden Unternehmen werden es wohl kaum tun…

Wer fragt nach, wie es mit den Bauern wirklich steht? Wer fragt nach, wieso ein Kühlhaus 14 Tage lang offensichtlich ohne entsprechende Löschvorrichtungen brennen kann, obschon sich darin angeblich eine grosse Menge Fleisch befindet?

Wer rechnet nach, wie hoch der Ausfall bei den Fluggesellschaften tatsächlich war, deren Flugzeuge in diesen Tagen auch weniger Treibstoff verbrauchten und auch nicht gewartet werden mussten und deren Fluggäste ihren Flug einfach nur verschoben, aber nicht ganz aufgehoben hatten?

Gibt es Alternativen?

Kein investigativer Journalismus zu haben ist ein «too big problem», um in einer immer komplexeren Welt mit immer professionelleren Kommunikationsmethoden seitens der Wirtschaft ignoriert zu werden. Einen anderen «Regulator» an dessen Stelle zu finden dürfte nämlich schwierig sein.

Hoffen wir daher, dass man an der Weltkonferenz des investigativen Journalismus, welche dieser Tage in Genf stattfindet, Rezepte findet, um diese wichtige Säule für einen gut funktionierenden, demokratischen Staat zu stärken.

Denn «too big» ist nicht jedes Problem, aber manches «echte» Problem ist offensichtlich «not too big», um von den Medien und von uns, der Öffentlichkeit, wahrgenommen zu werden…

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9 Antworten auf „Too big or not too big“

  1. Richtig Big ist dann der Brocken der womöglich in die Erde rasen wird, aber so „Bänkchen“ ehmm naja Peanuts gegen ein paar Kilometer grosser Brocken der uns trifft… Ist halt immer eine Sache des Blickwinkels, dieses too big or not too big… Und um auf Wirtschaft zurück zu kommen, also mir ist es zbs. egal ob die UBS Konkurs geht, habe nicht mal Kohle dort also who cares…Die Frage ist doch ehh wem würde es denn weh tun, für den ist es dann too big, für den Rest ist es irrelevant… Und wenn tatsächlich das ganze System zusammenbricht wenn eine einzige Bank Konkurs geht, nun hmm dann ist das System eben Schrott und muss neu konzipiert werden – die beste Gelegenheit um das bedingungslose Grundeinkommen und das Geld mit Ablaufdatum zu lancieren… Und letzteres unterbindet dann auch gleich den Gier-Faktor, der wahrscheinlich einer der Hauptbugs des Systems war…

    Ist momentan ohnehin grad so eine Gesellschafts-System-Bugfixing-Zeit, überall wird gerade versucht zu patchen was man kann… Mal sehen wohin das nun genau führen wird!

  2. bin mir nicht sicher, ob das warten auf den „investigativen journalismus“ das richtige rezept sein dürfte. denn:

    a) er, der zupackende, aufdeckende journalismus ist nahezu tot, von wiederbelebungsversuchen wird dankend abgesehen
    b) selbst wenn die informationen vorliegen – wo bleibt amigs der „aufschrei“ der informierten??

    also: nicht bloss auf das eher unrealistische warten, sondern das realitischerweise mögliche anpacken. vernetzen; „gegeninformation“ – wie in diesem blog – schaffen; wahltage endlich zu zahltagen werden lassen; hände aus dem (zu) zurückhaltenden schweizer hosensack nehmen und anpacken — kids und andere zum nach – denken einladen mit neuen plattformen. und akzeptieren, dass heutige regierungsformen mit heutigen realitäten kaum noch klar kommen können.

    titus und andere werden sicherlich noch ein paar gscheitere ideen parat haben, gell

    (uiuiui: das sagt einer aus dem inneren der medien…)

  3. @ Chris
    Ja, mir scheint die aktuelle Zeit auch etwas als «Gesellschafts-System-Bugfixing-Zeit», was sich auch in Andrés Aussge über die Überforderung der heutigen Regierungsformen widerspiegelt.

    @ André
    Das häufige (aber nicht ausschliessliche) Schweigen der journalistischen Gilde über die Probleme im Journalismus halte ich eben auch für einen Teil des Problems. Statt gezielt bestimmte Punkte kritisieren, anpacken oder verteidigen zu können bleibt einem dann nämlich nur die immer wieder pauschale Schelte gegen «die Journalisten» und gegen «die Medien». Das ist wenig effizient, denn davon fühlt sich niemand angesprochen.

    Auf die oben genannte Konferenz, welche hier genau das liefern könnte, wovon ich sprach, bin ich eher zufällig gestossen. Dem Medienkonsument dann noch die Bedeutung des investigativen Journalismus bewusst zu machen, dürfte auch nicht einfach sein…

  4. Lang ists her, dass ich das letzte Mal Blogs gelesen habe.
    Soll nicht wieder vorkommen…GUTER ARTIKEL.

    Der Punkt von André „selbst wenn die informationen vorliegen – wo bleibt amigs der “aufschrei” der informierten??“ gibt auch mir zu denken, obschon auch ich zu wenig aufschreie.

  5. @titus:
    gsehsch, titus: dein blog hat jemanden zum augenreiben gebracht – ob sich die mühen des bloggens doch „lohnen“…

  6. @ Fahnenflüchtling
    Und ich dachte schon, Du hättest Fahnenflucht begangen… 😉 Willkommen zurück in der Blogsphäre und insbesondere in der Augenreiberei!

    @ André
    Eigentlich sollte hier schon seit heute Morgen ein neuer Artikel stehen, aber eben: Die besagten Mühen verlangen vor allem einen zeitlichen Tribut. So wird es denn Abend.

    Und man bekommt dabei eine kleine Ahnung davon, wie aufwändig wohl investigativer Journalismus sein muss…

  7. Genau das Beispiel der fallen gelassenen Kartonfabrik Deisswil finde ich bezeichnend, wie Darstellung und Gegendarstellung sein müssen, um sich als Leser ein ausgewogenes Bild machen zu können. Die zu hohen CO2-Abgaben waren demnach nur Vorwand, die in diesen Tagen geschassten Argumente der Rentabilität zu kaschieren. Langfristige Investitionen sind halt einfach nicht sexy genug für die Shareholder. Die wollen einfach schnell viel Kohle sehen.

    Und während über die Nachwehen der „too big“ Institute geschwurbelt wird und die gscheiten SECO-Ökonomen bereits wieder optimistisch zum „Aufschwung beginnt im Kopf“ blasen, werden in den Abgrund segelnde KMUs nur mit Randnotizen bedacht.
    (z.B. WIFAG, Verhandlungen (mit Manroland) geplatzt: Weitere rund 200 Angestellte werden mit der Entlassung rechnen müssen.)

    Im gleichen Aufschwung-Atemzug aber schreibt das SECO auf seiner KMU Seite: „[…]Nie zuvor wurden in einem einzigen Monat so viele Firmenkonkurse verzeichnet. Mit 645 Konkurseröffnungen wurde im März 2010 ein neuer Rekordwert erreicht. Die Zunahme beträgt etwas mehr als 50%. […]“
    (Quelle:www.kmu.admin.ch)

    Tja, ist das Glas nun halb voll oder halb leer?

  8. Das Glas ist wohl halbvollleer und hat einige zümpftige Risse drin. Zudem misst jeder halt mit jenem Massstab, der für ihn am Vorteilhaftesten ist…

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